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Synagoge

Die Synagoge in Augsburg ist das Gotteshaus der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg-Schwaben?. Es handelt sich um die einzige Synagoge in einer bayerischen Großstadt, die das Naziregime überstanden hat. Jahr um Jahr wird sie von mehr Besuchern angesteuert.

Augsburger Synagoge 2010 © Eva Stuhlmüller (www.augsburg-parrot.de)

Allgemeines

Die Synagoge zählt ohne Übertreibung zu den bedeutendsten Jugendstil-Synagogen in Europa. Im Zentrum der quadratisch entworfenen Synagoge erhebt sich eine 27 Meter hohe Kuppel, die den Besucher mit ihren orientalisch anmutenden Ornamenten verzaubert und in eine andere Welt entrückt. Neben dem Davidsstern findet sich in den Ornamenten der Synagoge auch die Zirbelnuss, womit man die Verbundenheit mit der Stadt Augsburg ausdrücken wollte.

Geschichte der Augsburger Synagoge

Mittelalter

Wann genau die erste Synagoge in Augsburg gebaut wurde, ist unklar. Im Jahr 1212 wird der erste Jude in Augsburg erwähnt, 1259 wird in einem Dokument ein "domus Judeorum" erwähnt. Ob damit aber eine Synagoge gemeint ist, weiß man nicht. Und ob die Kapelle Sankt Leonhard? in der Karlstraße eine Synagoge als Vorläuferbau hatte, ist ebenfalls nicht gesichert, auch wenn es von manchen Forschern vermutet wird. Im Stadtrecht? von 1276 wird zum ersten Mal eine "schuol" bzw. eine "judenschuol" erwähnt, womit nach damaligem Sprachgebrauch eindeutig eine Synagoge gemeint ist.

Es kann als wahrscheinlich angenommen werden, dass diese Synagoge mit ihrem Vorhof, der als Gerichts- und Versammlungsort diente, in der späteren Judengasse? oder zumindest in ihrer Nähe lag. Sicher ist, dass die Juden an der Stadtmauer von Augsburg mitbauten. 1438 wurden die Juden vom Stadtrat? enteignet aus Augsburg vertrieben. Man zog ihren Gemeindebesitz ein und verwandelte die Synagoge in ein Wohnhaus.

19. Jahrhundert

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam dann wieder eine erste jüdische Kultstätte nach Augsburg. Der jüdische Bankier Jakob Obermayer? wollte den Augsburger Juden den Weg zur Synagoge in Kriegshaber bzw. Pfersee ersparen und richtete 1808 in seinem Privathaus (Obstmarkt 12) eine Betstube für Andachten und Gottesdienste ein.

Im Jahre 1861 wurde von der Regierung die Gründung einer Israelitischen Kultusgemeinde in Augsburg genehmigt, was in der Vorbereitung für Isidor Obermayer?, den Sohn des Bankiers Jakob Obermayer?, der Grund war, im Auftrag der Gemeindemitglieder in der Wintergasse für 13.000 Gulden ein Haus zu kaufen und es zu einer Synagoge umbauen zu lassen. Im Zweiten Weltkrieg wurde dieses Gebäude schwer zerstört und hinterher als Wintergasse Nr. 11 wieder aufgebaut. Weil sich in kurzer Zeit die Anzahl der Gemeindemitglieder verdoppelte (1861 waren es 283 Augsburger Juden, 1867 schon 449), wurde auf Beschluss einer Gemeindeversammlung im Jahr 1864 die Synagoge umgebaut und durch ein jüdisches Gemeindezentrum erweitert, wozu auch eine Rabbiner-, Kantor- und Lehrerwohnung gehörte.

In der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" konnte man am 29. März 1864 zu diesen Vorgängen lesen: "Durch die von unserm allseits segensreich wirkenden Rabbinen Herrn Dr. Hirschfeld vermittels Predigt gegebene Anregung wurde unmittelbar hierauf eine Gemeinde-Versammlung berufen und einstimmig der Bau einer Synagoge beschlossen, und sollen wir bereits das nächste Synagogen-Neujahr an einer für die hiesige Gemeinde angemessenen Gottesstätte begrüßen."

