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Wandel der Sicht in Brechts Heimatstadt

Bis zum Tod Bert Brechts

Dass Brecht in seiner Heimatstadt spät Anerkennung fand, ist aber nicht den offiziellen Stellen zu verdanken, sondern beruht auf vielen kleinen privaten Initiativen.

Einen ersten Brechtabend brachte das Theater Augsburg in der Spielzeit 1947/48.

1960er Jahre

Dann stellte die Bücherstube Augsburg? 1960 erste Veranstaltungen zu dem wenige Jahre zuvor verstorbenen Schriftsteller in seiner Geburtsstadt auf die Beine ("Brechtwoche"). Auf private Initiative hin wurde 1960 am heutigen Brechthaus eine Gedenktafel zu Ehren des Dichters angebracht, die der Bildhauer Sepp Mastaller? schuf. Heute hängt sie im Eingangsbereich des Hauses. Der Stadtrat sah sich damals noch außerstande an der feierlichen Enthüllung der Gedenktafel teilzunehmen, weil jemand, der sich zu Brecht bekenne, ja ein Kommunist sei.

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Im Jahr 1962 erschien von Dr. Max Högel? ein literarisches Portrait zu Bertolt Brecht.

Ab 1963 sammelte man im Stadtarchiv? und in der Staats- und Stadtbibliothek? Dokumente über den Erfinder des epischen Theaters. So wurde es vom Stadtrat beschlossen, der allerdings zunächst keinen Etatposten für die Aufgabe freigab.

Ab 1966 wurde Brecht im Augsburger Adressbuch als berühmter Augsburger geführt und man benannte im gleichen Jahr eine Straße nach ihm (Bert-Brecht-Straße, zuvor Frühlingsstraße). Diese Straßenbenamung war vom Augsburger Stadtrat aber noch in den frühen 1960er Jahren abgelehnt worden, wie Sitzungsprotokolle beweisen, die im Zuge des Brechtfestivals 2010 auf dem Augsburger Stadtmarkt verlesen wurden.

1968 denkt die Stadt wenigstens an den 70. Geburtstag des Augsburger Dichters, doch nicht einer der Stadtoberen, sondern ein Gartenbauamt-Mitarbeiter legt den offiziellen Kranz Auf dem Rain 7 nieder. Der Umgang der Stadt Augsburg mit ihrem berühmten Sohn beginnt sich also damals aufzulockern. So lässt der damalige Oberbürgermeister? verlauten: "Die Zeit, Bertolt Brecht in der Reihe der großen Augsburger zu nennen, ist gekommen." Und der damalige Kulturreferent? will den Politiker vom Dramatiker Brecht trennen, um ihn für Augsburg handhabbarer zu machen: "Ich kann von meiner politischen Grundeinstellung her das, was politisch Brecht gemacht hat, nicht übernehmen. Trotzdem - da kann ich eben sagen, ich habe viele Brecht-Stücke gesehen, und da war ich eben begeistert, wenn auch nicht vom Inhalt in jedem Fall." Konservativ angehauchte Rechtfertigungseiertänze zur "Heimholung" Bertolt Brechts.

1970er Jahre

Trotzdem scheitern in den 1970er Jahren alle Versuche, die neu gegründete Augsburger Universität nach dem weltweit bekannten Literaten aus Augsburg zu benennen. Ebenso bekommt ein neu gegründetes Gymnasium den Namen von Rudolf Diesel?, nicht den von Brecht.

1975 erscheint die Dokumentation "Brecht in Augsburg" von Werner Frisch?.

Ebenfalls in den 1970er Jahren ereignet sich das kuriose Verschwinden von Brecht-Möbeln. Die Augsburger Prominenten-Fußballelf Datschiburger Kickers? erstanden einige Möbelstücke des jungen Dichters, um sie in einer später zu errichtenden Gedenkstätte aufstellen zu können. Die Staats- und Stadtbibliothek? nimmt die Möbel in Verwahrung - doch sie verschwinden spurlos. Zuerst denkt man an Diebstahl, doch Ermittlungen ergeben, dass die Brecht-Möbel einer Sperrmüllaktion zum Opfer fielen. Ähnlich kurios: Noch 1978 weiß die von der Stadt Augsburg beauftragte Firma nicht, wo sie das Gebinde zum 80. Geburtstag des großen Augsburgers hinbringen soll und gibt es bei einem Trödlerladen in der Altstadt? in der Nähe des Brechthauses ab.

1980er Jahre

Seit 1985 gibt es in der Universität Augsburg einen Bert-Brecht-Hörsaal, doch scheiterten erneut die Versuche, die gesamte Universität nach dem Dichter zu benennen. Im gleichen Jahr feiert die Stadt ihre große 2000-Jahr-Feier. Dazu ist auch Brecht gut. In der Zwischenzeit hat die Stadt das Brechthaus gekauft und eröffnet diese Brecht-Stätte mit einer Dauerausstellung, es wird eine "Brecht-Woche" veranstaltet, an der Universität Augsburg findet eine Brecht-Ringvorlesung statt. Der damalige Kulturreferent? wollte unbedingt mit dem Gerücht aufräumen, Brecht sei in seiner Vaterstadt nicht anerkannt und geliebt.

1990er Jahre

Ab 2000

Im September 2010 wurde vor dem Haus Barfüßerstraße? 3 in Augsburg eine neue Brechtstatue eingeweiht. Seit 2006 dienen knallrote und mannshohe Stahlskulpturen, die die Silhouette des Augsburger Schriftstellers nachzeichnen, als Wegweiser zu Brechts Geburtshaus und zu Stätten seiner Kindheit und Jugend in Augsburg. Die neue Statue wurde privat finanziert und steht in unmittelbarer Nähe zu Brechts Geburtshaus und zu seiner Taufkirche.

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