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Amerikaner in Augsburg

Zwischen 1945 und 1998 gehörten Amerikaner zum Augsburger Stadtbild und hatten zeitweise einen Bevölkerungsanteil von über zehn Prozent.

Allgemeines

Augsburgs Amerikabild

In der Frühen Neuzeit fand Amerika als neu entdeckter Kontinent in Augsburg großes Interesse, wie Druckerzeugnisse des 16. Jahrhunderts aus Augsburg zeigen. Nachrichten aus Amerika interessierten vor allem die humanistischen Gelehrten und Händler in Augsburg. In den Druckwerken sieht man, welche Hoffnungen, Ängste und Ordnungsvorstellungen die Augsburger Elite mit Amerika verband. Auch wenn sich ein differenziertes Bild von Amerika ergab, in allen Schriften wurde die eingeborene Bevölkerung als führungs- und missionierungsbedürftig angesehen.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts entwickelten sich in Augsburg Ansätze der Amerikakunde. Zum einen über den Jesuitenorden?, zum anderen über Samuel Urlsperger?, ein pietistischer Theologe, der Kontakte nach Georgia hatte. Salzburger Emigranten wanderten in den 1730er-Jahren mit Hilfe Augsburger Protestanten und des Theologen Samuel Urlsperger? in den Süden der USA aus, wo sie die Kolonie Ebenezer gründeten. Johann Adam Treutlen, der 1777 zum ersten Gouverneur von Georgia gewählt wurde, war einer dieser Emigranten.

Im 19. Jahrhundert gab es Migration aus Bayerisch-Schwaben, die damals nicht immer nur auf Armut zurückzuführen war. Meist kamen die Migranten aus weniger industriellen Zentren und waren sogar relativ wohlhabend. Oft blieben über den Atlantik Kontakte zwischen neuer und alter Heimat bestehen.

Augsburgs amerikanische Erfahrung

Mehrere Hundertausend Amerikaner lebten von 1945 bis 1998 in Augsburg. Zu manchen Zeiten stellten sie zehn Prozent der Augsburger Bevölkerung. In den ersten Nachkriegsjahren waren sie zunächst ehemalige Kriegsgegner und Besatzer. Nach und nach wurden sie zu Verbündeten, zu Nachbarn, am Ende zu Freunden, Verwandten und Arbeitskollegen. Sie integrierten sich in den Augsburger Alltag.

Die ersten Begegnungen mit amerikanischen Truppen in Augsburg 1945 waren Begegnungen mit einer „relativ humanen Armee“. Kindern gegenüber verhielten sich die Amerikaner nachsichtig und hilfsbereit, was sie Vertrauen und Menschlichkeit erfahren ließ, wie sie es in der NS-Diktatur nicht kennengelernt hatten. Auch dieses Verhalten der Amerikaner trug dazu bei, die Grundlage für die junge deutsche Demokratie zu schaffen.

Die Amerikaner waren während der Aufbaujahre der deutschen Demokratie Vorbild. Junge Deutsche zog die amerikanische Pop-Kultur an. Später wurden sie während des Vietnam-Krieges oder zu Zeiten des NATO-Doppelbeschlusses für manche Jugendlichen auch zum politischen Gegner. Nach dem Fall der Mauer wurde die Präsenz der US-Truppen auch in Augsburg überflüssig.

Geschichte

Nach dem Zweiten Weltkriegs ließen sich US-Militärs in Augsburg nieder. Die letzten GIs verließen 1998 nach 53 Jahren Augsburg. Während dieser Jahre war Augsburg eine der größten amerikanischen Garnisonen in Süddeutschland?.

Halle 116 in der Sheridan-Kaserne war die frühere Luftnachrichtenkaserne der Deutschen Wehrmacht. In ihr hatte gegen Ende des Krieges die SS ein Außenlager der Konzentrationslagers Dachau untergebracht. Sie setzte vor Einnahme Augsburgs durch die Amerikaner etwa 2000 Häftlinge Richtung Süden in Marsch, die am 27. April 1945 von der US-Armee in Klimmach? bei Schwabmünchen befreit wurden. Am nächsten Tag beendete die 3. US-Infanteriedivision die NS-Diktatur in Augsburg und setzte einen Militärgouverneur ein: Die Besatzungszeit Augsburgs begann.

Im Mai 1946 ließen die Amerikaner die Augsburger erstmals seit der NS-Diktatur einen Stadtrat wählen.

