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Stadtmetzg

Ein von Elias Holl 1606 bis 1609 im Stil der Spätrenaissance geschaffener Zweckbau, der Verkaufs-, Amts- und Zunfthaus der Metzger? war. Die Stadtmetzg ist erhalten und liegt im Lechviertel, das zum Planungsraum I (Innenstadt?) gehört und die Postleitzahl 86150 trägt. Die Front der Stadtmetzg blickt auf den Metzgplatz, die Straße an der Stadtmetzg heißt Hinter der Metzg?.

Stadtmetzg Augsburg © Eva Stuhlmüller (www.augsburg-parrot.de)

Allgemeines

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Die Augsburger Stadtmetzg ist denkbar funktional errichtet. Unter der Stadtmetzg fließt nämlich ein Kanal des Vorderen Lechs offen hindurch, der genutzt wurde, um das Haus, vor allem die untere Räume, im Sommer zur Kühlung von Fleisch und Wurst verwenden zu können. Darüber hinaus diente das Gewässer natürlich auch als Abwasserkanal und zur Entsorgung der Metzgerei-Abfälle.

Heute ist in der Stadtmetzg das Amt für Soziale Leistungen? untergebracht, im Keller des Gebäudes werden Akten des Amtes gelagert.

Ab 2004 wurde um die weitere Verwendung des Gebäudes diskutiert. Einige Zeit war das Gebäude als neuer Standort der Augsburger Stadtbücherei? im Gespräch, konnte sich aber nicht gegen den Standort Ernst-Reuter-Platz durchsetzen.

Geschichte

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In der Zeit vor der heutigen Stadtmetzg gab es ein Metzgerhaus? gegenüber dem Perlachturm. Als man Anfang des 17. Jahrhunderts den Rathaus -Bereich neu gestaltete, wurde dieses alte Metzgerhaus? abgerissen. Das muss nach 1612 gewesen sein. An seine Stelle trat im Jahr 1614 der so genannte Neue Bau?. Der Grund für den Abriss des Metzgerhauses? war: Das Metzgerhandwerk war damals nicht angesehen, aber unentbehrlich. Vor allem störte man sich an der Geruchsbelästigung im Rathaus -Bereich, weshalb man es von dort verdrängte.

Schon in den Jahren 1606 bis 1609 hat Elias Holl am Fuß des Perlachbergs die heutige Stadtmetzg errichtet. Dabei nutzte er die Bauzeichnungen von Joseph Heintz d. Ä.?. Für den Bau der Metzg mussten sechs Häuser abgerissen werden. Erst daraufhin konnte auf dem Gelände des ehemaligen Blindenbades? das heutige Gebäude errichtet werden.

Wahrscheinlich hat Matthias Kager an der Fassadengestaltung des Gebäudes mitgewirkt. Zu ihrer Zeit galt das Gebäude als eine der modernsten Metzgereien in Europa. Möglich ist auch, dass auch dieser Arbeit von Elias Holl wie beim Zeughaus ein Entwurf Joseph Heintz´ d. Ä.? zu Grunde lag, was aber nicht mehr eindeutig zu klären ist.

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Im Jahr 1712 brachte man in den oberen Etagen der Stadtmetzg die Reichsstädtische Kunstakademie unter - bis 1835. Als "Städtische Höhere Kunstschule" wurde die Nachfolgeeinrichtung im Jahr 1877 erneut in der Stadtmetzg untergebracht - bis zu ihrem Umzug in die Hallschule 1905, wo sie bis 1984 verblieb.

1783 malte Johann Josef Anton Huber? den Saal der Reichsstädtischen Kunstakademie in der Stadtmetzg auf eigene Kosten aus. Er war ein Bergmüller-Schüler und brachte an der Decke des "Malersaales" eine "Allegorie des Triumphs der Künste über die Laster" an. Und in der Tat wurde der Künstler im nächsten Jahr zum letzten katholischen Direktor der Akademie in der Nachfolge von Matthäus Günther? berufen. Weil Hubers Gemälde um 1900 schon starke Schäden zeigte, hielt man das Fresko auf fünf Glasplatten-Negativen fest, um es für die Nachwelt im damaligen Zustand zu erhalten.

Als man im Jahr 1900 den Schlachthof? außerhalb der Stadt errichtete, sank die Bedeutung der Stadtmetzg als zentrale Schlachterei der Stadt rapide. Doch erst im Jahr 1930 mussten die Metzger dann auf den neu errichteten Stadtmarkt umziehen.

Ein paar Jahre stand das Gebäude nun leer. Eduard Karl Feldpausch? baute dann die Stadtmetzg in den Jahren 1938 bis 1939 zum Städtischen Verwaltungsgebäude um und restaurierte die Fassade. Seit 1939 steht die Stadtmetzg im Dienst der städtischen Verwaltung. Im Zuge des damaligen Umbaus der Stadtmetzg hat man die Metzg total entkernt und dabei auch Kunstwerke wie z. B. Johann Josef Anton Hubers? Deckengemälde entfernt. Ebenso wurde die Freitreppe an der Fassadenfront der Metzg entfernt. Sie war damals eine sockelartige Treppenanlage mit parallelen Einzelaufgängen, was aber nicht dem ursprünglichen Zustand entsprach. Die Entfernung der Freitreppe orientierte sich an der bauzeitlichen Architektur, die durch eine Risszeichnung Elias Holls? und mehrere Kupferstiche des 17. Jahrhunderts belegt ist.

