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Perlachturm
Ein Augsburger Turm, der die bürgerliche Mitte der Stadt bezeichnet und früher als Wachturm für Brände und Feindannäherungen diente.
Siehe auch Perlach, Perlachberg, Perlachhügel und Sankt Peter am Perlach.

Perlachturm Augsburg © Eva Stuhlmüller (www.augsburg-parrot.de)
Allgemeines
258 Stufen muss man erklimmen, um vom Perlachturm aus über die Altstadt von Augsburg blicken zu können. 200 bis 300 Gäste schaffen pro Tag den Aufstieg in eine Höhe von über 70 Metern und bekommen dafür eine "Aufstiegsurkunde" als Erinnerung. Ohne Übertreibung kann man im Perlachturm eines der Wahrzeichen von Augsburg erkennen. Er steht neben dem Rathaus und um 11, 12, 17 und 18 Uhr spielen 35 verschiedene Glocken diverse Melodien, etwa "Die Gedanken sind frei" oder ein Stück aus Mozarts Zauberflöte. Im ersten Stockwerk wird die Turamichele-Figur aufbewahrt, die einmal im Jahr den Teufelsdrachen tötet. 20 Turmwärter sind auch heute noch im Dienst und teilen sich die sieben Tage der Woche auf. Bei Föhn kann man vom Perlachturm bis zu den Alpen sehen. Früher wurde bei Föhn eine gelbe Fahne aus dem Turm gehängt. Zwischen dem Rathaus und dem Perlachturm ging es im Mittelalter oft blutig zu, denn hier lag der Richtplatz der Stadt.
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Geschichte
Historisch gesehen wurde der Perlachturm als Wachturm errichtet - im Jahr 989 anstelle einiger abgebrannter Häuser.
1182 begann man Sankt Peter am Perlach in seiner heutigen Gestalt zu bauen. Der Unterbau jedoch blieb stehen und stammt etwa aus der Zeit von 1060. Das dürfte wohl auch der Starttermin für Plan und Bau der Grundlage des heutigen Perlachturms gewesen sein. Zunächst konnte man den Turm nur über die Kirche erreichen: über eine Treppe im Süden.
Aus dem Jahr 1272 weiß man, dass es Weinträger waren, die auf dem Perlachturm Wache halten mussten.
1348 ist erwähnt, dass eine 76 Zentner schwere Glocke auf dem Perlachturm installiert wurde, die vor Stürmen und Feuer warnen sollte. Allein der Stadtvogt durfte diese Glocke läuten - bis 1805. 1813 wurde die Sturmglocke vom Perlachturm herabgenommen und zu einer Feuerspritze umgegossen.
Der Perlachturm hatte aber noch andere Funktionen. So zeigten seine Sonnen- und Schlaguhren den Augsburgern die Stunde an. Wahrscheinlich hat man schon im frühen 16. Jahrhundert das Uhrwerk mit Sankt Michael verbunden, der in Augsburg sehr verehrt wurde: das Turamichele war entstanden, das jedes Jahr am 29. September in einer Turmöffnung erscheint, um den Teufel zu bekämpfen.
Immer wieder ist der Turm gewachsen. 1410 war er 36 Meter hoch, 1527 schon 63 Meter. Der Stadtbaumeister Elias Holl? war es, der den Turm im Zuge des Rathausneubaus umbaute und zuletzt aufstockte (von 1612 bis 1618). Er sollte die Rathaus -Glocken im Perlachturm unterbringen, während das Rathaus umgebaut werden sollte. Elias Holl? meisterte den Auftrag mit Bravour. Er erhöhte das Gebäude um ein Stockwerk, schuf ein Oktogon mit zehn dorischen Säulen sowie eine Kuppel mit Laterne und Zwiebel. Die Laterne bekrönte er 1615 mit der heidnischen Stadtgöttin Cisa, einer Wetterfahne und der Stadtpyr. Der Turm erreichte jetzt eine Höhe von etwas über 70 Meter. Er übernahm nun wichtige Funktionen des früheren gotischen Rathauses wie die Anzeige der Zeit durch eine Uhr und das Geläut.
