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Adlhoch, Hans

eigentlich Hans Johann Adlhoch; manchmal auch als Johann Adlhoch bezeichnet; Mitglied der christlichen Gewerkschaft sowie der Bayerischen Volkspartei?, Augsburger Stadtrat und Reichstagsabgeordneter, Gegner der Nationalsozialisten?

Leben und Wirken

Hans Adlhoch wurde am 29. Januar 1884 in Straubing? als eines von elf Kindern geboren. Nach der Schule lernte er wie sein Vater das Schreinerhandwerk. Wie es damals nach der Lehre üblich war, ging Hans Adlhoch als Geselle auf Wanderschaft in Europa.

Zurückgekommen trat er 1898 der christlichen Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung bei. Als Siebzehnjähriger schließt sich Hans Adlhoch 1901 dem Christlichen Holzarbeiter-Verband an.

1908 begann der engagierte junge Mann volkswirtschaftliche Kurse beim Volksverein für das katholische Deutschland zu besuchen und sich so fortzubilden. Das ermöglichte ihm 1910 Sekretär der katholischen Arbeiter- und Arbeiterinnenvereine (KAB?) in der Diözese Augsburg zu werden. In München wurde der gelernte Schreiner 1910 gleichzeitig Vorsitzender der Christlichen Gewerkschaft.

Den Krieg von 1914 bis 1918 überlebte der Arbeitersekretär. Unwahrscheinlich ist jedoch, dass er 1916, wie es berichtet wird, das Katholische Arbeitersekretariat in Weilheim? aufgebaut haben soll. Das Augsburger Stadtlexikon verlegt seine Tätigkeit in Weilheim? in das Jahr 1910, was wahrscheinlicher klingt.

1919 wurde Adlhoch Leiter des katholischen Volksbüros und des Arbeitersekretariats in Augsburg. Außerdem war er in der Sozialversicherung und im katholischen Vereinswesen tätig.

Von 1924 bis 1933 war Hans Adlhoch für die Bayerische Volkspartei?, eine Abspaltung der katholischen Zentrumspartei? in Bayern, Mitglied im Augsburger Stadtrat. Als Nachrücker für den Abgeordneten Martin Loibl gehörte er vom 27. Januar 1933 bis zur März-Wahl sogar kurz dem Reichstag an. 1925 wählten die Delegierten ihn auf dem Deutschen Katholikentag zu ihrem Vizepräsidenten.

Als engagierter Katholik und Gewerkschaftler war Hans Adlhoch den Nationalsozialisten? schon vor der Machtübernahme verhasst. Er hatte immer wieder Stellung gegen die Nationalsozialisten? bezogen. So wundert es nicht, dass die Gestapo? ihn vom 26. Juni bis zum 5. Juli 1933 in Augsburg in „Schutzhaft“ nahm. Die Nationalsozialisten? warfen ihm Veruntreuung von Krankenkassengeldern vor.

1934 folgte die nächste Verhaftung, diesmal verbrachte er einen Monat im Gefängnis, zusammen mit weiteren 70 Festgenommenen, denen man vorwarf, sie seien an der Brandstiftung im Ludwigsbau beteiligt gewesen.

Vom Mai bis Oktober 1935 war Hans Adlhoch Häftling im Konzentrationslager Dachau. Er hatte auf der Generalversammlung des Katholischen Arbeitervereins Augsburg- Hochzoll erzählt, dass er es als eine Ehre ansehe, mehrmals von den Nationalsozialisten? verhaftet worden zu sein. Immer noch versuchte Adlhoch, die Eigenständigkeit der Katholischen Arbeiterbewegung zu bewahren.

Nach der Entlassung aus dem Konzentrationslager Dachau arbeitete Hans Adlhoch wieder als Arbeitersekretär in Augsburg. Ab 1940 musste Hans Adlhoch im Kriegshilfsdienst bei der Technischen Nothilfe im französischen Brest dienen. Nach dem Hitler-Attentat vom Juli 1944 wurde Adlhoch im Rahmen der Aktion „Gitter“ erneut verhaftet und vom 21. September 1944 bis April 1945 im Konzentrationslager Dachau interniert.

Ende April 1945 zwangen ihn die KZ-Wärter den so genannten Todesmarsch? von Dachau nach Waakirchen? mitzumachen. Das Lager sollte vor den heranrückenden Amerikanern evakuiert werden. Auf dem Todesmarsch brach Hans Adlhoch zusammen, denn die außerordentlichen Belastungen war der schwer erkrankte Adlhoch nicht mehr gewachsen. Obwohl er die Befreiung des Häftlingszuges durch amerikanische Truppen in Bad Tölz? noch erlebte, starb Hans Adlhoch in einem Münchener Lazarett in Freimann am 21. Mai 1945.

Sonstiges

Hans Adlhoch war mit Anna Adlhoch, geborene Kurz, verheiratet, die von 1876-1961 lebte.

Ehrungen

Am 26. März 1946 beschloss der Stadtrat von Augsburg die damalige Adalbertstraße (Pfersee) in Hans-Adlhoch-Straße? und die damalige Pferseer Adalbertschule in Hans-Adlhoch-Schule? umzubenennen. Auch eine Sporthalle in Augsburg ist nach Hans Adlhoch benannt: die Hans-Adlhoch-Halle?.

In der Peutingerstraße 11 erinnert eine Tafel an den Arbeitsplatz von Hans Adlhoch, allerdings ist dort fälschlicherweise das Konzentrationslager Dachau als Todesort angegeben.

Auf dem Augsburger Westfriedhof befindet sich das Familiengrab der Adlhochs. Hans Adlhochs Weggefährtin war Anna Margarete Adlhoch (geborene Kurz), die am 5. April1876 in Kaspauer? in Oberfranken? geboren wurde. Sie überlebte ihren Mann und starb am 7. April 1961. Auf dem Westfriedhof befindet sich auch der Ehrenhain der Opfer des Nationalsozialismus, wo Hans Adlhoch ebenfalls gedacht wird.

Die Christliche Arbeiterhilfe Kempten benannte in Wilburgstetten? das Haus Adlhoch nach dem ermordeten Reichstagsabgeordneten. Seit 1992 erinnert im Berliner Ortsteil Tiergarten an der Ecke Scheidemannstraße/Platz der Republik auch eine der 96 Gedenktafeln für von den Nationalsozialisten? ermordete Reichstagsabgeordnete an Hans Adlhoch.

Auch seine Geburtstadt Straubing? hat dem christlichen Gewerkschafter und Widerstandskämpfer eine Hans-Adlhoch-Straße gewidmet. Dazu kommt eine Hans-Adlhoch-Straße in Marktoberdorf?.

In Augsburg besteht – verwaltet vom Bistum Augsburg die Hans-und-Anna-Adlhoch-Stiftung?, die seit 2012 den Adlhoch-Preis für Gerechtigkeit in der Arbeitswelt an engagierte Menschen vergibt. Das Bistum Augsburg sieht in Hans Adlhoch einen Menschen, der seinen Glauben mit dem Leben bezahlen musste, weshalb er als einer der neuen Märtyrer im Bistum Augsburg verehrt wird.

Seit dem 26. Juni 2014 erinnern die beiden ersten Stolpersteine Augsburgs in der Peutingerstraße 11 an Anna und Hans Adlhoch. Verlegt wurden sie von Gunter Demnig.

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