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Kössler-Mayr, Gertrud

Eine Augsburger Gewürzhändlerin mit einem einmaligen Sortiment.

Leben und Wirken

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Herkunft

Gertrud Kössler-Mayr ist im gleichen Allgäuer Ort wie der bekannte Heilpfarrer Sebastian Kneipp? auf die Welt gekommen: in Stephansried?. Während der Pfarrer Sebastian Kneipp? 1854 durch das bischöfliche Ordinariat? nach Augsburg strafversetzt wurde, weil er damals unerlaubterweise Menschen vor der Cholera rettete, kam Gertrud Kössler-Mayr vor einigen Jahren freiwillig nach Augsburg. Hier wollte sie sich ihren Traum erfüllen und eröffnete einen Gewürz-Kräuter-Tee-Laden im romantischen Lechviertel?. „Mir gefällt Augsburg so gut! Ich lebe gern hier!“, sagt sie. Schon durch ihre Eltern wurde sie mit Kräutern und Gewürzen vertraut. Sie war oft dabei, wenn ihr Vater und ihre Mutter auf den Märkten in ganz Bayern ihren Stand aufbauten. Seit 1960 auch auf der Augsburger Dult? zwischen Vogel- und Jakobertor.

Selbstverständnis

Gertrud Kössler-Mayr sieht sich in der Tradition der frühen Augsburger Gewürzhändler, die man auch gerne als „Pfeffersäcke“ bezeichnete. Sie brachen zum ersten Mal im großen Stil zu Beginn des 16. Jahrhunderts nach Indien auf, um dort diverse Märkte für den Gewürzhandel zu erkunden. Damals brachte das Geschäft mit exotischen Gewürzen und Kräutern noch große Gewinne ein. Sie sieht sich auch ein wenig in den Fußstapfen von Philippine Welser, einer legendären Kaufmannstochter, 1527 in Augsburg geboren, die später durch ihre Bücher für Küche und für Heilmittel aus Kräutern bekannt wurde. Das Schloss Ambras?, auf dem Philippine Welser gerne lebte, bekam von ihr Räume für Kranke, die kein Geld für eine ärztliche Behandlung hatten. Gepflegt wurden diese Patienten mit der Kräutermedizin der Welserin, die sich mit pharmazeutischen Dingen recht gut auskannte.

In ihrem Geschäft ist hinter einer blauen Tüte mit „biologischem Grüntee aus Nepal“ Pfarrer Kneipp auf einem alten Foto mit zwei Männern zu sehen, die sich für seine Medizin interessieren. Einer ist ein Mönch, der andere hat einen Strohhut in der Hand. Könnte das der Großvater von Gertrud Kössler-Mayr sein? Die Frage will ich ihr beim nächsten Besuch stellen. Sicher hätte sich der Wasserfanatiker Kneipp, auf dessen Wasserkraftmethode heute noch der Kurort Bad Wörishofen? seinen Wohlstand baut, gerne den seltenen Tee aus Nepal mit dem frisch-feinherben Aroma, 100 Gramm zu 3,90 Euro, zur gelungenen Entspannung nach einer Vortragsreise über seine hydrotherapeutische Heilmethode mit seinem Lieblingselement Wasser aufgebrüht.

Mit dem Fahrrad fährt die optimistisch eingestellte Inhaberin des Augsburger Gewürz-Kräuter-Tee-Ladens von ihrer Wohnung bei der Kahnfahrt? in das Lechviertel?, durch das die Kanäle fließen, die am Hochablass aus dem Lech abgeleitet werden. Und wenn man bedenkt, dass dieser Kneipp, der aus dem gleichen Ort wie Gertrud Kössler-Mayr stammt, weltweit durch seine Wasserkuren bekannt wurde, dann kann man auch verstehen, warum diese emsige Frau so gerne ihren Laden an einem Augsburger Lechkanal hat. Hier rauscht das Wasser aus dem Allgäu hindurch, der gemeinsamen Heimat von Sebastian Kneipp? und Gertrud Kössler-Mayr.

Das Geschäft

Das Angebot

Im Laden von Gertrud Kössler-Mayr wimmelt es nur so von Gewürzen, Tees und Kräutern, deren Namen in vielen Ohren mehr oder weniger fremdartig klingen, aber von einigen Leuten sehr begehrt und gesucht sind. Wer kennt schon Asafoetida, das Harz einer pakistanischen Pflanze für die indische und ayurvedische Küche? Fleur de Sel ist traditionell hergestelltes Salz von der Meeresoberfläche, eine Spezialität aus Frankreich. Die richtige Zutat für Gerichte von Feinschmeckern. In diesem einfachen Geschäft, das sich zwischen dem historischen Gasthaus Bauerntanz und der Fuggerei befindet, wenn man von der Augsburger Innenstadt am Moritzplatz über den Judenberg hinunter ins labyrinthische Lechviertel? vordringt, wird noch authentisch-traditionell mit der Hand beschriftet. Wenn man über eine Kanalbrücke in den Laden kommt, befinden sich dort auf der linken Seite hauptsächlich Hunderte Tee-Sorten. Besonders im Trend ist der Grüntee in allen Variationen.

