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Reichsstädtische Kunstakademie

Eine zunächst private Kunstakademie, die später in die Hoheit der Stadt Augsburg und des Bayerischen Staates überging.

Allgemeines

Die ersten Kunsthochschulen oder Kunstakademien wurden meist im 18. Jahrhundert von fürstlichen Landesherren gegründet. Das Ziel dabei war: Die Künstler der Akademien, die als Professoren Studenten ausbildeten, sollten zum Ruhme ihres jeweiligen Landes beizutragen. Die Augsburger Akademie, die zu den frühesten Akademien Deutschlands gehörte, wurde, das unterscheidet sie, nicht von einem Landesherrn, sondern einem Privatmann gegründet. Wie andere Akademien war sie eine Schnittstelle zwischen Kultur und Subkultur, ein Ort, an dem Kunst lebendig stattfand, und eine Nische jenseits den Gesetzen des (Kunst-)Marktes, wenn auch der Gründer die Schüler gerade für den Kunstmarkt der damaligen Zeit ausbilden wollte. So lange die Reichsstädtische Kunstakademie bestand, war sie eine Art Labor für neue Strömungen und verband Technik, Politik, Kunst, Ästhetik und Kultur. Anders ist ihre große Ausstrahlung nicht zu erklären.

Geschichte

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Schon vor dem Jahr 1674 hat der Maler, Zeichner, Radierer und Kunsttheoretiker Joachim von Sandrart? in Augsburg eine private Kunstakademie gegründet, als er von 1670 bis Ende 1673 in Augsburg weilte. Die Hochschule Augsburg? meint sogar, dass das Jahr 1660 ihr Gründungsjahr gewesen sei und schreibt noch 2008 auf ihrer Webseite: "Die Fachhochschule Augsburg darf sich mit Fug und Recht als eine der ältesten deutschen Fachhochschulen nennen, denn kaum eine der ihr vergleichbaren Hochschulen kann in ihren Vorläufereinrichtungen auch nur annähernd auf einen so frühen Gründungszeitpunkt verweisen, wie es ihr dank den umfangreichen Forschungsarbeiten von Nerdinger nunmehr möglich ist, nämlich auf das Jahr 1660. In diesem Jahre verlegte der "Wol edle und Gestrenge Herr" Joachim von Sandrart, Maler, Kupferstecher, Kunstschriftsteller, Kavalier und Hochfürstl. Pfalz-Neuburgischer Rath seinen Wohnsitz für 14 Jahre nach Augsburg und begann sogleich mit seinem ehemaligen Schüler Johann Siegmund Müller mit der Einrichtung von Zeichenunterricht für eine ganze Schar Augsburger Künstler, die er zu einer privaten "Akademie" zusammenschloss. Sandrart hatte diesen Akademiegedanken auf seinen Reisen in Italien kennengelernt und sah in ihm das gegebene Instrument, nach den Verwüstungen des 30-jährigen Krieges mit dieser "Pflanzstätte" die deutsche Kunst wieder zu beleben; Zeichner und Maler sollten lernen und sich fortbilden können und sie sollten - beginnender Utilitarismus - hierdurch neue Erwerbsmöglichkeiten erhalten und sich auch neue Erwerbszweige erarbeiten. Eine Verwirklichung dieses Akademiegedankens sah Sandrart aber nur in den freien Reichsstädten mit ihren entsprechend freieren Verfassungen und so nimmt es nicht wunder, dass er zwei Jahre später, von Augsburg aus, auch eine gleichartige Akademie in Nürnberg gründete."

Nach allen sonstigen Quellen ist diese Behauptung falsch. In Wirklichkeit war die Nürnberger Akademie die erste deutsche Kunstakademie und die Augsburger wurde nach der Nürnberger gegründet. Immerhin kann sich Augsburg damit immer noch rühmen, eine der ersten deutschen Kunstakademien beherbergt zu haben.

