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Pfersee

ein Augsburger Stadtteil, der im Westen der Stadt liegt; er setzt sich aus dem 15.-17. Stadtbezirk zusammen (Rosenau- und Thelottviertel als 15., Pfersee-Süd? als 16. und Pfersee-Nord? als 17. Stadtbezirk) und zählt als Planungsraum VIII in Augsburg

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Allgemeines

Der Stadtteil ist etwa 4, 4 Quadratkilometer groß und hat etwa 23.000 Einwohner. Das bedeutet: Es leben fast 5.200 Einwohner auf einem Quadratkilometer. Der Stadtteil gehört zum Planungsraum VIII und besitzt drei Stadtbezirke, das Rosenau- und Thelottviertel als 15., Pfersee-Süd? als 16. und Pfersee-Nord? als 17. Stadtbezirk. Pfersee umfasst die Postleitzahlen 86150 und 86157.

Früher hatte viel Industrie in Pfersee ihren Sitz, doch heute ist der Stadtteil vom Wohnen geprägt. Dazu hat seine gute Lage beigetragen. Pfersee liegt nahe an der Augsburger Innenstadt, der Hauptbahnhof ist für Pendler? gut erreichbar und der Rand der Westlichen Wälder liegt nicht weit entfernt.

Geschichte

Auf dem heutigen Gelände Pfersees existierte schon in der Römerzeit eine Ansiedlung. Möglicherweise sogar schon in keltischer Zeit, denn der keltische Begriff „Perz“, von dem Pfersee wohl hergeleitet ist, bedeutet Burg oder Pforte. Eine andere Ortsnamen-Herleitung geht auf eine Legende zurück, die erzählt, der römische Feldherr Varus, auch Verres genannt, habe sich nach seiner Niederlage gegen die Germanen im Teutoburger Wald hier in der Gegend von Pfersee versteckt und sei an einem See erschlagen worden. Mit dem See könnten die Altwasser der Wertach gemeint gewesen sein. Aus Verres-See oder Varus-See könnte der Name Pfersee entstanden sein.

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Augsburg Pfersee - Blick vom Turm der Herz-Jesu-Kirche (errichtet 1907 - 1910) Richtung Süden. Vorne die Kreuzung Sigmundstrasse / Uhlandstrasse, im Hintergrund die 1917 errichtete Adalbert-Schule, die später nach Hans Adlhoch benannt wurde. Aufnahme um 1920 (Besitz: Fritz Weeger)

Wie dem auch sei: Die Römer bauten an der Stelle des heutigen Pfersee einen Brückenkopf oder ein Kastell. Von Augsburg aus führte eine Römerstraße über Pfersee nach Stadtbergen. Die Perzheimwiese in Pfersee hat ihren Namen allerdings von den Perzheimern, den Herren der Pferseer Burg im Mittelalter, und geht nicht auf die Römerzeit zurück.

Schriftlich wird der Ort zum ersten mal im Jahr 800 n. Chr. erwähnt.

Im 11. Jahrhundert hieß der Ort Pherrese, später auch Pherse, Pferse, Pfersen.

Im 15. und 16. Jahrhundert sprachen Urkunden von Pferschen, Phersheim, Pfertzen oder Pferschen.

Unter vorderösterreichischer Verwaltung

Während des gesamten Mittelalters gehörte Pfersee dem jeweiligen Augsburger Bischof und verschiedenen Patrizierfamilien. In der Zeit, in der Augsburg Freie Reichsstadt? war, gehörte Pfersee zum Herrschaftsgebiet der Markgrafschaft Burgau? und damit zu Vorderösterreich. Diese Zeit dauerte von 1579 bis 1805. In dieser Zeit galt der Protestantismus in politischer Hinsicht als verdächtig und Protestanten war es verboten sich in Pfersee niederzulassen. Noch zu Beginn der Industrialisierung hatten es Protestanten in Pfersee nicht einfach.

Industrialisierung in Pfersee

Noch Anfang des 19. Jahrhunderts war Pfersee ein Bauerndorf. Die Industrialisierung ab Mitte des 19. Jahrhunderts brachte Pfersee einige große Firmen, z. B.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Pfersee von einem Dorf in den Wertachauen zu einem wichtigen Standort der Textilindustrie? vor den Toren der Stadt Augsburg.

Die Industrialisierung brachte Pfersee zudem einen großen Bevölkerungszuwachs. So wuchs der Ort von etwa 900 Einwohnern im Jahr 1850 auf etwa 11.000 Ende 1910. Die Zuzügler kamen meist aus dem Umland von Augsburg, um in den neuen Manufakturen und Fabriken zu arbeiten. Es kamen aber auch Arbeitssuchende aus anderen europäischen Ländern nach Pfersee: aus Österreich-Ungarn, der Schweiz, aus Italien und Russland. Schnell wurden die ursprünglichen Pferseer zu einer Minderheit und die dörflichen Strukturen und Bräuche verschwanden oder mussten neuen Einflüssen Platz machen. Die Gemeinde hatte damals große Probleme, die Infrastruktur dem Wachstum der Bevölkerung anzupassen. Weil die Gemeinde Pfersee die Trinkwasserversorgung und die Abwasserbeseitigung nicht allein zu regeln imstande ist, ersuchen die Pferseer die Stadt Augsburg um Eingemeindung. Auch schon vor der Industrialisierung hatte Pfersee finanzielle Probleme Missernten oder die fast jährlichen Überschwemmungen abzufedern.

