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Wertach
Ein etwa 151 Kilometer langer Fluss in Schwaben in Bayern, der aus mehreren Gebirgsbächen durch Zusammenfluss in der Gegend oberhalb von Unterjoch? im südöstlichen Oberallgäu? nahe Österreich entsteht. Bei Augsburg mündet die Wertach in den Lech.
- Allgemeines zur Wertach
- Name und Geschichte der Wertach
- Details zur Wertach
- Die Wertach in Augsburg
- Wertach vital
Wertach vital
Allgemeines
Mit dem Projekt Wertach vital wurde schon im Jahr 1997 von der Stadt Augsburg, dem Freistaat Bayern? und der Unteren Naturschutzbehörde begonnen. Das Pfingsthochwasser von 1999 zeigte, dass es schnell in die Tat umgesetzt werden musste, um in Zukunft gegen ähnliche verheerende Überschwemmungen gerüstet zu sein.
Kurz gesprochen sollten durch das Projekt Wertach vital Hochwassergefahren für die Siedlungen an der Wertach verhindert werden, der Fluss und seine Auen sollten vitalisiert werden und der Fluss durch einen naturnäheren Zustand wieder mehr Möglichkeiten zur Naherholung bieten. Es sollte auch verhindert werden, dass sich der Fluss noch tiefer eingräbt. Allein in den Jahren von etwa 1975 bis 2000 hat sich der Fluss bei Augsburg um drei Meter in die Tiefe gegraben, was zu Uferabbrüchen, zum Sinken des Grundwasserspiegels und zum Austrocknen der Auwälder führte.
Um die Ziele von Wertach vital zu verwirklichen, hat man so genannte "raue Rampen" eingebaut, um die Sohle zu stützen, man hat das Flussbett aufgeweitet und wieder mehr natürliche Dynamik zugelassen, die Flussauen durch Aufforstung erweitert und sie durch Hochwasserausleitungen dynamisiert. Außerdem hat man die Wertach innerhalb des Augsburger Stadtgebietes gewässerbiologisch durchgängig gemacht.
Besonders wichtig war die so genannte Sohlberollung, bei der eine Art Steinteppich die weitere Eintiefung der Wertach verhindern soll. Außerdem hat man Kiesdepots angelegt, aus der sich die Wertach bei Hochwassern bedienen und den Flussboden neu gestalten darf. Für diese Pflasteraktion hat man etwa 20.000 Kubikmeter Steine aus dem Frankenjura geholt und verbaut.
An anderen Stellen hat man die Wertach bis zu 100 Meter verbreitert und Wehre durch Sohlrampen ersetzt, die wie Stromschnellen wirken und sanft abfallen. Weil wegen dieser Flussverbreiterung auch Bäume entfernt werden mussten, gab es natürlich auch Proteste aus der Bevölkerung, die man durch Ausgleichsflächen zufrieden stellte.
Das Projekt Wertach vital umfasst die letzten 14 Kilometer der Wertach vor der Mündung in den Lech. Man hat das Projekt in drei Bauabschnitte aufgeteilt:
- Wertach vital I reicht von der südlichen Stadtgrenze Augsburgs, der Staustufe Inningen, bis zum Ackermannwehr in Augsburg Göggingen,
- Wertach vital II umfasst das Gebiet vom Ackermannwehr bis zur Ackermannbrücke in Augsburg Pfersee,
- Wertach vital III geht von der Ackermannbrücke bis zur Mündung in den Lech an der Wolfzahnau?.
Bis Ende 2006 kostete das Projekt 12,5 Mio. €. Damals plante man für Wertach vital I noch etwa 5 Mio. € und für Wertach vital II noch etwa 7 Mio. € auszugeben. Die Gesamtkosten teilen sich der Freistaat Bayern?, die Stadt Augsburg und die Europäische Union als Kofinanzier.
Ende 2008 hat man Wertach vital I abgeschlossen. Das bedeutet für die Strecke zwischen Stausee und Stadt, dass Steinrampen und offenes Deckwerk die Kraft der Wertach bremsen und ein weiteres Eingraben des Flusses verhindern, dass angrenzende Siedlungen vor Hochwasser geschützt sind, dass sich das Flussbett durch die Umlagerung von Kiesbänken wieder natürlicher entwickeln kann und der Fluss wieder ein lebendiges Naherholungsgebiet ist.
Wertach vital II glaubt man bis Ende 2010 abschließen zu können. Weil die Sohlstabilität und der Hochwasserschutz im Bereich von der Bürgermeister-Ackermann-Brücke bis zur Mündung der Wertach in den Lech noch gegeben erscheint, stellt man Wertach vital III noch zurück.
Planungen
Die Planungen sahen vor, noch vorhandene Auwälder zu schützen, die Wechselbeziehung zwischen Fluss und Auen zu fördern, den Fluss für die Naherholung zu erschließen, Fischen die Möglichkeit zu geben, von der Wertachmündung ungehindert bis zum Inninger Stausee wandern zu können, der Flora wieder mehr Naturnähe einzuhauchen und den Fluss zu einem Teil der Augsburger Stadtlandschaft zu machen.
Es sollte der Hochwasserschutz ausgebaut werden, der Grundwasserstand in den Siedlungsgebieten gehalten werden, die Landwirtschaft nicht benachteiligt werden, der Auwald und die Flusslandschaft aufgewertet werden und die Gewässerstruktur verbessert werden.
Die Planungen wurden vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth? im Auftrag des damaligen Bayerischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen? angegangen und unter Beteiligung der Stadt Augsburg durchgeführt. Man erstellte ein "Leitbild Wertach" und plante stufenweise Umsetzungen des Projekts in Zusammenarbeit mit der TU München?, dem Bund Naturschutz?, dem Bund für Vogelschutz?, der Lechallianz?, dem Naturkundlichen Verein Augsburg? und Fachberatern für Fischerei. Auch Bürgergruppen wurden in die Arbeit an den Planungen eingebunden.
