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Badstuben

zwei Kabinetträume in den Fuggerhäusern; zu den mittelalterlichen Badstuben von Badern? in Augsburg siehe Badstube

Allgemeines

Kabinetträume dienten Sammlungen von Malerei?, Kunsthandwerk?, Antiken oder Naturalia. Sie waren in Augsburg ab dem 16. Jahrhundert bei Bürgern? beliebt, nachdem sie sich zuvor schon bei Adeligen verbreitet hatten. Auch Hans Fugger? ließ sich zwei Sammlungskabinette in seinem Gebäudeflügel am Zeugplatz? anlegen. Die beiden Räuem heißen Musensaal und Zodiakussaal. Irrtümlicherweise hat sich der Begriff "Badstuben" eingebürgert, obwohl diese Säle für die Unterbringung einer Bibliothek und einer Kunstsammlung gedacht waren und später als Repräsentationsräume genutzt wurden.

Geschichte

Die beiden Räume wurden unter Leitung von Friedrich Sustris (1540-1599) von 1569 bis 1571 (oder 1573) als Sammlungskabinette gebaut. Antonio Ponzano (gest. 1602), Alessandro Scalzi (gest. 1596) und Carlo Pallagio (1538-1598) gestalteten die Räume aus. Dort brachte Bauherr Hans Fugger? seine für die Renaissance typische Sammlung von Antiken und exotischen Kuriosa unter.

In den Jahren 1895 bis 1940 befanden sich hier und in der angeschlossenen Arkade der Treffpunkt des Kunstvereins und das Fuggermuseum?. Wie der Musensaal vor seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ausgesehen hat, ist auf Reproduktionen älterer Fotos aus dem Jahr 1941 zu sehen. Die Gelatinetrockenplatten eines unbekannten Fotografen sind im Bildarchiv des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege erhalten.

Die beiden Räume wurden zwischen 1996 und 2012 restauriert, unterstützt von der Messerschmitt Stiftung?. Die beiden Räume sind aus konservatorischen Gründen nur sehr eingeschränkt öffentlich zugänglich.

Details

Beide Kabinetträume liegen unter dem Bodenniveau der offenen Halle am Serenadenhof, was die Räume etwas repräsentativer macht. Das hat möglicherweise zu der Bezeichnung "Badstuben" für die beiden Räume geführt, die eigentlich falsch ist. Die Badstuben haben eine große kunsthistorische Bedeutung, weil sie ein frühes Beispiel für Kabinetträume nördlich der Alpen sind und mit der Groteskenbemalung und untersichtigen Fresken ungewöhnlich ausgestattet sind. Die gleichen Künstler, die hier tätig waren, staffierten auch das Antiquarium in der Münchener Residenz aus, das um 1600 vollendet wurde.

Musensaal

Der Musensaal liegt im westlichen Gebäudeteil des Erdgeschoßes am Zeugplatz? 7. Er ist größer als der Zodiakussaal. Das Ausstattungs- und Bildprogramm stammte von Friedrich Sustris. Die Bezeichnung "Musensaal" rührt von den kranzförmig den Raum umlaufenden neun Gewölbekappen, in denen Musen mit Groteskenverzierungen a secco dargestellt waren. An den Wänden des Raumes waren illusionistische Architekturmalereien mit antikisierenden Figuren und Ornamenten zu sehen. Die Themen der Deckenmalereien reichten in die Antike. Dazu kamen allegorische Figuren, die von ornamentalem Stuck umrahmt wurden.

Zur Erschaffenszeit befanden sich in den Lünetten italienische Marmorbüsten, die später jedoch verloren gingen und im 19. Jahrhundert durch Gipsabgüsse antiker Vorbilder ersetzt wurden. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Musenaal schwer zerstört, weshalb er nur fragmentarisch original erhalten ist. Das Bodeniveau des Raumes liegt wie beim benachbarten "Zodiakussaal" aus architektonischen Gründen tiefer als das der übrigen Räume, so dass diese beiden Räume bassinartig wirken.

Zodiakussaal

Der Zodiakus ist der Tierkreis. Wie im Palazzo del Té in Mantua liegt der Zodiakussaal neben dem Musensaal und ist mit diesem verknüpft. Es ist der kleinere Kabinettraum von Hans Fugger?. Er ist besser original erhalten als der Musensaal. Das Deckenbild zeigt "Abundantia", den Überfluss. Darum herum sind der Frühling mit seinen Blumen, der Sommer mit seinen Ähren, der Herbst mit seinem Weinlaub und der Winter, der sich am Feuer wärmt, dargestellt. In den Kartuschen der Stichkappen sind die Tierkreiszeichen dargestellt, wovon der Raum seinen Namen hat.

An den Wänden sieht man Landschaften mit Putten, Blumen, Faunen, Girlanden und Lilien (Wappen der Fugger) aus Terrakotta sowie Groteskenmalerei. Alles wirkt luxuriös - ähnlich wie die Prunkräume des Neropalastes, der 1506 in Rom entdeckt wurde. Man hielt sie für Grotten, weil sie unterirdisch lagen, weshalb die Malerei als grotesk bezeichnet wurde. Zufällig wurde 1571 bei Sankt Stephan ein römisches Mosaik mit Groteskmalerei gefunden, was möglicherweise für die Groteskmalerei im Zodiakussaal sorgte.

Lage


Weblinks


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