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Klein, Georg

Ein vielfach ausgezeichneter und gefeierter Schriftsteller, der in Augsburg geboren wurde und laut der WELT einen originellen Beitrag zur deutschen Erzählliteratur der Nachwendezeit geleistet hat.

Leben und Wirken

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Georg Klein wurde 1953 in Augsburg geboren. Aufgewachsen ist er im Stadtteil Bärenkeller. In seinem "Roman unserer Kindheit" (2009) setzt er diesem Ort auf fiktionale Weise ein Denkmal.

Nach dem Abitur studierte er Germanistik und arbeitete danach als Sprachlehrer und Ghostwriter.

Seit 1984 veröffentlichte er erzählende Prosa. Bis 1998 veröffentlichte er seine Erzählungen in kleinen Literaturzeitschriften (Am Erker, manuskripte, Merkur, ndl, Neue Rundschau oder Sprache im technischen Zeitalter ...). Lange Zeit kannten ihn nur Literatur-Insider. Erst mit seinem Romandebüt "Libidissi" 1998 trat er in den Focus des deutschsprachigen Literaturbetriebs. Ermöglicht hat diesen Roman eine zufällige Begegnung mit dem jungen Berliner Verlagsgründer Alexander Fest. Erst jetzt beginnt er für diverse Tageszeitungen (Berliner Zeitung, Freitag, Faz, FR, Welt ...) zu schreiben und schafft sich so einen Freiraum für weitere Romane. Auch im Rundfunk sind immer wieder Erzählungen von ihm erschienen (z. B. im DeutschlandRadio).

Der Roman „Barbar Rosa“ macht Georg Klein 2001 zum „ungekrönten König der Leipziger Buchmesse“, wie es Steffen Richter am 30.04.2004 in der NRZ ausdrückt.

2004 war Georg Klein „Poet in Residence“ an der Essener Universität und lehrte Studenten das Dichten. Im gleichen Jahr wandte er sich gegen die neue deutsche Rechtschreibung, weil sie seiner Meinung nach weniger als halbherzig war.

Im Jahr 2005 hielt Georg Klein in China einen Workshop zum Thema "Kreatives Schreiben" mit chinesischen Studenten ab.

2008 war der Dichter auf Einladung des Goethe-Instituts Moskau fast drei Wochen zu Gast im Wissenschaftsstädtchen Akademgorodok bei Nowosibirsk. Seine Essayreihe „Nackt in Nowosibirsk“ wurde ebenfalls 2008 in der SZ veröffentlicht.

Georg Klein gilt als Autor der Generation, die nach 1947 und vor 1965 geboren wurde. In die Jugend dieser Generation fiel der stärkste Anstieg der Einpersonenhaushalte in den alten Ländern der BRD. In den Medien wird diese Generation als demografischer Schrecken dargestellt. Schriftsteller wie Nick Hornby, Michel Houellebecq oder eben Georg Klein gelten als Sprachrohre dieser Generation.

Heute lebt Georg Klein mit seiner Familie in Ostfriesland (Bunde). Er ist mit der Schriftstellerin Katrin de Vries verheiratet und hat zwei Söhne.

Werke

Georg Klein wurde von der Kritik (Knud Cordsen von Bayern 2 Radio) als Meister des „magischen Manierismus“, als einer „der seltenen wirklich originellen Erzähler der deutschen Gegenwartsliteratur (DIE ZEIT) und „Spezialist für Verunsicherung“ (SZ) bezeichnet. Andere gehen weiter und nennen ihn einen Interpreten und Exegeten menschlicher Abgründe. Gerne schildert er die menschliche Existenz auf der Klippe zwischen Wirklichkeit und Wahn oder Leben und Tod. Die Literatur von ihm ist jedenfalls ein sprachliches Kunstwerk - und er begreift sie auch so.

