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Augsburger Huhn

einzige einheimische Hühnerrasse Bayerns

Allgemeines

Das Augsburger Huhn wird als robust beschrieben. Es hat sich gut an die manchmal rauen klimatischen Bedingungen der schwäbisch-bayerischen Hochebene angepasst. Besonderes Merkmal des Augsburger Huhns ist der so genannte Becher- oder Kronenkamm. Beim Augsburger Huhn beginnt der Kamm vorne am Schnabel einfach, teilt sich jedoch nach dem 1. oder 2. Zacken und vollendet sich hinten in einer „Krone“. Zum rubinroten Becherkamm passend wirken die mittelgroßen roten Kehllappen, die ovalen, weißen Ohrscheiben und das schwarze Gefieder mit schillerndem Grünglanz.

Weil das Huhn ein so prachtvolles Tier ist, wird es auch als Schönheitshuhn gezüchtet.

Geschichte

Gezüchtet wurde das Augsburger Huhn um 1870 (nach anderen Quellen um 1880) von Julius Meyer, der in Haunstetten die französische Rasse La Fleche mit italienischen Lamotta-Hühner kreuzte. Julius Meyer war Mitinhaber der Wachstuchfabrik Meyer und Mittler (später "Chemische Fabrik Haunstetten"), zu deren Erinnerung die Wachstuchstraße ihren Namen tragen soll (doch gibt es auch eine andere Herleitung des Namens der Straße; siehe unter Wachstuchstraße).

Zuerst verbreitete es sich in und um Augsburg, dann in Bayerisch-Schwaben, darüber hinaus und bis in den Schwarzwald hinein.

1902 empfahl der landwirtschaftliche Bezirksausschuss Augsburg für den Bezug von Bruteiern und Junggeflügel des Augsburger Huhns u. a. Julius Meyer aus Haunstetten. Und im April 1904 gab der schwäbisch-bayerische Kreisverband für Geflügelzucht verschiedene Zuchstationen bekannt, u. a. auch Julius Meyer. Weil es nicht möglich war, Hühner mit dem Hauptrassemerkmal, dem eigenartigen Kamm, reinerbig zu züchten, nahm der bayerische Landwirtschaftsrat seine Zuchtempfehlung 1905 zurück und das Huhn durfte von den Zuchtstationen nicht mehr verbreitet werden. Trotzdem gab man im April 1908 Julius Meyer nochmals als Züchter für Augsburger Hühner bekannt.

Trotzdem bliebt das Augsburger Huhn beliebt. So inserierte z. B. 1911 Karl Sporer, Herausgeber der ehemaligen Haunstetter Zeitung?, dass er "frische Bruteier von Augsburger Hühnern, nicht über 3 Tage alt" zu hohen Preisen ankauft. Und im Mai 1914 bot Julius Meyer Bruteier dieser Hühner an, das Stück zu 10 Pfennigen oder ein Brutei für zwei frische Hühnereier.

Nach dem Tod von Julius Meyer wurde die Wachstuchfabrik aufgegeben. 1938 versteigerten seine Erben das Anwesen an der Königsbrunner Straße?, etwa bei der Abzweigung der Drusus-? bzw. Wachstuchstraße. Weil in dieser Zeit der Bestand des Huhns ziemlich zurückging, verschrieb sich um 1940 der "Sonderverein der Züchter des Augsburger Huhnes" dem Erhalt des Federviehs.

Bis in die 1960er Jahre war das Augsburger Huhn verbreitet und beliebt, doch änderte sich das mit dem Aufkommen der Hochleistungsrassen rasant. Um 1990 war es fast ausgestorben.

2005 gab es offiziell nur noch etwa 200 Exemplare des Augsburger Huhns.

Auf der Slow Food Messe in Stuttgart, die im April 2012 stattfand, konnten die Besucher das Augsburger Huhn sehen.

Details

Das Augsburger Huhn ist ein so genanntes Zweinutzungshuhn. Zwar hat es mit durchschnittlich 150-180 weißschaligen Eier pro Jahr eine ordentliche Legeleistung, mit den heutigen Hochleistungshühnern kann es jedoch nicht mithalten. Auch bei der Futterverwertung kann das Augsburger nicht mit konventionellen Masthähnchen konkurrieren, das Schlachtgewicht bei extensiver Haltung wird erst nach mehreren Monaten erreicht.

Das Augsburger Huhn gilt als gefährdet. Nur dem jahrzehntelangen Einsatz des Sonderzuchtvereins Augsburger Huhn? um seinen Vorsitzenden Anton Schneider ist es zu verdanken, dass es heute noch Augsburger Hühner gibt. Der Verein will Verbraucher über die kostenintensive Haltung dieser Landhuhn-Hühnerrasse aufklären, damit höhere Erlöse erzielt werden können und das Huhn sowohl für die Landwirte als auch die Konsumenten wieder attraktiv wird.

Der Geschmack des Augsburger Huhnes wurde schon vor über hundert Jahren gerühmt: „Die Vorzüge, welche man diesem Kreuzungsprodukt nachrühmt, sind: im Eierlegen gleichwertig mit dem Italienerhuhn, in Fleischproduktion den französischen Rassen nicht nachstehend und das Fleisch selbst von gutem, saftigen Geschmack.“

Das Augsburger Huhn soll eigenwillig und freiheitsliebend sein. Gerne sitzt das Huhn auch einmal in den Bäumen, fliegt über Zäune und eignet sich nicht für intensive Haltung in großen Gruppen. Eine extensive Freilandhaltung mit viel Bewegung und gutem, abwechslungsreichen Futter sorgen für etwas dunkleres Fleisch, das sehr saftig ist und an den Geschmack von Wildgeflügel erinnert. Die Eier sind weißschalig, haben tiefgelben Dotter und haben einen vorzüglichen, intensiven Eiergeschmack. Eine wirtschaftliche Zucht ist schwierig, weil sie eine extensive, artgerechte Haltungsform erfordert und das Wachstum langsam von statten geht. Dazu kommt hochwertiges, gentechnikfreies Futter.

Alles das zeigt: Das Augsburger Huhn ist ein Huhn für die kleinbäuerliche Haltung, für Liebhaber, denen der Erhalt dieses bayerisch-schwäbischen Beitrags zur Artenvielfalt am Herzen liegt.

Sonstiges

2011 wurde das Augsburger Huhn Passagier der Slow Food Arche des Geschmacks. Slow Food ist eine weltweite Vereinigung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, eine verantwortliche Landwirtschaft, eine artgerechte Viehzucht sowie das traditionelle Lebensmittelhandwerk zu fördern und setzt sich für die Bewahrung der regionalen Arten- und Geschmacksvielfalt ein. In die Arche des Geschmacks werden traditionelle, regionale Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen aufgenommen, um sie vor dem Vergessen zu bewahren. Das bedeutet, dass die Rasse einen wertvollen Beitrag zur Geschmacksvielfalt und Biodiversität leistet.

Die Augsburger Slow Food Gruppe? bemüht sich das Huhn wieder einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.

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