Man begann schon im Frühjahr 1864 mit den Baumaßnahmen und richtete im Vorderhaus die Rabbiner-, Kantor- und Lehrerwohnungen ein. Hier wohnten später die Rabbiner Dr. Hirschfeld (aus Fünfkirchen; Rabbiner in Augsburg von 1863 bis 1870), Dr. Heinrich Groß (Rabbiner in Augsburg von 1875 bis 1910) und Dr. Richard Grünfeld. Über ein Mittelportal gelangte man in das rückwärtige Gebäude der umgebauten Synagoge. Dr. Hirschfeld nahm am 7. April 1865 die Weihe vor. Darüber berichtete die "Allgemeine Zeitung des Judentums" am 2. Mai 1865 folgendes:

"Augsburg, am 14. April. Die hiesige neue Synagoge wurde Freitag am 7. dieses Monats eingeweiht. Die Einweihung einer Synagoge in einer durch eingetretene günstige Zeitverhältnisse neugebildeten Gemeinde hat schon an und für sich eine höhere Bedeutung. Ganz besonders aber zeichnet sich diese Feierlichkeit durch den wahrhaften Kiddusch HaSchem aus, den die, von Herrn Rabbiner Dr. Hirschfeld, gehaltene Einweihungsrede gemacht. Vor einem sehr zahlreich versammelten Publikum, in dem die christlichen Konfessionen ein bedeutendes Kontingent bildeten, und in Anwesenheit von Repräsentationen der königlichen Regierung, des Stadtmagistrates, wie sämtlicher Stadtbehörden und des Offizierkorps hielt Herr Dr. Hirschfeld eine Einweihungsrede, welche nicht bloß durch ihren rhetorischen Wert, sondern auch die kühne Darstellung des liberalen Geistes im Judentume lebhafte Sensation hervorrief. Die Journale besprechen sämtlich diese Rede mit ungeteiltem Beifall. Selbst die "Allgemeine Zeitung" sprach sich lobend über die "herzdurchwärmenden Worte" aus, mit welchen "Herr Rabb. Dr. Hirschfeld jede Exklusivität von der Schwelle des geweihten Tempels zurückwies"! Die Aufforderung, die Predigt dem Druck zu übergeben, erging von vielen Seiten und mehrere reiche christliche Bürger erklärten im Vorhinein, die Einen 50, die Andern 100 Exemplare der gedruckten Rede zur Verbreitung derselben zu nehmen. Es ist wahrscheinlich, dass sie im Druck erscheint."

In dieser Synagoge von 1865 stand eine Orgel, die erste in einer bayerischen Synagoge.

Schon bald wurden an hohen jüdischen Feiertagen zwei Gottesdienste abgehalten, weil die Synagoge für die wachsende Gemeinde zu klein war. In den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts fand der zweite Gottesdienst im Schießgrabensaal? statt, der sozusagen als "Feiertagssynagoge" verwendet wurde. Klar, dass deshalb der Bau einer neuen Synagoge angedacht wurde. Hinzu kam, dass die alte Synagoge immer baufälliger wurde.

20. Jahrhundert

Der Synagogenbau

Der Bau einer neuen Synagoge wurde im Jahr 1900 von der jüdischen Gemeinde Augsburg beschlossen. Es dauerte allerdings noch ein paar Jahre, bis die neue Augsburger Synagoge stand. Zunächst musste man nach einem für ein neues jüdisches Gemeindezentrum geeigneten Gelände suchen. Im Jahr 1903 konnte man in der Halderstraße das Degmair´sche Gartengelände kaufen, 1912 schrieb man einen Architekturwettbewerb aus, aus dem der Plan der beiden Architekten Fritz Landauer? und Dr. Heinrich Lömpel? als Sieger hervorging. Zwischen 1914 und 1917 wurde die Synagoge dann gebaut. Was Zeitgenossen zu dieser Synagoge dachten und zu sagen hatte, ist einem Artikel vom 18. Mai 1917 in der Allgemeinen Zeitung des Judentums zu entnehmen. Überschrift: Die neue Augsburger Synagoge - eine deutsche Glanzleistung im Weltkriege. Von L. Fränkel (mit dankbarer Benutzung der verschiedenfachen Artikeln und Einzelmittelungen in den "Münchener Neuesten Nachrichten" und der "München-Augsburger Abendzeitung", die sämtlich nichtjüdischen Federn entstammend, des reichsten Lobes voll sind). Der Text:

