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Papiermühlen

Papiermühlen sind gewerbliche Betriebe, um Papier herzustellen.

Allgemeines

Die Herstellung des Papiers wurde in China vor rund 2000 Jahren entwickelt. Es dauerte über tausend Jahre, bis diese Technik nach Europa kam. Arabische Händler brachten die Idee im 13. Jahrhundert nach Italien, wo sich in Fabriano ein erstes europäisches Papierherstellungszentrum bildete. Schon dort wurden Verbesserungen wie das wasserradgetriebene Stampfwerk, das Schöpfsieb aus Draht oder die Papierleimung erfunden.

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Im Jahre 1390 errichtete der Patrizier und Ratsherr Ulmann Stromer vor den Toren der Freien Reichsstadt Nürnberg mit lombardischen Mühlengesellen die erste deutsche Papiermühle. Noch im Jahr 1493 hält sie die Schedelsche Weltchronik auf Blatt 99 fest. Das Ausschnittbild hier zeigt, dass sie wegen des Lärms und Gestanks, den sie verursachte, außerhalb der Stadtmauern angesiedelt worden war.

Die Erfindung und Ausbreitung des Buchdrucks brachte den entscheidenden Aufschwung für das Schreibmaterial, das Papyrus und Pergament nach und nach ablösen sollte.

In der Freien Reichsstadt? Augsburg wurde das erste Buch um 1468 gedruckt. Nach und nach wurde Druckerei um Druckerei in den Mauern Augsburgs gegründet und immer mehr und mehr Bücher wurden im Druck mit beweglichen Lettern auf Papier auch in Augsburg hergestellt. Aber nicht nur das: Auch die erste gedruckte deutsche Zeitung? kam 1482 aus Augsburg.

Die ersten Besitzer von Augsburger Papiermühlen waren gleichzeitig auch Inhaber von Druckereien: Johann Schönsperger?, Johann Bämler? und Anton Sorg?. Sie wurden von den "Papierern" abgelöst, die das Herstellen von Papier aus alten Stoffresten als alleiniges Handwerk ausübten. Die ersten "Papierer", die eine Papiermühle in Augsburg betrieben hießen Österreicher, Widemann, Fieg und Lang.

Geschichte

In Augsburg gab es zunächst noch keine Papiermühle. Das im Buchdruck verbrauchte Papier wurde von auswärtigen Papiermühlen geliefert. Dann erkannte man zwischen Lech und Wertach, dass die Herstellung von Papier eine einträgliche Arbeit sein könnte. Fast gleichzeitig werden um 1485 drei Papiermühlen in Augsburg gegründet, was eine Urkunde bestätigt. Eine am ehemaligen Wolfsbach? am Roten Tor, zwei an der Singold. Die Papiermühle am Wolfsbach? musste bald aufgeben, weil das Wasser versiegte. Die Mühlen an der Singold aber hielten sich uns so kamen an den Augsburger Bächen? und Kanälen? zu den Mühlen für Hammerwerke, den Öl- und Getreidemühlen auch Räderstampfwerke zur Papierherstellung hinzu. Hadernmühlen hießen diese. Denn das Papier wurde damals aus Hadern hergestellt, abgenutzten Textilien, volkstümlich auch Lumpen genannt.

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Die größere Papiermühle an der Singold wurde 1847 zu einem Gebäude für die Textilproduktion der Baumwollspinnerei Wertach? umgewandelt. Auch in der Fischervorstadt stand schon früh eine Papiermühle, nicht weit vom heutigen Fischertor. Sie ging im Dreißigjährigen Krieg? unter. Auf ihrem Gelände wurde im 19. Jahrhundert die Riedinger´sche Maschinen- und Bronzefabrik? errichtet, die später zur MAN wurde.

