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Archäologie in Augsburg

Allgemeines

Bisher wurden in Augsburg zwar keine spektakulären Funde aus der Antike geborgen, aber immerhin schon so Bedeutendes, dass man das Römische Museum einrichten konnte und sich mit den Funden im europäischen Umfeld sehen lassen kann. Besonders im Bereich Am Pfannenstiel? hat man in jüngster Zeit einiges entdeckt, was aber noch nicht veröffentlicht wurde.

Ohne anzugeben kann man sagen, dass in Augsburg noch vieles aus der Römerzeit? im Boden verborgen liegt und auf Archäologen wartet. Schließlich war Augusta Vindelicum? keine unbedeutende Stadt.

Die Augsburger Archäologie widmet sich aber nicht nur der Antike, sondern hat auch spätere Zeiten im Blick, etwa das Mittelalter oder die Frühe Neuzeit. Dabei werden wertvolle Erkenntnisse zur Stadtstruktur gewonnen, die manches erklären können, anderes bei modernen Umgestaltungsmaßnahmen neu sehen lassen.

Geschichte

In Augsburg und Umgebung gibt es eine Vielzahl archäologischer Fundstellen von der Jungsteinzeit bis in die Neuzeit. Um unersetzliche Bodendenkmäler zu sichern, gründete die Stadt Augsburg 1978 die Stadtarchäologie. Sie wurde damals als Abteilung des Römischen Museums der Städtische Kunstsammlungen? gegründet.

In den Jahren 2008 und 2009 gruben etwa 20 Archäologen auf dem Gelände der Diako-Klinik? nach römischen Überresten, wurde doch unter dem Krankenhausgelände ein römischer Friedhof entdeckt. Mit 350.000 Euro beteiligte sich die Evangelische Diakonissenanstalt? bis 2009 an der Finanzierung der Grabungen unterhalb des neuen OP-Trakts und Erweiterungsbaus. Bis zum Ende der Bauarbeiten rechnet die Anstalt mit etwa einer Million Kosten. Bei den Personalkosten der Ausgrabungen half die Stadt Augsburg mit einem 50%igen Kostenanteil.

Das gefundene Gräberfeld war durch eine Friedhofsmauer von der Stadt getrennt, die Gräber richteten sich an einer Straße auf der heutigen Linie der Fröhlich-? und Bahnhofstraße aus. Es gab auf dem Friedhof sowohl Gräber für Reiche mit Pfeilern oder Türmen wie auch für Arme mit Holzplatten.

Geborgen wurden gut erhaltene Skelette, Schmuck, Schalen, Krüge und andere Grabbeigaben. Mn entdeckte einen Verbrennungsplatz für Leichen aus dem 1. Jhrdt. n. Chr. und sogar etwa 250 Münzen aus der Zeit um das Jahr 0. Festgestellt wurde, dass die Leichen bis ins zweite Jahrhundert verbrannt, danach in der Erde bestattet wurden.

Im Mai 2015 erhielt die Stadt Augsburg von der Landesstiftung für das archäologische Zentraldepot 170.000 Euro zur Sanierung der ehemaligen AKS-Hallen.

Im Mai 2017 war das neue archäologische Zentraldepot auf dem Gelände der ehemaligen Augsburger Kammgarnspinnerei fertig gestellt, nachdem schon im März 2017 der Umzug der Stadtarchäologie begonnen hatte Neben dem großen Hauptmagazin mit seiner zweigeschoßigen Fahrregalanlage erhielt das neue Depot auch Sondermagazine wie etwa im Untergeschoß für die Steindenkmäler oder Metallobjekte, die spezielle Klimabedingungen erforderten. Neben dem Textil- und Industriemuseum sowie dem Stadtarchiv Augsburg war das Stadtarchäologie-Depot der letzte Baustein des Augsburger Kulturgutspeichers auf dem AKS-Gelände.

Details

Die Stadtarchäologie pflegt u. a. die Bodendenkmäler in der Stadt und setzt sich für die Erhaltung der Denkmalsubstanz ein oder bereitet Ausgrabungen vor und führt sie durch. Ausgrabungen sollen die Zeugnisse der Vergangenheit für künftige Generationen erhalten.

Das Team der Stadtarchäologie umfasst etwas mehr als zehn Personen und führt mehrtägige Baubeobachtungen bis hin zu Großprojekten durch, die mehrere Jahre dauern können. Im Hauptblickfeld der Stadtarchäologie liegt natürlich die Römerstadt in der Augsburger Innenstadt?. Ihre archäologische Erforschung kann auf die längste Tradition zurückblicken. Doch obwohl die ehemalige Provinzhauptstadt zu den am längsten besiedelten Plätzen der Römerzeit in Deutschland gehört, gibt es im öffentlichen Straßenraum kaum römische Relikte zu sehen. Das liegt daran, dass die meisten Römerbauten bis zu sieben Meter tief unter der mittelalterlichen und neuzeitlichen Bebauung liegen. Die Überbauung erschwert die Ausgrabungstätigkeit der Stadtarchäologie. Ähnlich wie in den Römerstädten Regensburg? und Kempten, aber auch in Trier, Köln oder Mainz, ist eine systematische Grabungsarbeit deshalb kaum möglich. Dazu kommt, dass man in Augsburg römische Bauten oft bis auf die Grundmauern abgebrochen hat, um Baumaterial zu gewinnen. Selbst die fein gearbeiteten Mosaikfußböden römischer Thermen und Villen wurden zerschlagen, um an die begehrten (in der Größe normierten) Ziegel der Hypokaustenheizungen zu kommen.

Man kennt allerdings die Lage der Thermen, der Markthalle und weiterer Bauten, welche die Provinzhauptstadt am Lech zierten. Und dies, obwohl in Augsburg römische Mauerreste lediglich an wenigen Stellen wie den archäologischen Fenstern zu besichtigen gibt.

Neben der Römerzeit erforscht die Stadtarchäologie aber auch andere Epochen der Stadtgeschichte. So z. B. begleitete die Stadtarchäologie in den südlichen Stadtteilen den Ausbau der dortigen Industrie- und Gewerbeflächen sowie von Wohngebieten. Dabei ist inzwischen ein beträchtlicher Bestand von Funden vom Endneolithikum bis zur Spätlatènezeit gesichert worden.

Viele gefundene Relikte früherer Zeiten lagern in verschiedenen Depots, die über die ganze Stadt verteilt sind. Viele dieser Übergangslösungen entsprechen nicht den Bedingungen, die für den Substanzerhalt der Grabungsergebnisse nötig wären. Geplant war, die Grabungsergebnisse in einem zentralen Depot im Textilviertel unterzubringen, was aber aufgrund der städtischen Haushaltslage bisher nicht möglich war. Und so sind die Funde bisher nicht erforscht und haben für die Wissenschaft kaum Wert.

Weblinks


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