"Unparteiische kundige christliche Fachleute fällen das Urteil, dass das soeben eingeweihte Heiligtum in Augsburg zu den besten und wertvollsten Lösungen des modernen Kultbaues gehört: die neue Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg an der Nordseite der Halderstraße, dem freien Platz zwischen Schrannen- und Turnhalle gegenüber. Auf den im Jahre 1912 ausgeschriebenen Wettbewerb für eine Synagoge nebst Verwaltungs- und Beamtengebäuden liefen 47 Arbeiten ein. Das Preisgericht, drei Herren der Kultusgemeinde und vier Künstler (die Professoren an der Münchener Technischen Hochschule Theodor Fischer und Karl Hocheder, Königlicher Baurat G. Kurz in Augsburg und Stadtbaurat Holzer ebenda), zeichneten zwei davon je mit einem ersten Preise aus: nämlich das Projekt "Sem I", dessen Entwurf sich auch auf alle Einzelheiten der Innenausstattung bezieht. Nachdem die Gemeinde im Juni 1913 die durchgearbeitete Pläne genehmigt, begann in September der Bau. Beim Kriegsbeginn standen Wohn- und Verwaltungsgebäude im Rohbau, ebenso der Tempel mit der gewölbten Eisenbetonkuppel. Nach mehrmonatiger Pause setzte man seit Herbst 1914 wenigstens die schützenden Dächer auf, beschloss im Januar 1915, den Bau als Notstandsarbeit energisch durchzuführen, und erledigt von März 1916 an trotz der ungeheuren Hindernisse, welche Beschlagnahme und Fehlen wichtiger Rohmaterialien ergaben, den Innenbau außer einigen Kleinigkeiten im dekorativen Beiwerk binnen Jahresfrist.

Architektonische Schwierigkeiten waren für die Grundrisslösung und den stilistischen Ausdruck zu überwinden. Die Westostrichtung der Halderstraße und die erforderliche Ostorientierung des Kultusbaues machten es unmöglich, den Tempelbau selbst mit der Achse zur Straße zu stellen. Eine harte Nuss zu knacken gab es weiter, weil zwei Gemeinde- und Verwaltungsgebäude verlangt waren, das ziemlich tiefe Grundstück nach der Front jedoch schmal ist. Die Architekten fanden dafür die wohl einzig mögliche logische Lösung, den ganzen Baukomplex in den gegebenen Raum einzufügen. Sie zogen die zwei Wohnhäuser für die Gemeindebeamten, die auch die israelitische Schule enthalten, bis zur Straßenlinie vor, die Formen den Augsburger Renaissancebauten annähernd, und verbanden sie durch eine lockere, dreitorige Säulenhalle. Diese, straßenwärts mit hübschen Schmiedgittern abgeschlossen und sonst vornehm zurückhaltend, leitet in einen schmucken Zierhof, hinter dem sich die Synagoge als Zentralbau erhebt. So ist diese dem Straßenlärm entrückt, obwohl sie mit ihrer proportionierten Kuppel den Gesamtkomplex beherrscht. Ihr Aufbau tritt auch nach außen übersichtlich in Erscheinung. Die Westostrichtung des Straßenweges stört auf diese Weise nirgends, indem der gleichsam in drei Abschnitten erfolgende Zugang von Westen her, also mit ostwärts zielendem Blick auf die Bundeslade, ins Gotteshaus eintreten lässt. Diese Übergänge durch Säulenhalle, Zwischenhof, Vorhalle ins Tempelinnere steigern den Eindruck wohlüberlegt und kommen zur Andacht sammeln. Zugleich ermöglichst es diese Gliederung, die Gesamtanordnung der Überlieferung des Augsburger Stadtbildes anzupassen. Es war heutigen strebsamen Künstlern keine Kleinigkeit, sich in ein richtiges Verhältnis zu der von Meister Elias Holls Stil noch heutzutage durchdrungenen Einheitlichkeit des Augsburger Stadtbildes zu setzen. Die Profanbauten als nach draußen maßgebendes Bauglied an der Straßenflucht ließen neuzeitlich abschattierte Anklänge ans Augsburger Barock anbringen. Trotzdem ist deren stilistischer Zusammenklang mit dem Hauptbau voll geglückt. Der Tempel wirkt stark repräsentativ, dabei ist doch auch das feierlich Zurückgezogene des Kultzwecks betont. Die Fensterbildung mit dem Steinfiligran und die Ausformung der Kuppel bringen das Orientalische genügend zur Geltung.

