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Alter Friedhof Haunstetten

früher auch "Alter Katholischer Friedhof Haunstetten"

Allgemeines

Dieser Friedhof liegt in Haunstetten und hat eine Größe von etwa 1,40 Hektar und damit Platz für mehr als 2.300 Grabstellen. Der Friedhof hat von der Bürgermeister-Widmeier-Straße her zwei Eingänge. An dieser Straße liegen auch zwei Fahrradabstellplätze und drei Parkplätze für PKW samt Behindertenparkplatz.

Mit dem ÖPNV kommt man leicht zu dem Friedhof: Die Buslinie 34? und die Buslinie 39? halten 300 Meter entfernt an der Haltestelle Bürgermeister-Widmeier-Straße.

Geschichte

Am 17. 10. 1870 wurde der erste Teil des Alten Friedhofs eingeweiht. Im gleichen Jahr baut man das Leichenhaus. Ein Gemeindebeschluss vom 17.10.1870 bestimmt, dass ganze Familiengrabstätten zu vier Gräbern und halbe Familiengrabstätten zu zwei Gräbern ausgemarkt werden sollen. Später hat man diese Familiengrabstätten verlost. Am 11. November 1870 fand die letzte Bestattung auf dem Friedhof bei der Kirche Sankt Georg statt. Am 1. Dezember 1870 hat man die erste Bestattung auf dem damals noch außerhalb des Pfarrortes gelegenen Gottesacker und heute mit "Alter Haunstetter Friedhof" bezeichneten Gemarkung durchgeführt.

1899 vergrößert man den Alten Friedhof um die Hälfte.

1904 wird das Mausoleum Käß-Tattenbach erbaut.

1932 baut man das Leichenhaus um.

Am 14. Mai 1951 wird eine neue Friedhofsglocke geweiht, die wahrscheinlich vom damaligen Bürgermeister Xaver Widmeier? gestiftet wurde.

Im Dezember 1972 stellt man im Alten Friedhof Haunstetten ein neues Friedhofskreuz aufgestellt, das vom Bildhauer Christian Angerbauer geschaffen worden war.

Im September 2009 wird eine neue Aussegnungshalle eingeweiht.

Details

Der Friedhof besitzt ein Leichenhaus mit Glockenturm. Es gibt im hinteren Bereich des Friedhofs (vom Eingang her betrachtet) drei Stellen mit Kriegsgräbern und eine Ehrenanlage mit Ehrenmal. Auch zwischen den beiden Eingängen des Friedhofs und im rechten Friedhofsbereich befindet sich noch je ein Ehrenmal für die Kriegsgefallenen. Vor der Ehrenanlage für die Kriegsgräber sind die Urnengräber situiert. Verteilt über den Friedhof befinden sich fünf Wasserstellen, eine Gerätehütte, ein WC und ein Lagerplatz.

Mausoleum Käß-Tattenbach

Die Kuppelmosaikarbeit des Mausoleums, das wichtigste künstlerische Werk des Gebäudes aus dem Jahr 1904, stammt von Wilhelm Köppen, einem Schüler Franz von Stucks. Es ist seine erste große nachweisbare Mosaikarbeit - schon drei Jahre nach der Beendigung der Lehrzeit an der Akademie in München. Das Mausoleum ist ein Kalksteinquaderbau, der von dem Münchener Architekten Karl Bauer-Ulm entworfen worden war. Er zeigt den damals verbreiteten Typus der neoromanischen Kapelle mit Vierungsturm und war zeitgemäß "byzantinisiert" durch die kompaktere Gesamtform mit flach geneigtem Satteldach. An verschiedenen Stellen wird berichtet, Köppen habe seine Fresken selber ausgeführt. Als Vorbild für die etwa vier Meter breite Stutzkuppel soll Köppen die große Mosaikkuppel des Baptisteriums der Orthodoxen in Ravenna vor Augen gehabt haben. Wie dort hat Köppen hier die Himmelskuppel tiefblau mit konzentrisch emporstrebenden Goldranken gestaltet. Während diese in Ravenna zwölf Apostel rahmen, sind es hier vier Engel im Wechsel mit den Evangelisten. Die Evangelisten sind durch Namensinschriften bezeichnet, die Engel tragen weiße, mit einer Goldborte besetzte Gewänder und schwarze Sandalen. Ihre linke Hand wird durch den Mantel verhüllt; sie trägt einen weißen langen Stab, während die rechte Hand zum Segensgestus vor dem Körper erhoben ist. Auch die Evangelisten segnen mit ihrer rechten Hand, allerdings haben sie verschiedene Handhaltungen. Ihre linke Hand ist ebenfalls verhällt und trägt ein mit Gemmen besetztes Buch. Die Kleidung der Evangelisten variiert in der Farbigkeit und besteht aus einer Tunika mit schwarzem Clavi und einem Pallium. Die stilisierten Palmetten betonen die Vertikalität der Figuren.

Köppen hat die Figuren betont frontal und vereinzelt gestaltet. Sie tragen alle einen kreisförmigen Nimbus und gruppieren sich axial wie Speichen um das zentrale Christusmonogramm. Die Figuren leben durch ihre weich modellierten Ornamentalisierungen der Gewänder, während die Goldranken ganz körperlos stilisiert sind. Angeblich hat sich Wilhelm Köppen so sehr in die alte Mosaiktechnik in Ravenna vertieft, dass er auch in Haunstetten nach dem alten Verfahren die Steine direkt in den weichen Putz gesetzt hat.

