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Kittel, Ingo-Wolf

ehemals ärztlicher Psychotherapeut in Augsburg; Gründer des Diskussionskreises "Philosophisches Cafés Augsburg-Schwaben" (PCAS)

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Leben

Kindheit, Jugend, Ausbildung

Ingo-Wolf Kittel wurde am 24.Oktober 1945 im westfälischen Gütersloh geboren, just "an dem Tag, als die Charta der Vereinten Nationen in Kraft trat", bemerkt er gerne im Zusammenhang mit seiner Moderation des von ihm initiierten Kreises: Wie bei der UNO kommen auch hier Menschen friedlich und zu ihrem gegenseitigen Nutzen zusammen.

Seine Eltern stammten aus Oberschlesien und hatten sich im letzten Kriegsjahr nach Westen retten können. Von 1949 bis 1958 wuchs er in Hagen auf, dem "Tor zum Sauerland". Im zerbombten Hagen spielte er in Ruinen, sah den Maurern beim Wiederaufbau zu und träumte damals davon, Baumeister zu werden. Daraus wurde nur nichts. Nach der 6. Klasse Volksschule kam er in das "Canisius-Konvikt" nach Ingolstadt an der Donau zu einem Cousin in der "Kistn", wie das Internat von den damals gut 250 Insassen genannt wurde, ein ehemaliges Jesuitenkolleg, das auch einmal als Kaserne diente. Neun Jahre lang besuchte er von hier aus das humanistische Reuchlin-Gymnasium, in der Oberstufe einmal auch einen Leistungskurs in moderner Physik am naturwissenschaftlichen Scheiner-Gymnasium.

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Bis zu seinem Abitur hatte sich Info-Wolf Kittel für ein Medizinstudium entschieden. Das startete er 1967 in Erlangen, geriet in die Studentenbewegung jener Jahre und nach Frankreich, wo er in der Augsburger Partnerstadt Rennes, der Hauptstadt der Bretagne, mit einem Austauschstipendium ein Jahr lang studieren konnte. Doch es war zwei Jahre später in der Mensa in Erlangen?, dass er seine Exfrau, eine französische Deutschstudentin aus Paris, kennenlernte. Drei Töchter gingen aus dieser Verbindung hervor.

Fortbildungen

1973 beendete Ingo-Wolf Kittel in Erlangen das Medizinstudium. Daran schloß er ein vierjähriges Aufbaustudium in Psychologie und Philosophie bei Wilhelm Kamlah und Paul Lorenzen an, den Gründern der in der Philosophie als "Erlanger Schule" bekannten "Methodischen Philosophie", die von Peter Janich und Dirk Hartmann zum "Methodischen Kulturalismus" weiterentwickelt wurde.

Von 1978 bis 1986 absolvierte Kittel seine Facharztausbildung am PLK Eichberg bei Wiesbaden, an der Neurochirurgischen sowie Neurologischen Universitätsklinik in Freiburg und an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Heidelberg. Hier machte er auch seine psychotherapeutische Zusatzausbildung.

Im November 1986 wurde Ingo-Wolf Kittel "Facharzt für Psychiatrie". Im Dezember 1987 erhielt er den Zusatztitel "Psychotherapie" zugesprochen. Seit Ende 1995 besaß er das Recht, die beiden Facharztbezeichnungen "Facharzt für psychotherapeutische Medizin" und "Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie" zu führen.

In seiner Heidelberger Zeit forschte Ingo-Wolf Kittel mehrere Jahre zur Psychiatriegeschichte und beschäftigte sich dabei besonders mit Leben und Werk des jüdischen Arztes und vermutlich wichtigsten Wissenschaftstheoretikers der psychischen Heilkunde Arthur Kronfeld (Berlin 1886 - 1941 Moskau).

Psychotherapeutische Praxis

Seit 1987 betrieb Kittel eine eigene Praxis, die er 1996 von Mannheim nach Augsburg verlegte. 2008 erweiterte er sie über das rein Medizinische hinaus zu einer Philosophischen Praxis, nachdem er zwei Jahre zuvor ein Philosophisches Café für den schwäbischen Raum initiiert hatte.

