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24. Artikel: Von der Messe
Man wirft den Unsern zu Unrecht vor, dass sie die Messe abgeschafft haben sollen. Denn das ist offenbar, dass die Messe, ohne zu lobhudeln, bei uns mit größerer Andacht und Ernst gefeiert wird, als bei den Widersachern. So werden auch die Leute mit höchstem Fleiß desöfteren über das heilige Sakrament unterrichtet, wozu es eingesetzt und wie es zu gebrauchen ist, um nämlich die erschrockenen Gewissen damit zu trösten; dadurch wird das Volk zur Kommunion und Messe gezogen. Dabei wird auch über andere unrechte Lehren vom Sakrament Unterricht gegeben. So ist auch in den öffentlichen Zeremonien der Messe nichts Merkliches geändert worden, als dass an etlichen Orten neben dem lateinischem Gesang deutsche Gesänge gesungen werden, um das Volk damit zu lehren und zu üben, zumal alle Zeremonien vor allem dazu dienen sollen, dass das Volk davon lerne, was es von Christus notwendig wissen soll.
Nachdem aber die Messe auf mancherlei Weise vor dieser Zeit missbraucht wurde, wie offensichtlich ist, dass daraus ein Jahrmarkt geworden ist, dass man sie gekauft und verkauft hat und dass sie zu größeren Teil in allen Kirchen um des Geldes willen gehalten worden ist, wurde dieser Missbrauch mehrmals, auch vor unserer Zeit, von gelehrten und frommen Leuten getadelt. Als nun die Prediger bei uns davon gepredigt haben und die Priester an die schreckliche Bedrohung erinnert worden sind, die jeden Christen bewegen soll, dass, wer das Sakrament unwürdig gebraucht, schuldig ist am Leib und Blut Christi: Daraufhin sind solche Kauf- und Winkelmessen, die bisher aus Zwang um des Geldes und der Stifter willen gehalten wurden, in unseren Kirchen gefallen.
Dabei ist auch der schlimme Irrtum gestraft, dass man gelehrt hat, unser Herr Christus habe durch seinen Tod allein für die Erbsünde Buße getan und die Messe eingesetzt zu einem Opfer für die anderen Sünden und also die Messe zu einem Opfer gemacht für die Lebendigen und Toten, um dadurch Sünde wegzunehmen und Gott zu versöhnen. Deswegen folgten Disputationen darüber, ob eine Messe, für viele gehalten, ebenso viel wert sei, wie wenn man für einen einzelnen eine besondere hielte. So ist es zu den unzähligen Messen gekommen. Man wollte mit diesem Werk bei Gott alles erlangen, dessen man bedurfte, und daneben ist der Glaube an Christus und den rechten Gottesdienst vergessen worden. Darum unterrichtet man, wie es ohne Zweifel die Not gefordert hat, dass man weiß, wie das Sakrament recht zu gebrauchen ist. Und die Schrift zeigt an vielen Stellen, dass kein Opfer für Erbsünde und andere Sünden da ist als einzig der Tod Christi. Denn so steht es geschrieben in Hebr. 10,14, dass sich Christus einmal geopfert hat und dadurch für alle Sünden genug getan hat. Es ist eine gar unerhörte Neuerung in der Kirchenlehre, dass Christi Tod allein für die Erbsünde und nicht auch für andere Sünden genuggetan haben; deshalb ist zu hoffen, dass jedermann verstehe, dass solcher Irrtum nicht ohne Grund gestraft sei.
Zum anderen, so lehrt Sankt Paulus, dass wir vor Gott Gnade erlangen durch Glauben und nicht durch Werke. Dagegen steht offensichtlich dieser Missbrauch der Messe, wenn man meint, Gnade zu erlangen durch dieses Werk, wie man denn weiß, dass man die Messe dazu gebraucht, um dadurch Sünde abzulegen und Gnade und alle Güter bei Gott zu erlangen, nicht allein der Priester für sich, sondern auch für die ganze Welt und für andere, Lebendige und Tote.
