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Augsburger Liederbuch

eine bedeutende Musikhandschrift der Renaissance, die in Augsburg entstand und hier aufbewahrt wird; daneben wird auch die Handschrift Cgm 379 der Bayerischen Staatsbibliothek? in München als Augsburger Liederbuch bezeichnet, doch hier geht es um die in Augsburg aufbewahrte Handschrift

Allgemeines

Das Augsburger Liederbuch wird als ganz besonderer Schatz in der Augsburger Staats- und Stadtbibliothek unter der Bezeichnung Musikhandschrift 2o Codex 142 verwahrt. Es ist eine bedeutende Musikhandschrift der Renaissance.

Wer den Auftrag zu dem Liederbuch gab und wer genau die Schreiber waren, die an der Schrift arbeiteten, ist unklar. Vermutet wird die Augsburger Musikerfamilie Schubiger?. Ein Mitglied der Familie hielt sich am Gonzaga-Hof in Mantua auf. Weil im Augsburger Liederbuch die Texte „Mantuaner Dantz“ und „La Gambetta“ auftauchen, vermutet man, dass die Liederhandschrift auf die Schubigers? zurückgeht.

Das Augsburger Liederbuch beinhaltet sowohl hohe Kunst wie reine Gebrauchsmusik. Dazu kommt, dass manche der Notenschreiber Profis waren, andere eher ungeübt.

Die Sammlung beinhaltet kunstvolle Mottetten- und Liedsätze von angesehenen Komponisten aus dem Umkreis der Musiker von Maximilian I.?, der sich mit seiner Hofkapelle oft in Augsburg aufhielt.

Geschichte

Das Augsburger Liederbuch stammt aus der Zeit um 1500 und wurde wohl von Augsburger Bürgern? zusammengestellt. Zwischen 1505 und 1518 fertigten mehrere Schreiber die umfangreiche Musikhandschrift.

Das Augsburger Liederbuch zeigt ein hohes Niveau der Musikpflege im damaligen Augsburger Patriziat. Die Handschrift ist darüber hinaus ein wertvolles Dokument der städtischen Kultur zu Beginn des 16. Jahrhunderts.

Das Augsburger Liederbuch wurde Teil der Musiksammlung von Heinrich Herwart? (1520-1583) und kam von dort in die Stadtbibliothek Augsburg, die 1537 gegründet wurde.

2011 erschien das Liederbuch zum ersten Mal auf CD. Diese Ersteinspielung von Kompositionen des "Augsburger Liederbuchs" konnte durch die Unterstützung u.a. der Forum Alte Musik Augsburg, der Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung und der Augusta Bank? entstehen.

Das Liederbuch wurde im Rahmen eines Festkonzertes der Konzertreihe "Die Fugger und die Musik" im Oktober 2011 im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses präsentiert. Dabei wurde Vokal- und Tanzmusik aus dem Augsburger Liederbuch gespielt.

Details

Im Augsburger Liederbuch sind Vokal- und Tanzmusik der Renaissance verewigt. Die Komponisten sind unter anderem Jacob Obrecht, Josquin des Prèz, Alexander Agricola, Paul Hofhaimer, Heinrich Finck und Ludwig Senfl. Werke von Josquin des Prèz und Alexander Agricola sind allein hier mit ihren Werken überliefert. Auch manche Werke der anderen vertretenen Komponisten sind nur im Augsburger Liederbuch überliefert.

Die musikalischen Werke des Augsburger Liederbuchs sind vielfältig. Sie reichen von damals internationalen geistlichen Motteten und weltlichen Chansons über anonyme Vokal- und Instrumentalsätze bis hin zu Tänzen, die von den Augsburger Stadtpfeifern begleitet wurden.

Im Augsburger Liederbuch sind etwa 80 Stücke mit gebrauchsfähiger mehrstimmiger Notation erhalten, weshalb es bis heute als frühestes Zeugnis von mehrstimmigen Sätzen in Augsburg gilt. Man kann sich gut vorstellen, dass die Lieder, Chansons und Motetten im Rahmen der Hausmusik einer gebildeten Patrizier -Familie aufgeführt wurde.

Ein Liedtext-Beispiel lautet:

Allein dein Huld
Allein dein Huld gebiert die Schuld
mich gänzlich dir z'ergeben.
Was möglich mir und gfällig dir,
demselben will ich leben
Nach deinem Gmüet jedoch verhüet
klein Gnieß und groß Argwohnen!
Laß mich dein sein, lieblich du mein!
Tue rechter Treu verschonen!
Sei gscheit und klueg, nit saum und lueg
die Zeit nit leicht verlieren!
Bis fröhlich, frei begehr' dabei!
Laß dich keins Wegs verführen!

Handschrift Cgm 379

Die Handschrift Cgm 379 in der Bayerischen Staatsbibliothek? in München wird ebenfalls als Augsburger Liederbuch bezeichnet. Es handelte sich um eine Handschrift mit 97 Liedern, die 1454 von einem einzigen Schreiber mit den Initialen "m.k." angefertigt wurde. Sie enthält nur Lieder mit weltlicher Thematik die sich meist um die Liebe drehen. Die Liedformen sind durchgehend einfach, meist handelt es sich um Rollenlieder, die auf anonyme Autoren zurückgehen. Namentlich bekannt sind nur wenige Verfasser wie Oswald von Wolkenstein, Muskatblüt, Der Günzburger, Der Harder, Hans Hesselloher, Der Münch von Salzburg. Die Lieder finden sich zusammen mit Minnereden, Sprüchen, Rätseln und Schwänken sowie chronikalen Aufzeichnungen bis etwa 1478 in der Handschrift. Melodien sind nicht aufgezeichnet. Wahrscheinlich diente die Handschrift der Unterhaltung in einem Patrizier -Haushalt Augsburgs, wie das von anderen ähnlichen Handschriften, etwa dem Liederbuch der Clara Haetzler? bekannt ist.

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