Einer seiner Schwerpunkte war das Thema "Wissen" als persönliche und allgemeine Kulturleistung im Unterschied zum sinnlichen Wahrnehmen und daran gebundenen "Erinnern" als natürliche Form des "Vorstellens", einer für uns Menschen hochspezifischen Fähigkeit, deren Eigenheiten von dem Philosophen Colin McGinn in seinem Werk "Das geistige Auge - Von der Macht der Vorstellungskraft" genauer bestimmt und charakterisiert wurde.

Vielfältige Interessen

Darüber hinaus hatte Ingo-Wolf Kittel vielfältige Interessen. So beschäftigte er sich mit der Geschichte und den wissenschaftstheoretischen Grundlagen von Medizin und Psychologie im Allgemeinen und der historisch bedeutsamen Entwicklung der Psychotherapie um die Wende zum 20. Jahrhunderts bis in die Weimarer Zeit im Speziellen. Besonders verfolgte er die wissenschaftliche Diskussion über das menschliche "Bewusstsein", zu der vor allem der verstorbene Princeton-Psychologe Julian Jaynes ein epochales Werk hinterlassen hatte, das die traditionellen Bewusstseinslehren bis hin zum Buddhismus auf entscheidende Weise ergänzte und zusammen mit den Schriften von Charles Tart zur Vertiefung des Verständnisses "veränderter Bewusstseinszustände" beitrug, die bisher vornehmlich in religiösen und esoterischen Traditionen thematisiert wurden.

Im Zentrum Kittels Beschäftigung stand daher die moderne Meditationsforschung und die Nutzung von Techniken der Geistesschulung in Medizin und Psychologie, insbesondere ihre praktische Anwendung beispielsweise in der Achtsamkeitsbasierten Stressreduktion MBSR, dies vor allem deswegen, weil MBSR als zentral auf die buddhistische Achtsamkeitsmeditation gestützes Vorgehen sich als ein Programm herausstellte, das jeder zum Erhalt oder zur Optimierung psychischer Gesundheit nutzen kann. Ingo-Wolf Kittel wollte zur Verbreitung dieses über individuelle Psychotherapie hinausreichenden "transpersonalen" Wissens und Könnens beitragen.

Ingo-Wolf Kittel starb am 18. November 2013.

Praxisarbeit


Ingo-Wolf Kittel
(c) by Ingo-Wolf Kittel

In Augsburg betrieb Ingo-Wolf Kittel seit 1996 eine schulenunabhängige psychotherapeutisch-psychosomatische Praxis für tiefenpsychologisch fundierte Einzelpsychotherapie Erwachsener mit ressourcenbezogenem und lösungsorientierten Arbeitsschwerpunkt und Zulassung bei allen gesetzlichen und privaten Krankenkassen. Neben den Gesprächsleistungen bot er dabei auch an:

Im Februar 2008 erweiterte Ingo-Wolf Kittel seinen Tätigkeitsbereich und führte auch eine Philosophische Praxis, in der er folgenes anbot:

  • Sokratische Maieutik
  • Coaching
  • Bearbeitung von Sinn- und Lebenskrisen
  • Bewusstseinsklärung
  • Geistestraining bis hin zu meditativer Bewusstseinserweiterung

Veröffentlichungen

Fachmedizin

Die Veröffentlichungen von Ingo-Wolf Kittel sind teilweise fachmedizinischer Art, betreffen neuerdings aber teilweise auch öffentlich zur Diskussion gestellte Stellungnahmen von Wissenschaftlern, vor allem Hirnforschern. Eine Auswahl:

