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Wassertürme am Roten Tor
Teile der mittelalterlichen Wasserversorgung Augsburgs. Es handelt sich um zwei Wassertürme mit Unterbauten aus dem 15. Jahrhundert. In der Nähe steht auch das Haus des Brunnenmeisters? und das Gärtnerhaus?. Auch Obere Wassertürme oder Großer und Kleiner Wasserturm genannt. Zu unterscheiden vom Spitalturm, der aber in der Nähe zu finden ist.
Allgemeines
Die Wassertürme am Roten Tor beherbergten einige der bedeutendsten technischen Maschinen der Zeit, in der sie errichtet wurden: die Pumpanlagen, die das Wasser, das über den Loch- und den Brunnenbach? in die Stadt brachten.
Weil Augsburg keine Erhebungen hat, die Gefälle-Zuleitungen von Wasser ermöglichen, brauchte die Stadt Wasserhebeanlagen und Pumpen, um ihre Wasserversorgung sicherzustellen. In den Brunnenwerken? waren Pumpen installiert, die das Wasser in die Wassertürme mit ihren hoch gelegenen Reservoirs pumpten. Erst von dort konnte das Wasser aufgrund des hergestellten Gefälles in die Leitungen der städtischen Wasserversorgung geleitet werden. Im 18. Jahrhundert gab es in Augsburg nicht nur ein Röhrensystem von 36 Kilometern für die städtische Wasserversorgung, sondern auch sieben Pumpwerke. Von ihnen sind heute noch drei erhalten: die Wassertürme am Roten Tor und der Spital- oder Kastenturm in der Spitalgasse in der Ostmauer des Heilig-Geist-Spitals.
Die Wassertürme am Roten Tor sind Zwillingstürme, was bedeutet, dass sich der Kleine an den Großen Wasserturm lehnt. Beide dienten der Trinkwasserversorgung Augsburgs, genauer gesagt: der Oberen Stadt?, aber auch der Versorgung öffentlicher Springbrunnen. Mit kunstvollen und technisch anspruchsvollen Pumpwerken beförderte man das Wasser in die Hochbehälter der Wassertürme. Von dort floss es dann zunächst in schmiedeeisernen, dann hölzernen Leitungen an die Stellen der Stadt, wo es verbraucht wurde.
Die Türme hat man über Festungstürmen aus dem Mittelalter erbaut. Unter ihnen liegt der Werkhof mit dem so genannten "Unteren Brunnenmeisterhaus", das heute als Schwäbisches Handwerkermuseum genutzt wird, und dem Oberen Brunnenmeisterhaus. Das Ensemble ist reich an verschiedenen Baukörpern wie Hexagon, Oktogon, Kubus und Zylinder) und verbindet die traditionelle Bauweise von Jakob Eschay? mit der Bauweise der Holl-Schüler. Zu dem Ensemble besaß Augsburg früher mechanische und hydraulische Modelle, technische Tafeln und Hausmodelle: Sie alle hat man gegen Ende des 19. Jahrhunderts billig verkauft. Äußerlich erinnern die Rustika und das Triglyphengebälk der Wassertürme an die Bauweise von Elias Holl?.
Geschichte
Der so genannte "Große Turm" wurde 1416 von Hans Felber? zunächst als Holzbau errichtet. Schon 1463 wandelte man den Bau zum Steingebäude (nach anderen Quellen 1464), denn der Holzturm war abgebrannt. 1669 erhöhte man den Wasserturm um zwei Obergeschosse in achteckiger Form. 1746 kam durch Caspar Walter? noch eine Steinbalustrade und eine Oberlichtlaterne hinzu. Auch baute Caspar Walter? die Wassertechnik aus. Das machte ihn damals im ganzen Reich bekannt.
Animation von Dörfler-Werbung?. Caspar Walter war von 1741 bis 1768 Stadtbrunnenmeister? und veranlasste den Bau von hydraulischen Modellen, die in den Wassertürmen am Roten Tor, dem Hauptwasserwerk der Reichsstadt, ausgestellt wurden. 1754 publizierte er die Hydraulica Augustana?, eine Beschreibung der Wassertürme, ihrer Pumpwerke und der dort ausgestellten Modelle. Die hier gezeigte 3D-Animation demonstriert, wie das im Maximilianmuseum in Augsburg ausgestellte, jedoch nicht mehr einsatzfähige Holzmodell Walters funktionierte.
