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Neptunbrunnen

Ein Augsburger Brunnen auf dem Jakobsplatz vor der Fuggerei.

Allgemeines

Der Neptunbrunnen liegt versteckt vor dem nördlichen Zugang zur Fuggerei. Gezeigt wird der jugendliche griechische Gott des Meeres Neptun mit Dreizack und einem Fisch in seiner Hand. Die Bronzefigur steht auf einer Brunnensäule und ist fast lebensgroß. Neben der Bronzefigur des hl. Georg auf dem Georgsbrunnen ist die Neptunfigur die einzige noch erhaltene Brunnenpfeilerfigur der Renaissance bzw. der Epoche vor Giambbologna (Giovanni Bologna / Giovanni da Bologna).

Neptun wurde zur Zeit der Fertigung des Neptunbrunnens als Symbolfigur für Wachstum und Wohlstand gesehen, ein Archetypus für Fruchtbarkeit.

Geschichte

Die Bronzefigur des Brunnens wurde im Jahr 1536 gegossen. Das Modell stammt von einem unbekannten Augsburger Meister, der wohl im Umkreis von Hans Daucher? gearbeitet hat. Gefertigt hat man die Figur wahrscheinlich in der Werkstatt des Rotschmieds Urban Labenwolf?.

Der erste Brunnenstandort war der wohl der Fischmarkt zwischen dem Perlachturm und dem Rathaus, das damals noch gotisch war und drei Giebel besaß. In alten Dokumenten wird der ursprüngliche Standort mit "Auf dem Perlach" angegeben. Aufgestellt wurde der Brunnen mit der Einführung der Reformation in Augsburg im Jahr 1537. Bis dahin stand auf dem Fischmarkt ein Brunnen mit der Figur des Augsburger Stadtpatrons Sankt Ulrich.

1595 stand der Brunnen in der heutigen Karolinenstraße, damals Weißmalergasse. Vorausgegangen sind zwischen 1585 und 1589 mehrere Visierungen, signiert durch Simon Zwitzel?, die den Brunnenumbau zum Inhalt hatten. Sie sind heute im Stadtarchiv? in der Plansammlung Brunnenwerke I, Nr. 18a bis d aufbewahrt, doch ist nicht sicher, ob die Brunnenumbauten auch ausgeführt wurden.

Aus dem Jahr 1680 ist ein Kupferstich von Simon Grimm? erhalten, der den Neptunbrunnen in der Weißmalergasse zeigt.

1745 transferiert man den Brunnen wieder an den Fischmarkt. Gleichzeitig baut man für die Neptunfigur jetzt ein Becken mit Barockpfeiler und einem zehneckigen Becken. Zeichnungen und ein Kupferstich dazu stammen von Sebastian Ingerl?, dem Münchener Hofsteinmetzen, der sich 1743 in Augsburg ansiedelte.

1836 entwirft ein städtischer Ingenieur namens Schreyer einen neuen Pfeiler für die Neptunfigur. Er zeigt sich vom Historismus beeinflusst und schafft eine neuromanische Brunnensäule mit Löwenprotomen, die Wasser speien. Auch Anklänge an Simon Zwitzel? sind spürbar.

1888 fand der Neptunbrunnen seinen jetzigen Standort. Das Becken wurde auf acht Seiten reduziert.

1978 brachte man zum Schutz des Brunnens ein Gitter an und pflanzte vier Ahornbäume in seiner Nähe.

Im Dezember 2005 wird die Neptunfigur nach Regensburg? gebracht, wo sie von der Firma Haber & Brandner restauriert wird. Gleichzeitig fertigt die Gießerei Helbig in Fürstenfeldbruck? einen Abguss, der das Original auf dem Jakobsplatz ersetzt. Gefördert wurden diese Maßnahmen vom Friedrich-Prinz-Fond?.

Im Oktober 2006 stellte man die originale Neptunfigur im Maximilianmuseum auf, wo auch schon die Originale der Prachtbrunnen von Hubert Gerhard? und Adriaen de Vries? untergebracht waren. Zu sehen ist der originale Neptun im Sparda-Bank-Forum im Museumserdgeschoss.

Details

Bei der Neptunfigur handelt es sich um die älteste erhaltene bronzene Augsburger Brunnenfigur und um ein kulturgeschichtlich sehr bedeutendes Zeugnis der Augsburger Stadtgeschichte. Denn bis dahin war es nicht üblich auf öffentlichen Plätzen oder Straßen antike Götter zu zeigen - obwohl man das in Privatsammlungen längst tat.

Der unbekannte Augsburger Meister, der den Neptunbrunnen schuf, orientierte sich in seinem Schaffensprozess stark an klassischen Vorbildern, was den Körperbau des Neptun angeht. Der Kopf ist allerdings noch stark an der heimischen Tradition orientiert. Wahrscheinlich hatte der Künstler antike Münzen als Vorbild für Neptun. Das glaubt man, weil die Figur stark auf Umrisslinien abgestimmt ist, der antike Kontrapost missachtet wird und die Schwanzflosse des Delphins am linken Schulterblatt Neptuns reliefartig gearbeitet ist.

Der Neptun zeichnet sich neben dem Dreizack und dem Delphin durch eine starke Lockenpracht aus, die auf den Polykletischen Kanon zurückzuführen ist. Der Gott wird in seiner Nacktheit gezeigt. Eine Bewegung spielt bei dieser Plastik noch keine Rolle. Bewegung wird in der Bronzeplastik erst gegen 1600 umgesetzt, dann aber mit immenser und raumgreifender Kraft, wie es Zeichen für den frühen Barock ist.

Weblinks


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