  • Wissenschaftstheorie - die Selbstreflexion und Selbstrechtfertigung wissenschaftlichen Handelns. In: Peter Gottwald und Christoph Kraiker (Hrsg.): Zum Verhältnis von Theorie und Praxis in der Psychologie. Sonderheft I/1976 der "Mitteilungen der GVT e.V.". Beltz, Weinheim 1976, S. 73-84
  • Theorie - Mittel zur Planung unseres Handelns. In: Jarg Bergold und Eva Jaeggi (Hrsg.): Verhaltenstherapie - Theorie. Kongreßbericht Berlin 1976. Sonderheft I/1977 der "Mitteilungen der DGVT". Beltz, Weinheim 1977, S. 18-50
  • Auf dem Weg zu einem neuen Krankheitsverständnis? Diskurs. MMG 1978: 3, 177-179
  • Der Mensch in "Medizin - Mensch - Gesellschaft". Zur Diskussion der ersten MMG-Jahrgänge. MMG 1979: 4, 59-61 (a)
  • Zum Selbstverständnis von Psychologen. Fünf Thesen im Hinblick auf ihre bevorstehende Integration in die Medizin. Sozialpsychiatr Inform 1978: 8/46, 121-125
  • Zurück zur Sache. Sozialpsychiatr Inform 1978: 8/47-48, 157-162
  • Das (bisherige Miß)Verhältnis von Psychiatrie und Psychotherapie. In: [Vorstand der] DGVT e.V. (Hrsg.): Psychosoziale Versorgung - Organisation und psychotherapeutisches Handeln. Kongreßbericht I - Hamburg 1978. Sonderheft I/1979 der "Mitteilungen der DGVT". Beltz, Weinheim 1979, S. 181-190 (b)
  • Weiter wie bisher? oder: Psychiater in der Entscheidung. Psychiat. Prax. 1979: 6, 129-142 (c)
  • Einige Bemerkungen zu Art und Umfang der Aufgaben der Klinischen Psychologie aus wissenschaftshistorischer und wissenschaftssystematischer Sicht. In: Wolfgang Schulz und Martin Hauzinger (Hrsg.): "Klinische Psychologie und Psychotherapie" (Band) 5 Psychotherapie und Gesellschaft, Ausbildung, Sozial- und Drogentherapie, Gruppentherapie. Kongreßbericht Berlin 1980. Beltz, Weinheim 1980, S. 103-107
  • Systematische Überlegungen zum Begriff "krank" in der Medizin im allgemeinen und in der Seelenheilkunde im besonderen. In: Rudolf Degkwitz und Hans Siedow (Hrsg.): Standorte der Psychiatrie. Band 2: Zum umstrittenen psychiatrischen Krankheitsbegriff. Urban & Schwarzenberg, München 1981, S. 132-152 (online hier)
  • Suizidale Patienten - Was tun? Leitartikel. Ärtl. Praxis 1985: XXXVII Nr. 3 vom 8.Januar 1985, S. 21
  • Suizid. In: Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft für Beratung. Ingrid Post, Notker Klann und Franz Herzog (Hrsg.): Rat in ratloser Zeit. Kirchliche Beratung - Dienst am Menschen. Lambertus-Verlag, Freiburg 1986, S.132-140
  • Arthur Kronfeld - Leitender Arzt am Institut für Sexualwissenschaft in den Jahren 1919-1926. Mitt. MHG 6 (August 1985) 25-41; ern. in: Ralf Dose und Hans-Günter Klein (Hrsg.): Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft Band I Heft 1(1983) - Heft 9(1986). von Bockel Verlag, Hamburg 1992 (2., durchges. und erweit. Aufl.; Schriftenreihe der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft: Band 7) S. 215-231 (s. dazu hier den Eintrag zu Person und Funktion Arthur Kronfelds in der Online-Ausstellung der MHG zum Institut für Sexualwissenschaft 1919-1933)