Knüpfen wir den Blick auf bemerkenswerte und schöne Einzelheiten an einen raschen Rundgang. Bildhauer Walter Sebastian Resch's (München; AZJ liest fälschlich "Rasch") Schlussstein über dem Mitteltor der Säulenhalle nach alten Motiven trägt die Jahresziffer 1298, darüber den städtischen Greif und das Davidszeichen: zusammen ein wappenmäßiges Symbol der vielhundertjährigen Geschichte der Augsburger Judenschaft. Sodann fesselt im anschließenden Zierhof ein mächtiges Becken in Ruhpoldinger Marmor, das ihn so zum Brunnenhof stempelt; Tierkörper, ein Lebensbaum mit nestbauendem Vogel tragen es. Den Sinn deutet am Sockel ein hebräischer Spruch: `Kommt, ihr Durstigen alle, hier fließt die Quelle!´ Diesen Brunnen schuf unter Teilnahme der Architekten der Münchener Bildhauer Killer, auf den auch die jetzt noch unfertige keramische Ausstattung der Vorhalle in ihrem grauen Putz und mattschimmernder braun-violette Terrakotta zurückgehen wird. Eine Davids-Figur soll diesen Raum schmücken. Von dieser Vorhalle führt eine Stiege in Treuchtlinger Marmor mit keramischem Wandsockel aufwärts, wo die Frauen eine geräumige Kleiderablage und dann ihre Empore betreten. Die Männer dagegen gelangen durch eine weite, lichte Halle mit Garderobe in das Tempelinnere. In diesem erzeugen Form, Licht und Farbe gemeinsam eine erhabene Feierstimmung. Die durchsichtige Raumverteilung und die logische Hinleitung des Auges auf die beherrschende Ostwand beeinträchtigen das Herausströmen von Romantik und Mystik aus allen Ecken und Winkeln keineswegs. Gebrochen und zerstreut nur fällt das Licht ein. Die kleinen, farbig-feinen Fenster unter den Seitenemporen, nach Entwürfen der Münchener Hofglasmalerei F. H. Zeller hergestellt, stellen technisch etwas Neues vor: statt Blei fasst Eisenbeton die Glasstücke zusammen, was musivisch, an der Außenwand seltsam pikant aussieht. Die gewaltigen Fenster an den drei lichtfreien Gebäudeseiten zerlegen zierlich durchbrochene Steinplatten in eine Vielheit kleiner Lichtschächte. Am Abend beleuchten die Glühlampen im Sternenkranz der Kuppel und die Leuchtkörper der riesigen Metallkugeln aus der Riedinger-Fabrik zu Augsburg. Nicht weniger harmonisch sind die Farben abgestimmt; aus mildem Halbdämmer schimmern Metalle und Steine. Grau, sattes Grün, Violett herrschen vor, dazu gesellen sich braun-violetter Marmor an der Estrade der Ostseite, hart blitzendes Schwarz der Marmorsäulen, welche die Frauenemporen tragen, flimmerndes Gold, in den Mosaiken funkelndes Messing. Sogar die Beizung des Gestühls lehnt sich dem ausgeglichenen Ton an. Die Sitze im Schiff wie auf den Emporen geben sämtlich den Blick auf den Altaraufbau der Ostwand frei. Zunächst ungehemmt nach oben schweifend, erkennt er die stattlichen Raummaße; lehnt er sich aber vom Totaleindruck auf die Einzelerscheinungen, so packt ihn die Ostwand mit dem heiligen Schrein. In mosaikgeschmückter Nische, vertieft in die Rückwand, thront hier die Bundeslade. Violett-bräunlicher Marmor umrahmt den dunklen Samtvorhang; über goldgestockten Löwen schwebt die Krone des Gesetzes. Bewusste Steigerung durch eine reizvolle Treppe mit durchbrochener Marmorbrüstung erhebt die Predigtkanzel über den Vorbetertisch. Zwei stolze Pfeiler flankieren die Wand, siebenarmige Leuchter, von Flügelgreifen gehalten, bekrönen sie. Unter dem Bogen der Ostwand in eingedrückten Gewölben fanden der Chor und die in Form und Farbe dem Grundton angepasste überaus klangschöne Orgel (aus der Anstalt Kaulen, Augsburg) ihre Stelle. Vier gleiche Giebel bekrönen nach den Himmelsrichtungen die Wände; darüber ragt mächtig und doch nicht lastend die kupfergedeckte Kuppel ins Blaue. So gewährt der quadratische Zentralbau mit diesem sich öffnenden weiten Kuppelrund das Gefühl umfriedender Ruhe. Von künstlerischen Allegorien seien genannt an den Emporenbrüstungen die bunt modellierten Schilderzeichen, welche die zwölf Stämme versinnbildlichten, und vier reich vergoldete Reliefs mit Symbolen in hebräischen Lettern, zu deuten als die Gesetzgebung, das heilige Feuer, die vier Kronen und der Frieden: wie viele andere Plastiken des Baues Arbeit des Bildhauers Rasch in München.