Rechterhand entdeckt man nicht nur die „Rose von Jericho“, eine mysteriöse Blume, die, wenn abgestorben, vom Wind weit durch die Wüste gerollt werden kann. Durch etwas Wasser wird sie ziemlich schnell wiederbelebt. Hier sind auch unzählige Beutel mit Gewürzen und Kräutern aufgebaut. Von Ajowan bis Zimt. Begrüßt wird man von Ringelblumensalbe, Ginseng-Tee und Schwedenkräutern nach Maria Treben. Dahinter stehen kleine weiße Säckchen mit je 100 Gramm Ayurveda-Kapha, Ayurveda-Pitta oder Ayurveda-Vata. „Ayurveda, diese indische Lebensweise, ist sehr gefragt“, erläutert Christoph, der Sohn von Gertrud Kössler-Mayr in seiner ruhigen, bedachten Art. Sein kleiner Sohn spielt vor dem Laden in der gepflasterten Altstadtgasse und transportiert über die Kanalbrücke in winzigen Lastwagen Kieselsteine, natürlich öfters ermahnt von der Oma im flatternden weißen Kittel: „Ja auf die Autos aufzupassen!“

Wenn man weiß, dass Christoph mit einer Marokkanerin verheiratet ist, die er auf seinen früheren Reisen kennengelernt hat, staunt man nicht mehr, dass in dem Altstadtladen für Gewürze, Kräuter und Tee auch Ras el Hanut, eine feine marokkanische Gewürzspezialität, zu erstehen ist. Natürlich ist es die Vorliebe von Christoph für den Orient, dass hier auch seltene Dinge wie Harissa zu bekommen sind. Harissa ist eine scharfe Paste, die aus Chilischoten, Knoblauch und speziellen Gewürzen wie Kümmel, Koriander und Knoblauch mit Öl zerstampft und gemischt wird. Verwendet wird Harissa im Morgenland gerne im Gericht Kuskus (Couscous). Die Liebhaber der orientalischen Küche, und davon gibt es zwischen Lech und Wertach einige, wissen dies sehr zu schätzen.

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Wer hingegen das mediterrane Essen schätzt, wie Gertrud Kössler-Mayr, der hat an der Ecke zweier enger Gässchen ebenfalls eine reichlich ausgestattete Fundgrube. Von der italienischen Kräutermischung für Salate, Saucen und Suppen, über ein fertiges Pizza-Gewürz mit einer Mixtur aus Oregano, Knoblauch, Zwiebel und Paprika bis hin zum Spaghetti-Gewürz „Alla Marinara“. Gut vertreten sind auch die Gewürze für die indische und asiatische Küche. Wo kann man sonst noch Curry in dieser üppigen Auswahl finden? Curry thailändisch, Curry Madras, Curry African, Lemon Curry, Curry Nehary, Curry-Blätter oder ganzer Curry, der vor der Verwendung frisch gemahlen oder gemörsert werden kann. Die wachsende Zahl indischer Restaurants zwischen Lech und Wertach beweist, dass die Speisen aus dem Land von Gandhi und Ganges die bayerisch-schwäbischen Teller immer mehr erobern.

Wem das Indische noch nicht scharf genug ist, um sich die Zunge zu verbrennen, der kann sich hier mit dem schärfste Chili der Welt, geerntet auf der mittelamerikanischen Halbinsel Yucatan, Sorte Habanero, Schärfegrad 10, versorgen. Zu beachten ist hierbei unbedingt, dass ein Koch diese Chili-Sorte nur mit allerhöchster Vorsicht, am besten mit Gummihandschuhen, Mund- und Augenschutz, aus der luftdichten Verpackung des Beutels entnehmen und verarbeiten sollte. Da kann der Grillabend im doppelten Sinne recht feurig werden. Für den Standardgriller empfiehlt Gertrud Kössler-Mayr ihre abgerundeten Gewürzmischungen wie „Ameriko“ oder „Pariser Pfeffer“.

Gerne bedienen sich im Augsburger Gewürz-Kräuter-Tee-Haus die Profi- und Hobbyköche mit fein abgestimmten Gewürzmischungen wie z. B. für den Braten, Ragouts, Brot, Geflügel, Bratkartoffel, Butter, Nudeln, Gyros, Mozarella, Reis, Pilze, Tzatziki, Salate, Quark, Fisch und auch für diverse Wok-Speisen. Wer sich nur ein bisschen in diesem Laden umschaut, kann sich gleich überlegen, wann er sein Gewürzregal in der Küche ausbaut.

