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Augsburger Kammgarn-Spinnerei AG

Bei der Augsburger Kammgarn-Spinnerei AG, abgekürzt auch AKS, handelte es sich um eine der ältesten Textilfabriken moderner Prägung in Bayern. Heute Sitz des tim. Das Gebäude der ehemaligen Textilfabrik liegt im Augsburger Textilviertel.

AKS bzw. Textilmuseum Augsburg 2010 © Eva Stuhlmüller

Allgemeines

Von der ehemaligen Augsburger Kammgarn-Spinnerei sind heute vor allem noch die Shedhallen und das Kesselhaus von 1935 mit seinem 85 Meter hohen Schornstein prägend. Als Zeugnis der Augsburger Textilindustrie? steht das gesamte ehemalige AKS-Betriebsgelände mit seinen Produktions- und Nebengebäuden unter Denkmalschutz?. Aus der vorindustriellen Zeit steht der Färberturm unter Denkmalschutz, dazu das ehemalige Wasch- und Badehaus der AKS.

Das AKS-Gelände wird vom Schäfflerbach? durchzogen, der das AKS-Kraftwerk mit seiner Turbinenanlage speist und der Stromgewinnung dient.

Geschichte

19. Jahrhundert

In Nürnberg betrieb Johann Anton Friedrich Merz? eine Spinnerei namens Merz & Co., die mit Pferdkraft funktionierte. Die Firma lief schon zwei Jahre nach ihrer Gründung so gut, dass der Unternehmer sechs Wochen lang die eingehenden Aufträge ablehnen musste, weil er sie nicht bedienen konnte. Er entschloss sich zu einer Verdoppelung des Betriebs und suchte über eine Annonce einen geeigneten neuen Fabrikstandort: "Man sucht zur Errichtung einer Fabrik große Lokalitäten im Königreiche Bayern, mit Wasserkraft versehen und in einer an Holz oder anderem Brennmaterial reichen Gegend billig zu kaufen."

Im Jahr 1836 verlegte er diesen Betrieb nach Augsburg, um die Kosten zu optimieren. Weil er nicht mehr mit Pferdekraft arbeiten, sondern die Wasserkraft nutzen wollte, kaufte er die frühere Samassasche Tabakmühle? Bevor der alte Manufakturbau als Tabakfabrik benutzt wurde, war er eine "Catun"-Fabrik. In ihr errichtete Merz die erste Kammgarnspinnerei Augsburg, die 4.500 Spindeln hatte ("Friedrich Merz & Co."). Durch den Einsatz neuer Technologien kam es zu einem raschen Aufschwung der Firma, die 1845 in eine AG umgewandelt wurde. Keine andere Stadt in Bayern hatte so günstig Wasserkraft zu bieten wie Augsburg.

Im Jahr 1845 baute man eine neue Fabrikanlage am Schäfflerbach?. Es war das erste neue Gebäude, das im entstehenden Textilviertel gebaut wurde. Der Bau erinnerte in seiner Kargheit an englische Vorbilder industrieller Architektur. Er war die Keimzelle eines Betriebes, der sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer weitläufigen Fabrikanlage ausweitete.

Schon drei Jahre später bot man für die Arbeiter eine eigene Betriebskrankenkasse an, im gleichen Jahr, als das Kommunistische Manifest von Karl Marx veröffentlicht wurde. Damit hatte aber die soziale Ausrichtung des Unternehmens noch kein Ende gefunden: 1854 baute der Firmenchef eine Wohnsiedlung für Mitarbeiter und 1857 richtete er einen Unterstützungsfond für Erwerbsunfähige ein und 1879 wurde das Badehaus für die Arbeiter hochgezogen. Auch wurden eine Krankenstation und ein Kindergarten, betrieben von Diakonissen des Mutterhauses Gunzenhausen, einer Gründung des aus dem Elsaß stammenden technischen Vorstandes Ernest Mehl, und ein Altersheim für Werksangehörige eingerichtet. Die sozialen Maßnahmen sollten die Arbeiter an die Fabrik binden.

Das Unternehmen wuchs und wuchs. 1865 bot es etwa 1.000 Arbeitsplätze und hatte mehr als 20.000 Spindeln. Damit war es nach der Baumwollspinnerei am Stadtbach? das zweitgrößte Unternehmen in Augsburg. Bis 1900 entwickelte sich die Firma zu einem der bedeutendsten wollverarbeitenden Betriebe des Deutschen Reiches. Vor dem Ersten Weltkrieg zählte man 1.300 Arbeiter, 200 Webstühle und 95.000 Spinn- und Zwirnspindeln im Werk.