Im Kaiserreich hatte es die Pferseer Arbeiterschaft nicht leicht. Zum einen kamen auch in Pfersee die Repressionen und Verfolgungen der Arbeiterschaft im Rahmen des so genannten "Sozialistengesetzes" an. So musste z. B. der Pferseer Textilarbeiterverband 1983 aufgelöst werden. Aber die Arbeiter Pfersees wehrten sich so gut sie konnten. Indem sie einen Bildungs- und Leseverein Pfersee gründeten, versuchten sie ihre politische Arbeit weiterzuführen. Und Ende des Ersten Weltkriegs trat sogar Rosa Luxemburg im Weißenburger Hof vor den Pferseer Textilarbeitern auf, was einen Höhepunkt der Pferseer Arbeiterbewegung markierte.

Bis 1911 war Pfersee eine eigenständige Gemeinde. Wenn man vor der Eingemeindung nach Augsburg über die Luitpoldbrücke wollte, musste man noch einen Brückenzoll entrichten. 1911 ging Pfersee in Augsburg auf. Mit dieser Eingemeindung nach Augsburg löste Pfersee vor allem seine finanziellen Probleme. Aber auch die konfessionellen Unterschiede wurden durch die Industrialisierung eingeebnet. Jetzt erst, nach der Jahrhundertwende, begann in Pfersee auch ein reges evangelisches Gemeindeleben und erste Diakonissen praktizierten im Bereich der Kindererziehung, der Armen und Krankenpflege Formen kirchlicher Fürsorge.

Im Zuge der Industrialisierung Pfersees bekam auch der katholische Dorfpfarrer von Sankt Michael? immer mehr Aufgaben, die nur noch am Rand etwas mit Seelsorge zu tun hatten. Für die zugezogenen Gemeindemitglieder bekam die soziale Tätigkeit der Kirche, etwa die Kranken- und Armenfürsorge, stärkere Bedeutung, vor allem, als die Arbeiterbewegung immer mehr erstarkte. Hier engagierte sich die Kirche, um nicht Mitglieder an die "Roten" zu verlieren. So richtete man im Pfarrhaus und später auf dem Pfarranger eine Dorfschule ein. Bis zur Zeit des Nationalsozialismus lag die Schulhoheit in Pfersee bei den Kirchen, natürlich streng nach der Konfession getrennt.

1920 zählte das Adressbuch von Pfersee etwa 40 Lokale, was für die Augsburger Arbeitervororte des 19. und 20. Jahrhunderts bezeichnend war. Dass es in diesen Arbeitervororten so viele Gaststätten gab, lag daran, dass es hier ein reges Vereinsleben gab.

Zeit des Nationalsozialismus

1935/36 enteigneten die Nationalsozialisten? vor allem an der Stadtberger Straße und an der Leitershofer Straße Bauern, deren Ackerflächen für den Bau der Luftnachrichtenkaserne gebraucht wurden. Damit begann das "Bauernsterben" in Pfersee, denn viele der enteigneten Bauernhöfe waren nicht mehr groß genug, um überleben zu können.

In der Zeit des Nationalsozialismus bestand in Pfersee ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau, um Zwangsarbeiter für die kriegswichtige Messerschmitt AG zu liefern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren hier lange Jahrzehnte Einheiten der United States Army stationiert (ehemalige Sheridan-Kaserne). Seit dem Abzug der Amerikaner wird das Gelände der Kaserne für Wohnungsbau und Gewerbeflächen genutzt.

Seit den 1960er Jahren ging die Textilindustrie auch in Pfersee stark zurück. Als produzierender Betrieb konnte sich am längsten die Firma Eberle? halten. Ende der 1960er Jahre begann für Pfersee ein einschneidender Wandel vom Industrievorort zum Wohngebiet. Auf ehemaligen Fabrikgeländen entstanden Wohnungen. Aber auch in den Uhlandwiesen? wurden Häuser und Wohnungen gebaut, ebenso wie im Norden von Pfersee und auf ehemaligem Militärgelände (Sheridan-Park), wo sich auch Dienstleistungsbetriebe ansiedelten. Zuvor hatte das "Wohngebiet in Zentrumsnähe" steigende Probleme die ansteigende Bevölkerung mit sozialen Einrichtungen, günstigen Wohnungen, Grünanlagen etc. zu versorgen. Auch das Problem der Verkehrsüberlastung der zentralen Augsburger Straße in Pfersee musste gelöst werden.

2009 lag die mittlere Haushaltsgröße in Pfersee bei 2,44 Personen und damit etwa über dem städtischen Durchschnitt, was zeigt, dass in Pfersee mehr Familien wohnen als in anderen Stadtvierteln.

Details

Dort, wo sich heute der Parkplatz vor der Kirche Sankt Michael? in dem Dreieck von Stadtberger Straße, Leitershofer Straße und Fröbelstraße ausbreitet, lag früher der Dorfplatz von Pfersee.

Wichtige Einrichtungen in Pfersee sind u. a.

Spielplätze in Pfersee

Lage


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