Die Themen von Georg Klein sind sowohl die deutsche Vergangenheit wie die Gegenwart. Mit Mitteln des Kriminalromans oder der Horrorgeschichte erzählt er über dieses Land. Auch international hat er durch einige Übersetzungen Freunde und Leser gewonnen. Die Romane und Erzählungen von Georg Klein sind assoziationsreich, beklemmend und irrational. Er experimentiert oft mit traditionellen Handlungsmustern, etwa dem Agenten- oder Detektivroman, wechselt zwischen Geschichte, Gegenwart und endzeitlichen Visionen und spielt mit menschlichen Identitäten.

Oft reflektiert Georg Klein Entwicklungen und Erfahrungen des 20. Jahrhunderts. Dabei treten bizarre Figuren auf, manches scheint in einer drohenden und nahen Zukunft zu spielen. Obwohl die Figuren keine herkömmlichen Biografien besitzen, wirken sie doch wie Helden ihres Lebens.

In seinem Werk "Roman unserer Kindheit" ist aus dem Bärenkeller, in Georg Kleins eigener Biographie der Name des Stadtteils, in dem er aufwuchs, ein geheimnisvoller Schauplatz geworden. "Das Neubauviertel, in dem ich aufgewachsen bin, hieß und heißt 'Bärenkeller', und ich habe dies als Kind nie für einen Zufall, sondern stets für ein bedeutungsreiches Geheimnis gehalten, das mich und meine Freunde unmittelbar anging. Die Übernahme, die Veränderung und das Verschweigen bestimmter Namen war von Anfang an eine heikle Sache, die wirklich über das Gelingen und Misslingen des Erinnerns und Erzählens mitentschied." So beschrieb Klein in einem TAZ-Interview die Faszination des Namens.

Obwohl Georg Klein erfolgreich ist, polarisiert er die Rezensenten. Es gibt entweder Fans oder Kritiker seiner geheimnisvollen labyrinthischen Städte, in denen kaum Natur vorkommt. Auch die Sprache, die zwischen Schönheit und Peinlichkeit schwingt, polarisiert. Er wirkt wie ein Neo-Romantiker, der alte Bilder in unsere Zeit zu transzendieren versucht, was aber oft im Nichts endet. Seine Welt ist von schlechten Düften und leichtem Ekel, von Ticks und Besessenheiten durchzogen.

  • Roman unserer Kindheit, Reinbek 2009
  • Sünde Güte Blitz, Reinbek 2007
  • Schlimme schlimme Medien, 2-CD-Set, Köln 2007
  • Nacht mit dem Schandwerker. In: Schicht! Arbeitsreportagen für die Endzeit. Hg. v. Johannes Ullmaier. Frankfurt/M. 2007, S. 238-258
  • Die Sonne scheint uns, Reinbek 2004
  • Von den Deutschen, Reinbek 2002
  • Barbar Rosa, Berlin 2001
  • Anrufung des blinden Fisches, Berlin 1999
  • Libidissi, Berlin 1998

Auszüge aus Georg Kleins Werk

„Zum Jungsein gehört das Vermögen, sich die kommende Lebenszeit als etwas lustvoll Ungewisses imaginieren zu können. Diese Lust darf auch Angstlust sein. Der eigentümliche Mut, mit dem die Jungen in die Zukunft blinzeln können, wird nicht dadurch geschmälert, dass sie an manchen Tagen auf recht weichen Knien und meist ohne jeden klaren Plan durch die Landschaft der Gegenwart stapfen. Der Mut der Jugend muss ohne hinreichende Erfahrung auskommen, und so ist sein Vorwärts der Kühnheit oft näher als der Tapferkeit. Man muss nur vergleichen, wie hierzulande der Erwachsene in der Regel seine Lebensrestzeit ins Auge fasst. Nicht Furcht vor einer ungewissen Zukunft, sondern eine matt fatalistische, manchmal melancholische, nicht selten latent depressive Zukunftsgewissheit kennzeichnet in unseren Breiten die Unjungen.“ (aus: Klein, Georg, Anmut und Mut der Jugend, in Frankfurter Rundschau vom 16.06.2007)