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Zwanzigstes Jahrhundert

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Dort, wo nach dem Zweiten Weltkrieg Shedhallen errichtet wurden, stand bis vor dem Ersten Weltkrieg der so genannte Selfaktorsaal. Self-Actoren waren recht frühe Spinnmaschinen, die von den Arbeitern wegen der mit ihnen verbundenen Unfallgefahr gefürchtet waren.

Der Erste Weltkrieg schädigte die Konjunktur für Kammgarn. Konkret bedeutete dies, dass während des Ersten Weltkriegs etwa Zweidrittel der Belegschaft Kurzarbeit leisteten. Weshalb zwischen 1914 und 1918 bei dieser Lage französische Kriegsgefangene in der AKS beschäftigt wurden, ist ein Rätsel. Doch schon bald nach dem Ersten Weltkrieg ging es mit der Firma wieder aufwärts. Man baute jetzt eine Färberei, um auch bunte Kammgarne herstellen zu können. So produzierte die Firma feinste Kammgarne, gefärbt und rohweiß für Web- und Wirkwaren. Bekannt war die AKS für die reinwollenen Damenkleiderstoffe wie Musseline, Popeline, Kaschmir, Serge und Gabardine. Um 1920 lieferten zwei Wasserturbinen mit je 75 PS und eine Dampfturbine mit 2.500 PS die Energie für die Fabrik.

1934 hätte die so genannte Faserstoffverordnung fast zur Stilllegung der AKS geführt.

1935 lieferte die AKS 2,7 Mio. Kilogramm Kammgarn. 2.400 Arbeiter stellten an 92.000 Spindeln Kammgarn her. Davon waren etwa 58 % Frauen.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden in der Firma Zwangsarbeiter aus Frankreich und aus dem Osten beschäftigt. Darüber hinaus befand sich auf dem AKS-Gelände eine Entbindungsstation für ausländische Zwangsarbeiterinnen, die in Augsburger Rüstungsbetrieben arbeiten mussten.

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Der Zweite Weltkrieg war für die Firma ein schwerer Schlag. Etwa 90 % der Fabrikanlagen wurden in der Bombennacht des Februar 1944 zerstört. Erst 1957 erreichte die Produktion wieder das Niveau vor dem Zweiten Weltkrieg. Vor allem die östlich des Schäfflerbachs? gelegenen Bereiche der Firma mit dem Spinnereihochbau erlagen den Bomben. Die westlich der Fabrikstraße gelegenen Sheds hat man in den 1950er Jahren als Dywidag-Schalensheds wieder errichtet. Die Sheds östlich der Fabrikstraße bis zum Schäfflerbach? wurden in der früheren Sägezahnbauweise wiedererrichtet. Darin befanden sich die Wäscherei, die Krempelei, die Kämmerei, die Strecksäle und die mechanische Werkstatt mit Schmiede. In dem einstöckigen Bau gegenüber dem neuen Kesselhaus war die Färberei mit ihren Büros und Labors im 1. Stock untergebracht. Der Westshed wurde teilweise schon im Krieg in der alten Bauweise wieder hergestellt, indem die Stahlträger der Dachkonstruktion aus dem Schutt gezogen, mit Schweißbrennern gerade gebogen und so wieder eingesetzt wurden. Dort waren die Ringspinnerei und die Self-Actoren untergebracht. Die beiden Wasserturbinen, eine auf dem Werksgelände, die andere außerhalb im Lotzbeckquartier?, wurden im Krieg ebenfalls zerstört und bald danach einschließlich Turbinenhaus wieder erneuert, und zwar auf dem Fabrikgelände durch eine Voith Turbine und einen gebrauchten Generator der Frankfurter Firma Garbe Lahmeyer. Die Shedbauten sorgten für eine gleichbleibende Temperatur und gleichmäßige Ausleuchtung der Fabrikhallen. Für die Produktion waren 22 Grad Celsius bei einer Luftfeuchtigkeit von 70-80 % ideal.

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So schnell es ging, nahm man den Betrieb in der Augsburger Kammgarnspinnerei nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf. Im Jahr 1973 ging die Aktienmehrheit an der Firma an Hans Glöggler?, dessen Textilfabrikverbund aber 1976 zusammenbrach, wodurch auch die AKS in Not geriet. Die BBV Holding AG übernahm zunächst die Aktienmehrheit. Drei unruhige Jahre wurden überbrückt, bis 1976 die Bayerische Landesanstalt für Aufbaufinanzierung und verschiedene Banken das neue Aktienkapital zeichneten.

