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Altenstetter, David

auch Altenstadt, Altenstedter, Attemstett und Attemstetter. Ein Goldschmied und Emailleur der Renaissance, der in Augsburg wirkte.

Leben und Wirken

Geboren wurde David Altenstetter um 1547 in Colmar.

Auf seinen Wanderungen als Goldschmiedgeselle kommt er mit der Glaubenslehre des Züricher Reformators Zwingli in Kontakt.

Laut Augsburger Stadtlexikon kam er im Jahr 1567 als Geselle nach Augsburg, wo er sich niederließ und erstmals 1570 in Steuerbüchern der Stadt erwähnt wurde. Laut Bernd Roeck soll Altenstetter schon 1565 nach Augsburg gekommen sein. Durch seine Heirat mit Catharina Jeger im Jahr 1573 erwarb er das Bürgerrecht in der Reichsstadt? und wurde Goldschmiedemeister, ebenfalls im Jahr 1573. Aus der Ehe mit Catharina Jeger ging eine Tochter hervor.

Durch seine Heirat wurde Altenstetter in Augsburg angenommen und arbeitete für die Augsburger Oberschicht, aber auch für auswärtige Fürsten.

1578 bis 1579 arbeitete er mit anderen Augsburger Goldschmieden an einem größeren Auftrag von Herzog Wilhelm von Bayern.

Im Jahr 1588 soll er Uhren angekauft haben, deren Gehäuse er reicher ziselierte und verkaufte, was ihm einen Streit mit der Schmiedezunft einbrachte, der er seit 1587 angehörte (bis 1595). In den Jahren 1587 und 1588 sowie zwischen 1594 und 1595 war er auch 1. "Vorgeher" der Augsburger Goldschmiedezunft, 1591 und 1592 war er 2. "Vorgeher".

Aus dem Jahr 1589 stammt ein Becher mit dem emaillierten Augsburger Stadtwappen? von ihm. Im Jahr 1590 bekam er von den Fuggern zusammen mit Hubert Gerhard? den Auftrag, im Fuggerschloss zu Kirchheim? den Mars-Venus-Brunnen zu gestalten.

Der Stadtrat vernahm ihn im Jahr 1598 zu seiner Religionszugehörigkeit, weil er in dieser Zeit Wiedertäufer aufspüren wollte. Dieses Ereignis muss im Zusammenhang mit dem um 1595 einsetzenden Schub der Gegenreformation in Augsburg gesehen werden. David Altenstetter, den man verdächtigte Wiedertäufer zu sein, gab an, dass er zwar nicht dem katholischen oder lutherischen Glauben anhänge, aber allein der Bibel folge. Damals ist Altenstetter - das kann man den Augsburger Steuerbüchern? entnehmen - schon ein wohlhabender Augsburger Bürger und weit über die Stadt bekannt. Bernd Roeck glaubt nachweisen zu können, dass Altenstetter wohl zu den Anhängern des schlesischen Adeligen Caspar Schwenckfeld gehörte, der sich für einen selbstbestimmten Glauben ohne Rituale und kirchliche Institutionen einsetzte. Es wundert nicht, dass die Großkirchen dieses Programm mit aller Macht bekämpften. Zehn Jahre nach diesem Prozess bekannte sich Altenstetter zum Luthertum, das durch den Augsburger Religionsfrieden? geschützt war.

Vor dem Jahr 1600 muss Altenstetters erste Frau gestorben sein, denn in diesem Jahr heiratete er erneut und verband sich Susanna Tressin in zweiter Ehe.

Als Goldschmied war Altenstetter ein Fachmann für die Technik des Tiefschnitt-Emails auf Gold- und Silberplaketten. Seine Plaketten waren mit feinsten Arabesken, Rankenwerken, allegorischen Bildern oder Tierdarstellungen versehen. Oft wurden seine Werke auf Gegenständen angebracht, die andere Goldschmiede gefertigt hatten. Als besonderes Beispiel dafür gilt der von Augsburger Handwerkern gefertigte Kunstschrein des bayerischen Kurfürsten Maximilian I.