Umsetzung
Spatenstich für das Projekt war der 20. Oktober 2000. Gleich danach baute man unterhalb der Staustufe Inningen eine erste Sohlrampe und 2001 am Flusskilometer 11,8 im Jahr darauf eine zweite Sohlrampe. Danach baute man einen Bach zur Umgehung der Inninger Staustufe und unterhalb der Staustufe einen neuen Aubach zur zeitweißen Flutung des westlichen Ufers. Man sanierte Deiche oder baute sie neu, legte Deiche zurück, weitete den Flusslauf, legte Rampen aus Steinen an, um die Flusssohle zu stützen und forstete wieder auf. Diese Arbeiten wurden ab Dezember 2004 durchgeführt. Dort, wo man den Fluss aufgeweitet hat, musste man etwa 25 ha im Bannwald der Wertach roden. Die Rodungen wurden ausgeglichen.
Zwischen Ackermannwehr und Ackermannbrücke wurden schon kurz nach dem Pfingsthochwasser von 1999 Sofortmaßnahmen eingeleitet. So versuchte man durch einen massiven Steinverbau am zerstörten Ackermannwehr vor Hochwasser zu schützen. Man legte auch einen Reißdamm ein, der sich bei Hochwasser auflösen und Wertachwasser in städtische Kanäle ableiten sollte.
An der neuen Lokalbahnbrücke?, die keinen Mittelpfeiler mehr besitzt, leitete man den Fluss um und unter der B 17 erhöhte man den Deich und versteinte ihn. Außerdem fällte man umsturzgefährdete Bäume.
Im Jahr 2004 legte das Wasserwirtschaftsamt eine Musterstrecke für den Abschnitt Wertach vital II an, an der die Wertachufer abgeflacht wurden und sich der Fluss aufgeweitet und besser zugänglich präsentierte. Die Musterstrecke liegt südlich der Luitpoldbrücke?. Trotz der städtischen Enge konnte man hier die Wertach etwas renaturieren, die Ufer aufweiten und neu gestalten.
Im Rahmen des Projekts Wertach vital II plante man das Goggeleswehr? durch eine Rampe zu ersetzen. Dem kam der Winter 2004 auf 2005 zuvor, indem die Wertach damals das Goggeleswehr? unterspülte und im Februar 2005 Betonstücke aus den Pfeilern brachen. Deshalb musste man das Wehr abbauen und den Wehrabsturz provisorisch mit einer Steinschüttung bis zu einem Neubau schützen. Ende 2006 wurde die neue Rampe errichtet. Steinquader mit einem Gewicht von bis zu drei Tonnen bremsen hier die Wertach und überbrücken den früheren Höhenunterschied von fünf Metern am Wehr.
Im Herbst 2006 wurde das Ackermann-Wehr bei Göggingen als Schlauchwehr fertig gestellt. Mit diesem Schlauchwehr hoffte man diese Engstelle entschärft zu haben, die für das große Pfingsthochwasser von 1999 verantwortlich war. Ein mit Luft gefüllter Schlauch legt sich bei Hochwasser flach auf die Flusssohle und sorgt für einen maximalen Abflussraum. Dazu kommt ein Umgehungsbach, der auch Fischen den ungehinderten Durchgang durch das Wehr erlaubt.
Wertach vital II soll die westliche Uferaufweitung, die Anlage eines Uferunterhaltungswegs, Maßnahmen zur Sicherung der Sohlstabilität und den Hochwasserschutz umfassen. Dazu müssen die Kleingärten, so genannte Grabeländer, aufgelöst werden. Am Mühlbachdüker wird ein Rampenbauwerk erforderlich, das bei Niedrigwasser die geringen Abflüsse sicherstellt. Die Rampenneigung muss 1:15 sein und wird dann etwa 70 Meter lang sein. Um in diesem Innenstadtbereich Eintiefungstendenzen entgegenzutreten, werden etwa sechs Sohlriegel im Abstand von etwa 200 Metern angelegt, die etwa 20 Zentimeter aus dem Wasser ragen. Um Hochwasser abzuwehren, soll am linken Wertachufer entlang der Lokalbahntrasse? eine Mauer aus Fertigteilen angelegt werden. Eventuell wird am rechten Wertachufer der bestehende Uferweg zum Schutz vor Hochwasser erhöht.
Erfolge
Durch Wertach vital ist die Wertach dabei wieder ein Fluss zu werden, der seichte und tiefe Stellen hat. Ein Fluss mit Totholz und mit Kiesbänken, die sich zum Teil verändern oder neu bilden. Raue Rampen führen zu schäumendem Wasser, wodurch sich der Fluss mit Sauerstoff anreichert und Lebewesen wieder mehr Lebensraum bietet. Auch ist der Fluss jetzt an vielen Stellen wieder zugänglich geworden, selbst für Kinder völlig gefahrlos.
Wo Wertach vital umgesetzt ist, sind die Deiche einen Meter höher als der errechnete Wasserspiegel eines "Jahrhunderthochwassers". Gefährliche Engstellen an der Wertach sind beseitigt. Steinrampen und offenes Deckwerk bremsen die Wertach ab und verhindern, dass sie sich weiter canyonartig eingräbt.
Projektadresse
Wasserwirtschaftsamt Donauwörth
Förgstraße 23
86609 Donauwörth
Tel. 0906/7009-131
Fax:. 0906/7009-136
Homepage des Wasserwirtschaftsamtes Donauwörth
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