In den 1980er Jahren arbeiteten etwa 1.000 Beschäftigte in der Firma. 1986 war man in Deutschland wieder Marktführer im Bereich Kammgarn. Damals arbeiteten 860 Beschäftigte an 56.000 Spindeln und stellten 6 Mio. Kilogramm Kammgarn her, der Umsatz des Jahres zuvor betrug 147 Mio. DM. Die Zeiten wurden aber immer schwieriger für das Werk. Zum einen veränderte sich die Mode: Man war dem Kammgarn nicht mehr gewogen. Hinzu kam der Druck von Seiten der Billiglohnländer.

Noch 1993 beschäftigte die AKS etwa 800 Menschen und war damals eine Tochtergesellschaft der Pegasus Beteiligungen AG Heidelberg. Vornehmlich belieferte die Augsburger AKS damals englische Webereien und die Autoindustrie.

Insolvenz und Umwidmung

1996 kaufte Ulrich Kikillus? 55 % der Aktien. Man reduzierte die Beschäftigten auf 320 im Jahr 1997.

Im Jahr 1998 begann man gezielt das Ende der Augsburger Kammgarn-Spinnerei einzuleiten. Man trennte sich von den Altlasten aus der betrieblichen Altersversorgung und verkaufte für 20 Mio. DM Grundstücke, Maschinen und Gebäude an die Fuldaer Mehler AG, es wurden etwa 40 Mitarbeiter entlassen und die AKS zahlte jetzt 3,6 Mio. DM Miete.

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2002 musste die Spinnerei Insolvenz anmelden, während die Färberei noch mit 90 Beschäftigten weiter arbeitete. 2004 musste dann auch die Färberei Insolvenz anmelden.

Nun begann die Phase der Umnutzung des Areals. Da ein einmaliges zusammenhängendes Gelände von Werksgebäuden erhalten blieb, das die Entwicklung der Augsburger Textilindustrie? dokumentiert, konnte sich die Augsburger Kammgarnspinnerei als Standort für das Bayerische Textil- und Industriemuseum tim durchsetzen. Auf dem Gelände siedelten sich Fremdfirmen (AKS-Firmenpark?) und Künstler an. Geplant wurde auch die Ansiedlung von Stadtarchiv? und Stadtarchäologie? auf dem Gelände. Jedenfalls versuchte die Stadt Augsburg, dem Gelände neue Impulse zu geben, so dass am Ende die Abkürzung AKS für Augsburger KulturSpeicher? stehen könnte.

Details

Das Produkt

Rohstoff für Kammgarn war zunächst langfaserige Wolle. Aus ihr wurde ein Garn mit einer glatten Oberfläche gesponnen: das Kammgarn. Man kämmte die Rohwolle oder Wollfasern. Dabei wurden kurze Faserstücke und Verunreinigungen aus dem Rohstoff entfernt. Die Fasern wurden mehrmals vorgestreckt, verzogen und gemischt, damit das entstehende Garn gleichmäßig wurde. Bei Kammgarn handelte es sich also schon von Anfang an um ein hochwertiges Garn.

In der vollstufigen Kammgarnspinnerei verarbeitete man hauptsächlich die Rohwolle von Merinoschafen aus Australien, Neuseeland und Südafrika, die besonders fein und langfaserig ist. Aus ihr wurde in einem vielstufigen Prozess über Waschen, Kämmen, Vergleichmäßigen das Kammgarn gesponnen, das entweder als Garn oder als Zwirn - mehrere Garnfäden miteinander verdreht - zu hochwertigen, feinen Stoffen für Herrenanzüge, Mantel- oder Damenkleiderstoffe teils in der AKS selbst, teils in deren Tochterfirma Werdener Feintuchwerke und von Herstellern in aller Welt - sogar in England - weiterverarbeitet wurde. Auch für Strickwaren wurde Kammgarn verwendet.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden zunehmend auch Kunstfasern, entweder rein oder in Mischung mit Wolle zu Kammgarn verarbeitet. Kammgarn entstand auch aus langstapeligen Chemiefasern, etwa Polyacryl, Polyamid, Aramid, Polyester, Polycolon. Auch Seide und andere Tierhaare wurden und werden verarbeitet.

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Das Areal

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Früher umfasste das Areal der AKS etwa 50 Hektar. Zum einen waren hier die Fabrikhallen und daneben auch die Arbeiterwohnungen, die als "Kammgarnquartier" bezeichnet wurden. Die Fabrikgebäude waren in mehreren Bauphasen entstanden. Vorrangig bestand die Fabrik aus Shedhallen.