Als Emailleur hatte er in seiner Zeit den Ruf, einer der führenden Meister dieser Technik zu sein, aber auch unter den Augsburger Gold- und Silberschmieden ragte er hervor.

Gearbeitet hat er für die Fugger in Kirchheim?, für den Münchener Hof, für Kaiser Rudolf II. und den pommerschen Hof, für den er z. B. den "Pommerschen Kunstschrank" herstellte (zwischen 1610 und 1617). Reich verzierte Uhrengehäuse und Pokale sind aus seiner Werkstatt. Er galt zu Beginn des 17. Jahrhunderts als unumstrittener Meister der Ornamentgroteske.

Bekannt ist von ihm auch eine kunstfertig verzierte kaiserliche Feuerwaffe, die repräsentativen Charakter hatte. Ob Altenstetter die im Jahr 1602 von Jan Vermeyen geschaffene rudolfinische Hauskrone in kleineren Details mitgestaltete, hält die Wikipedia für unsicher. Zu einem Tafelsilber-Set von ihm schreibt sie: "Aus dem Jahr 1615 datiert ein aus seiner Werkstatt stammendes vollständiges Tafelsilber-Set, das älteste erhaltene in Europa aus nachrömischer Zeit. Das Essbesteck aus 36 Teilen ist mit Blattwerk-Ornamenten geschmückt. Die Messergriffe mit Emailledekorationen tragen Altenstetters Signatur. Bei einer Versteigerung in London erwarb am 1. Dezember 2005 ein US-amerikanischer Bieter das Besteck zuzüglich dreier dazugehöriger Salznäpfchen für 1.240.000 Pfund." Und die FAZ vom 7. November 2005 schreibt: "Man fand es (das Besteck) durch Zufall in einem der ehemaligen Schlösser des Augsburger Bankiers Christian I. von Münch (1690 bis 1757). In den vergangenen zehn Jahren, heißt es bei Christie's, habe es keinen vergleichbaren Fund im Bereich des deutschen Silbers gegeben. Jedes der sechsunddreißig Besteckteile ist mit Blattwerk-Ornamenten reich verziert. Die Messergriffe mit Emailledekorationen hat der Meister signiert und datiert. Weltweit finden sich gerade ein halbes Dutzend signierter Werke David Altenstetters. Das bisher älteste bekannte Besteckset stammt aus dem späten 17. Jahrhundert."

Weitere erhaltene Werke sind z. B. Silberplättchen mit translucidem Email auf Tiefstich, die als Füllungen auf dem Elfenbeinschrank von Christoph Angermaier aus Augsburg 1601 angebracht wurden oder eine Silberplatte mit Email auf Tiefstich, ebenfalls von 1601 sowie eine runde Silberplaate mit Email auf Tiefstich für Fürst Fugger-Babenhausen, Augsburg, von 1602.

Im Kunsthistorischen Museum Wien ist eine Tischuhr für die Familie Gross erhalten, deren Gehäuse von David Altenstetter um 1585 herum gefertigt wurde. Es handelt sich um teilvergoldetes Silber, das mit Tiefschnitt-Email verziert ist. Das Werk selbst besteht aus Eisen und Messing. Sogar die Ecken sind mit einem juwelenartig leuchtenden Dekor aus Grotesken, Ranken und Tieren überzogen. Sie tragen einen Aufsatz, der von einer flachen Kuppel geschlossen wird. Eine Kostbarkeit, die ein neues Gefühl der Zeit für den Wert von Zeit repräsentiert.

