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Plärrer
Das größte Volksfest in Bayerisch-Schwaben.
Allgemeines
Der Augsburger Plärrer findet zweimal im Jahr statt: im Frühjahr zu Ostern und im Spätsommer (Ende August/Anfang September). Der Herbst-Plärrer gilt als schwäbisches Oktoberfest. Das mit etwa 600.000 Besuchern gefeierte Fest dauert jeweils etwa zwei Wochen. Heute wird der Plärrer auf dem so genannten Kleinen Exerzierplatz? zeitgleich mit der Augsburger Frühjahrs- und Herbstdult abgehalten. Die meisten Schausteller kommen aus Süddeutschland.
Geboten werden den Besuchern Hightech- und Nostalgiekarusselle, Riesenrad und Geisterbahn, Autoscooter und Leopardenspur, Bars und Bands, Kühemelken, Modenschau, Gewinnspiele, Goaselschnalzer, Musikkapellen, Tanzgruppen, romantische Abende, Kindernachmittage, Feuerwerke und eine gepflegte Gastronomie mit Biergarten und Bierzelten, die Kapazität von 500 - 2500 Sitzmöglichkeiten aufweisen.
Geschichte
Die Tradition des Augsburger Plärrers lässt sich mehr als 1.000 Jahre zurückverfolgen. Entwickelt hat sich der Plärrer aus den so genannten Dulten (Fruehjahrsdult und Herbstdult), die im Prinzip Märkte oder Kaufhäuser-Ersatz waren. Auf diesen Märkten traten immer auch Gaukler, Artisten, Zauberkünstler, Moritatensänger und Schießstandbetreiber auf. Die Anwohner der heutigen Maximilianstraße beschwerten sich im 19. Jahrhundert regelmäßig über das "Geplärre", also den Lärm durch die Schausteller, weshalb man sich entschloss, das "Geplärre" von den Marktständen zu trennen.
Das Jahr 1878 markiert diese Trennung. Damals fand der Augsburger Plärrer zum ersten Mal auf dem Kleinen Exerzierplatz? am Rand der Stadt als reiner Vergnügungspark statt, wo keine Verkaufsbuden zugelassen wurden.
Die Neue Augsburger Zeitung? verwendet zum ersten Mal in einem Artikel des Jahres 1880 den Begriff "Plärrer", der sich aber schnell als Bezeichnung für das Fest und sogar für den Festplatz durchsetzt. Offiziell ist der Name seit 1976 die Festbezeichnung.
Zur Zeit der Gründung des Plärrers und in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts waren Puppentheater, Phonographen, Panoptiken, Panoramen, die ersten Filme und ähnliches mehr Hauptattraktionen.
Unter den Vergnügungsgeschäften gibt es Klassiker wie Ringe- oder Ballwerfen, Pferdekarussels, Krinoline und Schiffschaukeln.
Alkohol gab es bis 1905 keinen auf dem Plärrer. In diesem Jahr eröffnete die erste Weinstube des Plärrers.
1914 sagt man wegen des Krieges Herbstdult ab. Der Magistrat? schließt im selben Jahr Nicht-Augsburger als Schausteller vom Plärrer aus. Trotzdem müssen die Schausteller um Ihre Existenz fürchten. Das Alkoholverbot, welches teilweise in den Jahren zuvor gelockert wurde, wird wieder eingeführt.
1917 sagt das General-Kommando den Frühjahrsplärrer auf dem Höhepunkt des Ersten Weltkrieges ab. In diesem Jahr gibt es nur einen Herbstplärrer.
Das erste Bierzelt errichtete man im Jahr 1927. Zuerst gab es eine Bierbude von Hasenbräu?, aber schon 1928 standen zwei Ausschank-Zelte zwischen den Buden der Schausteller.
1938/39 sind Rekordjahre in der Plärrerchronik: Mit 135 Festunternehmen ist Augsburgs Volksfest so groß wie nie zuvor. Schon gegen Ende des Jahres 1939 beherrscht der Krieg die Schlagzeilen und die Menschen. Mancher Schausteller kann wegen des Krieges nicht am Plärrer teilnehmen. Und 1942 wird ein Teil des Kleinen Exerzierplatzes? benötigt, um Barackenlager für Gefangene und Ausgebombte zu errichten.
1945 kommt es zu einem "Notplärrer": Lediglich zehn Schausteller sind in der Lage ihrer Arbeit nachzugehen.
Im Jahr 1954 gründet man den Schwäbischen Schaustellerverband e. V.?, der an den Deutschen Schaustellerbund e. V. (DSB) mit Sitz in Berlin angeschlossen ist.
1956 steht wieder der ganze Kleine Exerzierplatz? für den Plärrer zur Verfügung, hat man doch im Jahr zuvor die Barackenlager abgerissen. Bis zu 120 Schausteller können jetzt wieder ihr Gewerbe betreiben.
Seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts gibt es feste Einrichtungen auf dem Plärrer wie einen Seniorennachmittag, einen Familiennachmittag mit niedrigeren Preisen, einen Tag der Betriebe oder das Feuerwerk und den katholischen Gottesdienst.
Im Jahr 1963 werden die Feuerwerke während der Plärrerzeit eingeführt.
1968 hat man eine tolle Idee. Um Verletzungen bei Raufereien zu vermeiden, wird das Bier aus Plastik-Bierkrügen ausgeschenkt. Diese Idee wird allerdings - zur Erleichterung aller - schon im nächsten Jahr wieder fallen gelassen.
1969 konnten Plärrerbesucher den kleinsten Mann der Welt mit nur 78 Zentimeter Körpergröße bestaunen. Im selben Jahr gastierte auch eine Delphinschau auf dem Plärrer.
1985 feierte Augsburg das 2000jährige Jubiläum, weshalb man dazu auf dem Plärrer das größte transportable Wasserbecken der Welt mit 50.000 Litern Fassungevermögen aufbaute, um das herum auch noch ein Fahrgeschäft aufgebaut war.
Im Jahr 1999 spielten mehr als 1.000 Kartenspieler 265.000 Mark bei einem Wohltätigkeits-Turnier auf dem Plärrer ein. Das Finale fand im Binswanger-Zelt statt. Das Hilfswerk "Kartei der Not" unterstützte damit bedürftige Menschen in der Region.
Seit dem Frühjahrsplärrer 2009 gibt es einen behindertengerechten und von Behinderten zu betreibenden Imbiss vom Sozialverband VdK?, wo eine niedrige Theke das Essen von Rollstuhlfahrern möglich macht. Betrieben wird der Imbiss von der Vd K? Pemperlprater Caroussell Gmb H?. Die Idee dazu kam von einer Augsburgerin, die zum Landesvorstand des Vd K? Bayern gehört und die 85 Zentimeter hohe Theke Wirklichkeit werden ließ. Auf dem Frühjahrsplärrer 2009 stand auch die damals angeblich höchste Schaukel der Welt mit beinahe 90 Tonnen Gewicht. Sie hatte vier Sitzreihen, auf der 20 Menschen Platz nehmen und etwa 45 Meter Flughöhe genießen können. Während sich die Gondeln drehen können die Gäste der Schaukel mit bis zu 100 km/h in die Tiefe sausen.
Im Bundestagswahljahr 2009 nutzten Parteien den Plärrerumzug, um Wahlwerbemittel unter dem Volk zu verteilen. Etwa 2.300 Teilnehmer am Festzug trafen auf etwa 50.000 Zuschauer. Teilnehmende Gruppen waren es fast 120. Die Festzuglänge betrug mehr als drei Kilometer.
augsburg.tv-Beitrag über die Misswahl 2011 auf dem Augsburger Plärrer
Details
Eröffnet wird der Frühjahrs- und der Herbstplärrer normalerweise mit einem Festumzug und dem Faßanstich durch den Augsburger Oberbürgermeister. Der Festumzug startet normalerweise in der Maximilianstraße und zieht zum Festplatz an der Langenmantelstraße?. Es beteiligen sich dabei mehr als 100 Vereine und Gruppen.
Das Festgelände umfasst etwa 36.000 Quadratmeter. Es gibt etwa knapp 100 Schaustellerbetriebe und Wirte, die mehr als 1.000 Frontmeter Vergnügen, Highlights, Fahrgeschäfte und Nostalgie bieten. Normalerweise werden auf einem Plärrer knapp 4.000 Kubikmeter Wasser verbraucht.
Meist gibt es an einem Sonntag während der Festzeit einen katholischer Zeltgottesdienst. Andere Sonderveranstaltungen sind z. B.: "Romantischer Abend", "Bayerischer Tag", Brillantfeuerwerk, "Blick hinter die Kulissen", "Tag der Familie" oder "Tag der Betriebe".
Am Bayerischen Tag findet viel schwäbisch-bayerisches Brauchtum Platz, etwa ein Maßkrugstemmen, bei dem starke Männer gegeneinander antreten.
Über den Schwäbischen Schaustellerverband e. V.? kann ein "Blick hinter die Kulissen" organisiert werden. Und: Über den Verband kann man Zaunwerbung am Plärrer, Werbung auf dem Bummelpass, auf der Homepage des Plärrers im Internet und auf einer Plakatwand an der Langenmantelstraße? buchen.
Wenn jemand einen stimmungsreichen Abend mit Freunden im Bierzelt verbringen will, kann er sich z. B. im Festzelt Binswanger?, im Festzelt Schaller oder in der Hühnerbraterei Ebert-Miller? über das Programm informieren und Tische reservieren.