Zunächst erstreckte sich die AKS rechts des Schäfflerbachs? an der Stelle einer Tabakmühle. Schon im 19. Jahrhundert aber erweiterte man das Gelände mehrfach nach Westen. Zu Zeiten der größten Ausdehnung wurde das Fabrikgelände von Provinostraße, Schäfflerbachstraße?, Prinzstraße? und Theodor-Wiedemann-Straße? umschlossen.

Nach der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg (25./26. Februar 1944) hat sich rechts des Schäfflerbachs? der Färberturm eines Vorgängerbetriebs, eine zweigeschoßige Holzkonstruktion mit Walmdach über gemauertem Sockel aus der Zeit um 1760, sowie das ehemalige Wasch- und Badehaus des Kammgarnquartiers erhalten. Auch das Pförtnerhaus mit dem alten Haupteingang blieb erhalten, in dem u. a. der Hauptpförtner gewohnt hat, sowie gegenüber die Kantine, von der nur das Obergeschoß abgebrannt war, die Küche, Speiseräume und die Metzgerei im Erdgeschoß blieben ebenfalls unversehrt und wurden sehr bald durch ein Nagelbinderdach wieder voll funktionsfähig. Im ebenfalls schnell wiedererrichteten Kopfbau an der Provinostraße wurde im ersten Stock das technische Büro und im zweiten Stock die Wohnung des Kantinenwirts eingerichtet.

Das ehemalige Wasch- und Badehaus der Arbeitersiedlung der Kammgarnspinnerei ("Kammgarnquartier") wurde mit barockisierender Putzgliederung 1879 von Jean Keller geplant und errichtet. Es steht in der Schäfflerbachstraße? 30.

Links des Schäfflerbachs? wurden durch die Bomben im Zweiten Weltkrieg die Firmengebäude ebenfalls weitgehend zerstört, jedoch in den 1950er Jahren im Bestand erneuert, indem man auf den erhaltenen Außenmauern wieder aufsetzte. Wo die Mauern der alten Holzdachsheds noch standen, wurden sie bis auf den jetzt abgerissenen Westshed durch die neue Dyckerhoffshedkonstruktion überdacht, das alte Kesselhaus erstand äußerlich orginal wieder, im Inneren wurden die Holzwerkstätten eingerichtet und das technische Magazin. Die "Basilika" (diese Bezeichnung wurde damals noch nicht gebraucht) wurde ebenfalls äußerlich nicht verändert und beinhaltete die Wollsortierung. Lediglich das Ballenhaus wurde als Beginn des nach dem Krieg erstmals in der Hintereinanderfolge der Produktionsschritte organisierten Produktionsablaufes anstelle des vormaligen Verwaltungsgebäudes neu errichtet, weswegen die Produktionsgebäude auf dem östlichen Betriebsgelände nicht mehr benötigt wurden. Dort wurde stattdessen das neue kaufmännische Verwaltungsgebäude errichtet. Die technische Verwaltung zog ca. 1951 in das 1. Stockwerk des dem alten Kesselhaus gegenüberliegenden, ebenfalls neu errichten Gebäudes, in dessen Erdgeschoß die Kantine mit Küche und Speisesaal einzog. Dort waren an den Wänden unter den drei Bögen des Dyckerhoffsheds Fresken des Münchener Kunstmalers Gustav Eyer aufgebracht, die das alte Augsburg nach einem Merianstich von 1490 darstellten.

Im neuen Kesselhaus wurden ungefähr 1956 auch ein neuer Dampfkessel und eine neue Dampfturbine, beide von der MAN, aufgestellt. Das Turbinenhaus, nördlicher Teil des Kesselhauses, im Krieg ebenfalls zerstört, war wieder instandgesetzt worden, eine der beiden Entnahmedampfturbinen ebenfalls. Auch der Kopfbau, in dem heute das Bayerische Textil- und Industriemuseum - tim untergebracht ist, war nach dem Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, die östliche Nordwand war durch den Luftdruck von Sprengbombenexplosionen nach außen vorgewölbt.

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Historisch bedeutsam sind noch das alte Dampfmaschinenhaus, 1893 von Jean Keller entworfen, das große Dampfturbinenhaus von 1912 (mit technischer Ausstattung), das große Kesselhaus von 1911, das 1927/28 und 1935 erweitert wurde (mit technischer Ausstattung), das Westshed von 1933 und Reste der zugehörigen Einfriedung.