Zum dritten ist das heilige Sakrament eingesetzt, nicht um für die Sünde ein Opfer anzurichten, denn das Opfer ist zuvor geschehen, sondern damit unser Glaube dadurch erweckt und die Gewissen getröstet werden, die durch das Sakrament vernehmen, dass ihnen Gnade und Vergebung der Sünde von Christus zugesagt ist. Deshalb fordert dies Sakrament Glauben und wird ohne Glauben vergeblich gebraucht. Dieweil nun die Messe nicht ein Opfer ist für andere, Lebendige oder Tote, ihre Sünde wegzunehmen, sondern eine Kommunion sein soll, da der Priester und andere das Sakrament empfangen für sich, ist es bei uns Brauch, dass man an Feiertagen und auch sonst, wenn Kommunikanten da sind, Messe hält und etliche, die es begehren, kommunizieren.
Also bleibt die Messe bei uns in ihrem rechten Brauch, wie sie vorzeiten in der Kirche gehalten wurde, wie man beweisen mag aus Paulus 1. Kor. 11, dazu auch aus vieler Väter Schriften. Denn Chrysostomus schreibt, wie der Priester täglich stehe und fordere etliche zur Kommunion auf, etlichen verbiete er hinzuzutreten.
Auch zeigen die alten Canones an, dass einer das Amt gehalten hat und die anderen Priester und Diakone kommuniziert haben. Denn so lauten die Worte im canone Nicaeno: Die Diakone sollen nach den Priestern ordentlich das Sakrament empfangen vom Bischof oder Priester.
Weil man nun keine Neuigkeit hierin, die in der Kirche von alters her nicht gewesen ist, vernommen hat und auch in den öffentlichen Zeremonien der Messen keine merkliche Änderung geschehen ist, außer dass die unnötigen Messen, die etwa durch einen Missbrauch neben der Pfarrmesse gehalten wurden, weggefallen sind, soll diese Weise Messe zu halten, nicht als ketzerisch und unchristlich verdammt werden. Denn man hat vorzeiten auch in den großen Kirchen, wo viel Volk gewesen ist, auch an den Tagen, an denen das Volk zusammen kam, nicht täglich Messe gehalten, wie die Tripartita Historia lib. 9 zeigt, dass man zu Alexandria am Mittwoch und Freitag die Schrift gelesen und ausgelegt habe, und sonst alle Gottesdienste gehalten habe ohne die Messe.
De Missa
Falso accusantur ecclesiae nostrae, quod missam aboleant. Retinetur enim missa apud nos et summa reverentia celebratur. Servantur et usitatae caeremoniae fere omnes, praeterquam quod latinis cantionibus admiscentur alicubi Germanicae, quae additae sunt ad docendum populum. Nam ad hoc praecipue opus est caeremoniis, ut doceant imperitos. Et Paulus praecepit in ecclesia uti lingua intellecta populo. sed etiam ita consitutum est humano iure. Assuefit populus, ut una utantur sacramento, si qui sunt idonei; id quoque auget reverentiam ac religionem publicarum caeremoniarum. Nulli enim admittuntur nisi antea explorati et auditi. Admonentur etiam hominess de dignitate et usu sacramenti, quantam consolationem afferat pavidis conscientiis, ut discant Deo credere et omnia bona a Deo exspectare et petere. Hic cultus delectat deum, talis usus sacramenti alit pietatem erga Deum. Itaque non videntur apud adversarios missae maiore religione fieri quam apud nos.
Constat autem hanc quoque publicam et longe maximam querelam omnium bonorum virorum diu fuisse, quod missae turpiter profanarentur, collatae ad quaestum. Neque enim obscurum est, quam late pateat hic abusus in omnibus templis, a qualibus celebrentur missae tantum propter mercedem aut stipendium, quam multi contra interdictum canonum celebrent. Paulus autem graviter minatur his, qui indigne tractant eucharistiam, cum: Qui ederit panem hunc aut biberit calicem domini indigne, reus erit corporis et sanguinis Domini. Itaque cum apud nos admonerentur sacerdotes de hoc peccato, desierunt apud nos privatae missae, cum fere nullae privatae missae nisi quaestus causa fierent.
