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Renaissance

Augsburg nennt sich "Stadt der Renaissance". Renaissance ist ein Wort, das aus dem Französischen kommt und "Wiedergeburt" bedeutet. Gemeint ist damit eine Wiederentdeckung der Antike in der europäischen Kultur. Diese Wiederentdeckung der Antike hat vielerlei Einflüsse auf Wissenschaft, Literatur, Gesellschaft und Leben. Hier soll die Renaissance aber nur im engeren Sinn als kunstgeschichtliche Epoche und in ihren Manifestationen in Deutschland und speziell auch Augsburg dargestellt werden.

Bebauung in der Stadt

An innerstädtischer Bebauung aus der Renaissance sind Wohnbauten, Rathäuser, Zeughäuser, Spitäler, Apotheken, städtische Adelshöfe, öffentliche Brunnen, Stadtwaagen, Lagerhäuser (Kaufhäuser) erhalten.

Wohnbauten

Je wichtiger für einen Bauherren das Repräsentationsbedürfnis war, desto eher verwendete er an seinem Gebäude Renaissance-Elemente. Das war schon im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts der Fall, als man Vorhandenes erneuerte oder wegen der steigenden Bevölkerung Neues baute. Gegenüber dem Mittelalter gestaltete man jetzt Bürgerhäuser viel individueller, um den Wohlstand des Besitzers zu zeigen. Weil das viel Neid erzeugte, brachte man so genannte Neidköpfe an Fassaden an, um Schadenszauber abzuwenden. Nur mit einem entsprechenden Haus konnte man in einer bestimmten sozialen Stellung seine Repräsentationspflichten erfüllen. An den Häusern wurden jetzt Familienwappen oder die Namen der Besitzer angebracht, während im Mittelalter Häuser noch Bezeichnungen hatten, die nicht an Personen gebunden waren („Zum grünen Baum“ etc.).

Bis 1550 kann man – von Ausnahmen wie der Fuggerei oder des Untermarkts in Görlitz abgesehen – noch viele spätgotische Bauformen in der deutschen Stadt erkennen. Erst ab der Mitte des 16. Jahrhunderts setzen sich die Renaissance-Bürgerbauten mit Macht in Deutschland durch. Handwerker bauten Häuser aus Fachwerk mit Steingefachen, Patrizier bauten ganz in Stein, weil das als adelige Bauweise galt und sich die Patrizier aufgrund ihres Reichtums dem Adel immer mehr annäherten.

Das Bauernhaus war durch die große Diele im Erdgeschoss gekennzeichnet, gleichzeitig das Hauszentrum. Auch viele Wohnbauten in der Stadt waren so angelegt. Manchmal wurde die Diele auch als Stapelplatz für Waren genutzt. Der Dachboden hatte oft mehrere Geschosse und diente als Lager. Mit vielen Geschossen konnte man den beschränkten Platz in der Stadt optimal nutzen. Im Unterschied zu ländlichen Häusern, bei denen die Wohnräume hinter der Diele nach hinten lag, legte man in der Stadt den Wohnbereich neben die Diele zur Straßenseite, die Licht und Luft bot. Auch Hauserker sorgten für Helligkeit. Und die Hausgiebel wurden oft aufwendig mit Ornamenten verziert, was wieder den Reichtum des Besitzers zur Geltung brachte.

Fachwerkhäuser wie das Haus Brusttuch in Goslar waren oft mit Schnitzereien verziert, die ab etwa 1550 öfter auftraten. Die Bildthemen waren oft gelehrtes Wissen und andere humanistische Themen, erotische Darstellungen oder antikatholische Themen bei Häusern in protestantischen Gegenden. Brüstungsbretter, Ständer, Knaggen und Schwellen boten Platz für diese Schnitzarbeiten. Oft wurden die Vorlagen auch im Steinbau verwendet. Wie in Italien gliederte man Gebäude gerne horizontal. In Süddeutschland kommen zu den Schnitzereien noch Fassadenmalereien. Augsburg, Nürnberg und München waren die Zentren dieser Fassadenmalerei im 16. Jahrhundert.

Beispiele für Stein und Fachwerkbauten der Renaissance in Deutschland stehen in Görlitz, Einbeck, Hannoversch-Münden, Freiberg, Hameln, Lemgo und Lüneburg, wo sie auch heute noch die Innenstadt prägen.

