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Sankt Moritz

eine katholische Augsburger Stadtpfarrkirche

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Allgemeines

Vor ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg war Sankt Moritz eine der wichtigen Stadtkirchen. Bis in die jüngste Vergangenheit war sie wenig sehenswert. Das hat sich seit ihrer letzten Renovierung grundlegend geändert. Niemand sollte sich die moderne spirituelle Atmosphäre der Kirche entgehen lassen. Kirchenpatron von Sankt Moritz ist der heilige Mauritius.

Vor der Kirche steht eine überdachte Haltestelle des Öffentlichen Personennahverkehrs, die einer alten Schranne (Markthalle) nachempfunden ist, die früher hier stand. In ihr sind einige kleine Geschäfte untergebracht (Imbiss, Blumengeschäft, Zeitungskiosk ...).

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Ehemals bedachte die Familie Fugger Sankt Moritz mit reichen Stiftungen.

Geschichte

Schon 1019 bauten die Augsburger eine Moritzkirche an der heutigen Stelle von Sankt Moritz. Damit dürfte die Pfarrei eine der ältesten in Augsburg sein. Schon 1021 gründete Augsburgs Bischof Bruno?, der ein Bruder von Kaiser Heinrich II. war, das Kollegiatsstift Sankt Moritz. Damit benannte er es nach dem römischen Offizier und Märtyrer Mauritius, der in der legendären thebäischen Legion diente. Mauritius, eingedeutscht Moritz, wurde Schutzherr des Deutschen Reiches.

Von 1084 blieb trotz vielfacher Umgestaltung der Kirche die im Kern dreischiffige romanische Kirche erhalten.

1178 setzte das Stift Sankt Moritz eine freie Propstwahl durch, nachdem es bis dahin in das Hochstift Augsburg? inkorporiert war. Später gingen aus diesem Stift berühmte Kirchenmänner hervor. So wurde der ehemalige Propst Georg Franz von Schönborn? Erzbischof und Kurfürst von Trier und der ehemalige Propst Hieronymus Josef Graf von Colloredo-Waldsee? Erzbischof von Salzburg.

Die Geschichte der katholischen Stadtpfarrkirche Sankt Moritz in ihrer heutigen Form geht auf die Jahre 1440-1443 zurück. Damals gotisierte man unter einem unbekannten Baumeister die Kirche Sankt Moritz. Möglicherweise war es Burkhart Engelberg, der diese Umbaumaßnahmen durchführte, denn es ist nachweisbar, dass er in dieser Zeit für das Stift Sankt Moritz arbeitete. 1534 wurde der heutige achteckige Turm der Kirche fertiggestellt. Den Turmabschluss spricht man dem Meister Konrad Zimmermann und Thomas Krebs zu, der auch als Werkmeister in der Fuggerei tätig war.

Das Haus Fugger war in dieser Zeit ein besonders großer Förderer von Sankt Moritz. Schon 1518 hatt Jakob Fugger das Präsentationsrecht auf die Predigerstelle und die Pfarrei. Bis in die heutige Zeit blieb die Kirche die Patronatskirche der Fugger. Früher lag nördlich der Kirche ein Friedhof, der zur Begräbnisstätte der ersten Fugger wurde.

1534 stiftete Herzog Albrecht V.? von Bayern einen Teil der Renaissance -Ausstattung von Sankt Moritz.

Schon 1631 bekam die Kirche bekam die Kirche Sankt Moritz eine frühbarocke Ausstattung.

In den Jahren vor 1715 barockisierte der Füssener? Künstler Johann Jakob Herkomer? die hoch aufragende gotische Kirche, deren Gliederung und Lichtführung der Barockisierung entgegen kamen, im Stil des Spätbarock. Solche Barockisierungen gotischer Kirchen wurden damals in Bayern oft vorgenommen. In den Jahren 1714/15 hat Melchior Steidl? (1675 - 1727) die Kirche freskiert.

Bis 1764 schloss sich eine Ausgestaltung im Stil des Rokoko? an.