Die meisten Schausteller und Wirte sind schon seit Generationen beim Augsburger Plärrer dabei. Jobs auf dem Plärrer sind immer zu haben. Einfach in der Aufbauwoche auf dem Plärrer bei den verschiedenen Schaustellerbetrieben nachfragen. Das Amt fuer Verbraucherschutz und Marktwesen? wählt unter den Bewerbern diejenigen Schausteller aus, die eine attraktive und abwechslungsreiche Volksfestveranstaltung zusammenstellen. Es gehen normalerweise um die 350 Bewerbungen für einen Plärrer ein, die Endauswahl umfasst dann etwa 80 Betriebe.
Damit der Plärrer eine sichere Veranstaltung ist, werden die Fahrgeschäfte im Rhythmus von 1 - 2 Jahren geprüft. Auch die Festzelte werden bau- und sicherheitstechnisch abgenommen und während des Plärrers lebensmittelhygienisch getestet. Auch die Augsburger Berufsfeuerwehr?, die Polizei und das Rote Kreuz sind täglich vor Ort, um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten.
Schon seit 1969 ist Nolis Autoscooter auf dem Festplatz des Augsburger Plärrers präsent. Gegen Abend kommen die 25.000 LEDs erst richtig zur Geltung und auch die aufwändige Airbrushbemalung des Autoscooters, der natürlich immer wieder erneuert wurde. Die Familie Noli betreibt auch den "Süßen Tempel", wo man verschiedene Leckereien erstehen kann: gebrannte Mandeln, Zuckerwatte, kandierte Früchte ... Das dritte Standbein der Familie ist die "Glückspyramide", wo man attraktive Preise gewinnen kann: Stoff- und Kuscheltiere, Hello-Kitty oder aktuelle Spielekonsolen.
Am Plärrereingang Badstraße? kann man normalerweise beim "Flying Star" Plärrerfähnchen etwa fürs Autofenster kaufen.
Brechts Plärrerlied
Im Jahr 1917 würdigte auch Bertolt Brecht den Plärrer mit seinem "Plärrerlied":
Der Frühling sprang durch den Reifen
Des Himmels auf grünen Plan,
Da kam mit Orgeln und Pfeifen
Der Plärrer bunt heran.
Dort hab ich ein Kind gesehen,
Das hat ein goldenes Haar
Und ihre Augen stehen
Ihr einfach wunderbar.
Und in der Sonne drehen
Die Karusselle dort
Und wenn sie stille stehen,
Dann dreht mein Kopf sich fort.
Nachts ruhn die Karusselle
Wie Milchglasampeln still.
Jede Nacht wird sternenhelle,
Nun geht es, wie es will.
Nun bin ich trunken, Mädel,
Und trag zu aller Hohn
Statt meinem alten Schädel
Einen neuen Lampion.
Nun mag der Frühling gehen,
Ich seh ihn immerdar.
Ich hab ein Kind gesehen,
Die hat ein goldenes Haar.
Öffnungszeiten
Montag bis Donnerstag 12:00 - 23:00 Uhr
Freitag von 12:00 - 23:30 Uhr
Samstag von 11:00 - 23:30 Uhr
Sonn- und Feiertags von 10:30 - 23:00 Uhr
Anreise
Der Plärrer findet immer auf dem Kleinen Exerzierplatz? statt.
Mit dem Auto
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Das Parken für Plärrerbesucher wird auf dem Parkplatz an der Holzbachstraße? und auf dem Grundstück zwischen Holzbach-, Bad- und Schwimmschulstraße ermöglicht. Dort stehen ca. 500 Parkplätze zur Verfügung. Weitere Parkplätze stehen in der Umgebung des Plärrergeländes in ausreichender Zahl zur Verfügung. Taxistandplätze finden Sie auf der Südseite der Badstraße? zwischen Holzbachstraße? und Schwimmschulstraße? sowie an der Westseite der Langenmantelstraße?.
Mit Bahn und Bus
Natürlich fährt die Straßenbahn zum Plärrer:
- werktags während der Ferien im 7,5 Minuten-Takt bis ca. 18:30 Uhr, ab 19:00 Uhr im 15 Minuten-Takt
- werktags in der Schulzeit im 5 Minuten-Takt bis ca. 18:30 Uhr, ab 19:00 Uhr im 15 Minuten-Takt
- samstags im 10 Minuten-Takt; ab 19:00 Uhr im 15 Minuten-Takt
- Sonn- und Feiertags im 15 Minuten-Takt
Auch eine Anreise mit dem Bus, Haltestelle Plärrer, ist möglich.
Adresse
Schwäbischer Schaustellerverband e. V.?
Widderstraße? 45
86167 Augsburg
E-Mail: info(@)plaerrer-volksfest.de
Weblinks
Homepage des Augsburger Plärrers
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