1622 bekam der Perlachturm einen Zugang von Außen, so dass man ihn nicht mehr von der Kirche aus ersteigen musste.
Anfang des 20. Jahrhunderts waren Schäden am Turm der Grund, warum man die Turmspitze bis auf die Höhe der oberen Balustrade abtrug. August Brandes? schuf damals Fassadenmalereien, die aber heute verwittert sind.
Eine Bombennacht im Jahr 1944 zerstörte die Kuppel des Perlachturms; erst 1950 konnte er nach Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten wieder erstiegen werden.
1984 und 1985 sanierte man den Turm außen und konnte die ehemalige schwarz-weiße Farbgestaltung von Elias Holl? wieder rekonstruieren, nachdem der freistehende Turmkörper in seinen fensterlosen Kompartimenten lange Zeit bunt bemalt war. Die Alt-Augsburg-Gesellschaft? stiftete zur 2000-Jahr-Feier der Stadt das Glockenspiel, das in den Turm eingebaut wurde.
Viele meinen, der Perlachturm sei ein Kirchturm. In den Anfangszeiten der Stiftskirche Sankt Peter am Perlach, die gleich hinter ihm steht, war er das auch, aber im vierzehnten Jahrhundert kam der Turm in städtische Hand und hat heute nichts mehr mit der Kirche zu tun. Kurios: In der japanischen Augsburger Partnerstadt Amagasaki erhebt sich eine getreue Abbildung des Perlachturms - allerdings weit weniger hoch.
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Details
Der Blick vom Perlachturm
Blickt man vom Perlachturm in Richtung Dom Unserer Lieben Frau, so schweift der Blick über den malerisch geschwungenen Straßenverlauf der Karolinenstraße mit den hoch aufragenden Giebeln und den vorgeblendeten Schaufassaden der Häuser. In den Abschluss des Blicks lagert sich breit der Baukörper des Doms. Leider sieht man auch viele schöne Bauwerke nicht mehr, weil sie in der Bombennacht im Februar des Jahres 1944 in Schutt und Asche versanken. So zeigt ein Planfilm-Negativ von 1930, dessen Fotograf unbekannt ist und das im Bildarchiv des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege lagert, noch das so genannte Riedingerhaus.
Blickte man 1930 vom Perlachturm Richtung Osten, konnte man den Metzgplatz mit dem Dach des Schaurhauses (um 1700) sehen. Damals hatte die Stadtmetzg noch einen markanten Dachaufbau zur Stromerzeugung. Weiter blickte man auf die kleinteilige Dachlandschaft der Unterstadt?, die sich im 13. Jahrhundert zum Gewerbe- und Handwerkerviertel Augsburgs entwickelte. Rechts ragt auch heute noch die Barfüßerkirche ins Blickfeld. Weil die Jakobervorstadt, die im 14. Jahrhundert in den reichsstädtischen Befestigungsring einbezogen wurde, mit Beginn der Industrialisierung in Augsburg weiter nach Osten wuchs, blickte man in den 1930er Jahren über die Zeugnisse dieser Zeit im 19. Jahrhundert entlang des Lechs mit ihren Schornsteinen. Heute sind die meisten Schornsteine verschwunden, Lechhausen? ist aber weiterhin ein wichtiges Industriegebiet Augsburgs geblieben.
1930 konnte man vom Perlachturm auch noch die Händler auf dem Eiermarkt aus der Vogelperspektive sehen und wie sie dort Geflügel, Butter und Eier verkauften. Blickte man auf den Rathausplatz, konnte man damals noch das Vogelhaus? der Familie Ilsung? mit seinem flachrunden Giebel erkennen, aber auch den Neuen Bau, der den damals noch fast dreieckigen Rathausplatz im Norden begrenzte.
