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Bahnhofstraße

auch Bahnhof Straße, Augsburg Bahnhofstraße; eine Augsburger Straße, die im 3. Stadtbezirk (Bahnhofs- und Bismarckviertel) und damit im Planungsraum I (Innenstadt) liegt

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Allgemeines

Die Bahnhofstraße Augsburg ist eine Geschäftsstraße, die den Hauptbahnhof mit der Innenstadt verbindet. Wer zu Fuß durch die Bahnhofstraße geht, kommt an verschiedenen Geschäften, Ärzten und Möglichkeiten zum Essen vorbei. Der Filialisierungsgrad der Geschäfte liegt bei ungefährt 50 Prozent und die Straße gilt als 1a-Lage auf dem Immobilienmarkt.

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Geschichte

Nachdem der Hauptbahnhof 1846 in Betrieb gegangen war, führte zur Stadt noch 23 Jahre lang nur das Pferseer Gäßchen. Es handelte sich um eine unbefestigte Straße durch Gärten und entlang des Katholischen Friedhofs. Sie war stellenweise nur drei Meter breit. Erst nach Abbruch des Gögginger Tores? entstanden im Jahr 1869 der Königsplatz und gleichzeitig die repräsentative Bahnhofstraße.

Die heutige Augsburger Bahnhofstraße hieß Pferseer Gässchen, weil sie zu dem damaligen Dorf Pfersee führte. Nach 1869 verbreiterte man das Gässchen bzw. den Landweg zur Bahnhofstraße und schuf somit eine Geschäftsstraße und ein Entree für Bahnreisende zur Stadt. Nach und nach belebte sich die Straße und wurde bebaut.

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Blick in die Augsburger Bahnhofstraße; Ansichtskarte gelaufen 1955; zur Verfügung gestellt von Thomas Werthefrongel, Stadtbergen

Details

Ecke Schaezlerstraße: Hier stand früher das Gebäude des Bayerischen Hofes. Dieses Hotel gehörte ab 1928 der jüdischen Familie Landauer?. Als sie es betrieben, hatte es 110 Betten und galt als modernstes Hotel in Augsburg. Unter anderem war hier 1931 der Schweizer Forscher Auguste Piccard mit seinem Assistenten Paul Kipfer zu Gast. Die beiden stellten im Mai 1931 mit einem Spezialballon der Firma Riedinger? einen Höhenweltrekord auf, indem sie 15.781 Meter, und damit in die Stratosphäre aufstiegen. Zurück auf dem Boden bereiteten ihnen die Augsburger vor dem Bayerischen Hof einen begeisterten Empfang. 1933 riefen SA-Wachen vor dem Bayerischen Hof zum Boykott des Hotels auf. Die Nationalsozialisten? hatten damit Erfolg, denn immer weniger Gäste besuchten das Hotel. So mussten die Brüder Landauer? 1934 ihr Hotel und ihr Kaufhaus am Königsplatz aufgeben. Anschließend verließen sie Deutschland, was ihnen wahrscheinlich das Leben inmitten der arischen Augsburger rettete. Der Zweite Weltkrieg führte zur kompletten Zerstörung des Hotels.

Bahnhofstraße 4: Dieses wirkungsvolle Eckgebäude ist im Stil der Neurenaissance? um 1890 gebaut und dient mit seinen vier Geschoßen als Wohn- und Geschäftshaus. Es weist gelbe Klinker und verputzte Gliederungen auf. Auch "Möhnle-Haus" genannt, wobei nicht bekannt ist, ob die Bezeichnung auf den Erbauer hinweist.

Bahnhofstraße 6: Auch dieses Gebäude ist ein Wohn- und Geschäftshaus. Wie Nummer 4 ist es um 1890 im Stil der Neurenaissance? errichtet worden. Es hat rote Klinker mit Zierkacheln.

Bahnhofstraße 7: Hier befand sich bis in die Nazizeit das Möbelgeschäft der jüdischen Geschwister Salomon Marx und Fanny Maendle. Sie mussten ihr Haus an die Stadt Augsburg verkaufen, um die „Reichsfluchtsteuer“ zu bezahlen. Doch das nutzte ihnen nichts: Die Nazis ließen sie nicht entkommen, sondern ermordeten sie in Theresienstadt und Auschwitz. Im Jahr 1970 zog hier der etwa 100 Jahre zuvor gegründete Verkehrsverein Region Augsburg e.V. ein. Der Verein hatte nicht immer den gewünschten Erfolg, wie z. B. die Münchner Neusten Nachrichten 1927 angesichts von damals etwa 13.900 Übernachtungsgästen in Augsburg zu berichten wussten: "Trotz der vorbildlichen Werbearbeit des Fremdenverkehrsvereins Augsburg ... hat der Fremdenverkehr noch bei weitem nicht den Umfang erreicht, der im Hinblick auf die Sehenswürdigkeiten der alten Reichsstadt eigentlich erwartet werden müsste. Viel zu dieser bedauerlichen Erscheinung trägt die für Augsburg immer noch mehr als ungünstige Verkehrslage bei, viel auch die Nähe zu München." Die Situation änderte sich für Augsburg nach dem Zweiten Weltkrieg kontinuierlich und die Übernachtungen von Städtetouristen stieg stetig an. Heute ist hier das FCA Café? zu finden.