Die Werktagssynagoge, vom G. G. Klemm (München) ausgemalt, und der Trausaal mit edler Innenarchitektonik hängen im Südosten als stattlicher Anbau am Tempel. Wie sie bekunden die mannigfachen Nebenräume, Rabbiner- und Kantorzimmer, die Stiegenhäuser, die Repräsentationsräumlichkeiten im Verwaltungs- und Schulhaus und im Beamtengebäude die wohlbedachte Hingabe und fachliche Fähigkeit der Architekten Landauer und Lömpel für gleichmäßige Rücksicht auf Gesamtwirkung und liebvolle Einzelgestaltung. Erinnert der äußere Aufbau mit dem freilich steileren Südgiebel und der darüber zur Höhe strebenden Kuppel den vergleichenden Betrachter an das Pantheon in Rom, so anderseits der geschickte Ausweg zwischen dem gegebenen Terrain und der rituell geforderten Gebäuderichtung die Münchener Besucher aus Kennerkreisen an Theodor Fischers Erlöserkirche in der dortigen Vorstadt Schwabing. Wie daselbst uralte Anforderungen des christlichen Kirchenbaues moderner Geist erfüllt, so bedeutet nämlich die neue Augsburger Synagoge eine ähnliche Vermählung von Vergangenheit und Gegenwart für das israelitische Kultgebäude. So schreiben wir denn einem feinsinnigen nichtjüdischen Kritiker des herrlichen Gotteshauses, Dr. Georg Jakob Wolf, sein einer ausführlichen Schilderung eingeschobenes Gesamtlob nach, trotz der gebotenen orientalischen Anklänge sei doch etwas sehr Selbständiges geschaffen: `ein Bau des 20. Jahrhunderts, der für die geistige und ethische Richtung des deutschen Judentums unserer Zeit einen vorzüglichen Ausdruck gibt und gewissermaßen die kürzeste Formel des zeitgenössischen Synagogenbaues darstellt. Lömpel und Landauer haben damit etwas Vorbildliches geschaffen, und die Augsburger Kultusgemeinde, die in weit blickender Opferfreudigkeit und in verständnisvollem Eingehen auf Absichten und Vorschläge der Architekten die Mittel zu dem schönen Bau zur Verfügung stellte, kann zu dem gelungenen Werk, um das natürlich auch hochgemuter Stiftersinn sich verdient machte, ebenso beglückwünscht werden wie die beiden Baukünstler selbst´.

Der Kostenaufwand dieses Schmuckkästchen unter den in den letzten Jahrzehnten erbauten deutschen Synagogen betrug fast 800.000 Mark, die nach München, weniger nach Augsburg gingen.

Die Kultusgemeinde verabschiedete sich mit einer besonderen Feier im Anschluss an den Sabbatgottesdienstes des 31. März von ihrem bisherigen Gotteshaus in der Wintergasse, das ihr 60 Jahre eine Stätte der Erbauung gewesen. Distriktsrabbiner Dr. Grünfeld hielt dabei eine historische Abschiedspredigt. Endlich am Vormittag des 4. April wurde der Neubau, dessen glückliche Verschmelzung maurisch-byzantinischer Formen mit Augsburger neuzeitlichem Stil allgemein bewundert wurde, feierlich seiner religiösen Bestimmung übergeben.

Der Eröffnungs- und Einweihungsakt fand im Trausaal statt. Dazu versammelten sich die Vertreter der staatlichen, städtischen, militärischen und geistlichen Behörden als Ehrengäste nebst anderen Persönlichkeiten: der Regierungs-, der Oberlandesgericht-, der Eisenbahnpräsident, die beiden Bürgermeister und die Vorstände der Gemeindekollegien, der stellvertretende Divisionskommandeur, der Benediktinerabt Dr. P. Glogger, der protestantische Dekan Detzer mit Pfarrer Anthes, die Rabbiner Professor Dr. C. Werner (München) und Dr. Freudenthal (Nürnberg) usw. Nach einem Prolog, den die Tochter des Synagogenkommissars Dann sprach, wurden die Schlüssel den zwei preisgekrönten Bauleitern überreicht. Sie verliehen ihrer Freude über die vollbrachte Arbeit und ihrer Wehmut über das Verlassen der mehrjährigen Arbeitsstätte Ausdruck. Darauf übergaben sie die Schlüssel dem Vorsitzenden der Gemeinde, Justizrat Bauer, der auf den konfessionellen Frieden hinwies, wie er in Augsburg Katholiken, Protestanten und Juden vereine. Ferner hob er rühmend hervor, wie die Mitglieder der Gemeinde mit seltener Opferwilligkeit alle Lasten auf sich genommen und ohne jeden fremden Zuschuss das Werk vollendeten. Er dankte den Behörden und wies darauf hin, dass die Frage des Neubaues zwar seit Jahrzehnten die Gemeinde beschäftigt, man aber gewartet habe, bis als Vorbedingungen die finanzielle Grundlage und ein schöner Bauplatz gesichert waren, der Stadt Augsburg ein würdiges monumentales Werk zu verschaffen. Unter den durch den Krieg bedingten denkbar schwierigsten Verhältnissen seien die Arbeiten zum Abschluss gebracht worden, und die Architekten hätten ein Werk geschaffen, das die Israelitische Gemeinde mit Stolz erfülle, der Stadt zur Ehre, den Erbauern zum Ruhme gereiche. Auch der Verwaltung und dem Ausschuss der Gemeinde gebühre Dank. Unter der reich gesegneten Regierung König Ludwigs III. könnten die Staatsbürger aller Konfessionen ihre Kräfte frei entfalten; möge der Landesvater, der mit vorbildlicher deutscher Treue den Staatsbürgern voranleuchte, bald in den Stand gesetzt sein, die Saat seiner segensreichen Tätigkeit in Frieden zu genießen. Der Redner übergab nun die Schlüssel dem Oberbürgermeister Geheimen Hofrat von Wolfram, welcher versicherte, der Neubau solle unter dem Schutze der Stadt wohl geborgen sein. Dann gab letzterer Ordensauszeichnungen für den Vorsitzenden der Gemeinde, den Rabbiner, den Aufsicht führenden Architekten und den meistbeteiligten Maurer bekannt. Hierauf erfolgt der feierliche Einzug der Ehrengäste in die Synagoge. Beim Festgottesdienst, den Bezirksrabbiner Dr. Grünfeld abhielt, machte der Tempel im Anblick seiner strahlenden Beleuchtung, mit dem Goldmosaik auf grünem Untergrunde, allseits tiefen Eindruck, und man darf getrost das Schlusswort eines berufenen Beurteilers unterschreiben, wenn er frei nach Schiller sagt: Das Werk, wie es heute vollendet vor uns steht, lobt seine Meister!

