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Am Alten Einlass

eine Augsburger Straße, die zum dritten Stadtbezirk (Bahnhofs- und Bismarkviertel) und damit zum Planungsraum I (Innenstadt) gehört; Postleitzahl ist 86150

Allgemeines

Die Straße heißt auch "Am Einlass", "Alter Einlass" oder man sagt "Beim Alten Einlass". Das Adjektiv in der Straßenbezeichnung wird groß geschrieben. Die Straße verbindet die Schaezlerstraße mit dem Kennedyplatz? vor dem Theater Augsburg. Benannt ist die Straße nach einem ehemaligen Nachttor, dem Alten Einlaß. Dieses Nachttor diente als Einlass in die Stadt, wenn alle übrigen Tore schon geschlossen waren.

Alter Einlaß

Der Alte Einlaß aus der Vogelperspektive. Von Walter Groos, nach einer Grafik von 1521.

Dieser westliche Einlass in die Stadt hatte große Bedeutung, denn er lag an der Ost-West-Achse Augsburgs und verband die Wertachbrucker Vorstadt? mit dem Domviertel bzw. der Domstadt.

Geschichte

Schon um 1300 hat es am Alten Einlass eine Toranlage gegeben.

1514 gab der Augsburger Stadtrat den Neubau eines Nachttors am Alten Einlaß eigens für Kaiser Maximilian I.? in Auftrag. Dieser Kaiser hielt sich so oft in Augsburg auf (genau zwei Jahre und 211 Tage), dass ihn die Zeitgenossen "Bürgermeister von Augsburg" nannten. Hintergrund seiner langen Augsburg-Aufenthalte dürften seine Beziehungen zu den Familien Fugger und Welser gewesen sein, die für ihn immer wieder Geld besorgten, damit er seine politischen Ziele durchsetzen konnte.

Das Nachttor des Kaisers lag in der westlichen Stadtbefestigung zwischen dem Gögginger-? und dem Klinkertor?. Bewundert wurde an dem Tor seine Technik, die angeblich automatisch funktionierte. In Wirklichkeit aber waren im Torobergeschoß Menschen, so genannte "Einlässer", damit beschäftigt, die Schließmechanismen der Tormaschine und die Zugbrücke zu bedienen. Dazu war die Zugbrücke raffiniert ausgewogen worden und die Türen des Tors waren mit drei Gelassen versehen, die nacheinander geöffnet wurden. 1542 bis 1548 errichtete man neben dem Einlassgebäude eine Bastion und eine Holzbrücke über den vergrößerten Trockengraben.

1704 wurde der Ravelin der Bastion geschleift. 1734 plant der Ulmer Capitaine Antoine du Chaffat, der auch Festungsingenieur ist, eine Verstärkung der Bastion, die dann in den Jahren 1737/38 umgesetzt wird, als man die Außenschanze neu aufbaute.

Ab 1809 nutzte man das ehemalige städtische Kornhaus am Alten Einlass, um Salz aufzubewahren, weshalb dieses Gebäude nun den Namen Salzstadel erhielt. Zuvor hatte man das Salz im Siegelhaus? an der Maximilianstraße gelagert, doch brach man dieses Gebäude 1809 ab. Der Salzstadel am Alten Einlass hatte sieben Geschoße und sollte in Not- oder Kriegszeiten mit anderen Lagern, die man in der Stadt angelegt hatte, zur Versorgung der Bevölkerung beitragen.

Um die Technik der Vergangenheit festzuhalten, zeichnete der kgl. bayerische Ingenieur Hauptmann G. v. Kern-Kernried den kunstvollen und berühmten Toröffnungsmechanismus im Jahr 1818 und besprach ihn ausführlich in einem später geschriebenen Buch (1854).

Ab etwa 1860 ließ man das Tor am Alten Einlass offen stehen und schuf damit eine offene Passage zum westlich gelegenen Hauptbahnhof. Dazu errichtete man einen Fußgängersteg über den Graben. 1867 brach man das Nachttor ab. An seiner Stelle ließ der bayerische Staat in den Jahren 1872 bis 1875 den noch heute stehenden Justizpalast errichten. Ein Jahr später riss man den Salzstadel bzw. das ehemalige städtische Kornhaus ab, um für das Theater Augsburg zu schaffen.

Augsburger Salzstadel am Alten Einlass um 1870 - gemeinfrei

Während der Revolution? kam es im Februar 1919 am Alten Einlaß vor dem Justizpalast zu nächtlichen Tumulten, als in Augsburg die Ermordung des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner bekannt wurde. Soldaten und Bürger stürmten den Justizpalast, warfen Akten zu den Fenstern hinaus und lieferten sich Schlägereien mit Polizisten, die auf die Eindringlinge schossen und einige der aufgebrachten Demonstranten schwer verwundeten.

Im Oktober 2011 wurden im Zuge der Baumaßnahme Augsburg-Boulevard? und Königsplatz-Umbau Am Alten Einlaß zwischen Fuggerstraße und Schaezlerstraße Straßenbahn-Gleise gelegt, wofür man die Straße mehrere Wochen sperren musste.

Details

Am Alten Einlass 1: Justizpalast

Lage


Weblinks


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