Steinbauten

Ein hervorragendes Beispiel für innerstädtische Steinbauten ist das Lienhard Böck von Böckenstein in Augsburg errichten ließ. Heute beherbergt es das Maximilianmuseum. Es ist das am besten erhaltende Bürgerhaus aus der Zeit der Renaissance und zeigt, wie die vermögenden Bürger dieser damals wichtigsten deutschen Handelsmetropole gebaut haben. Es handelt sich um einen hohen Trauseitbau, der den Platz vor dem Gebäude bestimmt. Die Hauptfassade zeigt eine Scheinarchitektur. Im Erdgeschoss weist sie eine italisierende Rustikagliederung auf. Pilaster gliedern die Obergeschosse, die Fenster zeichnen sich durch Sandsteingewände mit feinen Profilen aus. Das Gebäude hat zwei Sandsteinerker, die mit figürlichen Motiven und Blumen reich dekoriert sind. Durch den Reichsadler und verschiedene Portraits von deutschen Kaisern zeigt sich der Bauherr als loyaler kaiserlicher Rat. Der Aufzugsgiebel auf dem hohen Dach zeigt an, dass das Haus für den Handel genutzt wurde.

Weitere hervorragende Beispiele des Steinbaus der Renaissance sind das Cranachhaus in Weimar, das Hexenbürgermeisterhaus in Lemgo, das biblische Haus in Görlitz, das Haus Schöningh in Norden, das Haus zum Breiten Heerd in Erfurt, das Pellerhaus und das Fembo-Haus in Nürnberg und das Haus Zum Ritter in Heidelberg.

Fachwerkbauten

Innovativ im Fachwerkbau zeigt sich vor allem das Huneborstelsche Haus in Braunschweig von 1526. Errichtet hat es Friedrich Huneborstel, der Ratsherr und Kämmerer war. Als Krämer stieg er zu großem Reichtum auf und machte den Kaufleuten Konkurrenz. Er war ein Aufsteiger und investierte viel in sein Wohnhaus. Darstellungen der fünf Sinne und Bilder für Sprichwörter ersetzten Heiligendarstellungen, wie sie noch im Mittelalter gang und gäbe waren. Flachrelief-Schnitzereien überziehen das Gebäude, die Knaggen sind Vollplastiken.

Weitere gute Beispiele für Renaissance-Fachwerkbauten sind das Hoppenerhaus in Celle, das Stiftsherrenhaus, das Rattenfängerhaus und das Leist´sche Haus in Hameln, das Alte Haus in Bacharach, das Eickesche Haus in Einbeck, das Killinger-Haus in Idstein/Taunus und das Deutsche Haus in Dinkelsbühl?.

Adelige Hofhaltungen

Bereits im Mittelalter nutzten Klöster und Adel den Schutz der Stadt und Burgmannen aus dem niederen Adel kümmerten sich um die Stadtverteidigung. Städtische Höfe bildeten ihre Basis und sprachen auch im Stadtrat ein gewichtiges Wörtchen mit. Ab dem 16. Jahrhundert versuchten die Städte den Adel aus ihren Mauern zu vertreiben und wollten sich nicht mehr bevormunden lassen. Doch der Adel hielt dagegen und Adels- oder Klosterhöfe in der Stadt wurden sogar noch ausgebaut. Hier wurden oft die Produkte des Landes umgeschlagen. Mit Bauordnungen sollten die Häuser von Adeligen von den Bürgerhäusern unterschieden werden. Adelshöfe waren durch ihre Wirtschaftsgebäude oft größer als Bürgerhäuser und wiesen eine reichere Fassadendekoration auf. Oft hoben sie sich durch ihre Traufständigkeit von giebelseitigen Bürgerhäusern ab oder traten mit ihren Portalen in den Straßenraum, um ihren Machtanspruch deutlich zu machen. Hin und wieder weisen sie auch Kapellen auf, was bei Bürgerhäusern nicht der Fall war.

Beispiele für Adelshöfe der Renaissance in Deutschland sind u. a. der Heeremannsche Hof in Münster, der Merfelder Hof in Horstmar, der Kellenbacher Hof in Meisenheim, der Kerssenbrockscher Hof in Lemgo oder das Freihaus der Familie Schönlebe in Freiberg. Katholische Gegenden weisen repräsentative Bauten des Klerus auf wie z. B. den Conti-Hof in Würzburg.

Rathäuser

In Deutschland sind noch mehr als 200 Rathäuser der Renaissance-Zeit erhalten. Wie die den bürgerlichen Wohnbau kann man den Rathausbau in drei Phasen einteilen: vor 1550, zwischen 1550 und 1600 und in die Zeit nach 1600.

