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Rathaus

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Allgemeines

Das Augsburger Rathaus gilt als wichtigster Profanbau der Renaissance nördlich der Alpen. Mit seiner Wuchtigkeit und imposanten Fassade drückt er das Selbstbewusstsein der damals Freien Reichsstadt und ihrer Bürger aus. Bernd Roeck? schreibt, dieser majestätischste Rathausbau im europäischen Raum bringe "den Machtanspruch der in der Stadt herrschenden Ratsoligarchie prachtvoll formuliert zum Ausdruck". Ohne Frage ist der kubische Bau eine Meisterleistung - sowohl technisch wie künstlerisch. Im obersten Mittelfirst, der von einer Zirbelnuss gekrönt ist, ist ein doppelköpfiger Reichsadler dargestellt. Auch er ein Symbol für den Reichtum und die Macht Augsburgs im Zeitalter der Renaissance. Man wollte die Hauptstadt des Reiches sein. Als das Rathaus gebaut wurde, war es das erste Gebäude der Welt, das mehr als sechs Stockwerke besaß. Noch heute ist es ein Wahrzeichen Augsburgs, das jeden Touristen beeindruckt.

Das Hauptportal der Westfassade trägt die Inschrift PUBLICO CONSILIO PUBLICAE SALUTI MDCXX: dem öffentlichen Rat und dem öffentlichen Wohl 1620. Christoph Murmann der Jüngere? hat das Bronzegitter von 1620 entworfen.

Geschichte

Das alte gotisches Rathaus, das an der Stelle des heutigen Rathauses stand, wurde aus "gebackenen" Steinen ab 1385 errichtet.

Schon 1609 erhielt der bekannte Renaissance- und Stadtbaumeister Elias Holl? den Auftrag, das alte gotische Rathaus Augsburgs umzubauen. Jahrelang ging dann aber nichts voran. 1614 präsentierte Elias Holl? Pläne zum Umbau, die jedoch nicht akzeptiert wurden, weshalb er jetzt daran ging den Abriss des alten Rathauses und einen Neubau zu planen. Diesen Plan segnete der Rat der Stadt im Januar 1615 ab. Gebaut wurde das Rathaus jetzt in den Jahren 1615 bis 1620 von Elias Holl?. Der Grundstein wurde am 25. August 1615 gelegt. 1618 drückt der Baumeister den Bau von zwei Türmen durch, was zu Mehrkosten von 6.000 Gulden führte.

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Im März 1620 schloss man die Aussenarbeiten und im Jahr 1624 die Innenausbauten ab. Die ersten Ratswahlen im neuen Augsburger Rathaus fanden am 3. August 1620 statt, wodurch das Rathaus offiziell in Dienst genommen wurde. Insgesamt mussten die Augsburger für ihr neues Rathaus wohl um die 100.000 Gulden locker machen.

Die ursprüngliche Innenausstattung verantwortete Matthias Kager. Zuvor stand an dieser Stelle ein gotisches Rathaus. Aber das genügte jetzt den Ansprüchen nicht mehr. Im 16. Jahrhundert war ja der Kaiser oft in Augsburg und hatte hier Reichstage abgehalten. Mit dem neuen Rathaus wollte Augsburg für die Zukunft den imposanten Rahmen für solche und ähnliche Veranstaltungen bieten. Leider durchkreuzte der 30jährige Krieg die Augsburger Pläne: Am Ende dieses großen Völker- und Konfessionengemetzels hatte Augsburg seine Macht verloren und das Augsburger Rathaus war eine Investition, die sich nicht auszahlte.

Nur eine große Feierlichkeit übergeordneten Ranges fand im Augsburger Rathaus statt: 1690 das Krönungsbankett von König Joseph I. im Goldenen Saal, woran auch sein Vater, Kaiser Leopold I., teilnahm.

Die Briten griffen in der Nacht vom 25. auf den 26. Februar die Stadt mit Bombern an und legten fast die ganze Innenstadt in Schutt und Asche. Bei diesem Bombenangriff wurde auch das Rathaus schwer beschädigt. Eigentlich standen nur noch Ruinenstümpfe, innen war alles ausgebrannt. Wenn man heute das wieder aufgebaute Rathaus in all seiner Pracht sieht, kann man sich kaum vorstellen, dass die Verwüstung im Zweiten Weltkrieg so groß war. Schon bald nach dem Krieg begann man die Fassade wieder aufzubauen. Am 16. Mai feierte man nach dem teilweisen Wiederaufbau der Fassade ein zweites Richtfest.

