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Wasserwerk am Hochablass

Ein ehemaliges Wasserwerk in Augsburg, das für den Beginn der modernen Wasserversorgung in Augsburg steht und zur Entstehungszeit als technisches Wunder galt. Heute dient es der Stromversorgung von rund 2.300 Privatpersonen. Es kann als einzigartiges industriegeschichtliches Denkmal gewertet werden und dient den Stadtwerken Augsburg als Technikmuseum und Trinkwasserinformationszentrum.

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Allgemeines

Im historischen Wasserwerk am Hochablass wurde früher frisches Trinkwasser aus Brunnen des nahen Siebentischwalds gepumpt und ins städtische Wassernetz von Augsburg eingespeist. Verschiedene Wasserturbinen-Typen im Keller des Gebäudes lieferten dazu die Energie. Selbst wurden sie von den unter ihnen strömenden Fluten des Lechs angetrieben, der von hier etwa 300 Meter kanalaufwärts am Hochablass -Wehr aufgestaut wurde. Das Pumpen von Wasser mittels Wasserkraft und ohne einen Wasserturm war zur Entstehungszeit dieses Wasserwerkes am Hochablass ein technisches Wunder. Man nannte es einen Tempel der Technik.

Augsburg hat die städtischen Bürger schon früher als andere Städte mit sauberem Trinkwasser frei Haus versorgt und erregte durch diese innovative Wasserversorgung ohne Hochreservoir und Wasserturm international Aufsehen.

Das Maschinenhaus liegt über dem Neubach, einem der zahlreichen Augsburger Lechkanäle. Das Gebäude hat eine spätklassizistische Westfassade mit zwei Türmen. Die Halle ist 37 Meter lang, 17,5 Meter breit und 7 Meter hoch. Wie wichtig den Augsburgern ihr Wasserwerk war, zeigen die alten Dekorationsmalereien im Inneren und der Terrazzo-Fußboden. Das Bauwerk ist auf Pfählen begründet. Die Malereien zeigen Delphine, Schwäne und Palmettenmotive. Die Farbe gehen von Ultramarinblau, über Englischrot, Rußschwarz, Ocker bis hin zu Grün.

Die Wasserpumpen im Gebäude sind noch gut erhalten. Ab 1879 pressten sie etwa 4 Mio. Kubikmeter Wasser ins Augsburger Leitungsnetz.

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Geschichte

Im Jahr 1876 beschloss der Magistrat? der Stadt Augsburg den Bau eines Wasserwerks am Hochablass. Etwa 1.700 000 Reichsmark wurden für die Quellfassung, den Kanal- und Brückenbau, die Maschinen, Hochbauten und neuen Leitungen genehmigt. Von der Wasserqualität hatte sich zuvor der Hygiene-Experte Max von Pettenkofer? überzeugt. Er beurteilte das Wasser aus dem Probebrunnen im Siebentischwald als sehr gut. Das ganze Gebiet des Siebentischwaldes westlich des Hochablasses war damals bereits im Eigentum der Stadt, so dass der Bau wasserschädlicher Anlagen im Rahmen der Industrie und des Gewerbes nicht mehr erlaubt wurde.

Gebaut wurde das historische Wasserwerk am Hochablass im Jahr 1879. Man nahm es am 1. Oktober 1879 in Betrieb. Damals ersetzte es die alten Brunnenwerke? in der Augsburger Altstadt?. Die Maschinen des Wasserwerkes stammten von der MAN wie überhaupt das gesamte Wasserwerk in Augsburg hergestellt wurde.

Man nahm die großen Kolbenwasserpumpen im Jahr 1879 in Betrieb und legte sie erst 1973 still. In der frühen Zeit wurden sie mechanisch von drei Jonval-Turbinen angetrieben.

1885 wurde das Wasserkraftwerk mit Dampfkesseln bestückt, um bei Wassermangel im Kanal den Pumpendruck aufrecht erhalten zu können. 1935 wurden diese Dampfkessel durch einen Dieselmotor von der MAN ersetzt. Ebenfalls 1885 baute man am rechten östlichen Kanalufer ein Kessel- und Maschinenhaus mit Schornstein, das frei stand und sich baulich dem Hauptgebäude anpasste. Als man 1935 auf Dieselmotoren umstellte wurde die Baulücke zum Haupthaus geschlossen.

1910 tauschte man nach einem schweren Hochwasser die Jonval-Turbinen gegen Francis-Turbinen aus, die leistungsfähiger waren.

1942 baute man zustätzlich elektrische Trinkwasserpumpen ein.

In den Jahren 1973 bis 1993 war das Werk stillgelegt.