  • Arthur Kronfeld zum einhundertsten Geburtstag am 9. Januar 1986. Ausstellungsflyer. Archiv Bibliographia Judaica, Frankfurt 1986; übers.:
  • Arthur Kronfeld on the occasion of his hundredth birthday on January 9th 1986. Indiv. Psychol. News Letter 1986: 34, 6-28
  • Arthur Kronfeld zur Erinnerung - Schicksal und Werk eines jüdischen Psychiaters und Psychotherapeuten in drei deutschen Reichen. Referat zur Eröffnung der Gedächtnisausstellung zum 100. Geburtstag im Archiv Bliographia Judaica, Frankfurt am 9. Januar 1986. EXIL 1986: VI, 58-65; wieder abgedruckt in: Arthur Kronfeld 1886-1941 - Ein Pionier der Psychologie, Sexualwissenschaft und Psychotherapie. Ausstellungskatalog Nr.17. Bearb. von Ingo-Wolf Kittel und hrsgg. von der Bibliothek der Universität Konstanz, Konstanz 1988, S. 7-13 (online hier)
  • Arthur Kronfeld (1886-1941). Ein früher Wissenschaftstheoretiker der Psychologie und Psychiatrie. Psychol. Rundschau 1986: 37, 41
  • Arthur Kronfeld (1886-1941) zum Gedenken. Ein Kapitel vergessener Psychotherapiegeschichte. Prax Psychother Psychosom 1986: 31, 1-3
  • "Die Heidelberger Jahre waren von großer Bedeutung für Kronfeld..." Interview. In: Communale Heidelberg, 4.Jg., Nr. 28 vom 10.Juli 1986, S. 8 (zum Artikel Fast vergessen: Arthur Kronfeld ebd., S. 8-9)
  • Zum Exil von Arthur Kronfeld. extracta psychiatrica 1988: 2, 66
  • Arthur Kronfeld 1886-1941 - Ein Pionier der Psychologie, Sexualwissenschaft und Psychotherapie. Ausstellungskatalog Nr.17. Bearb. von Ingo-Wolf Kittel und hrsgg. von der Bibliothek der Universität Konstanz, Konstanz 1988
  • Zur historischen Rolle des Psychiaters und Psychotherapeuten Arthur Kronfeld in der frühen Sexualwissenschaft. In: Ralf Gindorf und Erwin J. Haeberle (Hrsg.): Sexualitäten in unserer Gesellschaft. Beiträge zur Geschichte, Theorie und Empirie. Schriftenreihe Sozialwissenschaftliche Sexualforschung 2. Walter de Gruyter, Berlin 1989, S. 33-44 (online hier)
  • Von den lexikalische Gesamtdarstellungen des Leben und Werks von Arthur Kronfeld sind online zu finden:
    • der Eintrag im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikons des Bautz-Verlages von 2005 in Band XXV, 750-760 und
    • der mit zahlreichen Querverweisen versehene Wikipedia-Eintrag hier
  • Mundwerk – Psychotherapie vom Standpunkt des Praktikers. In: Martin Wollschläger (Hrsg.): "Hirn – Herz – Seele – Schmerz. Psychotherapie zwischen Neurowissenschaften und Geisteswissenschaften." dgvt-Verlag, Tübingen 2008, S. 25-40