Schon 1955 nutzte man das Gebäude wieder als städtisches Rathaus. Die Fassadensanierung des Rathauses konnte 1955, als man die 1000-Jahr-Feier der Schlacht auf dem Lechfeld? ausrichtete, beendet werden. Als man die Innenausbauarbeiten im Großen und Ganzen abgeschlossen hatte, weihte man das einigermaßen wiederhergestellte Rathaus am 18. April 1962 ein. Jetzt war eigentlich nur noch der Goldene Saal wieder herzustellen.

Die komplette Sanierung des Bauwerks und des Perlachturms erfolgte in den Jahren 1980 bis 1984, um das Rathaus zum 2.000jährigen Stadtjubiläum erneuert präsentieren zu können. Die Kosten: etwa 10,3 Mio. DM. Während dieser Restauration stellte man den Bau so her, wie er in historischen Dokumenten festgehalten war und korrigierte die Veränderungen der Jahrhunderte. Selbst der prächtige Goldene Saal, als Prunksaal für kaiserliche Auftritte gedacht, wurde wieder hergestellt: mit seiner bemerkenswerten Kassettendecke, seinen beeindruckenden Wandmalereien und Portalen. Für die Wiedererrichtung des Goldenen Saales mussten etwa 9,2 Mio. DM bezahlt werden (endgültig war er erst 1990 wieder in dem Zustand vor der Zerstörung). Geplant und durchgeführt wurde die Sanierung durch das Hochbauamt? der Stadt.

Die Architektur

Wie unter dem Punkt Geschichte schon angedeutet, war die Planung des Augsburger Rathauses keine einfache Sache. Elias Holl? hat zahlreiche Zeichnungen und Modelle gefertigt, die immer wieder verworfen wurden. Der erste Entwurf glich einem römischen Stadtpalast. Erst in späteren Plänen löste sich der Renaissancebaumeister von italienischen Vorbildern. Das Rathaus, wie es schließlich von ihm am Ende geplant und umgesetzt wurde, ist ein wirklich eigenständiger Entwurf, der eines der besten deutschen Beispiele für Spätrenaissance und Frühbarock darstellt.

Der Grundriss des Gebäudes ergibt sich aus einem Griechischen Kreuz (gleichschenkeliges Kreuz), das einem Rechteck eingeschrieben ist. Darauf erhebt sich ein klar gegliederter Kubus, der eine monumentale Wirkung erzeugt.

Die Hauptfassade wirkt fast schlicht, aber dennoch eindrucksvoll mit ihren flachen Mittelrisaliten. Sie erreicht eine Höhe von 44 Metern bis zur Spitze des Giebeldreiecks auf der Westseite. Die Ostseite ist durch den Geländeunterschied beim Eisenberg? sogar 52 Meter hoch. Die Höhe der Türme des Rathauses beträgt 65 Meter.

Der Mittelrisalit der Hauptfassade, der durch einen Giebel erhöht ist, durchbricht die Dachgalerie. Ebenso die seitlichen Treppenhäuser mit ihren Turmaufsätzen. Die Dachgalerie bildet den Abschluss der vier Eckkompartimente. Der Mittelrisalit hat sechs Achsen und tritt nur leicht aus der Gebäudeflucht hervor. Er ist durch eine Eckquaderung und vergrößerte Fenster besonders betont - ähnlich wie die zweiachsigen Treppenhäuser an den Flanken des Gebäudes, die durch oktogonale Türme bekrönt sind.

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Bis 1806 war im Giebelfeld der Westfassade als Symbol der Freien Reichsstadt? Augsburg ein Doppeladler aus Bronze zu sehen, den man vergoldet hatte. 1806 ersetzte man ihn durch den in kräftigen Farben gemalten, den man auch heute noch sieht. Der Dreiecksgiebel wird durch das Stadtwappen? bekrönt, das früher wahrscheinlich auch vergoldet war.

Steht man vor dem linken Seitenportal der Westfassade des Rathauses, kann man die so genannten "Augsburger Maßstäbe" aus Bronze erkennen: ein halbes Holzklafter, einen Stadtwerkschuh, eine Leinwand- und eine Barchentelle.