„Wie viele moderne Völker und Völkchen sind wir Deutsche dabei, ein Volk ohne Raum zu werden. Immer mehr Menschen bedeutet es wenig, wo sie ihre Mutter geboren hat, wohin sie die Wechselfälle der Ausbildung und des Erwerbslebens bis jetzt geführt haben und noch führen werden (...). Welchen Raum kann ein Heimatverlorener noch verlieren? (...) Er sucht, ob er es sich eingesteht oder nicht, einen TV-Kanal, auf dem Deutsch gesprochen wird (...). Heimat hat heute, wer noch eine Sprache sein eigen nennt, die eine ganze Welt fassen kann. Heimatlos sind wir, wo wir radebrechend ins Leere tasten (...). Wer Sprachraum aufgibt, wer eine Tür seiner Muttersprache nach der anderen zuwirft, als wollte er bestimmte Zimmer nie mehr betreten, der treibt sich selbst ins Exil.“ (aus: Klein Georg, Das englische Exil, in Frankfurter Rundschau vom 15.05.2001)

Auszeichnungen

1998 wurde Kleins Roman "Libidissi" von der Kritik als eine der wichtigsten Neuerscheinungen des Jahres gefeiert.

1999 erhielt Georg Klein den Brüder-Grimm-Preis.

Im Jahr 2000 errang er mit einem Ausschnitt aus seinem Werk "Barbar Rosa" den Ingeborg-Bachmann-Preis. Die Jury des Preises sah in dem Beitrag von Georg Klein ein „romantisches Schauermärchen“ und ein „Endspiel des Humanismus“. Der Text, der 35.700 Mark als Preisgeld erhielt, führte in der Jury zu einer Debatte über literarische Traditionen.

Im Jahr 2010 wurde Kleins "Roman unserer Kindheit" für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert, den er auch gewann.

Pressestimmen

Georg Klein ist ein Autor, der das Verfängliche nicht scheut. Immer, seit er vor einem runden Jahrzehnt erstmals mit unverwechselbarer Stimme in den Kreis der deutschen Literatur trat, hat er das Lesepublikum gespalten. Burkhard Müller in Volltext 1/2010.

Georg Klein, diesmal bis auf ein bisschen Blut und ein im Mondlicht funkelndes Messer ziemlich zahm, ist als Forscher unterwegs. Ein Forscher, der gegen die Neugier der Menschen donnert, gegen die Menschen, die alles genau wissen wollen, alles zerlegen, unterm Mikroskop betrachten und nie Frieden finden. Er wendet sich gegen die Entzifferung des menschlichen Erbguts, verhöhnt den Traum vom der ewigen Jugend, lässt einen Mann ein Wesen, auch wenn es ein Gnom ist, zur Welt befördern und bietet einen Ausweg aus der Geburtenrückgangspsychose. Verena Auffermann in Deutschlandradio Kultur, Radiofeuilleton Kritik am 28.03.2007 zu Georg Kleins Roman „Sünde Güte Blitz“.

"Er zählt mittlerweile zu den wichtigsten deutschen Autoren der mittleren Generation." Deutsche Welle am 02.08.2006

Der ästhetische Anspruch von Kleins Texten reduziert sich auf das Prinzip von Harrys Hafenbasar, den es vor Jahren in St. Pauli gab – ein labyrinthischer Laden mit tausend Hinterzimmern, voll gestopft mit dem abstrusesten Zeug, und es roch ganz fürchterlich. Für den neugierigen und kompetenten Besucher war das eine Fundgrube, er konnte aus dem Krimskrams eine ganze Welt herausdeuten, aber es blieb doch nur Krimskrams. Ulrich Greiner in der ZEIT vom 26.08.2004