Die Geschichte des so genannten "Kleinen Turms" beginnt 1470, als das dreigeschossige heutige Untergeschoss entstand. Die zwei sechseckigen Obergeschosse wurden 1556 bis 1559 aufgestockt, das Kuppelgeschoss mit der Kupferhaube setzte man 1672 auf. Von Matthias II. Schmuzer? stammt die Innenstuckierung dieses Turmes.
Wahrscheinlich im 19. Jahrhundert wurde die letzte Geschossdecke im Kleinen Wasserturm entfernt, so dass sich die Rotunde der Kuppel dort heute licht und hoch zeigt.
Kurz vor 1881 hat man den Großen Wasserturm (genau wie den Unteren Wasserturm) erhöht, indem man ihm einen verglasten gusseisernen Pavillon mit einem neuen Wasserreservoir aufsetzte. Ziel war die Erhöhung des Wasserdrucks. Dieser Pavillon war im Jahr 1938 noch erhalten, wurde danach aber wieder demontiert. Ausgedient hatten die Türme Ende des 19. Jahrhunderts, als die Holzkonstruktionen zu modern begannen.
Die Wassertürme wurden im Zweiten Weltkrieg beschädigt.
Die Alt-Augsburg-Gesellschaft? hat es 1972/1975 unternommen, die Wassertürme in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalspflege? zu sanieren. Danach gab es Pläne der Schreinerinnung?, in den Türmen ein Treppenmuseum einzurichten, ein städtischer Kulturreferent schlug vor, ein privates Zinnfiguren-Kabinett hier unterzubringen und historische Münzen auszustellen. Andere wollten die Türme zu einem Ort der Kultur machen und sie Kulturgruppen überlassen.
1992 beschloss der Stadtrat jedoch hier eine wasserkundliche Sammlung aufzubauen.
2007 bis 2008 wurden die Wassertürme am Roten Tor ein weiteres Mal gründlich restauriert. Für Besichtigungen wurden sie aber erst im Juli 2010 mit einem Tag der offenen Tür wieder eröffnet.
Am 16. Januar 2011 beschloss die Stadt Augsburg, sich mit dem Thema "Wasser" um den Welterbe-Titel der Unesco nach 2018 zu bewerben. Im Zusammenhang mit der Augsburger Wasserversorgung spielen die 2010 sanierten Wassertürme am Roten Tor eine wichtige Rolle.
Details
Aus der Vergangenheit sind in Augsburg noch fünf Wassertürme erhalten, wovon drei am Roten Tor stehen und eine Druckhöhe von 25 bis 28 Metern erreichen. Hier geht es um den Großen und den Kleinen Wasserturm.
Der Große Wasserturm
Der Baumeister des Großen Wasserturms am Roten Tor kam aus Ulm und hieß Hans Felber?. Er baut 1416 den Turm mit fünf Geschossen auf dem Grundriss eines Quadrats. Schon 1463 muss der Turm erneuert werden. 1616 bekommt er ein Satteldach und 1669 stockt man ihn um zwei Geschosse auf, die achteckig und flachgedeckt sind. An der Aufstockung bringt man eine hölzerne Balustrade an, die 1746 durch eine steinerne ersetzt wird. Ein Altan (Söller) schließt den Turm ab. Im Fries des Gebälks der Oktogonwand, die zur Stadt liegt, kann man die Jahreszahl der Aufstockung in lateinischen Ziffern lesen: MDCLXIX. Im Aufsatz gibt es querovale Luken, die in Superposition liegen, was an den Spitalturm in der Nähe erinnert.
Um in den Großen Wasserturm zu gelangen, kann man zwei Wege nutzen. Entweder man begeht ihn vom Werkhof aus oder durch das Treppenhaus, das dem Kleinen und Großen Wasserturm gemeinsam ist. Dort gibt es im oberen Brunnenmeisterhaus im sechsten Obergeschoss eine Verbindungstür. Die Stockwerke des Großen Wasserturms werden mit Holzstiegen verbunden. Dickes Mauerwerk und Holzstützen sorgen für die Belastungsfähigkeit. Ein Mittelpfeiler im vierten Geschoss trägt die Jahreszahl 1726 oder 1746. Im fünften Geschoss kommt es zum Wechsel zwischen Quadrat und Achteck. Er wird durch spitzbogige Trompen mit spärischen Zwickelstufen bewerkstelligt. Das sechste Geschoss ist sehr geräumig, weshalb man es "Saal" nennt. Getragen wird es von zwei Stützen. Das Geschoss weist Blendbögen auf, dazu großformatige Fenster und eine interessante Dekoration. In den Zwickeln der Pilaster finden sich Holzwappen-Kartuschen von Stadtpflegern? (Imhoff?, Langenmantel?, Stetten? und Sulzer?). Eine Holz-Inschrift macht klar, dass man sie wohl 1746 angebracht hat, als der Turm repariert und umgebaut wurde. Zu sehen sind hier außerdem noch eine Instruktionstafel und die Portraits eines Wildschweins und eines Rehbocks. Sie wurden entweder 1563 oder 1590 in die Gatter des Brunnenbachs? gespült und dort erlegt.