Neque ignoraverunt hos abusus episcopi; qui si correxissent eos in tempore, minus nunc esset dissensionum. Antea sua dissimulatione multa vitia passi sunt in ecclesiam serpere. Nunc sero incipiunt queri de calamitatibus ecclesiae, cum hic tumultus non aliunde sumpserit occasionem quam ex illis abusibus, qui tam manifesti erant, ut tolerari amplius non possent. Magnae dissensiones de missa, de sacramento exortae sunt, fortassis ideo ut daret poenas orbis tam longae profanationis missarum, quam in ecclesiis tot saeculis toleraverunt isti, qui emendare et poterant et debebant. Nam in decalogo scriptum est: Qui nomine Dei abutitur, non erit impunitus. At ab initio mundi nulla res divina ita videtur unquam ad quaestum collata fuisse ut missa.
Accessit opinio, quae auxit privatas missas in infinitum, videlicet quod Christus sua passione satisfecerit pro peccato originis, et instituerit missam, in qua fieret oblatio pro quotidianis delictis, moratalibus et venialibus. Hinc manavit publica opinio, quod missa sit opus delens peccata vivorum et mortuorum ex opere operato. Hic coepit disputari, utrum una missa dicta pro pluribus tantumdem valeret quantum singulae pro singulis. haec disputatio peperit istam infinitam multitudinem missarum.
De his opinionibus nostri admonuerunt, quod dissentiant a scripturis sanctis et laedant gloriam passionis Christi. Nam passio Christi fuit oblatio et satisfactio non solum pro culpa originis, sed etiam pro omnibus reliquis peccatis, ut ad Hebraeos scriptum est: Sanctificati sumus per oblationem Jesu Christi semel. Item: Una oblatione comsummavit in perpetuum sanctificatos.
Item scriptura docet nos coram deo iustificari per fidem in Christum, cum credimus, nobis remitti peccata propter Christum. Iam si missa delet peccata vivorum et mortuorum ex opere operato, contingit iustificatio ex opere missarum, non ex fide, quod scriptura non patitur.
Sed Christus iubet facere in sui memoriam. Quare missa instituta est, ut fides in his, qui utuntur sacramento, recordetur, quae beneficia accipiat per Christum, et erigat et consoletur pavidam conscientiam. Nam id est meminisse Christi, beneficia meminisse ac sentire, quod vere exhibeantur nobis. Nec satis est historiam recordari, quia hanc etiam Iudaei et impii recordari possunt. Est igitur ad hoc facienda missa, ut ibi porrigatur sacramentum his, quibus opus est consolatione, sicut Ambrosius ait: Quia semper pecco, semper debeo accipere medicinam.
Cum autem missa sit talis communicatio sacramenti, servatur apud nos una communis missa singulis feriis atque aliis etiam diebus, si qui sacramento velint uti, ubi porrigitur sacramentum his, qui petunt. Neque hic mos in ecclesia novus est. Nam veteres ante Gregorium non faciunt mentionem privatae missae; de communi missa plurimum loquuntur.
Chrysostomus ait: Cotidie sacerdotum stare ad altare et alios accersere ad communionem, alios arcere. Et ex canonibus veteribus apparet unum aliquem celebrasse missam, a quo reliqui presbyteri et diaconi sumpserunt corpus Domini. Sic enim sonant verba canonis Nicaeni: Accipiant diaconi secundum ordinem post presbyteros ab episcopo vel a presbytero sacram communionem. Et Paulus de comunione iubet, ut alii alios exspectent, ut fiat communis participatio.
Postquam igitur missa apud nos habet exemplum ecclesiae, ex scriptura et patribus, confidimus improbari eam non posse, maxime cum publicae caeremoniae magna ex parte similes usitatis serventur; tantum numerus missarum est dissimiilis, quem propter maximos et manifestos abusus certe moderari prodesset. Nam olim ne quidem in frequentissimis ecclesiis ubique fiebat cotidie missa, ut testatur Historia Tripartita, lib. 9.: Rursus autem in Alexandria quarta et sexta feria scripturae leguntur easque doctores interpretantur, et omnia fiunt praeter solemnem oblationis morem.
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