Manche Augsburger Papiermühlen existierten nur rund zehn Jahre, manche über 300 Jahre. Allerdings hatte Augsburg im Lauf seiner Geschichte insgesamt nur acht Papiermühlen. Das war nicht viel, denn die acht Papiermühlen existierten ja nicht gleichzeitig, sondern nacheinander. Auch wenn zwischen Lech und Wertach einmal drei Papiermühlen gleichzeitig das Material zum Bedrucken lieferten, war das für eine damalige Weltstadt wie Augsburg nicht viel. Man bedenke, dass zu dieser Zeit in einer Stadt wie Kempten vor 500 Jahren bis zu zehn Papiermühlen gleichzeitig arbeiteten. Im damaligen Deutschland wurden bis zum Jahre 1600 über 200 Papiermühlen zum Laufen gebracht. Nur zwei Augsburger Papiermühlen produzierten bis ins 18. Jahrhundert.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts fertigte in Augsburg die "Obermühle" mit drei Mühlrädern und 15 Stampflöchern Papier. Die Abgabe an die Stadtkasse? betrug im Jahr drei Gulden und 15 Kreuzer. Beschäftigt waren unter einem Meister bis zu 13 Gesellen.

Aus der Familienchronik des Augsburger Baumeisters Elias Holl? weiß man, dass er aus der "Unteren Papiermühle" an der Singold die vermodernden Balken herausreißen ließ und "... die ganze Werkstatt gewölbt auf sechs steinernen Säulen, zwölf Kreuzgewölb, das Gewölb 62 Schuhlang, und 38 ½ Schuh weit. In 10 Tagen erbaut. Man hat auch das Abwerk im Wasser anders geleitet. Hat fast 1.500 Gulden gekostet".

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Die "Obere Mühle" am Senkelbach? wurde 1655 durch den "Papierer" Johann Mieser? aus Ravensburg völlig neu errichtet. Er nahm Kredite auf, um eine technische Neuerung zur Papierherstellung zu übernehmen: Zur Glättung des besonders großen Papierbogens zum Kupferstich verwendete er statt der Handbearbeitung mit Achatsteinen einen mechanisch betriebenen Schlaghammer. Das nötige kaiserliche Privileg erlangte er durch die Fürsprache der bekannten Kupferstecher Custos und Kilian. Das Wasserzeichen des Mieser wurde weit über Augsburg hinaus geschätzt. Jedoch blieb der Beruf des Glätters mit den Steinen in Augsburg laut Adressbuch noch bis ins 19. Jahrhundert erhalten.

Im Zeitalter der Aufklärung wurde der Papierbedarf enorm. Bücher wurden nun in Massen gedruckt und gelesen. Viele dürsteten nach Wissen und Bildung. Der Mangel an "Materi" wurde immer größer. Damals musste man 300 Zentner Lumpen haben, um 1500 "Ries" Papier mit je 480 Bogen zu bekommen.

Am Fuße des Lueginsland -Walles, am Malvasierbach, errichtete Albrecht Gerber? eine kleinere Papiermühle nach längeren Auseinandersetzungen mit den anderen Papier-Müllern. Inzwischen hatte man in Holland eine Maschine erfunden, die das bisherige Stampfwerk ablöste. Name der neuen Maschine mit Messern und Walzen zur Papierbrei-Gewinnung: Holländer. Es ist bekannt, dass in Augsburg mindestens seit 1739 jede Papiermühle diese Holländer einsetzte. Im Spanischen Erbfolgekrieg hatte man 1703 die Miesersche Papiermühle abgefackelt. Albrecht Harz?, der neue Besitzer, baute sie wieder auf und betrieb sie. Später der "Papierer" Michael Brammer?, der sich aber eher "mühsam und kümmerlich" damit ernähren konnte. Josef Sieber?, der Sohn von Carl Tobias Sieber, übernahm von seinem Vater 1831 die Papiermühle am Malvasierbach. Ein Handwerksgeselle berichtete über diese Mühle unterhalb des Lueginsland: "Es ist eine herrliche und beinahe ganz neue Mühle, hat wunderbares Wasser, drei Bütten mit schönen Kammpressen mit großen Rädern, zwei Holländern. An einem ist ein Getriebe aus Messing und Schwungrad. Elf Loch Geschirr und geht unterschlächtig."