Nachtrag der Redaktion: Zur Festfeier sollte eine großzügige Geschichte erscheinen; die Schwere der Zeit und die anderweitige Beschäftigung des tüchtigen Rabbiners Dr. Grünfeld haben es nur zu einer kleinen Schrift kommen lassen, die trotz der Anspruchslosigkeit ihres Titels durch einfachen Stil und durch reiche Belehrung ungemein wohltuend wirkt (sc. "Ein Gang durch die Geschichte der Juden in Augsburg". Festschrift zur Einweihung der neuen Synagoge in Augsburg am 4. April 1917. Verfasst von Dr. Richard Grünfeld, Distriktsrabbiner. Buch- und Kunstdruckerei J. Z. Himmer, Augsburg). Sie ist in zwei Teile geteilt: 1. Die alte Gemeinde, 2. Die neue Gemeinde. Der in der Abhandlung vorkommenden Einzelheiten sind so viele, dass es unmöglich ist, an dieser Stelle einen erschöpfenden Auszug zu geben. Ich begnüge mich daher mit der Hervorhebung einiger weniger Daten: Trotz mancher Verfolgungen und schwerer Bedrückungen war die Lage der Juden in Augsburg eine leidliche; im dreizehnten Jahrhundert waren manche Juden Bürger. Jehuda Hachassid in Regensburg empfahl für die des Hebräischen Unkundigen das Beten in der Landessprache. Die ersten Berichte über die Judengemeinde in Augsburg stammen aus dem Jahre 1212; die älteste jüdische Urkunde ist 1356 datiert. Unter den Rabbinern begegnen wir einigen hervorragenden Männern; der berühmteste ist R. Meir Ben Baruch aus Rothenburg, der eine Zeit lang auch in Augsburg tätig war. Sehr entehrend war die Form des Judeneides, die eine Zeitlang in Augsburg üblich war. Bemerkenswert ist, dass der Übergang eines Christen zum Judentum mit dem Tode bestraft wurde. Sehr interessant ist die Zusammenstellung der seltensten Judennamen, S. 40ff. Aus der neueren Geschichte ist zu erwähnen, dass nach langer, gezwungener Entfernung der Juden drei reichen Familien (Bankiers) das Wohnrecht in Augsburg gewährt wurde; der reichste darunter ist wohl Arnold Seligmann, der später den Titel eines Freiherrn von Eichtal erhielt. Ein Gemeindeausschuss wurde erst 1861 gewählt. Über die Augsburger Synode finden sich S. 59ff. wichtige Mitteilungen. Eine Reihe von Notizen wird über den hochgelehrten Rabbiner Dr. Heinrich Kroß gegeben, von dessen Arbeiten und von dessen Tode auch in unserer Zeitung die Rede war. Der jetzige erste Vorsteher, Herr Justizrat Ludwig Bauer, bekleidet sein Amt seit 1888. Der Neubau der Synagoge, über die in dem vorstehenden Aufsatz ausführlich behandelt wird (die frühere stammte aus dem Jahre 1863), war bereits 1900 beschlossen. Die Gemeinde zählt bei 1.200 Seelen 376 Zensiten. Die lehrreiche Schrift, der die vorstehenden Notizen entnommen sind, schließt mit folgendem Satz: `Möge die neue Synagoge auf der Halderstraße - das ist unser inniger Wunsch - für die Gemeinde werden: ein Haus des Segens und des Friedens, der Andacht und der Erhebung, eine Pflegestätte frommer religiöser Gesinnung, eine Quelle der Belehrung und des Trostes, eine Pflanzstätte lautesten Patriotismus und echter unverfälschter Menschenliebe!´