Die „Alte Schmiede“ (das alte Dampfmaschinenhaus, auch „Altes Kesselhaus“ genannt), Am Färberturm 12, diente der Energieversorgung der AKS und wurde 1851 von Jean Keller errichtet. Nachdem 1912 ein Dampfturbinenhaus gebaut worden war, in dem man Dampfturbinen als Energielieferer einsetzte, fand die „Alte Schmiede“ aber weiterhin Verwendung, doch nutzte man sie nicht mehr zur Energiegewinnung. Zunächst wurde das Gebäude zur Schmiede der Anlage, woher auch der Name „Alte Schmiede“ stammt. Später nutzte man sie als Dreherei und Schreinerei. Die Alte Schmiede der AKS ist als Einzelbaudenkmal in der bayerischen Denkmalliste zu finden. Bei ihrer Sanierung mussten in Abstimmung mit dem Stadtplanungsamt? und der Denkmalsbehörde? historische Gestaltungs- und Konstruktionselemente erhalten werden, die dem Gebäude ihren historischen Wert geben. So wurden die historischen Klinkersichtfassaden im Süden, Westen und Norden nach den Fachvorgaben saniert und restauriert, später eingebaute Geschossteilungen aber neu gestaltet. Weil man die im Osten angrenzende Shedhalle abbrach, lag die Ostfassade der Alten Schmiede frei. Sie wurde in Abstimmung mit dem Denkmalschutz neu gestaltet. Das Industriedenkmal ist voll unterkellert, die Warmwasser- und Heizungsversorgung erfolgt über Fernwärme. Ungewöhnlich ist die lichte Raumhöhe, die bis zu 3,80 Meter reichen kann, was eine großzügige und offene Wirkung vermittelt.

In der Provinostraße 45/47 haben sich zwei ehemalige Direktorenvillen der Augsburger Kammgarnspinnerei erhalten. Die Direktorenhäuser Nr. 45 und 47 waren ebenfalls im Februar 1944 während des Bombenangriffs auf Augsburg zerstört worden. Das Haus Nr. 47 war zweistöckig, d. h. Erdgeschoß plus 2 Stockwerke (mit Aufzug), und wurde nur einstöckig wieder aufgebaut, wobei die klassizistische Fassade wiederhergestellt wurde (Bezug im Dezember 1946). Es sind Bauwerke der Neurenaissance, 1869 von Karl Albert Gollwitzer? gebaut. Vor den ehemals drei Direktorenvillen entlang der Provinostraße befand sich ein gußeiserner Stakettenzaun, der ebenfalls von Gollwitzer stammte und typisch für ihn war, aber leider entfernt wurde.

Beide Häuser sind teilweise verändert. In beiden Gärten standen hölzerne Jugendstil-Gartenpavillons aus dieser Zeit, der von Nr. 47 wurde in den Botanischen Garten in Augsburg versetzt und wieder instandgesetzt. Er hatte im Krieg nur seine bunten, ornamentierten Glasscheiben verloren, die jetzt durch einfache bunte Glasfenster ersetzt sind. Der Pavillon von Nr. 45 wurde nach 1960 abgerissen. Im Garten von Nummer 47 steht ein Gartenpavillon aus dieser Zeit und die zugehörige Einfriedung. Das Waschhaus dazwischen hatte im 1. Obergeschoß auf der Ostseite die Wohnung des Obergärtners, in der Wohnung auf der Westseite waren im Krieg Wehrmachtsoffiziere einquartiert. Im Erdgeschoß befand sich auf der Ostseite ein kleines, fernbeheiztes Schwimmbad und die Waschküche mit einer großen elektrischen Waschmaschine und Schleuder neben einem älteren, dampfbeheizten Kupferwaschkessel. Es wurde erst nach 1960 einstöckig wieder aufgebaut. Dies gilt auch für die Veränderungen an den Häusern Nr. 45 und 47 (Wintergärten, Balkone, Dachgiebelfenster, außen liegende Eingangstreppe etc.).

Vor allem der nördliche Teil des Fabrikgeländes ist historisch bedeutsam, denn er wurde von Jean Keller in repräsentativer Weise gegen Ende des 19. Jahrhunderts gestaltet: das Waschhaus, das Dampfmaschinenhaus, das Sortierungsgebäude in Form einer Basilika und der als Fabrikschloss gestaltete Kopfbau der Nordwestsheds.

Sonstiges

Augsburger Localbahn

Zweimal täglich fuhr die Augsburger Localbahn mit so genannten "Kammzügen" in das Gelände der AKS. Auch der Transport zwischen den einzelnen Produktionsstätten der Kammgarn-Spinnerei wurde von der Augsburger Localbahn bewältigt.

Lage


Weblinks


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