Diese Akademie bestand auch nach Joachim von Sandrarts? Umzug nach Nürnberg weiter, ja wurde ab dem Jahr 1684 von dem Teil des Stadtrats? gefördert, der evangelischen Bekenntnisses war. Dazu schreibt die Hochschule Augsburg?: "Die Öffentliche Anerkennung der Augsburger Akademie ließ natürlich, in schwäbischer Vorsicht, längere Zeit auf sich warten und erst 1684 war der protestantische Teil des paritätisch besetzten Rates von ihrem Nutzen überzeugt und sagte ihr seine Unterstützung zu, so dass von diesem Zeitpunkt an von der "Protestantischen Akademie" gesprochen wurde. Es dauerte ein weiteres Vierteljahrhundert, bis der gesamte Rat der Stadt Augsburg sich dieser Akademie an- und sie unter seine Fittiche nahm; im Jahre 1710 wurde sie als "Reichsstädtische Kunstakademie" allen Bürgern zugänglich gemacht und erhielt - in Augsburg selbstverständlich - zwei paritätische Direktoren und (zwei Jahre später) eine feste Bleibe im Oberstock der Stadtmetzg." Es scheint also damals eine evangelische und eine katholische Kunst in Augsburg gegeben zu haben und die Katholiken erkannten den Wert der Kunstakademie erst ein paar Jahre nach den Protestanten. Übrigens waren zwischen 1684 und 1710 Johann Ulrich Mayr? und der Sandrart-Schüler S. Müller die Direktoren des Instituts.

1712 zog die Reichsstädtische Kunstakademie in die oberen Räume der Stadtmetzg um.

Während des gesamten 18. Jahrhunderts kann die Bedeutung der Reichsstädtischen Kunstakademie für die Augsburger Kunst und die Stadtkultur nicht hoch genug angesetzt werden. Die bedeutendsten Künstler der Stadt waren zugleich Direktoren des Instituts, wobei man peinlich darauf achtete, dass die Direktorenposten paritätisch besetzt waren. Katholische Direktoren waren

Protestantische Direktoren waren:

Die paritätische Besetzung der Direktorenstellen war zum Wohl der Institution, denn so wurde die ganze Breite der künstlerischen Ausbildung abgedeckt. Während die katholischen Direktoren vor allem Kirchenmaler und Freskanten waren, förderten die protestantischen mehr die Profankunst mit ihren Kupferstichen, Jagd- und Pferdezeichungen, Porträts und Ornamenten.

Auch bedeutende Künstler und Gelehrte anderer Städte waren im 18. Jahrhundert Mitglieder der Reichsstädtischen Kunstakademie Augsburg. Das zeigt die Wertschätzung, die diese Lehranstalt über Augsburg hinaus genoss.

1779 begann man mit der Reformierung des Lehrangebotes und gründete eine „Privatgesellschaft zur Ermunterung der Künste“, eine Art Förderverein für die Kunstakademie. Die Reorganisation der Lehranstalt wurde durch Paul von Stetten den Jüngeren? durchgeführt. Außerdem sollte der Akademie eine Zeichnungsschule für Handwerker angeschlossen werden. Jedenfalls sind für die Jahre 1780 bis 1812 Ausstellungen verzeichnet, auf denen Handwerkerarbeiten ausgestellt waren, die einen Preis für beste Studienleistungen gewonnen hatten. Mit dieser Ausstellung war auch immer die Jahresversammlung der Privatgesellschaft verbunden.

Nachdem Augsburg die Reichsfreiheit? verloren hatte, und die Münchener Kunstakademie gegründet worden war, sank die Augsburger Reichsstädtische Kunstakademie zu einem Institut herab, das nicht mehr eigenständig war, sondern als Provinzial-Kunstschule bezeichnet wurde. 1808 übertrug man ihren Titel nach München und zog das Vermögen des "Kunst- und Stadtakademiefonds" ein. Im Jahr 1813 hat man offiziell die Bezeichnung Reichsstädtische Kunstakademie liquidiert. Damit endet die Geschichte dieser noblen Augsburger Akademie zwar formell, doch die Nachfolgeinstitutionen sind schließlich die Basis der Hochschule Augsburg?. Die weitere Geschichte kann dort nachgelesen werden.

Weblinks


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