Außer der oben erwähnten Festschrift ist mir, unmittelbar vor der Drucklegung dieses Artikels, ein Heftchen zugegangen: `Reden bei der Einweihung der neuen Synagoge zu Augsburg am 4. April 1917´. Es enthält ein Gedicht von Martin Cramer, ferner die Ansprachen der Architekten Lömpel und Landauer, die Begrüßungsrede des Herrn Justizrats Ludwig Bauer, des Oberbürgermeisters Geh. Hofrat von Wolfram und endlich die Ansprachen des Herrn Rabbiners Dr. Grünfeld vor des Hauses Pforten beim Entzünden der ewigen Lampe, dessen gediegene Festpredigt, sein Weihegebet und endlich das Gebet für König und Vaterland. Alle Ansprachen und Reden machen einen erhebenden, des wichtigen Ereignisses würdigen Eindruck."

Mit Verlegung des jüdischen Gemeindelebens in die neue Synagoge, schloss mann die alte Synagoge in der Wintergasse. Die alte Synagoge wurde zunächst zur Hutfabrik umgebaut, im Zweiten Weltkrieg jedoch völlig zerstört.

Nazizeit

Am frühen Morgen des 10. November 1938 drangen etwa 30 Nazis in die Synagoge ein, zerstörten die Inneneinrichtung und legten einen Brand, der aber gelöscht wurde, aus Angst, das Feuer würde auf die angrenzenden Wohn- und Kommunalbauten übergreifen, außerdem befand sich der neuen Synagoge gegenüber eine Tankstelle, deren Explosion große Schäden verursacht hätte. Auch Augsburg hatte also sein Novemberpogrom, das die neue Synagoge aber glücklicherweise überstand. 21 Jahre war die jüdische Gemeinde mit der neuen Synagoge glücklich, jetzt wurde sie zweckentfremdet. Das Stadttheater verwendete sie als Kulissenlager, während des Zweiten Weltkriegs war der Luftwaffen-Gaustab im Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde untergebracht. Auch ein Kinderhort und eine Volksschule der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt beanspruchten Räume und im zunehmenden Bombenkrieg wurde die Synagogenkuppel als Flugabwehrartillerie-Beobachtungsstand missbraucht. Im Betraum sammelte man Juden, die auf Strohmatten auf ihre Deportation warten mussten. Den Keller verwendete man als Luftschutzraum und die Orgel baute man aus und verbrachte sie in die Pfarrkirche Weßling?.

Neubeginn und Renovierung

Dennoch: Die Zweckentfremdungen der Augsburger Synagoge hatten auch die positive Folge, dass sie erhalten blieb und nach 1945 wieder der jüdischen Gemeinde übergeben werden konnte. Erst nach der Besetzung der Stadt durch die Alliierten wagten sich die wenigen Augsburger Juden, die Verfolgung und Krieg überlebt hatten, aus ihren Verstecken wieder an das Licht der Öffentlichkeit. Im Mai 1945 feierte ein Militärrabbiner der US-Army mit jüdischen Soldaten und den Überlebenden einen ersten Gottesdienst in der Synagoge. Nach und nach kamen aus verschiedenen KZs einige Augsburger Juden in ihre Heimatstadt zurück, darunter auch Julius Spokojny?, der im KZ Buchenwald überlebt hatte und die zerstörte Augsburger Synagoge sehen musste, den Taubenkot, die eingeschlagenen Fenster, die verbrannten Bänke ... Unter Tränen habe er geschworen, die Synagoge wieder in ihrer alten Pracht erstehen zu lassen, meinte der spätere Vorsitzende der Augsburger Kultusgemeinde. Bis dies aber Wirklichkeit wurde, brauchte es Jahrzehnte, denn zunächst weigerte sich der Augsburger Stadtrat? den Wiederaufbau von Synagoge und Friedhof zu unterstützen. Und so verschwand die Synagoge für viele Jahre aus dem öffentlichen Bewusstsein, obwohl die Juden in einem Nebenraum ihren Gottesdienst feierten. Nicht einmal Stadtführer verzeichneten diesen Bau.