Im Geschäft von Gertrud Kössler-Mayr flimmert kein Fernsehbildschirm mit den Nachrichten aus aller Welt und den Kursen für Gewürze, da ist keine Lounge mit Ledersesseln und Chromregalen für den Business-Talk und in ihrer Hand befindet sich auch kein blinkendes Handy, auf dem sich der Gewürzgroßhändler aus Hamburg mit den neuesten Preisen für Curry meldet. Aus indirekt installierten Lautsprechern ist keine umsatzfördernde schmeichelnde Musik zu hören, denn es sind keine vorhanden. Selbst die großen asiatisch verzierten Teedosen, die die Rückwand des Ladens effektvoll ausfüllen, können als nützliche Deko betrachtet werden. Das Marketing-Konzept lautet hier: Je einfacher, desto besser!

Der Zusatz „Bio“ auf vielen ihrer Waren ist für Gertrud Kössler-Mayr selbstverständlich. „Ich lege viel Wert darauf, dass die Waren in meinem Laden nicht nur frisch, unverfälscht, von bester Qualität, von kontrollierten Erzeugern, sondern auch absolut frei von Glutamat, künstlichem Aroma, Farbstoff und Geschmacksverstärker sind.“ Sie zeigt auf die rätselhafte Tonka-Bohne, die in der Karibik wächst: „Sie hat einen vanilleähnlichen Geschmack. Die Herrenparfüms, für die sie verwendet wird, sollen auf Frauen bestens wirken. Manche Süßspeisen werden durch die Tonka-Bohne erst richtig köstlich. Ihr werden nach Südseelegenden selbst magische Kräfte nachgesagt. In der Karibik werden sie auch als Talisman für Gesundheit und Wohlstand und sich erfüllende Wünsche im Geldbeutel verstaut.“

Die Kunden

Eine junge Kundin mit Rucksack besucht den Augsburger Gewürz-Kräuter-Tee-Laden und sucht Stoffbeutelchen, gefüllt mit duftendem Lavendel. Gertrud Kössler-Mayr hält ihr einen Karton hin: „Das ist original Lavendel aus der französischen Provence!“ Die junge Kundin, die als Touristin durch Augsburg unterwegs ist, riecht kurz daran, ist begeistert und kauft gleich zwei bunte Lavendelbeutelchen. Sie will sie in ihre Kleiderschränke legen, wo sie angenehm riechen und gleichzeitig gefräßige Motten vertreiben. Ein schönes Souvenir aus dem Augsburger Duftparadies zwischen den dahinplätschernden Kanälen. Natürlich kommen auch Heilpraktiker bei Gertrud Kössler-Mayr und ihrem Sohn vorbei. Sie decken sich zur Behandlung ihrer Patienten mit den passenden Kräutern ein. Und mancher erkennt das bärtige Porträt hinter der Inhaberin, das den Schweizer Kräuterpfarrer Johann Künzle mit runden Brillengläsern und Rauschebart zeigt. „Der hat noch mit meinen Eltern zusammengearbeitet“, erinnert sich Gertrud Kössler-Mayr, die lebendige Frau mit der lebhaften Stimme, den munter glänzenden Augen und den gesunden roten Backen hinter ihren tausendundeinen Tüten.

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Eine Gruppe Menschen kommt in den Laden und staunt über die vielen grünen Tüten, aus denen gelbe Zettel ragen, auf denen nicht nur die Namen der Kräuter oder Gewürze zu lesen sind, sondern darunter auch in etwas kleinerer Schrift die diversen Anwendungsmöglichkeiten. Besonders viel Text in roter und schwarzen Schrift findet man bei „Maca, eine Kulturpflanze aus Peru“. Energie und Ausdauer unterstützt das Pulver, das aus der Wurzel eines mineral- und vitaminreichen Gewächs in den hohen südamerikanischen Anden gewonnen wird. Es sei aber auch gut für die Nerven und stimuliere bei manchen Menschen die sexuellen Gefühle.

Manche Kunden, die zuerst nur als Touristen vorbeigeschaut haben, melden sich später am Telefon bei Gertrud Kössler-Mayr und bestellen per Versand Tee, Kräuter und Gewürze. Das beweist ein voller Block mit Lieferscheinen für Waren nach Bonn, Würzburg oder Berlin. „Schon öfters haben Touristen zu mir gesagt, ich soll doch auch eine Laden in ihrer Stadt aufmachen, der ginge dort sicher hervorragend, aber ich bleibe lieber in Augsburg.“ Auf den Christkindlesmarkt vor dem Augsburger Rathaus geht sie nicht mehr; das ist ihr zu aufwändig, aber beim „längsten Augsburger Kaufhaus“, wie die Dult? auch genannt wird, baut sie ihren Stand am Rande des Stadtbaches? in der Jakobervorstadt im Frühjahr und im Herbst gerne auf, „weil da auch mein Kunden aus dem Umland vorbeischauen, die eine Marktatmosphäre lieben.“

Öffnungszeiten

Mo-Fr 9.00 – 19.00 Uhr
Sa 9.00 – 16.00 Uhr

Adresse

Augsburger Gewürz-Kräuter-Tee-Haus
Inhaberin: Gertrud Kössler-Mayr
Mittlerer Lech 20
86150 Augsburg

Tel. 0821-35631


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