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Am Unterlauf des Augsburger Schäfflerbaches? ließ 1786 Josef Ludwig Kilian? eine neue Papiermühle aufbauen. Diese ging 1863 in den Besitz von Christian Ehner? und Carl Böhm?.

Es war eine Umbruchzeit in dieser Branche, als der Sieber-Sohn eine moderne Papiermaschine kaufte. Das war etwas gewagt, da die ersten Papiermaschinen zwar schon ab 1817 im Rheinland aufgebaut worden waren, aber um 1840 erst sechzig solcher Maschinen in Deutschland ihre Arbeit verrichteten und die Erfahrungen damit noch nicht besonders groß waren.

Diese mit Dampfkraft betriebenen Papiermaschinen, deren Entwicklung um 1804 begann, besaßen ein sogenanntes endloses Sieb und eine dampfgeheizte Walze. Damit wurden die handwerklichen Arbeitsgänge Schöpfen, Gautschen, Legen, Pressen und Trocknen von einer Maschine übernommen. Papiermüller Sieber hatte mit dieser technischen Innovation kein Glück. Er landete im Armenhaus. Sein Betrieb wurde 1848 auf Betreiben der Gläubiger vom Kreis- und Stadtgericht Augsburg? zum Verkauf ausgeschrieben. Zu dem Betrieb gehörten immerhin zwei Tagwerke Gärten, vier Tagwerk Wiesen, eine Realgerechtigkeit? und das Wasserrecht?. Dazu kamen ein Wohn- und Fabrikgebäude, ein ungefähr sechzig Schuh hoher Dampfkamin, ein Magazin- und Ökonomiegebäude nebst zwei großen Höfen. Vorhanden waren auch ein großes Wasserrad mit Schütze zum Betrieb der Holländer, ein eisernes Wasserrad mit Schütze für die Papiermaschine, vier Holländer, eine hydraulische Presse, eine Spindelpresse von Holz mit eisernen Spindeln, ein Filztisch, ein Lumpenstäuber, eine Zeugpresse, ein Dampfkessel, eine Papiermaschine mit zwei Zeugkesseln, Röhren, Luftpumpe und Triebwerk. Weiterhin gehörten zum Inventar zwei Schneidtische, zwei Dezimalwaagen, eine Pumpe mit Getriebe, 59 Zentner Gußröhren und ½ Zentner Kupferrohre mit Hähnen. Der gesamte Besitz wurde auf 74942 Gulden geschätzt. Die Kgl. Bayerische Hypotheken- und Wechselbank übernahm als Hauptgläubiger mangels Käufer die Papiermühle des insolventen Sieber.

Ein Jahr später, am 10. April 1849, übernahmen Georg Haindl? und Friedrich Pustet? von der Bank die Papiermühle am Malvasierbach. Daraus wurde dann über viele Generationen hinweg die später auch international agierenden Haindl´schen Papierfabriken.

Details

Das Recht auf das Gewerbe mit einer Papiermühle Papier herzustellen wurde damals vom Rat der Stadt als Zinslehen? vergeben. Auch in Augsburg befanden sich die Papiermühlen meistens vor den Mauern der Stadt an einem Fluss, Bach oder Kanal. Davon hatte Augsburg seit der Errichtung des Hochablasses ja genug.

Charakteristisch für eine Papiermühle war der hohe Trockengiebel mit seinen vielen kleinen Windluken. Hier wurde das feuchte Papier aufgehängt und getrocknet. Ungefähr 80 Mal hoben die wassergetriebenen Wellen die eisenbeschlagenen, sehr schweren Eichenholzstampfer bis zu 15 Zentimeter hoch. Dann fielen sie wieder in die mit nassen, vorgegorenen Lumpen gefüllten Stampflöchern, die ebenfalls aus Eiche hergestellt waren. Reichlich Wasser wurde nicht nur zum Drehen der Mühlräder benötigt, die die Stampfwerke über Kurbelwellen antrieben, sondern auch zur direkten Herstellung des Papieres. In Papiermühlen wurden in früheren Zeiten rund 1.000 Liter sauberes Wasser benötigt, um ein Kilogramm gutes Papier zu fertigen.