Endlich einer, aus dem man nicht schlau wird, nicht nach 2, nicht nach 200 Seiten. Einer, der nichts abkupfert, nie anprangert, es nie besser weiß, dafür ganz groß ist im Fährtenlegen, Andeuten, Im-Dunkeln-tappen-Lassen. Der auf Milieus pfeift, auf Themen der Zeit und die Sprache der Kids sowieso, und stattdessen glaubhaft und oft vollendet nach dem Selbstgemäßen sucht, dem kleinesken Romanstil. Klein hat es fertig gebracht, mit "Barbar Rosa" einen Berlin-Roman zu schreiben, aus dem das nicht herauströtet, im Gegenteil, und er hat einen Erzählband über "Die Deutschen" nachgeschoben, der alle Fragen stellt, ohne übliche Schlüsse zuzulassen. Man möchte ihn eigenwillig nennen, klänge das nicht nachRheinischer Merkur. Wie gesagt, Kritiker mögen so was. Verleger aber weniger, und Leser auch nur in Tausendermengen. (…) Wer dichtet wie Georg Klein, hat ein Problem: Wie weit kann ich gehen? Wie viel muss ich Lesern an Lebensabbildungskohärenz bieten, wie viel darf ich ihnen abverlangen? Wie dunkel darf das Dunkel sein, ohne zu quälen? Jochen Förster in der TAZ vom 27.07.2004

Propheten und Dampfbadbesitzer, Händler von Gebrauchttexten und bucklige Gräfinnen bevölkern Kleins poetisches Universum. Wundersame Drogen wie das mysteriöse Mixgetränk Suleika oder der Alkoholverstärker Sucko sorgen für Bewusstseinerweiterungen. Es geht um Gewalt, Rassismus, Kunst und die Grenzen der Aufklärung. All das erzählt Klein in einer Sprache, die funkelt. Seh-, Riech- und Geschmacksnerven sind ausgelastet. Doch nicht nur das. "Gewogenheit", "Besinnung" oder "Saumseligkeit" heißen die Kapitel in "Libidissi". Wenn "Von den Deutschen" die Rede ist, spricht er von "Riesen", "Recken" und "Wichten". Selbst ein "altertümelndes einsilbiges deutsches Grußwort" wird da umspielt. Welchen Nutzen oder Nachteil die Historie für das Leben bereithält, ist eines von Kleins Kernthemen. Steffen Richter in der NRZ vom 30.04.2004.

"Wer (...) die Liebe zu Deutschland und den Deutschen (literatur)salonfähig machen wollte, müsste sich schon etwas einfallen lassen (...). Und der Richtige unter den Schriftstellern, (...), dieser Richtige ist wie kein anderer Autor seiner Generation Georg Klein. (...). Er ist es (...), weil sein eigenes Deutschsein kein geblähtes metropolitanes ist, sondern ein regionales, man könnte auch sagen ein provinzielles. Klein (...) stammt (...) aus Bayerisch-Schwaben, aus altreichischen Gefilden, wo man noch mit Traditionen lebt, guten und schlechten, die der gemeine Nachkriegsdeutsche nicht mal dem Namen nach kennt. (...) Und Georg Klein ist deshalb der Richtige, weil er auch in einem geistigen Sinne vom Rande, gewissermaßen sogar von unten kommt. Nicht der Magistral-Diskurs der akademischen Milieus hat ihn geprägt, nicht die Suhrkamp-Kultur und jener »Verfassungspatriotismus«, in den sich das Sprechen vom Deutschsein unter der Herrschaft politisch korrekter Musterschüler seit den sechziger Jahren verzwergt hat. Nein, Georg Klein ist ein Kind der Trivialkultur. Er bekennt sich zu den Einflüssen des »Schundromans«, will sagen zur literaturgewordenen Welt kollektiver Mythen, wie wir sie vor allem aus Amerika kennen. Doch damit befindet er sich (...) auch in einer großen deutschen Tradition, die freilich immer marginalisiert wurde, einer Tradition, für die Namen wie (...) E.T.A. Hoffmann stehen." Tilman Krause in der Welt vom 21.09.2002.

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