Ab 1958 wurden die Gemeinderäume als Kulturzentrum, als Kindergarten, Klassenraum und Veranstaltungsräume verwendet, 1964 weihte man die kleine Synagoge wieder ein und feiert seit dieser Zeit wieder jüdische Gottesdienste in Augsburg. Der jüdische Architekt Hermann Guttmann? baute die Räume entsprechend um. Unter dem Gemeindevorsteher Senator Julius Spokojny? bemühte sich die Gemeinde seit 1965 um die Komplettrenovierung der Synagoge. Der Bauzustand wurde immer schlechter und 1975 musste das Landratsamt Augsburg? mit Sicherungsmaßnahmen den Zerfall zum Stehen bringen. Es folgte die Renovierung des Gotteshauses bis 1985. Zur Einweihung der renovierten Synagoge am 1. September 1985 reisten etwa 120 ehemalige Gemeindemitglieder aus allen Teilen der Welt an. Mit der Synagoge wurde auch das Jüdische Kulturmuseum Augsburg Schwaben? eröffnet. Zu dieser Zeit war es das erste eigenständige Jüdische Museum in Deutschland.

2010 hatte die Synagogengemeinde etwa 1.800 Mitglieder und im Jahr 2009 konnte das angeschlossene Museum mit 28.000 Besuchern einen Rekord melden.

Die Synagoge heute

Das Jüdische Kulturmuseum Augsburg Schwaben? wurde in den Jahren 2005 und 2006 komplett renoviert und am 7. November 2006 wieder eröffnet.

Architektur der Augsburger Synagoge

Bei der Augsburger Synagoge handelt es sich um einen Spät-Jugendstil-Kuppelbau, der sich am byzantinischen Zentralbau orientiert. Es gibt einen großen beinahe quadratischen Innenraum, der fast 800 Plätze für Männer und Frauen (getrennt) bereit hält. Vom Boden der Synagoge bis zur Laterne über der Kuppel sind es 27 Meter. Im Kuppelgewölbe sind 28 Fenster eingebracht. Grüner Rauputz bedeckt die Wände, das Kuppelgewölbe wird von einem Netzwerk überzogen und ist aus vergoldeten und farbigen Mosaiksteinchen zusammengesetzt. Die Wandverkleidungen wirken wie Marmor und schimmern lila-braun. Sie bestehen aus Stukko-Lustro-Lack. Echten Marmor finden wir bei der Ritualeinrichtung und den Säulen, die grau, schwarz und weiß schimmern. Sechs große Rundbogenfenster sorgen für ein mystisches Licht, die Kuppelfenster und vier Kugellampen mit je 96 Lichtquellen wollen die Illumination des Sternenhimmels nachbilden.

Das Dach trägt neben der Kuppel links und rechts einen Löwen. Der Löwe ist das Symbol für den Stamm Juda, der einen Löwen in seinem Wappen trägt. Die Kuppel misst im Durchmesser 16 Meter, der Grundriss der Synagoge beträgt 27 x 27 Meter.

Auf der östlichen Empore stand vor dem Zweiten Weltkrieg eine Orgel, heute ein siebenarmiger Leuchter, dessen Arme die sieben Schöpfungstage verkörpern.

Rechts und links der Rabbinerkanzel stehen Säulen, an denen Lilien ranken. Zwei Engel halten die Zehn Gebote, deren Bild von Kornähren und Weintrauben umrankt werden. "Wisse, vor wem du stehst!" ist zu lesen.

Über dem Altarraum sind die fünf Symbole der höchsten jüdischen Feiertage angebracht: Auszug aus Ägypten, Zehn Gebote, Laubhüttenfest, Buß- und Gedenktag und Versöhnungsfest. Drei große Säulen stehen für die Lebenbäume, eine vierte Säule bedeutet die Palme, von der die Taube nach der Sintflut einen Zweig zu Noahs Arche brachte. Links daneben sieht man eine sprudelnde Quelle, Zeichen des Lebens.

Früher besaß die Augsburger Synagoge mehr als 40 Thorarollen. Sie stehen im Zentrum des Gottesdienstes und werden in einem künstlerisch verzierten Schrein aufbewahrt, der von einem Samttuch bedeckt ist.

Der Innenhof der Synagoge wartet mit dem Lebensbrunnen auf. Vier Widder (Paarhufer) mit weiblichen Körpern (Sphinx) tragen das Brunnenbecken, das an die Opferstätte im Tempel Salomons zu Jerusalem erinnern soll. Früher ragte ein Lebensbaum aus dem Brunnenbecken, der wie ein Sprudelquell funktionierte, doch ist er leider beschädigt.

Adresse und Öffnungszeiten

Adresse

Synagoge und Jüdisches Kulturmuseum?
Halderstraße 6 - 8
86150 Augsburg

Tel. 0821/513658

Lage der Augsburger Synagoge

Öffnungzeiten

Di und Do: 9 - 16 Uhr
Mi: 9 - 20 Uhr
Fr: 9 - 15.30 Uhr
So: 10 - 17 Uhr

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