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Vorurteile gegenüber Brecht

Allgemeines

Bei Brecht fällt auf, dass es eine große Diskrepanz zwischen öffentlichen Vorurteilen und durch die Forschung nachgewiesenen Tatsachen gibt.

Einzelne Vorurteile

Ein Vorurteil geht davon aus, dass Brecht seine Mitarbeiter ausgebeutet habe. Tucholsky meinte einmal, Brecht sei ein Abschreiber und nicht viel mehr. Es heißt, er habe Mitarbeiter Teile seines Werkes schreiben lassen. Vielleicht ist dieses Vorurteil dadurch entstanden, dass er nach der Erstaufführung der "Dreigroschenoper" gesagt hat, er habe einen laxen Umgang mit dem geistigen Eigentum. Allerdings stimmt dieses Vorurteil nicht, wenn man Protokollen und Aussagen seiner MitarbeiterInnen glauben darf, ob das nun Elisabeth Hauptmann, Ruth Berlau oder Regine Lutz war. Immer hat Bert Brecht zwar in einer Gruppe gearbeitet oder eng mit Co-Autoren, aber immer war er auch "primus inter pares", was bedeutete, dass er das letzte Wort hatte und den Text festgelegt hat. Wenn Bert Brecht nicht der Haupttextautor war, so hat er das immer klar gemacht. So ist er auf dem Programmzettel der "Dreigroschenoper" nur als Bearbeiter aufgeführt.

Aus dem Kalten Krieg stammt das Vorurteil, Brecht sei ein trockener und langweiliger Ideologe gewesen. Das hängt damit zusammen, dass ihn die DDR nach seinem Tod als Staatsdichter vereinnahmte, der er nie war. Nach der Wende konnte man an Hand gefundener Dokumente beweisen, dass es Bert Brecht mit der DDR-Staatsführung sehr schwer hatte und er keineswegs auf ihrer Linie war. Übrigens hatten schon die Nazis zu dem Bild von Brecht als Ideologe beigetragen. Dokumente aus DDR-Archiven zeigten nach der Wiedervereinigung, dass die DDR-Führung dem Dichter Formalismus und Pazifismus vorwarf und sogar einen Spitzel auf ihn ansetzte.

Aber auch im Westen Deutschlands hat man Brecht abgelehnt und ihn auf eine Weltanschauung festgelegt. Weil er angeblich Kommunist war, boykottierte man ihn zunächst, später entschärfte man den Vorwurf des Kommunismus oder ließ ihn ganz fallen.

Auf östlicher wie westlicher Seite wollte man nicht wahrnehmen, dass Brecht sich nicht auf Weltanschauungen festlegen ließ, ja sich über sie lustig machte und an die Tatsachen halten wollte. Das ist der Grund, warum viele Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter Brechts ihn in den Darstellungen der Presse oder Forschung nicht mehr erkennen konnten. Natürlich sind auch die Aussagen von Zeitzeugen mit Vorsicht aufzunehmen, doch zeichnen sie meist ein von östlichen wie westlichen Sichtweisen abweichendes Bild von Brecht.

Joachim Lang versuchte zu zeigen, dass es Brecht, so wie ihn Zeitzeugen sahen, bei seiner Kunst um Vergnügen, Unterhaltung und gesellschaftliche Veränderung ging. Damit sollte die Literatur in seiner Sicht zur Kunst des Lebens beitragen. Die Grundlagen dazu hat er schon in Augsburg und dem Freundeskreis, den er hier um sich scharte, gelegt.

Weblinks


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