Im obersten Geschoss war das Wasserreservoir untergebracht. Wie es aussah, kann man aus einer Bauzeichnung von 1672 ersehen. Der Wasserkessel muss acht Ecken gehabt haben. Das Becken war mit Kartuschen ausgestattet und rot marmoriert. Zwei Fische aus Metall und ein Fischkopf spieen Wasser in das Becken. Vier Aufsteigröhren durchstießen die trapezförmige Deckenöffnung auf Höhe der Balustrade und ein dickeres Ablaufrohr durchstieß an der Seite die Geschosse. In den verschiedenen Geschossen waren für das Personal technische Instruktionen und Schautafeln angebraucht, aus denen zu entnehmen war, wie die Anlage bedient werden musste.
Der Kleine Wasserturm
Der Grundriss des Kleinen Wasserturms ist quadratisch. Bernhard Zwitzel? soll den Turm etwa 1559 um zwei Geschosse erhöht haben, die sechseckig sind. An der Nordostecke des Turmes befindet sich ein hoher Strebepfeiler, um die Erschütterungen der Pumpen abzufangen. Das sechste Geschoss kam 1672 hinzu, der Zwiebel-Abschluss wurde durch einen "Kugel-Helm" aus Kupfer ersetzt. Die Geschosse des Turms weisen Kupferne Wasserspeier, Eckrustika und Triglyphengebälk, wie man es von Elias Holl? gewohnt ist, auf. Von 1744 stammen die Holztreppen von Caspar Walter?, im obersten Geschoss als Wendeltreppe ausgeführt. Die Et agen sind trapezoid für Aufstiegs- und Abfallrohre durchbrochen.
Die unteren quadratischen Etagen sind geräumig. Das Treppenhaus weist Nischen auf, in denen zur Erleuchtung Kienspäne eingestellt werden konnten. Auch sind Wandmalereien im Treppenhaus entdeckt worden. Das dritte Geschoss ist der Bereich, in dem der quadratische Grundriss in die sechseckige Geschossform wechselt. Das geschieht durch Trompen, die weit gespannt und von spitzbogiger Form sind. Die Trompen haben sphärische Zwickelstufen über Konsolen aus Sandstein, die in Büstenform gearbeitet sind.
Früher war auf dem letzten Stockwerk, das mit Ziegelsteinen belegt und gewölbt ist, ein Wasserkessel mit zwei Fisch- und einem Fischkopfspeier untergebracht. Sein sechseckiger Grundriss korrespondierte mit dem Grundriss des letzten Stockwerks. In diesem letzten Stockwerk hat Matthias II. Schmuzer? stuckiert. Die Stuckierung ist lünettenförmig segmentiert und über dem Tambour mit seinen Fenstern angebracht. Dreieckgiebel schaffen den Übergang vom Sechseck in das Rund der Kuppel. In den Ecken des Raumes haben sich hohe Wandkonsolen und sechs Schaubilder mit technischen Themen erhalten. Die Wandkonsolen sind mit vielfarbigen Wappenkartuschen der Stadtpfleger? aus Stuck verziert, die technischen Schaubilder wurden von Franz J. Lederer? in Öl auf Holz nach Entwürfen von Caspar Walter? gemalt.
Im letzten Geschoss befindet sich der Übergang zum Großen Wasserturm. In den Kleinen Wasserturm gelangt man über das Obere Brunnenmeisterhaus? oder den Werkhof?.
Seit dem 17. Jahrhundert hatte man im Kleinen Wasserturm Holzmodelle und technische Tafeln zur Belehrung der Besucher über die Geschosse verteilt, doch sind die meisten im Laufe der Zeit verschwunden.
Sonstiges
Die Wassertürme und die dort untergebrachte wasserkundliche Sammlung ist sicher einen Besuch wert. Aus feuerpolizeilichen Gründen kann man die Wassertürme allerdings nur im Rahmen von Führungen erkunden. Und aus statischen Gründen muss die Teilnehmerzahl auf jeweils 15 Personen begrenzt werden.
Lage

© OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA (www.openstreetmap.org - CC-BY-SA)
Weblinks
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