Thema Achtsamkeit

Zum Thema "Achtsamkeit" i.S. des buddhistischen Begriffs "Sati" (offene und breit gefächerte geistige Weite und Empfänglichkeit, reine Aufmerksamkeit, Gewahrsein oder Gewahrsamkeit, Geistesgegenwart, vollständige oder vollkommene Wachheit, engl. mindfulness):

Weiteres

Philosophisches Café Augsburg-Schwaben

Ein Jahrzehnt später gab Ingo-Wolf Kittel nach dem Vorbild des französischen Philosophen Marc Sautet, der 1992 im Bistro "Café de Phares" am Place de la Bastille in Paris erstmals zu öffentlichen philosophischen Diskussionen eingeladen hatte, bei "Heilmeier's" in Stadtbergen den Impuls, für's Schwabenland noch einmal zu versuchen, eine gleichartige Gelegenheit zu schaffen.

Bis dahin hatten in ganz Europa begeisterte Nachahmer von Sautet "Philosophische Cafés" aller Art gegründet, oft in Vereinsform oder als Vortragsveranstaltung, wie dies ein professioneller Philosoph aus Esslingen mal in Augsburg versucht hatte. Kittels Idee war, das PCAS, das "Philosophische Café Augsburg-Schwaben" als einen von den Teilnehmern selbst getragenen und damit selbstbestimmten Diskussionszirkel zu konzipieren, ein gewagtes Experiment: Jeder Einzelne war damit für das Gelingen mit verantwortlich ohne zu irgendetwas gar finanziell verpflichtet zu sein oder andere Voraussetzung einbringen zu müssen. Schwaben und Zugereiste aus Augsburg und Umgebung, selbst aus Neuburg? und von noch weiter weg zeigten, dass sie dazu imstande waren.

Ingo-Wolf Kittel lebte und arbeitete lange in der Augsburger Frauentorstraße. Im Januar 2011 zog er in die Bahnhofstraße. Hier traf er Benny und Berto wieder, die ihn im Ristorante Stella Maris? gegenüber seiner alten Praxis über Jahre immer wieder bestens bedient hatten, gleich nebenan als Besitzer des Restaurants "La Villa" im Siemssen-Jugendstilhaus: die beste Gelegenheit, sich dort zum Gespräch beim Essen zu verabreden.

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Benny und Berto waren es auch, die ihm ihr Zweitlokal Passione? nur ein paar Meter weiter in der Bahnhofstraße für die Treffen des Diskussionskreises anboten, als er ihnen Anfang des Jahres verriet, wegen der immer zahlreicher gewordenen Teilnehmer auf der Suche nach größeren Räumlichkeiten zu sein. Wie passend war da der Name, das italienische Wort für: Leidenschaft! Braucht es doch Leidenschaft zu hartnäckigem Nachdenken, seine Gedanken gar zur Diskussion zu stellen oder auch nur, sich die anderer anzuhören – in einer interessierten Runde von fünfzig oder mehr Personen, die sich bei jedem Treffen am zweiten Freitag im Monat ein Thema zur Bearbeitung vornahmen.

Ein gemischtes Häufchen Unentwegter traf sich hier, jeder davon neugierig auf Bereicherung des eigenen Wissens, auf Anregungen zum Nachdenken und vielleicht auch auf neue oder präzisere Erkenntnisse. Hier wurde kein Fachjargon gedroschen, von dem man sich hätte schnell erschlagen fühlen können. Mitreden kann jedermann und jede Frau war das Motto. Besserwisser kamen hier nicht zum Zug. Es war eine offene Runde wacher Menschen, die sich ab 2006 um Ingo-Wolf Kittel scharte, der diese philosophischen Diskussionsabende organisierte, gut informiert und diplomatisch moderierte. Er wollte vorhandenes Interesse schüren, nicht zuschütten.

Besuch eines der Treffen des Kreises

Den Abend zum Thema "Manipulation" im Ristorante "Passione" besuchte der Schreiber dieser Zeilen, um sich einen Eindruck von der Runde zu machen: Eine Kreidetafel auf dem Fußweg neben dem Aufgang zum Lokal informierte darüber, dass hier das "Philosophische Café" tagte. Es ging über einige Stufen nach oben. Nach und nach trafen die Teilnehmer ein. Ingo-Wolf Kittel setzte sich an einen Tisch, von dem aus er einen guten Überblick hatte. So konnte er die Ankommenden bequem begrüßen und mit den beiden Referenten des Abends noch einiges austauschen. Die Gäste bildeten zuerst Grüppchen. Viele kannten sich schon. Mit der Zeit füllte sich das Lokal, bis auf den letzten Platz. Getränke und Essen wurden bestellt, Unterhaltungen setzten ein. Viele gehörten zur Stammbesetzung, manche waren neu und erkundigten sich nach dem Ablauf des Abends.