Von 1986 bis 1994 renovierte man das Wasserwerk grundlegend.

1993 ließ man die stillgelegten Francis-Turbinen wieder an. Über einen Generator erzeugten sie bis 2005 umweltfreundlichen Strom, der ins Stadtnetz eingespeist wurde.

2005 tauschte man die Francis-Turbinen durch Kaplan-Turbinen von der bayerisch-schwäbischen Firma SFL-Wasserkraftanlagen aus. Jede neue Turbine hat einen eigenen Generator, braucht weniger Warung und liefert etwa ein Fünftel mehr Strom. Insgesamt liefert das Werk heute etwa 2,3 Mio. Kilowattstunden umweltfreundlichen Strom pro Jahr, was für etwa 2.300 Privatpersonen reicht.

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Details

Augsburg ist eine der wasserreichsten Städte der Welt und das Augsburger Wasser ist von hervorragender Qualität. Die Wassermenge hier im Wasserwerk am Hochablass beträgt 16.000 Liter pro Sekunde bei einer Fallhöhe von 2,30 Meter. Jede Turbine leistet rund 100 Kilowattstunden, zusammen 300 Kilowattstunden. Wie auch das Wasserwerk am Hochablass zeigt, setzt Augsburg im Gegensatz zu anderen Großstädten auf stadtnahe Brunnen, beutet nicht weit entfernte eiszeitliche Tiefquellen aus, kann auf lange Rohrleitungen verzichten – alle diese Faktoren sind ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz.

Die Turbinen im Wasserwerk am Hochablass waren jedoch nicht die ersten in Augsburg. Schon 1847 drehte sich im Stadtbach? die erste in Augsburg hergestellte Turbine.

Das Hochablass-Wehr leitet mehrere Tausend Liter Wasser pro Sekunde kanalaufwärts in den Lech. Dort bietet sich Wassertieren reichlich Raum zum Leben. Im Hochablass-Wehr lässt eine Fischtreppe Wassertiere hoch- und herunterschwimmen. So bildet das Hochablass-Wehr keine unüberwindbare Barriere für Fische.

Im 19. Jahrhundert war das Wasserwerk am Hochablass eines von 71 Wasserkraftwerken im Augsburger Stadtgebiet. Heute gibt es nur noch 35 Wasserkraftwerke in Augsburg, die für etwa 50.000 Menschen Energie liefern. Der Lech, die Lechkanäle, die Wertach und 19 weitere Bäche im Stadtgebiet böten weitere Steigerungsmöglichkeiten der umweltfreundlichen Energieerzeugung.

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Die drei frühen Wasserturbinen trieben über Zahnrädervorgelege und Kurbelwellen sechs liegende Kolbenpumpen an, die doppelt wirkten. Die Turbinenleistung betrug insgesamt 160 Kilowattstunden bei einer Pumpenleistung von 864 Kubikmetern pro Stunde.

Der Bau ist ein verputzter Ziegelbau auf einer Pfahlrostkonstruktion. Die Maschinenhalle hat vier Joche und ist mit Kupfer gedeckt. Die Pumpensätze sind jochweise angelegt, wobei der so genannte Neubach brückenartig überspannt wird. Westlich herhebt sich eine Zweiturmfassade, die ein Portikus schmückt und von zweistöckigen Türmen begrenzt wird. In dem nördlichen Turm befinden sich vier große Hauptdruckwindkessel mit einer Höhe von 10 Metern und einem jeweiligen Durchmesser von 1,75 Meter. Ihre 5 bar Druck entsprechen einer Fallhöhe von 50 Metern. Der Südturm beherbergt Büros.

Der Nutzbau ist von strenger Formensprache und wird weiterhin geprägt von verputzter Bandrustika, Eckrustika in Haustein, Bogenfenstern und rechteckigen Biforen.

Mit dem Wasserwerk am Hochablass beginnt die Nutzung des Bodenniveaugefälles des Lechs, die nach etwa 7 Kilometer Luftlinie im Turbinenhaus der Wolfzahnau? (gebaut 1902) und im Gersthofener Wasserwerk? (gebaut 1896) endet. Dazwischen liegen etwa 26 Meter Gefälle.

Adresse und Führungen

Wasserwerk am Hochablass
Am Eiskanal? 48 (in manchen Publikationen auch Spickelstraße? 31)
86161 Augsburg

Lage des Wasserwerkes am Hochablass

Die Stadtwerke Augsburg Wasser GmbH? bietet Führungen für Gruppen und Schulklassen nach Vereinbarung an. Einzelpersonen können nach Rücksprache zu nereits organisierten Führungen dazu stoßen. Tel.: 0821/6500-8603.

Weblinks


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