An schönen Tagen hat man von der Plattform des Turms einen Blick bis an die Alpen.
Das Turamichele
Hochdeutsch bedeutet Turamichele „Turm-Michael“. Der Unterteil des Perlachturms hat einen Fensterbogen, in dem man 1615 eine Spielwerkfigur des Erzengel Sankt Michael anbrachte. Schriftlich ist das Turamichele zuerst in einer Familienchronik von 1616 erwähnt. Das Turamichele ist eine bewegliche und lebensgroße Holzskulptur des heiligen Michael, die von versteckten Mitarbeitern der Stadtwerke Augsburg bewegt wird. Die Stadtwerke Augsburg lassen die historische Figur auch immer wieder restaurieren und organisieren mit dem Theater Augsburg das „Turamichele-Spiel“, das etwa eine Viertelstunde vor dem Erscheinen des Turamichele von Kindern in launigen Versen vorgetragen wird.
Der Brauch ist folgender: Immer am Michaelitag, das ist der 29. September, erscheint die Figur des Schutzengels Michael im erwähnten Fenster des Perlachturms und nimmt zu jeder Stunde den Kampf mit dem Teufel auf. Es ist der ewige Kampf zwischen Gut und Böse, der hier versinnbildlicht wird. Für jede Stunde macht der hl. Michael einen Stich. Zwölf Stunden bedeuten also zwölf Stiche. Nach alten Überlieferungen verbinden gläubige Menschen mit jedem Stich des Erzengels einen persönlichen Wunsch, der in Erfüllung gehen soll. Außerdem war der Erzengel Michael der Schutzengel der Augsburger Weber?. Mittags um 12 versammeln sich die meisten Menschen auf dem Rathausplatz, um das Spektakel zu sehen. Besonders natürlich Eltern mit ihren kleinen Kindern. Üblicherweise werden sogar die Straßenbahnen angehalten, wenn das Turamichele erscheint.
Im Bauernjahr war der Michaelitag früher ein wichtiger Zins- und Lostag. Ab diesem Zeitpunkt begann wieder die Arbeit bei künstlichem Licht ("Da Michl zündt`s Liacht an"), da die Tage kürzer und die Nächte länger werden. Michaelimärkte waren in Bayern auch Umschlagplatz für das zu Tal gebrachte Almvieh. Selbst heute finden an manchen Orten noch solche Michaelimärkte statt.
Als Augsburg 1806 an Bayern fiel, wurde der Turamichele-Brauch aus unbekannten oder unerfindlichen Gründen verboten. Weil die Luftangriffe im Jahr 1944 auch das Turamichele zerstörten, stellte der Kemptener Bildhauer Karl Hoefelmayr? im Jahr 1949 ein neues Turamichele her. Die zerstörte mechanische Figurengruppe ging auf das Jahr 1526 zurück und war von Christof Murmann dem Jüngeren? geschaffen worden.
Heute ist das Turamichele-Fest hauptsächlich eine Veranstaltung für Kinder und die verschiedensten Mitorganisatoren, von Werbezeitungen bis zur CIA, beteiligen sich an einem Rahmenprogramm. Die CIA organisiert diesen Turamichele-Marktsonntag.
Gerd Winkler? hat sogar ein Buch über das Turamichele geschrieben: Turamichele - Geschichte und Geschichten einer liebenswerten Augsburger Besonderheit - mit über 400 aktuellen und historischen Bildern!
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Öffnungszeiten
Nur zwischen 1. Mai und 31. Oktober, ausnahmsweise auch an Ostern und den Adventswochenenden
Jeden Tag von 10 bis 18 Uhr (an Ostern und an den Adventswochenenden nur von 14 bis 18 Uhr)
An Heiligabend geschlossen
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Eintritt
Erwachsene p.P. 1 €
Schüler p.P. 0,50 €
Schulklassen (gesamt) 5 €
Adresse
Perlachturm Augsburg
Rathausplatz
86150 Augsburg
Weblinks
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