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Irgendwann trat Kittel in die Mitte des Lokals, stellte sich zwischen die Tische und Gäste und zitierte zur Eröffnung des Abends aus dem Buch "Glanz und Elend der Philosophie" von Stefan Diebitz, der in seinem Schlusskapitel schreibt: "Wenn die These richtig ist, dass es sich bei der Philosophie um ein methodisch reflektiertes ... Denken handelt, dann ist Philosophieren etwas, das buchstäblich jeder kennt, denn jeder denkt mal über Gott und die Welt nach ..." Seinem aufmerksam lauschenden Publikum erklärte Kittel: "Über diesen Text habe ich mich diebisch gefreut, weil ich aus psychologischer Perspektive seit Jahren genau dasselbe sage und schreibe." (siehe hier)

Ungewöhnlich ist, dass an diesem Abend gleich zwei Teilnehmer etwas zur Einleitung in das Thema "Manipulation" vorbereitet haben. Die Erläuterungen des einen ergänzt der andere mit Hinweisen darauf, wie und wo wir heutzutage manipuliert werden können und wie man sich dagegen wehren kann. Zwei Stunden lang geben daraufhin weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu ihre Gedanken in die Runde. Die Themen reichen von Selbstmanipulierung bis Kindererziehung, von TV-Werbung bis zum Lustgefühl im neuen Porsche. Die anwesenden Frauen beschäftigt das Thema vor allem in Bezug auf Erziehung und Beziehung, bei der Gefühle eine wichtige Rolle spielen. Ab und zu werden auch kecke Thesen debattiert. Sachlichkeit überwiegt aber auch hierbei. Hitzköpfigkeit kommt nicht auf. Und ist etwas nicht gleich klar, wird gefragt, wobei hier keinem das Gefühl gegeben wird, dass er sich mit einer dummen Frage womöglich blamiert. Fragen ist erlaubt und sogar erwünscht.

Mancher Blick der Vortragenden geht zum Moderator, der stehend die Wortmeldungen notiert – vor einem Vorhang, dessen senkrechte weiße Steifen wie Strahlen im Hintergrund wirken. Dabei ist Ingo-Wolf Kittel nicht der Mensch, der sich als Philosophie-Star des Abends ins strahlende Rampenlicht zu stellen versucht. Er nimmt sich für die Sache zurück. Nur dann und wann oder wenn die Diskussion ins Schwammige abzudriften droht oder stockt, tritt er selbst in die Mitte und äußert seine Meinung, ergänzt etwas oder fasst zusammen, mehr oder weniger angereichert mit Informationen aus seiner Fachkenntnis heraus, um der Diskussion Anregungen in diese oder jene Richtung zu geben.

Als das Ende des Austausches über das Thema "Manipulation" naht, wird noch darüber beraten, über welches Thema die Runde beim kommenden Treffen diskutieren könnte. Vorgeschlagen werden Philosophie, Tod, Wahrheit und Realität. Also muss abgestimmt werden. Die meisten Hände heben sich für "Wahrheit und Realität". Dieses Mal ist im Unterschied zu sonst auch schnell jemand gefunden, der die Einleitung in dieses Thema beim nächsten Treffen übernehmen wird: Es ist in diesem Fall derjenige, der das Thema vorgeschlagen hat.

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In einem Interview mit Dieter Walter, dem wiedergewählten Vorsitzenden des Verbands deutscher Schriftsteller in Schwaben-Allgäu verriet Ingo-Wolf Kittel einiges zum Konzept seines Philosophischen Cafés: "Ich wollte eine Gelegenheit schaffen, sich mit anderen über die eigenen Fragen und Resultate eigenen Nachdenkens austauschen zu können, ohne Druck irgendeiner Art, also in aller Freiheit, die es nach der Behauptung mancher Wissenschaftler gar nicht gibt. Unser Kreis ist eine praktische Widerlegung jeder Leugnung von Willensfreiheit."

Ich fragte Kittel, welches Wunschthema er für das Philosophisches Café habe. Das Superthema "Bewusstsein" wollte er in Angriff nehmen. Kittel: "Es hat so viele Aspekte, dass Wissenschaftler es neben der Frage nach dem Ursprung der Welt für das größte `Rätsel´ der Erkenntnis halten, obwohl wir es ja jeden Tag aufs Neue erleben – mit jedem Erwachen aus dem Schlaf, wenn wir zu Bewusstsein kommen."