Die Ostfassade ist ebenfalls interessant. Dort befindet sich nämlich ein Steinrelief, das noch aus dem gotischen Rathaus stammt: Die Zirbelnuss, das Augsburger Stadtwappen? wird von zwei "wilden Männern" bewacht und ein Spruchband erklärt: CHRISTI TIBI GLORIA IN AUGUSTA RHAETICA URBE VERE REGIA ("Dir, Christus, gebührt der Ruhm in Augsburg, der wahrhaft königlichen Stadt.").

Die Türme entstammen - wie schon unter dem Kapitel Geschichte geschildert - einer späteren Planungsphase und zeigen, dass sich Elias Holl? immer stärker dem südlichen Beispiel entfremdet und die Tradition des deutschen Rathausbaues aufnimmt. Die Gliederung der Türme hat ein aus Lisenen gebildetes Rahmenmotiv wie der würfelförmige Sockel und Pilaster, die den Gliederungsmotiven des Hauptgiebels ähneln. Alles wirkt sehr harmonisch.

Kommen wir zur Innengestaltung. Die Anordnung der Räume ist ganz auf die Verwaltung und Repräsentation ausgerichtet. Der Kernbau bildet in seiner ganzen Tiefe die Basis für drei große Säle, die genau übereinander liegen: Im Erdgeschoss liegt das dreischiffige kreuzgratgewölbte Vestibül (Unterer Fletz), darüber die flachgedeckte Halle des Oberen Fletzes und darüber dann der Goldene Saal, der gleich die Höhe von drei Stockwerken einnimmt. Über dem Goldenen Saal liegt nur noch die so genannte Modellkammer. Die Ecktrakte nehmen in den beiden unteren Stockwerken die Amtsstuben auf, auf Höhe des Goldenen Saales die vier Fürstenzimmer.

Das ist eine einfach und klare Innenraumgliederung. So einfach und klar wie auch die Außenarchitektur. Das ist epochal. Denn Elias Holl? verzichtet hier ganz bewusst auf die reiche Ornamentik zeitgenössischer Bauten. Er will eine klassische Lösung, ein "heroisches Aussehen" des Augsburger Rathauses und setzt dabei auf eine kraftvoll schlichte Organisation der Baumassen. Der kleinteilige und wuchernde Manierismus wird mit einem wuchtvollen Schlag hinweggefegt. Der Verzicht auf Bauschmuck ist fast radikal zu nennen.

Das Gebäude im Detail

Eingangshalle bzw. Unterer Fletz

Schon die Eingangshalle des Augsburger Rathauses macht einen monumentalen Eindruck. Man glaubt sich in den Eingang eines venezianischen Palazzos versetzt. An den Seiten befanden sich Wachstuben. Der Boden ist mit Marmor bedeckt. Die Halle selbst hat drei Schiffe. Ging man von hier vor 1944 in den ersten Stock, befand man sich in einer Säulenhalle, deren Holzdecke prächtig bemalt war. Davon ist heute nichts mehr erhalten.

Der Goldene Saal

Der Goldene Saal ist ein Prunksaal und eine besondere Sehenswürdigkeit Augsburgs, die besichtigt werden kann. Ursprünglich war er als Versammlungsraum für die 300 Mitglieder des Großen Rats? vorgesehen.

Die Fläche des Saales beträgt 552 Quadratmeter, die Höhe 14 Meter. Damit nimmt der Goldene Saal drei Stockwerke ein. Der Goldene Saal ist fast 33 Meter lang und über 17 Meter breit. Die Saaltüren sind 5 Meter hoch und 2,20 Meter breit. Der Saal fasst 420 Sitze oder 650 Menschen im Stehen, bei einer Bewirtung sind 280 Sitzplätze mit Stehflächen möglich. Es gibt ein Rednerpult, einen Konzertflügel und acht Podestteile mit dem Maß 1 x 2 Meter.