Bahnhofstraße 10: Ein interessantes Gebäude mit vier Geschoßen, das als Wohn- und Geschäftshaus dient. Bedeutsam ist besonders das Rückgebäude, wo sich um 1900 der "Königliche Hoffotograf Siemssen" ansiedelte. Der Atelierbau des aus Lübeck stammenden Fotografen war freistehend und ein zwischen 1900 und 1905 errichteter Jugendstilbau, der einen fast quadratischen Grundriss und drei Geschoße hatte. Die Hauptfassade war einfarbig und zeigte floralen Putzdekor. Das Firmenschild wurde in verkupfertem Zinkguss ausgeführt. Zwei Freitreppen führten in das Atelier, wo der Gast von Warteräumen, einem repräsentativen Empfangsraum mit Wintergarten und Estrade begrüßt wurde. Das Erdgeschoß wies Glasmalereien auf, das Obergeschoß ein großes Glasdach mit Eisenkonstruktion und Glaswand. Hier war der imposante Atelierraum mit einem Schrägdach, damit genug Licht in den Raum fiel. Um die Jahrhundertwende war das der angesagte Ort für die "bessere Gesellschaft" sich fotografieren zu lassen. Gleich neben dem Atelier waren die Laborräume. Zwischen Erdgeschoss und Obergeschoss verlief ein elegantes zweiläufiges Treppenhaus. Im Dachgeschoß finden sich räume mit nördlichen Altanen. Wer der Architekt dieses besonderen Jugendstilhauses war, ist unbekannt. Das Gebäude, das auf die Konsummeile der Bahnhofstraße wirkt, weist roten Klinker, einen Erker mit Holzbedachung auf und wurde um 1890 im Stil der Neurenaissance? gebaut.

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Bahnhofstraße 11: Dieser Eckbau ist besonders beeindruckend und sollte nicht übersehen werden, wenn man durch die Bahnhofstraße schlendert. Schon immer waren hier Banken untergebracht. Das begann 1899, als die "Königliche Filialbank" aus der Annastraße hier in das gerade neu errichtete Gebäude einzog. Später waren es die "Bayerische Staatsbank" (nach der Abdankung Ludwig III.? 1918) und die "Bayerische Vereinsbank" und noch später die Hypo Vereinsbank?, die hier residierten. Das Gebäude selbst wirkt monumental. Geplant wurde es von dem Münchener Architekten Albert Schmidt in einem Stilmix aus Neubarock? und Neurenaissance?. Die Hausteinfassaden weisen reichen plastischen Schmuck auf. Viele der historisierenden Büsten beziehen sich auf die Geschichte Augsburgs. Um 1920 hat man das Gebäude um einen bogenüberfangenen Mittelrisalit und drei Fensterachsen östlich verlängert. Der Eckeingang tritt plastisch stark hervor und bezog sich auf die Wittelsbacher. Einst erhob sich hier die Büste des Prinzregenten Luitpold von Bayern?, umrahmt von einer Figurengruppe, die symbolisch Handel und Industrie darstellte. Doch dieser Schmuck wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Nur die Köpfe berühmter Augsburger an den Seitenfassaden überstanden den Zweiten Weltkrieg - und die Kartusche im Tympanon des Rundbogengiebels im ersten Obergeschoß.

Bahnhofstraße 12 und 12 1/2 sind Wohn- und Geschäftshäuser. Beide Häuser haben vier Geschoße und wurden um 1890 im Stil der Neurenaissance? gebaut. Die Nummer 12 ist verklinkert mit verputzter Gliederung, die Nummer 12 1/2 ist mit Klinkerdekorationen und Stuckreliefs geschmückt und wurde 1893 bezogen. Neubarock? ist dagegen das Haus Bahnhofstraße 14, das ebenfalls vier Geschoße hat, um 1890 gebaut wurde und Stückornamente sowie Klinkerdekoration aufweist.

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In der Bahnhofstraße 17 steht heute ein Betonkomplex aus dem Jahr 1971. Zuvor stand an dieser Stelle ebenfalls ein Gebäude aus der Gründerzeit?. 1880 hatte man hier das großzügige "Hotel zu den Drei Kronen" mit einer Kleinkunstbühne und einem gemütlichen Biergarten unter altem Kastanienbestand gebaut. Vor allem der Biergarten war bei den Augsburgern sehr beliebt. Bahnhofstraße 18 ist wieder Neubarock?, dient als Wohn- und Geschäftshaus, hat vier Geschoße und wurde um 1890 erbaut. Bahnhofstraße 18 1/5 nannten die Nazis "Judenhaus", weil hier jüdische Mitbürger lebten. Heute ist hier der Augsburger C&A?.

Gleich daneben erbaute der Stadtbaurat? Ludwig Leybold? das Wohn- und Geschäftshaus Bahnhofstraße 21. In den Jahren von 1866 bis 1891 prägte er die städtebauliche Entwicklung des Augsburger Westens. Er hat z. B. auch die Grundschule Sankt Anna und die Infanteriekaserne? in der Von-der-Thann-Straße? geplant und erbaut. Der dreigeschoßige Eckbau mit reichen Putzgliederungen wurde 1882 im Stil der Neurenaissance? errichtet. Nach dem Stadtbaurat? zog hier die Spedition Weißenhorn? ein. Der Putz besteht aus Romanzement. Es gibt ein Zwerchhaus und einen überkuppelten Eckerker, doch ist dessen Laternenabschluss verloren gegangen. 1989 hat man das Haus grundsaniert und dabei auch den Eingang verändert.

Die Bahnhofstraße 24 fällt etwas aus dem Rahmen, denn das Haus ist nur als Wohnhaus gedacht gewesen, als es 1860 - also sehr früh für die Bahnhofstraße - gebaut wurde. Es ist noch spätbidermeierlich als verputzter Traufseitbau gestaltet und hat vier Geschoße.

Bahnhofstraße 30 ist heute die Adresse der Viktoriapassage.

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Augsburger Bahnhof-Hotel; Ansichtskarte um 1930; zur Verfügung gestellt von Thomas Werthefrongel, Stadtbergen

Lage


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