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In den beiden Jahren 1901/02 restaurierte man die ehemalige Stiftskirche im Inneren. Dabei hat man z. B. von einem Gerüst aus auch zwei Engelbilder in der Chorkuppel dokumentiert, die einander gegenüberlagen. Die Engel sind mit Märtyrerpalme, Siegeskränzen und einer Laute bzw. einer Harfe ausgestattet. Es waren sehr qualitätvolle Steidl-Fresken, wie die Albumin-Abzüge zeigen, die im Bildarchiv des Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege aufbewahrt sind.

In dem Kirchenführer von Norbert Liebe aus dem Jahr 1941 wird der Innenraum der Kirche als "der großartigste und in allem Prunk wärmste kirchliche Barockraum Augsburgs" bezeichnet.

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Im Zweiten Weltkrieg lagerte man viele Kirchenschätze in das Schloss Kirchheim aus. Im Bombenhagel einer Februarnacht 1944 wurde die Kirche fast vollständig zerstört. Dabei ging fast die ganze wandverbundene Ausstattung unter, etwa die Stuckierung von Matthäus Lotter? oder die Fresken von Melchior Steidl?. Die Hauptschiffdecke mit der Chorkuppel ging vollständig unter.

Nach dem Krieg übertrug man den Wiederaufbau der Kirche dem bekannten Kirchenarchitekten Dominikus Böhm? (1880 - 1955), der die Kirche von 1946 bis 1949 (oder 1950 nach anderen Quellen) wieder errichtete. Dabei bewahrten seine Pläne das ehemalige basilikale Schema, doch ging die Vielfalt und Gewachsenheit der früheren Ausstattung verloren. An ihre Stelle trat eine nackte und nüchterne Strenge, die noch heute an die Wunden des Krieges erinnert. Die in den Seitenschiffen noch erhaltenen Stuck und Freskoreste hat man um der einheitlichen Wirkung des Wiederaufbaus entfernt. Damit gelang es, aus den wenigen Überbleibseln der romanischen, gotischen, barocken und rokokohaften Kirche eine gewisse Einheitlichkeit des Gesamtraums zu schaffen und ihn dem Stilempfinden der Mitte des 20. Jahrhunderts anzupassen.

Eine erste Umgestaltung führte der Architekt Alfred Back aus Bobingen in den Jahren 1965/66 nach dem Zweiten Vaticanum durch. Aber auch danach war der Kirchenraum im Kern noch als romanisches Langhaus mit drei Schiffen, sieben Jochen und zwölf Pfeilern zu erkennen. Die hoch aufragenden Hochwände wiesen auf die Zeit der Gotik zurück. Den Hochaltar komponierte man aus Bruchstücken und Säulenresten der romanischen Kirche.

In den Jahren 1966 bis 1970 betraute man den Künstler Anton Rückel aus Haßfurt?, der ein Schüler von Professor Henselmann von der Akademie in München war, mit bildhauerischen Arbeiten. Er schuf z. B. am Choreingang der Steinaltar in Blockform (Volksaltar), einen Bronzetabernakel, eine Bronzemadonna auf einer Stele und ein metallenes Hängekreuz mit dem Bronzebild "Christus als der kommende Weltrichter auf der Innenschale", das im Chorbogen aufgehängt wurde. Rückel schuf in dieser Zeit auch einen Kreuzweg und zwei Bronzeportale, eines für das westliche Hauptportal und eines für das nördliche Seitenportal.

Ebenfalls in den Jahren nach dem Zweiten Vaticanum schuf der Bildhauer Franz Hoser ein Hochrelief des predigenden Johannes des Täufers mit dem Stifterwappen des Hauses Fugger. Es wurde an der aus weißem Stein geschaffenen Kanzel rechts vom Choreingang angebracht.

In der Fastenzeit 2014 veranstaltete das Team von der Moritzkirche eine Kunstinstallation. Unter dem Titel ‚Johanna’ begegneten die lebensgroßen Skulpturen der Künstlerin Sara Opic der neugestalteten Kirche.

Details

Kunstwerke

Die Kirche besitzt herausragende Skulpturen von Georg Petel? und Ehrgott Bernhard Bendel, die den Zweiten Weltkrieg durch Auslagerung überdauerten.