Im Gegensatz zu anderen Gebäudeteilen wurde der Goldene Saal erst 1643 fertig gestellt. Bei der prächtigen vergoldeten, früher aus Nussbaum geschnitzten Kassettendecke, den vielen Deckengemälden, Wandfresken und Portalen keine Überraschung. Stand die Kassettendecke unter dem Generalthema der Weisheit (Sapientia), so waren die Wandflächen des Saales mit vielen Gemälden heidnischer wie christlicher Kaiser (insgesamt 16 an der Zahl) und vergoldeten Reliefs bedeckt. Verantwortlich für die Innengestaltung des Goldenen Saales war Matthias Kager, der sich für die prunkvolle Innendekoration durch den Dogenpalast in Venedig anregen ließ. Die Bildmotive des Raumes ließ Matthias Kager nach Vorlagen des Jesuiten Matthäus Rader? und Vorzeichnungen durch Peter Candid? erstellen. Das zentrale ovale Mittelbild der Sapientia als wichtigste Herrschertugend wird von seitlichen Rundbildern umrahmt, die Architektur und Kriegskunst personifizieren. Diese seitlichen Rundbilder werden ebenfalls gerahmt, durch je vier Ovale mit den Personifikationen von Fleiß, Arbeit, Frömmigkeit, Wissen, Redlichkeit, Wohlstand, Heilkunst und Gerechtigkeit. Ganz am äußersten Rand der Decke kann man auch 24 Emblemata, erkennen, mit denen die Sinnsprüche berühmter Personen illustriert werden. Es ist also nicht falsch zu sagen, dass das Bildprogramm des Goldenen Saals von den beiden Leitmotiven "Kaisertum" und "Moral" bestimmt wird.

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Die Gemälde der Decke mit Groteskornamentik sind insgesamt zehn. Der Augsburger Kunstmaler Hermenegild Peiker? hat sie neu gemalt. Schon 1960 schuf der Würzburger Kunstmaler Oskar Martin-Amorbach? die elf Einzelbilder an Hand alter Farbfotografien.

24 Quadratmeter misst das Ovalbild in der Mitte, das die Sapientia (Weisheit) darstellt. Auf einem Band steht: PER ME REGES REGANT ("Durch mich herrschen die Herrscher."). Mit anderen Worten: Die Weisheit soll für die Herrschenden die wichtigste Tugend sein.

Das westliche Rundbild stellt die "Architectura" dar. Neben ihr ist Elias Holl?, der Baumeister des Rathauses, mit einem Grundriss und einem Zirkel erkennbar. Im Bild zur Architektur sieht man einen Holzkran mit einem Laufrad. Er wurde nachgebaut und manchmal schon bei Bürgerfesten aufgestellt. Im Spruchband liest man: CIVITATES CONDUNTUR ("Städte werden gegründet.").

Um dieses westliche Rundbild sind vier Ovalbilder gruppiert, die Frauengestalten darstellen. Die eine symbolisiert das Streben nach Wissen. Ihr Spruch lautet: IUVENTUS SAPIT ("Die Jugend findet Geschmack am Wissen."). Die nächste Frauenfigur steht für die Fruchtbarkeit: CIVES PROPAGANTUR ("Die Bürger wachsen und vermehren sich.") kann man auf ihrem Spruchband lesen. Auch der Fleiß wird durch eine Frau dargestellt: NEMO OTIOSUS ("Niemand sei müßig!") warnt sie. Und die letzte Frau steht für die Frömmigkeit: CAELUM APERITUR ("Der Himmel öffnet sich.") meint sie.

Das östliche Rundbild zeigt die Wehrhaftigkeit im Bild einer "Minerva Bellona". Ihr Leitspruch ist: HOSTES ARCENTUR ("Die Feinde werden abgewehrt."). Auch um dieses Bild gruppieren sich vier Ovalbilder mit Frauen. Zum einen ist da die Heilkunst, die hoffen: PROCUL PARCAE ("Fern seien die Parzen!"), sprich: der Tod soll sich nicht zeigen. Die Redlichkeit (BONA FIDE, Auf Treu und Glauben), die Gerechtigkeit (BONUS RIDET MALUS PLORAT, Der Gute lacht, der Böse weint) und der Wohlstand (OMNIA ET UBIQUE, Alles und überall) sind die weiteren Frauengestalten, die zu sehen sind.

Es gibt im Goldenen Saal zwei Portale, ein südliches und ein nördliches. Über dem südlichen kann man in großen Lettern alle Kaiser lesen, die zur Zeit des Rathausbaues herrschten. Außerdem sind die Augsburger Bauherren hier verewigt. Über dem nördlichen Eingang befindet sich ein Gemälde von Hans Rottenhammer?, das von dem Augsburger Kunstmaler Hermenegild Peiker? nach Farbfotos erneut gemalt wurde. Das Bild ist allegorisch zu verstehen und zeigt eine thronende "Augusta" mit dem Reichsadler, die Augsburger Wasserläufe Lech, Wertach, Singold? und Brunnenbach?. Die ABUNDANTIA, eine Frau mit Ährenkranz und Füllhorn, versinnbildlicht den Überfluss und Wohlstand der Stadt. Eine Kartusche über dem Bild trägt die Inschrift: S.P.Q.A. FIERE CURAVIT ANNO P.C.N. MDCXX ("Senat und Volk von Augsburg ließen dies 1620 nach Christus bauen.").