In der ersten Bauphase wurden u. a. die Rathäuser von Wittenberg, Hammelburg, Endingen, Saalfeld und Ansbach? gebaut. In der zweiten Bauphase entstanden die Rathäuser von Melsungen, Leipzig, Schifferstadt, Sommerhausen, Celle, Kitzingen, Klingenberg, Altenburg, Gifhorn, Dessau, Reutlingen, Hof, Merseburg, Torgau, Bad Mergentheim, Eisenach, Lüneburg, Lemgo, Köln, Lübeck, Schweinfurt, Hortmar, Hildburghausen, Rothenburg ob der Tauber, Marktbreit, Arnstadt und Wolfenbüttel. Das Rathaus von Augsburg gehört in die dritte Renaissance-Bauphase, genauso wie das von Neuburg? an der Donau, Bernkastel, Bremen, Paterborn, Nürnberg oder Bocholt.

Rathäuser wurden besonders originell und hochwertig gestaltet und stehen in zentraler Stadtlage, oft am Markt. Sie waren die wichtigsten weltlichen Bauten und Zentren der Bürgerschaft. Reichsstädte wie Augsburg bauten besonders große Rathäuser, um Reichstage abhalten zu können. Typisch sind Uhren und Glocken, manchmal auch die Stadtwaage und Verkaufsstände im Erdgeschoß. Meist sind die Bauten reich mit Motiven humanistischen Gedankenguts verziert.

Sonstige Bauten in der Stadt

Neben den Rathäusern wurden in zentraler Lage noch weitere öffentliche Gebäude mit stadtbildprägender Funktion gebaut, die durch Dekoration und Proportionen von umliegenden Häusern abgehoben sind. Die Dekoration konzentriert sich meist auf die Portal- und Giebelbereiche.

Solche öffentlich hervorgehobenen Bauten sind z. B. die Spitäler, die im Mittelalter meist vor der Stadtmauer lagen, jetzt aber auf das Gelände der Stadt geholt werden (oft aufgrund von Stadterweiterungen). Wurden die Kranken im Mittelalter meist von Orden gepflegt, ging die Pflege der Siechen nach der Reformation meist in den Zuständigkeitsbereich der Städte über. Beispiele von Renaissance-Spitälern sind u. a. das Juliusspital in Würzburg, das Spital in Rothenburg ob der Tauber oder das katholische Spital in Iphofen.

Die Alchemie und die naturwissenschaftliche Forschung führten zur Einrichtung von Apotheken in Städten. Apotheker im Dienst der Stadt bekamen oft die Rathausapotheke gestellt. Aus der Renaissance sind in Lemgo, Einbeck, Gera und Freiberg noch schöne Beispiele solcher Apotheken erhalten.

Auch die Stadt- oder Ratswagen waren ein wichtiger städtischer Bestandteil in der Frühen Neuzeit. Entweder waren sie in das Erdgeschoss des Rathauses integriert oder sie bekamen einen eigenen Bau, um Waren-, Zoll- und Steuerkontrollen durchführen zu können. Schöne erhaltene Beispiele sind die Alte Waage in Leipzig, die Stadtwaage in Bremen und die Ratswaage in Einbeck.

Regional sehr unterschiedlich sind Amtshäuser und Kanzleien der Renaissance. Erhalten sind z. B. der Verwaltungs- und Amtssitz der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken in Bad Bergzabern (heute Gasthaus Zum Engel), das Amtshaus in Lüdinghausen oder die Markgräfliche Hofkanzlei in Ansbach?.

Städte, die das Münzrecht und ein Münzgebäude besaßen, veränderten oft gotische Bauten in renaissancistischer Weise. Beispiele sind u. a. die Alte Münze in Lüneburg oder die Alte Münze in Friedrichstadt.

Zur Zeit der Renaissance entstanden in Deutschland die ersten Gasthäuser. Das Haus zum Riesen in Miltenberg von 1590, eine ehemalige Fürstenherberge, gilt als ältestes Beispiel.

Weil man zu Zeiten der Renaissance ausgiebig feierte, baute man dazu besondere Gebäude, die so genannten Hochzeitshäuser, die oft auch andere städtische Einrichtungen umfassten, aber auf jeden Fall so groß waren, dass sie viele Gäste unterbringen konnten. Beispiele sind u. a. das Hochzeitshaus in Fritzlar und das Hochzeitshaus in Hameln.

Besonders wichtig waren in den Städten auch die Großbauten von Kaufmannsgilden und die Zunfthäuser von Handwerksgilden. Die Kaufmannsgilden-Häuser dienten als Kontaktstellen zwischen den Kaufleuten und den Kleinproduzenten und waren Gebäude, in denen sich verschiedene Funktionen überlagerten (Gesellschaftsräume, Verkaufsstellen, Stapellager). Ein besonders schönes Zunfthaus steht noch in Hildesheim (Knochenhaueramtshaus) und auch Stuttgart hat mit dem Stiftsfruchtkasten ein herzeigbares Zunfthaus am Schillerplatz.