Es war der Korea-Krieg (1950–1953), der massive Stationierungen von US-Truppen in Augsburg auslöste. Die US-Armee belegte die im Zweiten Weltkrieg nur leicht beschädigten Wehrmachtskasernen und fasste sie in Pfersee zur Sheridan-Kaserne und in Kriegshaber zur Reese-Kaserne und Flak-Kaserne? zusammen. Diese Kasernen ließen im Umfeld so genannte Housing Areas für die Familien der Soldaten entstehen: Centerville, Cramerton?, Sullivan Heights? und Fryar Circle?. Ihre Infrastruktur war auf rein amerikanische Bedürfnisse ausgerichtet. PX?, Commissary? und ähnliche Einrichtungen prägten „Little America“ in Augsburg. In den 1950er Jahren bestand in Augsburg die größte geschlossene amerikanische Siedlung in Westdeutschland.

Daraus folgte große wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung. Neben amerikanischen beschäftigte die US-Armee auch deutsche Zivilarbeiter und die Soldaten selbst entwickelten sich aufgrund des anfangs günstigen Dollarwechselkurses zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Die lockere Lebenseinstellung der Amerikaner wurde nach den Jahren der Diktatur von den deutschen Jugendlichen nachgeahmt und amerikanische Mode und Musik entwickelten sich zu Symbolen der Freiheit.

Ab der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik kamen partnerschaftliche Kontakte zustande, die man z. B. bei den jährlichen deutsch-amerikanischen Freundschaftswochen pflegte. Auch das Deutsch-Amerikanische Volksfest führte zu innigeren Beziehungen, die hin und wieder vor das Standesamt? führten.

Als die Berliner Mauer 1989 fiel und der Ost-West-Konflikt endete, gab es keinen Grund mehr für die Stationierung der US-Truppen in Augsburg. Zwar wurde 1991 wegen des ersten Irakkrieges die Truppenstärke der Amerikaner noch einmal kurzzeitig erhöht, doch wurden die US-Streitkräfte danach Schritt für Schritt aus Augsburg abgezogen.

Mehr als ein Jahrzehnt nach dem Abzug der Amerikaner sammelten Studierende des Fachs Geschichte der Universität Augsburg in Archiven, bei Vereinen und Verbänden sowie bei Privatpersonen fotografische Spuren des amerikanischen Lebens in Augsburg. Obwohl die US-Soldaten und ihre Angehörigen von 1945 bis 1998 das Stadtbild prägten, verblasste nach der Konversion der ehemaligen US Kasernen- und Wohnanlagen, die Erinnerung an die Amerikaner schnell.

"Amerikanisches Leben in Augsburg" hieß eine Ausstellung, die zwischen März und April 2012 Historiker der Universität Augsburg in der Stadtbücherei anhand von über hundert Fotodokumenten aus einem halben Jahrhundert US-Militärpräsenz in Augsburg veranstalteten.

Details

Die Amerikaner nahmen massive bauliche Veränderungen im Stadtbild durch eigene Wohngebiete für bis zu 2.000 amerikanische Familien vor, was anfangs argwöhnisch gesehen wurde. Dass Augsburg durch 1.200 Arbeitsplätze für Zivilangestellte oder indirekte Subventionen aus Bundesmitteln von der amerikanischen Stationierung profitierte, wurde erst mit der Zeit gesehen.

In Augsburg gab es einen Deutsch-Amerikanischen-Beratungsausschuss. Darin zeigten sich die Beziehungen facetten- und konfliktreicher, als angenommen. Zwar gab es immer eine offizielle Freundschaftsrhetorik, doch musste in dem Ausschuss auch oft über problematische Themen gesprochen werden. Schwarze G Is? wurden auf dem deutschen Wohnungsmarkt diskriminiert, Beziehungen deutscher Frauen zu amerikanischen Soldaten wurden nicht gern gesehen … Es bestand eine Grauzone zwischen Akzeptanz und Ablehnung.

Am Verwaltungsgebäude der US-Firma NCR? (1952/1967), dem Parkhaus Grottenau? (1957) und dem Hotelturm (1972) sieht man, dass auch architektonische Formen aus Amerika in der Zeit der amerikanischen Stationierung in Augsburg heimisch und zu Wahrzeichen wurden. Allerdings sind sie Zitate des Bauhausstils der Zwischenkriegszeit, der über die USA reimportiert wurde.

Weblinks


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