Den unteren Bereich des Goldenen Saales schmückt eine grafisch wirkende Grisaillemalerei. Über dieser Malerei kommt plastisch wirkende Scheinarchitektur zum Tragen, die überlebensgroße Kaiserfiguren zeigt: nördlich acht heidnische und südlich acht christliche Kaiser, immer auch mit ihren Wahlsprüchen dargestellt. In den gemalten Fensterumrahmungen sieht man kleine Putten mit Blumengirlanden. Ursprünglich stammten diese Fresken von Matthias Kager. Nach der Zerstörung des Rathauses im Zweiten Weltkrieg hat Hermenegild Peiker? diese Fresken ein zweites Mal nach Vorlagen gemalt, wobei er ein paar erhaltene Reste mitverwendet hat.

Die Lichtführung des Goldenen Saales aus 60 Fenstern ist nicht beschreibbar, man muss sie selbst erlebt haben, um ihre Brillanz würdigen zu können.

Nach der Einweihung des Goldenen Saals versammelten sich hier am Beginn jeder Sitzungsperiode die etwa 300 Mitglieder des Großen Rates?.

Als 1653 die Wahl Ferdinand IV.? in Augsburg stattfand, geschah das im Goldenen Saal und die Abgesandten und Kurfürsten wurden in den Fürstenzimmern und Amtsstuben des Rathauses einquartiert. Als am 9. Januar 1690 Eleonore Magdalena Theresia, die Frau Kaiser Leopolds I.? gekrönt wurde, hielt man im Goldenen Saal ein Festmahl ab. Zu Ehren Josephs I.? gab es am 14. Januar 1690 ein Krönungsbankett im Goldenen Saal.

Auch die Versammlungen zum Reichstag von 1713 fanden im Goldenen Saal statt.

Als die Familie Mozart Augsburg im Jahr 1763 besuchte, besichtigte sie auch den Goldenen Saal, der großen Eindruck auf sie machte.

Am 25. Juli 1792 kamen die Kaiserin Maria Theresia von Bourbon-Neapel? und ihr Mann Kaiser Franz II.? sowie Erzherzog Josef zu Besuch nach Augsburg. Begrüßt wurden sie im Goldenen Saal.

Die Stadt Augsburg verlieh dem Reichskanzler Otto von Bismarck? am 8. Februar 1891 die Ehrenbürgerrechte. Der Festakt mit dem Geehrten fand am 26. Juni 1892 im Goldenen Saal statt.

Im Juni 1914 besuchte der letzte bayerische König, nämlich Ludwig III.? Augsburg; zu seinen Ehren wurde ein Festbankett im Goldenen Saal abgehalten.

Bis 1944 war die Prunkdecke des Saales mit 27 Ketten am Dachstuhl aus Holz aufgehängt. Die Renovierung nach dem Krieg führte zu einer Befestigung an einer Stahlsteindecke. Das an der Decke verwendete Blattgold hat 23 1/2 Karat. Während früher massive Nussholzbretter die Decke bildeten, sind es heute Tischlerplatten, die mit drei Millimeter starken Nussbaumfurnieren verleimt wurden. Kleinere Schnitzelemente hat man aus Lindenholz gefertigt.

Mit dem Rathaus fiel auch der Goldene Saal 1944 den Bombenangriffen der Engländer zum Opfer. Viele Jahrzehnte blieb der Saal nach dem Krieg ein würdeloses Provisorium: statt der prächtigen Kassettendecke wurde eine einfache Holzdecke eingezogen, die Portale waren schlichte Holztüren, die Wände waren weiß verputzt und auf dem Fussboden hatte man eine Asphaltdecke ausgebreitet. Bis in die 60er Jahre nutzte man diesen Saal als Ausstellungsraum.