Georg Petel? ist mit zwei Figuren vertreten, mit dem heiligen Sebastian und dem heiligen Christophorus (aus Lindenholz, 1,87 Meter hoch). Früher schrieb man Petel auch die Figur des heiligen Rochus (aus Lindenholz, 1,80 Meter hoch) zu. Die an der Nordwand stehende Figur schrieb man aber auch H. L. Gemelich zu, während man heute davon ausgeht, dass sie die Arbeit eines Petel-Schülers ist, man aber die Arbeit nicht genau zuschreiben kann.

Neben dem Westportal finden sich rechts und links je ein Grabmal. Links sehen wir das Grabmal für den Patrizier Sigismund Gossenbrot? und seine Frau Anna Rehlinger?. Es zeigt ein Skelett, ein Maßwerk und eine Antiquaschrift. Rechts glänzt der Rotmarmor-Grabstein für "Claus Hofmair, den man Apotheker nennt" - und der 1427 starb.

Moritzoktav

Jedes Jahr begeht die Moritzkirche ihr Patrozinium mit der Moritzoktav im September. Das Programm dazu umfasst Gottesdienste, Stundengebet, gemeinsames Frühstück der Gemeinde, Kunstaustellungen, musikalische Darbietungen etc. Normalerweise findet auch auf dem Moritzplatz auch das Moritzfest zum Patrozinium statt. 2011 musste es wegen Bauarbeiten an der Kirche jedoch ausfallen.

Moritzsaal

Laut der Neuen Szene war der Moritzsaal in den 1960er Jahren ein angesagter Raum für Konzerte von bekannten Rockbands. Z. B. soll die Gruppe Deep Purple auf ihrer ersten Deutschlandtour 1968 hier gespielt haben.

Orgel

Im Zuge der Neugestaltung der Moritzkirche 2013 durch John Pawson entstand neben dem Raumkonzept auch ein neues Orgelkonzept, das sich an dem der französischen Kathedralen orientiert. Die neue Chororgel wurde oberhalb des neuen Chorgestühls in der Wand platziert. Ausgerichtet an Vorbildern von Instrumenten der französischen Spätromantik ermöglicht sie mit wenigen Registern einen großen den Raum füllenden Klangreichtum zur Begleitung des Chores und zur adäquaten Darstellung von Orgelwerken des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die große Hauptorgel stellt einen musikalischen und klanglichen Gegenpol dar. Sie ist hervorragend geeignet vor allem die Musik des Barock und die symphonische Musik der Neuzeit zur Geltung zu bringen. Dieses Instrument von 1973 musste einer Generalreinigung und -instandsetzung unterzogen werden. Der Einbau eines Registers Subbass 16’ und eines Zimbelsterns sowie einer modernen Setzeranlage erfolgten im August 2014. Genau für diese Orgelkonstellation schrieb Louis Vierne seine Messe solennelle für Chor und zwei Orgeln, die am 8. Dezember 1901 in Saint-Sulpice, Paris uraufgeführt wurde mit dem Komponisten an der Chor- und Charles-Marie Widor an der großen Orgel. In diesem Werk kamen beide Orgeln von St. Moritz im Juli 2014 hervorragend zur Geltung und boten zusammen mit dem Chor ein einzigartiges Klangerlebnis. Neben diesem Hauptwerk kamen noch zwei weitere Stücke zur Aufführung: Der 1. Satz aus der Symphonie Nr. 6 von Charles-Marie Widor und der Lobgesang nach Psalm 45 von Zoltán Gárdonyi. Ausführende des Konzertes waren das Collegium St. Moritz, Harald Geerkens (Chororgel) und Barbara Bachmayr (Hauptorgel). Die musikalische Leitung hatte Chordirektor Stefan Saule. Mit einer Spende konnten die Zuhörer dazu beitragen, die Finanzierung des Orgelprojektes zu sichern.

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Sonstiges

In dem Turm der Kirche Sankt Moritz befindet sich eine Dohlenkolonie. Sie brütet in Nistkästen, die der Landesbund für Vogelschutz hier anbrachte. Die Dohle war 2012 "Vogel des Jahres", was bedeutet, dass seine Nistmöglichkeiten immer seltener werden. In Augsburg hat er sich aber den Lebensraum Stadt erobert. Auch Turmfalken brüten im Turm von Sankt Moritz. So jedenfalls noch 2012.

Lage


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