Zur Zukunft des Philosophischen Cafés meinte Ingo-Wolf Kittel: "Die Fortführung meiner kleinen Anregung ist allein der Erfolg derer, die sie aufgenommen haben und mittragen, also aller Teilnehmer an diesem Experiment ohne Netz und doppelten Boden. Ich sehe mich durch diesen Erfolg eher in meinen Erfahrungen bestätigt und in meiner darauf beruhenden, offensichtlich realistischen Einschätzung eines der subtilsten Grundbedürfnisse von uns allen ..." -

Zur gegenwärtigen Philosophie

Zum gegenwärtigen Stand der Philosophie in Deutschland und Frankreich befragt, meinte Ingo-Wolf Kittel: "Bei uns ist Jürgen Habermas nach wie vor aktuell. 2004 erhielt er den weltweit wichtigsten Wissenschaftspreis, den Kyoto-Preis." Selbst schätzte er aus der Tradition der wenig bekannten "Methodischen Philosophie" besonders Peter Janich, dessen öffentliche Kontroverse mit dem Hirnforscher Wolf Singer ziemliches Aufsehen fand. Philosophen in Frankreich schienen ihm politisch engagierter zu sein als die Philosophen hierzulande. Dem komme entgegen, dass "das öffentliche Interesse" für sie traditionell größer ist. "Französische Journalisten sind bereiter als die in Deutschland, Philosophen um ihre Meinung zu diversen Themen zu fragen. In Frankreich herrscht ein lebendigeres intellektuelles Klima. Das erkennt man schon an der Art, wie dort Nachrichten präsentiert werden." Über die Vermittlung der Philosophie in Deutschland und ihre Geltung hierzulande meinte er: "Von den Wissenschaftsjournalisten bei uns habe ich den Eindruck, dass die eher naturwissenschaftlich interessiert sind. Philosophisch Gebildete sind selten darunter. Entsprechend einseitig, oder gar nicht wird denn auch über Philosophisches berichtet."

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Zum Foto-Termin warf sich Ingo-Wolf Kittel lässig in Jeans-Klamotten. Die Songbooks von Bob Dylan und den Rolling Stones, denkt sich der Schreiber dieser Zeilen, standen also nicht unberechtigt im Buchregal seiner hellen Dachgeschoß-Wohnung hoch über der Augsburger Bahnhofstraße.

Interessant verwinkelt war der salongroße Raum mit zwei langen in einer Ecke aufeinandertreffenden Bücherwänden, in dem der Mann mit den munteren Augen hinter seiner randlosen Brille seine Besucher empfing. Gegenüber schwang sich eine Wendeltreppe nach oben zu einer Galerie mit dem dort dezent versteckten Büro und zwei kleinen Räumen. Schwärmte Kittel vielleicht deswegen von seiner Wohnung, weil die hölzernen Stufen der geschwungenen Metallkonstruktion den Weg nach oben vom Bauch zum Kopf und Gehirn in die Höhe und Weite symbolisieren? Die Küche war jedenfalls unten ...

Im Salon vermittelten das große helle Ratansofa vor einem schlichten Nepal-Teppich in tiefen Blautönen mit einem bordeauxroten runden Teetisch, auf dem Magazine lagen, Blumen und immergrüne Pflanzen für Besucher wie Patienten eine entspannte, angenehme Atmosphäre. Die Wände waren weiß und nur mit wenigen Bildern behangen. So saugte sich der Blick nicht an Motiven fest, sondern konnte frei herumwandern. Nur auf der Galerie fehlten noch die Hängepflanzen, auf die Ingo-Wolf Kittel seit Monaten wartete ...

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Organisatorisches zum Philosophischen Café Augsburg-Schaben (PCAS): Der Diskussionskreis trifft sich jeden zweiten Freitag eines Monats von 19.30 - 22.00 Uhr im Ristorante "Passione" im Zentrum von Augsburg, Bahnhofstr. 21. Er steht allen offen und verpflichtet zu nichts.

Weblinks

Wer sich die Mühe macht und den vollen Namen "Ingo-Wolf Kittel" bei einer Internet-Suchmaschine eingibt, stößt auf viele Spuren des Gründers des PCAS im Internet.


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