Der oktogonale Kuppeltambour ist etwa vier Meter breit und ruht auf acht Diensten, die von Konsolen gestützt sind. Blendarkaden verbinden die Dienste. Die Pendentifs tragen auf violettem Mosaikgrund abwechselnd goldene Sterne und Kreuze, die jeweils von drei kleineren türkisenen Kreuzblüten umgeben sind. Auch die Bogenläufe weisen Mosaike auf und sind mit Perlbändern auf goldenem Grund versehen. Das Medaillon umgeben ein türkisfarbener Rundbogenfries und zwei schwarz-goldene Quadratfriese. Die Figuren sind auf einem schmalen Streifen angebracht, der wie eine Paradieswiese mit roten Blüten wirkt.

Außen umgibt eine niedrige Mauer mit schmiedeeisernem Gitter von der Firma Mich. Kiefer & Co. aus München das Mausoleum und trennt es so vom übrigen Friedhof. Davor stehen steinerne Bänke, die zur Andacht einladen. Einfriedungspfeiler in Form von Ädikulen mit Reliefs von stilisierten Akanthusranken stehen am Tor. Auf der Vorderseite sieht man ein Christusmonogramm, auf der Rückseite ein Kreuz.

Zur Kapelle geht es durch eine schmiedeiserne Eingangstür mit Gitter. Sie ist mit zwei Siegeskränzen, einem Kreuz und einem Alpha und Omega versehen. Das Tympanon der Eingangstür zeigt das Relief einer Weltgerichtsszene, der thronende Christus in der Mandorla trägt ein Modell des Himmlischen Jerusalem und ist von seinem Engelschor mit Maria und Johannes dem Täufer umgeben. Die Kreuzarme und der oktogonale Vierungsturm sind am Außenbau mit Sepulkralsymbolen wie Pflanzenranken, Hirschen, Pfauen und dem Lamm Gottes geschmückt. Die Steinarbeiten wurden von der Marmorindustrie Kiefer in Kiefersfelden ausgeführt, die Bildhauerarbeiten fertigte Bruno Diamant.

Der Kalksteinquader-Bau ist sowohl außen wie innen unverputzt, das Mauerwerk hat flache Fugen und wirkt sehr ebenmäßig. Am Außenbau sind drei Arkaden im Vierungsturm sichtbar, doch nur die mittlere hat eine Fensteröffnung. Dem entspricht im Inneren, dass nur dieses Rundbogenfenster sichtbar ist, die anderen Arkadenrundbögen nicht. Nur acht Fenster geben dem Innenraum Licht. Gegenüber der Eingangstür steht ein schmuckloser Marmoraltar. Die Wände sind ebenfalls sparsam geziert: Es gibt zwei in Pastelltönen bemalte Steinreliefs von Bruno Diamant (ein segnender Christus mit dem Lebensbuch und das Lamm Gottes vor einer Palme). Beide in ein Ädikulamotiv eingestellt.

Die eigentliche Gruft ist vom Innenraum über eine Treppe unter der Kapelle zu erreichen. Dort befinden sich die Sarkophage der Familie in streng ravennatischem Stil. Die in Kupfer getriebenen Arbeiten wurden von Karl Bauer entworfen, die Modelle von Bruno Diamant gefertigt und schließlich von der Firma Jos. Schmeidl aus München ausgeführt.

Benannt ist das Mausoleum nach dem Kommerzialrat Johann Georg Käß? (1823 - 1903), Besitzer der Haunstetter Bleiche? und seiner Frau Gräfin Tattenbach. Die beiden beantragten 1903 die Genehmigung zur Errichtung eines Mausoleums auf dem Alten Katholischen Friedhof in Haunstetten. Mit dem Mausoleum wollte der Bauherr aus dem wohlhabenden Großbürgertum, der in die aristokratische Gesellschaft eingeheiratet hatte, seine Stellung in der Gesellschaft demonstrieren.

Ein Zeitgenosse schreibt zu dem Haunstetter Werk Köppens, das dieses Mausoleum hervorhebt: „Das Ganze lässt deutlich erkennen, wie unsere moderne dekorative Kunst sich des so lange vernachlässigtem Gebietes annimmt und das lange brach gelegene Feld der Friedhöfe der Kunst wieder zurückgewinnt.“ Auch andere zeitgenössische Stimmen sind sehr positiv und stimmen darin überein, dass Köppen in seinem Werk die traditionelle ravennatische Sepulkralikonographie mit Jugendstilformen gepaart der Grabmalkunst neue moderne Akzente gegeben habe. Unklar ist allerdings, inwieweit Köppen und die anderen Künstler freie Hand bei der Gestaltung des Mausoleums hatten. Die Denkmaltopographie Augsburg? hat z. B. behauptet, dass der Entwurf des Mosaiks vom Auftraggeber selbst gekommen sei. Dem widerspricht aber, dass Köppens weitere Arbeiten im sakralen und sepulkralen Bereich durchaus auf der Linie des Haunstetter Mausoleums liegen.

Öffnungszeiten

01. März bis 02. November: 07.00 bis 20.00 Uhr
03. November bis Ende Februar: 08.00 bis 17.00 Uhr

Adresse

Alter Friedhof Haunstetten
Bürgermeister-Widmeier-Straße 55
86179 Augsburg


Adresse der Friedhofsvewaltung
Hopfenstraße? 11
86179 Augsburg

Tel. 0821/324-4013
Fax. 0821/324-4013

Sprechzeiten

Mo 07.00 - 12.00 Uhr und 12.30 - 16.15 Uhr
Di - Do 07.00 - 12.00 Uhr und 12.30 - 15.45 Uhr
Fr 07.00 - 13.45 Uhr

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