Weitere Typen von öffentlichen oder gewerblichen Bauten waren Kornhäuser, Lagerhäuser für Salz, Weinstadel oder Zeughäuser. In der Zeit der Renaissance wurden auch viele Bibliotheken und Schulen eingerichtet, etwas das Gymnasium von Rothenburg ob der Tauber, das Casimirianum in Coburg?, die Lateinschule in Alfeld oder das Gymnasium bei Sankt Anna in Augsburg. Die Wirtschaft war nämlich immer mehr auf Menschen angewiesen, die rechnen, schreiben und lesen konnten.

Seltener als Schul- sind Universitätsbauten in der Zeit der Renaissance. Beispiele sind das Juleum in Helmstedt und die katholische Juliusuniversität in Würzburg, die im Zuge der Gegenreformation gegründet wurde.

Brunnen

Die Renaissance bemühte sich um die Verbesserung der städtischen Wasserversorgung, was viele Brunnenbauten an zentralen Plätzen oder Straßen zur Folge hatte. Wichtige Brunnentypen der Zeit waren runde oder quadratische Wasserkästen sowie Brunnen mit mehreckigem Wasserkasten, die verschieden gestaltete Mittelsäulen aufwiesen. Bedeutende Beispiele solcher Brunnen sind der Marktbrunnen in Hammelburg, der Brunnen auf dem Münsterkirchplatz in Herford, der Brunnen auf dem Neumarkt in Oschatz, der Marktbrunnen in Trier und die Alte Wasserkunst in Wismar. Einen herausragenden künstlerischen und technischen Wert haben die Monumentalbrunnen?, die in der Maximilianstraße in Augsburg aufgestellt sind.

Renaissance in Augsburg

Das historische Stadtzentrum von Augsburg, wie wir es heute kennen, geht auf die Wurzeln in der Renaissance zurück. Gerahmt wird diese Zeit durch die Einführung des Buchdrucks um 1468 als Beginn und die Augsburger Prachtbrunnen und die Basilika Sankt Ulrich und Afra? (bis 1620) als Schlusspunkte. Vor allem die Fugger und Welser prägten die Stadt damals. Nicht zu vergessen der Stadtbaumeister? Elias Holl.

Das Stadtzentrum von Augsburg mit dem Rathaus und dem Perlachturm sowie dem Augustusbrunnen zählt zu den bedeutendsten Ensembles der Renaissance in Europa. Besuchenswert ist vor allem der Goldene Saal?, der mit seinen vergoldeten und mit Malereien verzierten hölzernen Decke den Glanz der Renaissance wie selten anderswo verdeutlicht und den Bezug zwischen den antiken und den bedeutenden christlichen Kaisern an den Wänden des Saals herstellt. Kurz: Der Reichtum des „goldenen Augsburgs der Renaissance“ wird bis heute bewahrt.

Die Nähe zu Italien und das von den Humanisten? wiedererweckte Bewusstsein für die römische Vergangenheit führte in Augsburg dazu, dass zahlreiche römische Kaiser, aber auch Götter und Halbgötter das Renaissance-Rathaus und Monumentalbrunnen? schmücken.

Einen Zyklus von 14 bronzenen Cäsarenbüsten findet man im Augsburger Rathaus, die Fresken antiker Herrscher zieren die Wände des Goldenen Saals. Unübersehbar steht Stadtgründer Augustus auf dem Pfeiler des nach ihm benannten Brunnens vor dem Rathaus. Merkur, den römischen Gott der Händler und Diebe (zu seinen Füßen Gott Amor), und den Halbgott Herkules sieht man auf den Pfeilern der Monumentalbrunnen? in der Maximilianstraße. Einen Neptunbrunnen findet man auf dem Jakobsplatz bei der Fuggerei.

  • Salvator mundi von Loy Hering?: Er steht in der Werktagskapelle der katholischen Kirche Sankt Georg und wird als ein Hauptwerk der Bildhauerkunst der deutschen Renaissance angesehen.

Renaissance 2.0 – Augsburg als Modellstadt des 21. Jahrhunderts

Zwischen 2008 und 2010 erarbeiteten Vertreter der Augsburger Stadtgesellschaft? einen Profilentwurf für Augsburg. Den Auftrag dazu hatte der Stadtrat gegeben. Dieser Entwurf sollte die Akteure der Stadtgesellschaft? dauerhaft motivieren.

Dabei einigte man sich auf die Aussage, dass Augsburg wie in der Renaissance an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit das Potenzial hätte, Vordenkerin kommunaler Erneuerungsprozesse zu werden.

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