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Kirchen und Religionsgemeinschaften

Allgemeines

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Das Rechtsverhältnis von Kirchen und Religions- bzw. Weltanschauungsgemeinschaften gegenüber dem Staat ist im Staatskirchenrecht geregelt. Dieses betrifft die traditionellen christlichen Kirchen, aber auch andere Religionen und weltanschaulichen Gemeinschaften. Vom Staatskirchenrecht ist das Kirchenrecht zu unterscheiden, ein Recht, das die Religionen und religiösen Gemeinschaften sich selbst setzen.

Im Prinzip gibt es zwei Modelle des Staatskirchenrechts. Das eine Modell schafft eine enge Verbindung von Staat und Kirche / Religion, das andere Modell trennt Staat und Kirche / Religion. Zwischen diesen Modellen vermittelt die deutsche Verfassung, indem sie zwar Staat und Kirche trennt, aber die religiöse Betätigung für eine wichtige öffentliche Angelegenheit hält. Der deutsche Staat verhält sich dabei aber weltanschaulich neutral und erfüllt diese für wichtig gehaltene öffentliche Aufgabe nicht selbst. Er überlässt es also den einzelnen religiösen Gemeinschaften diese Aufgabe zu erfüllen und unterstützt sie gleichermaßen.

Geschichte

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Das Staatskirchenrecht ist wie wenig andere Rechtsgebiete historisch gewachsen. Auch in Deutschland. Anders als etwa das Bürgerliche Recht hat man es nicht wissenschaftlich erarbeitet, sondern es hat sich durch geschichtliche Ereignisse ergeben.

Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation waren Römisch-katholische Kirche und Reich noch eine Einheit. Das meint z. B. dass staatliche Herrschaftsrechte von kirchlichen Institutionen ausgeübt wurden und es geistliche Fürstentümer gab. Die Reformation zerbrach diese Einheit von Kirche und Staat. Der Augsburger Religionsfriede von 1555 mit seiner Formel "Cuius regio, eius religio" ("wem das Land gehört, der kann den Glauben seiner Untertanen bestimmen") versuchte zumindest die territoriale Einheit von Kirche und Staat auf niederer Ebene aufrecht zu erhalten. Im Westfälischen Frieden? von 1648 wurde dieses Prinzip, das bisher nur für Katholiken und Lutheraner galt auf die Reformierten ausgeweitet.

Über die Jahrhunderte unklar blieb, wie sich in den evangelischen Ländern das Verhältnis von Staat und Kirche genau bestimmte. Dazu gab es im Lauf der Geschichte viele Theorien. Wichtig ist, dass im Zeitalter der Aufklärung die Theorie des Kollegialsystems entstand, das die Kirchen als Religionsgesellschaften verstand. Der Fürst oder Landesherr wurde quasi als Vereinsvorstand der Kirche gesehen. Diese Funktion innerhalb der Kirche konnte von seiner Funktion im staatlichen Rahmen gut getrennt werden. Weil diese Theorie leicht zu verstehen und umzusetzen war, setzte sie sich auch in der Rechtswissenschaft durch, woran die Bezeichnung der Religionsgemeinschaften als "Religionsgesellschaften" in den ins Grundgesetz einbezogenen Artikeln der Weimarer Verfassung zum Thema erinnert.

Der Reichsdeputationshauptschluss von 1803 führte zur Säkularisation des Kirchenvermögens und der Kirchenherrschaft. Der Staat übernahm nun die Gesamtrechtsnachfolge, was der Kirche den wirtschaftlichen Boden entzog und sie vom Staat abhängig machte. In den evangelischen Staaten setzte sich im 19. Jahrhundert auch eine organisatorisch Trennung zwischen Staat und Kirche durch, die es in der katholischen Kirche nicht brauchte, weil hier der Landesherr ab 1803 sowieso nicht mehr gleichzeitig das Oberhaupt der Kirche sein konnte. Dies führte in Preußen unter Otto von Bismarck, der die katholische Kirche als Vertreterin einer ausländischen Macht sah, zum so genannten Kulturkampf, in dem das überwiegend evangelische Preußen den Einfluss der katholischen Kirche auf die Gläubigen noch weiter einschränken wollte.

Kirchen und Religionsgemeinschaften in Augsburg

In Augsburg gibt es etwa 15 verschiedene westlich-christliche Konfessionen sowie drei größere muslimische Glaubensrichtungen: von der Türkei staatlich geförderte, eher konservative Sunniten der "Türkisch Islamischen Union der Anstalt für Religionen e.V." (DITIB), die u. a. Am Katzenstadel ein Gebetshaus haben und überwiegend im Dachverband türkischer Vereine in Augsburg (DTA) organisiert sind, gemäßigte Sunniten, die in der Eschenhof-Moschee Gottesdienst feiern, und humanistisch-liberal orientierte Aleviten? mit einem Gebetshaus in Lechhausen. Es gibt in Augsburg jüdische und buddhistische Gemeinden sowie russisch-orthodoxe Gruppen, die in Sankt Antonius? Gottesdienst feiern, aber auch die syrisch-orthodoxen Christen von Antiochien, die im Lechhauser Gewerbegebiet eine Kirche besitzen.

Besonderes

Weblinks


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