Es dauerte 12 Stunden und länger, bis der Hadern-Stoff zu flüssigem Faserbrei geworden war. Dann wurde dieser Brei von einem "Schöpfer" aus einem erwärmten Büttenfass mit einer rechteckigen Schöpfform, einem Sieb mit dünnen netzartigen Metalldrähten, durch die das Wasser aus dem Brei ablaufen konnte, herausgehoben. Durch gleichmäßiges Schütteln wurde vom Schöpfer nicht nur das Wasser aus dem Sieb entfernt, sondern es wurden auch die übrig bleibenden Fasern möglichst fest verfilzt.

Der "Gautscher" löste das so gewonnene rohe und nasse Blatt Papier aus der Schöpfform auf eine Unterlage aus trockenem Filz. Darüber kam gleich wieder ein Stück Filz. Insgesamt bis zu 180 Bogen Papier und mehr wurden mit dieser Methode als "pausch" übereinandergestapelt. Der Ausdruck "mit Bausch und Bogen" stammt daher. Dieser Pausch kam unter eine Presse. Zur Entwässerung. Der "Leger" entfernte die Filzstücke und presste die Papierbogen erneut. Derart entwässert kamen die Papierblätter auf den mehrstöckigen Trockenboden, wo sie aufgehängt wurden, bis der letzte Tropfen Wasser aus ihnen gewichen war. Zur Glättung wurden die rauen Bögen anschließend mit einem tierischen Leim überzogen. Dieser wurde auch in der Papiermühle im sogenannten "Leimhäusl" angefertigt. Nach nochmaligem Pressen und Glätten behandelte der "Glätter" jeden einzelnen Bogen auf einer Marmorplatte mit Achatsteinen, um druckreifes Papier zu erhalten. Schlechte Papierbögen wurden von "Schälern" oder "Schälerinnen" aussortiert. Die guten Papierbögen wurden zu je 500 Stück ("Ries") zusammengetragen. Diese wurden zu Ballen verschnürt und in die Druckerei geliefert.

Man schätzt, dass in frühen Papiermühlen ein Bogen Papier mindestens dreißig Arbeitsgänge durchlaufen musste, bis er für die Druckerei reif war. Kein Wunder, wenn damals die Papier-Macherei eine spezielle Kunst war und möglichst wenig Know-how verraten wurde. Darum bekamen die Papierbogen damals auch ein Wasserzeichen von der jeweiligen Papiermühle: So konnte der Kunde schnell erkennen, aus welcher Papiermühle sein Papier stammte und welche Qualität es also hatte.

Aber nicht nur die Druckereien, auch die Rathäuser, die Kaufhäuser und die Spielkartenhersteller wurden von den Papiermühlen beliefert. Eine Ausnahme waren die Gerichte. Sie benutzten für ihre Dokumente bis um 1550 noch das weitaus teurere, aber haltbarere Pergament, das aus Tierhaut hergestellt wurde. Man traute damals der Haltbarkeit des Papieres noch nicht.

Die "ehrenfesten und kunstreichen Papierer" hatten als Zunftzeichen ein Wappen mit dem Stierkopf des hl. Lukas und drei Papierblätter auf blauem Grund. Sie trugen eine selbst gemachte Papiermütze und einen grünen Schurz. Die lange Arbeitszeit der "Papierer" dauerte von nachts halbdrei bis abends um sieben Uhr. Der feuchte Arbeitsplatz war ungesund. Das Personal war wegen der schlechten Arbeitsbedingungen den Papiermüllern nicht treu ergeben. Die Gesellen durften normalerweise nicht heiraten. Viel Ärger gab es mit den Fischern, die sich über die von den Papiermühlen verschmutzte Singold beschwerten.

Schwierig war einst auch das Besorgen des Stoffes, "Materi" genannt, für die Papiermühlen. Alte Lumpen und Hadern waren der Rohstoff, die "Materi", zur Gewinnung des Papierbreies. Jeder Papier-Meister hatte zu dieser Zeit behördlich genehmigte Lumpensammler. Mit einem "Handwagerl" zogen sie durch die Straßen und sammelten Lumpen ein.

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