Ebenfalls im Kunsthistorischen Museum Wien sind ein Radschlossgewehr und eine Pulverflasche von Daniel Sadeler (um 1602/10) aufbewahrt, an denen Altenstetter gearbeitet hat. Von ihm stammen die Silberplatten mit farbigem, durchsichtigem Tiefschnittemail. "Auf der Anschlagseite des deutschen Kolbens erblickt man Viktoria; sie wird von türkischen Trophäen umgeben, wie sie auch auf den Türkenbildern Hans von Aachens zu finden sind. Zur Rechten und Linken der Viktoria reiten ungarisch gekleidete Krieger davon. An der äußeren Seite des Vorderschaftes findet sich das Monogramm des Künstlers, "D. A. F." ("David Altenstetter fecit")", liest man in der Beschreibung des Museums. Und weiter: "Das ungewöhnliche Gewehr, das stilistisch am ehesten mit einer von Altenstetter für die Kunstkammer des Kaisers hergestellten Uhr vergleichbar ist, wurde höchst wahrscheinlich ebenfalls für die Prager Kunstkammer Rudolfs II. angefertigt. Der emaillierte Dekor macht das Gewehr aufgrund seiner Zerbrechlichkeit zum Gebrauch völlig ungeeignet, erhebt es jedoch zu einem Kunstwerk. Die Entstehungszeit dieses Kunstkammerstückes lässt sich durch die Aufenthaltsdauer Daniel Sadelers am Prager Hof von 1602 bis 1610 einschränken. Wahrscheinlich wurde es, wie dies die Figur der Viktoria nahelegt, zur Feier des Friedens von Zsitvatorok 1606 in Auftrag gegeben. Die zur Emailbüchse gehörige Pulverflasche gleicht in stilistischer Hinsicht dem Gewehr. Auf den emaillierten Silberplatten ist auf der einen Seite Diana, auf der anderen Aktäon dargestellt."

Da das Tiefstich-Email nach den Augsburger Goldschmiedeordnungen von 1592 und 1603 ausdrücklich von der so genannten "Beschaupflicht" ausgenommen war, trägt keine der Arbeiten Altenstetters ein Beschau- oder Stadtzeichen, sondern immer nur die eingravierten Buchstaben D. A. F. und die jeweilige Jahreszahl.

Gestorben ist David Altenstetter im August 1617 in Augsburg. Man beerdigte ihn lutherisch, allerdings ohne das für Tote der Oberschicht übliche Lebensmotto auf dem Grabstein.

Seine noch erhaltenen Schmuckuhren, Pokale, Dosen oder Zierplatten erzielen heute immer wieder Spitzenpreise auf dem Kunstmarkt.

Ehrungen

Von Kaiser Rudolf II. wurde er um 1610 mit dem Titel eines Kammergoldschmieds ausgezeichnet.

Würdigung

Altenstetter muss eine blühende Fantasie gehabt haben. Anders sind seine expressiv schillernden Schöpfungen nicht zu erklären. Interessant an ihm ist außerdem, dass er in die Mühlen der Ketzersucher geriet, was ihm leicht hätte das Leben kosten können. Der Hintergrund dazu war wohl, dass sich an seinem bodenständigen Handwerkerleben ablesen ließ, wie die spätmittelalterliche Welt aus den Fugen geriet, sich Religion, Kunst und Wissenschaft immer mehr auseinander dividierten. Das spiegelt sich in seinem Werk darin, dass sich Schnörkel ranken und manieristische Ornamente ins Bild schlängeln, ganz so, "als sei die Welt eine überquellende Schatztruhe, die man nicht mehr verschließen kann", wie die SZ? im Februar 2010 über ihn schreibt.

Man geht wohl nicht fehl, wenn man Altenstetter als einen Menschen sieht, der in der Kunst wie in seinem religiösen Leben eigenständige Wege gegangen ist. In seiner Werkstatt hat er den perfekten Tiefschnitt im Metall entwickelt, religiös hat er theologische Schriften gelesen, religiöse Gespräche mit Freunden geführt und sich als Renaissance-Mensch seine eigene Spiritualität geformt. Diese Frömmigkeit war wohl mystisch-spiritualistisch geformt, wie es bei den so genannten "Schwenckfeldern" üblich war, jener von dem Reformator Kaspar Schwenckfelder inspirierten Glaubensgemeinschaft, die sich Luther abgewandt hatte und verfolgt wurde.

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