1944 wurde die Stadtmetzg im Zuge der alliierten Bombardierung Augsburgs im Februar stark zerstört, in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch wieder restauriert.

In einem Architektur-Wettbewerb der WBG-Stiftung? schlug 2010 ein Student in seinem preisgekrönten Entwurf vor, die Stadtmetzg so zu modernisieren, das sie für die Universität Augsburg zum Leopold-Mozart-Zentrum werden könnte. Sein Entwurf änderte nichts an der denkmalgeschützten Fassade von Elias Holl und auch nichts am Lichthof im Inneren, der aus der NS-Zeit stammt. Sein Entwurf setzt allerdings mit einer Dachlandschaft aus flachen und geneigten Zonen neue Akzente. Laut Plan sollten sie mit einem Metallgewebe gedeckt werden. Zum Leonhardsberg hin sollte ein Neubau mit einem Konzertsaal und einem gefalteten Dach entstehen, wodurch der Platz an der Stadtmetzg aufgewertet und vom Verkehr frei gehalten werden sollte.

Details

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Bei der Stadtmetzg handelt es sich um einen Satteldachbau, der nach Süden eine repräsentative Giebelfront besitzt. In der Mittelachse der Hauptfassade ist im dritten Geschoss ein Stadtwappen? angebracht, das 1609 von Hans Reichle? modelliert und 1610 von Wolfgang Neidhart dem Jüngeren?, seines Zeichens Stadtgießer, gegossen wurde.

Der Bau verzichtet weitgehend auf Schmuck und wirkt sehr ruhig und ausgewogen. Die Kanten des Gebäudes sind rustiziert, auf Traufhöhe befindet sich ein breites Gesims: So wird der Baukörper kraftvoll zusammen gehalten. Die Fassade ist nur durch die ädikulenartigen Fensterrahmungen gegliedert; durch Zwischengesimse und Putzstreifen sind sie in die lineare Gebäudestruktur eingebunden. Nur die beiden Rundbogenportale der Hauptfassade und der Giebel mit seinen zwei Geschoßen und Voluten treten etwas plastischer hervor.

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Ganz eigentümlich an der Hauptfassade ist, dass die sechs Achsen auf eine mittige Symetrieachse verzichten. Die zentrale Vertikale wird eigentlich nur durch die Lisenen des Giebels und das im dritten Geschoß angebrachte Stadtwappen? leicht betont. Ansonsten wirkt die Hauptschauseite eigentümlich leer, als ob sie spätbarocke Fassadengestaltungen vorweg nehmen wollte. Nur die Fledermausflügelvoluten am Giebel akzentuieren den Bau etwas.

Der Bossenquaderung der Portale ist eine Pilasterordnung vorgelegt, die Kapitelle sind durch ausdrucksvoll modellierte Stierköpfe (Bukranien) ersetzt. Damit sollte die Nutzung des Gebäudes schon an der Fassade klar gemacht werden.

Zeituntypisch ist vor allem der Verzicht auf eine reiche Bauornamentik der Fassade. Das wirkt schon fast klassizistisch. Wahrscheinlich hat sich hier Elias Holl stark an italienischen Vorbildern ausgerichtet. Wenn man die Stadtmetzg mit dem etwas früher entstandenen Zeughaus vergleicht, so wird die Weiterentwicklung des Stadtbaumeisters hin zu einer eigenständigeren Gestaltung sehr deutlich, wirkt doch die Zeughaus -Fassade sehr manieriert und mit zu vielen plastischen Gliederungen überladen.

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Das Untergeschoß der Stadtmetzg bot 126 Fleischbänke, die als Verkaufsflächen genutzt wurden. In den Stockwerken darüber hatte man die Zunft- und die Amtsstuben untergebracht. Man kann sich denken, dass von den Fleischbänken eine nicht unerhebliche Geruchsbelästigung ausging. Durch die großen Rundbogenportlae, die den Verkaufsraum mit Licht und Luft versorgten, sollte der Gestank gemindert werden.

Alte Bilder der Stadtmetzg zeigen, dass sich vor den Portalen im Süden eine Terrasse befand. Diese Terrasse diente den Metzgerswitwen und Kindern von ärmeren Metzgern dazu, Innereien oder Bratwürste, also minderwertiges Fleisch, zu verkaufen.

Gegenüber der Stadtmetzg-Vorderfront liegt die Kresslesmühle. Tritt man hinter die Stadtmetzg, so wird der dortige Platz östlich von dem Kapitelhof? (Wirtschaftshof des Domkapitels?) begrenzt. Geht man durch den Innenhof, kommt man zur Rückseite des Kapitelhofs?, die sehr idyllisch wirkt.

Adresse

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Amt für Soziale Leistungen?
Hinter der Metzg? 6
86150 Augsburg
Tel. 0821/3249501
Fax. 0821/3249503
E-Mail: soziales(@)augsburg.de

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