Erst mit Blick auf die 2.000-Jahrfeier 1985 hatte die Stadtspitze den Mut, die Renovierung des Goldenen Saales anzugehen. Viele Spendengelder und 17 Jahre waren nötig, um den Goldenen Saal nach historischen Bildern und Plänen fast wieder so herzurichten, wie er war. Komplett abgeschlossen wurden diese Arbeiten nach einem Zwischenschritt zum Stadtjubiläum im Grunde erst 1996, als der Goldene Saal offiziell im originalgetreuen Zustand wieder der Öffentlichkeit übergeben wurde.

Wer will und das nötige Geld besitzt, kann den Goldenen Saal mieten, etwa für eine Hochzeit, ein Jubiläum oder eine Firmenveranstaltung. Es ist ein einmaliger Rahmen, dessen Wirkung sicher lange nachklingt.

Die Fürstenzimmer

An den Goldenen Saal schlossen sich früher vier so genannten Fürstenzimmer an, die - wie der Name schon sagt - auf Reichstagen zur Nutzung durch Fürsten gedacht waren. Nach den furchtbaren Kriegszerstörungen ist bislang nur eines dieser Fürstenzimmer komplett rekonstruiert. 2005 begann man damit das zweite Fürstenzimmer zu renovieren.

Renoviert ist das nordwestliche Fürstenzimmer. Elias Holl? bezeichnete es als kunstvoll. Im Gegensatz zum Goldenen Saal wirkt es fast intim. Es war als Empfangs- und Aufenthaltsraum gedacht. Der Raum hat eine Kassettendecke, eine Wandverkleidung aus Holz und einen Parkettfußboden. In einer Ecke steht ein großer und eindrucksvoller Kachelofen. Durch viele Originalbilder bedeutender Maler wirkt das Zimmer ein wenig wie eine Kunstkammer. Die Fläche beträgt fast 150 Quadratmeter, was einen Stehempfang für etwa 100 Personen möglich macht. Die Saaltüre ist 3 Meter hoch und 1,50 Meter breit. Es gibt noch eine Seitentür mit einer Höhe von 2,50 Meter und knapp 90 Zentimeter Breite. Zur sonstigen Raumausstattung gehören: ein TV-Anschluss, ein Schreibpult, vier historische Tische, 19 historische Stühle, 7 Hocker, elf Deckenfluter, fünf Stehlampen und eine Leselampe beim Schreibpult. Dieses nordwestliche Fürstenzimmer stand dem Kaiser zu.

Das nordöstliche Fürstenzimmer war mit Trennwänden durchsetzt, um den Raum für die Kurfürsten nutzen zu können. Das südöstliche Fürstenzimmer wurde von der Kaiserin als Erholungsraum (Retirade) genutzt, im südwestlichen standen die Tische, Tribünen und Stühle für die Votanten.

Oberer Fletz

Beim Oberen Fletz handelt es sich um einen saalartigen Versammlungsraum. Originalbilder von Hans Freyberger? zeigen Funktion und Bedeutung der Amtsräume, die sich früher im Oberen Fletz befanden. Heute benutzt der Stadtrat? die kleinere Hälfte des Oberen Fletzes als Großen Sitzungssaal. Die Gesamtfläche des Oberen Fletzes beträgt 560,40 Quadratmeter. Es gibt vier Saaltüren mit 2,50 Meter Höhe und 2,20 Breite. Im Oberen Fletz können entweder 300 Sitz- oder 258 Tisch- oder 600 Stehplätze vergeben werden. Es gibt zwei TV-Anschlüsse (je 1 in den beiden Saalhälften), 30 Büfetttische verschiedener Größe, 70 Sessel mit Armlehnen, eine Beleuchtungsanlage mit Dimmer, automatisch gesteuerte Verdunkelungsvorhänge, eine Küche mit Spülmaschine. Der Große Sitzungssaal ist darüber hinaus folgendermaßen ausgestattet: Referentenbank mit 13 Sitzplätzen und 7 Tischmikrophonen, Schriftführertisch mit 3 Sitzplätzen, für Sitzungsteilnehmer gibt es 60 Sitzplätze mit 40 Tischmikrophonen.

Auch den Oberen Fletz kann man mieten und hier neben Empfängen und Ehrungen auch ideal Konferenzen abhalten.

Öffnungszeiten

Eine Besichtigung des Rathauses und des Goldenen Saals ist täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr möglich - außer bei geschlossenen Veranstaltungen.

Adresse

Rathausplatz
86150 Augsburg

Lage des Augsburger Rathauses

Weblinks


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