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Kinderbetreuung

Allgemeines

Kinderbetreuung meint die pflegende, beaufsichtigende und erzieherische Tätigkeit von Erwachsenen gegenüber Kindern, also jungen Menschen, die das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Normalerweise geschieht die Kinderbetreuung in einer Familie. Aber auch Kindermädchen sind üblich. Daneben gibt es öffentlich oder privat organisierte Kinderbetreuung in Kindertagesstätten und andere Formen.

Solche Formen sind der Kindergarten ab dem 3. Lebensjahr, die Betreuung von Kleinkindern in Kinderkrippen- und Tagesstätten unter 3 Jahren, Babysitter, Ganztagsschulen, Kindertagesbetreuung, Mittagstisch, Nanny, Spielgruppe und Tageskindergarten.

Immer öfter geben Eltern ihre Kinder in eine Tagesbetreuung?, weshalb auch in der Stadt Augsburg der Bedarf an Erzieherinnen und Erziehern steigt. Dazu kommt, dass zusätzlich Kinderbetreuungsplätze geschaffen werden müssen, gleichzeitig aber viele der heutigen Fachkräfte in absehbarer Zeit in Rente gehen werden.

Geschichte

1839 veröffentlichte Bayern als erstes Land ein Gesetz zur Kinderbetreuung. Es sah die Aufgabe der Kinderbetreuung vornehmlich in der Armenerziehung. Kinder sollten gesund, kräftig und gewandt werden. Lust und Liebe zu anstrengenden Arbeiten sowie die Bedürfnisbeschränkung wurden als Ziele der Kinderbetreuung im Gesetz formuliert. In der Folge entwickelten sich zwei Meinungen über die richtige Pädagogik: Konservative sahen die Kinderbewahranstalten als Notlösung an, wenn die Eltern arbeiten mussten und sich nicht um die Kinder kümmern konnten, Anhänger der Pädagogik Fröbels, des „Vaters“ der Kindergärten, sahen Kindergärten als Bildungsinstitution für alle.

Nach dem Ersten Weltkrieg sollten Kinder ab dem dritten Lebensjahr in öffentliche Kindergärten gehen – verbindlich in den Fällen, in denen es keine „geordnete“ Erziehung gab. Der Nationalsozialismus rückte die Erziehung zu Gehorsam, Sport und der „richtigen“ ideologischen Einstellung vor den Bildungsauftrag.

In den 1970er Jahren wurden Kindergärten als Erziehungs- und Bildungseinrichtungen aufgewertet: Um im globalen Wettbewerb der klügsten Köpfe mitzuhalten, sah man Wissen und frühe Förderung von Begabungen als entscheidenden Vorsprung an. Den Kindergarten betrachtete man als Schulvorbereitung. 1972 erließ Bayern ein Kindergartengesetz, das Kindergärten als Bildungseinrichtungen definierte.

Heute sieht die Kindergartenpädagogik das Kind noch mehr als eigenständige Persönlichkeit, das Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen und eigene Bedürfnisse formulieren kann. Dabei sollen Kindergärten die Kinder unterstützen und die Rahmenbedingungen bieten. Dadurch soll das Lernen als Befähigung Lebensanforderungen zu bewältigen gefördert werden.

2013 zählte Augsburg 130 Kindertagesstätten.

Geschichte der städtischen Kindertagesstätten

Schon in einem Reskript von 1832 äußerte König Ludwig I.? den Wunsch, dass in Augsburg, "wo so viele Kinder verwahrlost und sich selbst überlassen sind und nicht selten dem Bettel auf öffentlichen Straßen nachhängen", eine Kleinkinderschule eingerichtet werde.

Die erste Kindertagesstätte in Augsburg wurde am 16. Juli 1834 eingerichtet. Damals sprach man von „Kleinkinderbewahranstalt“. Angeregt hatte sie König Ludwig I.? und eingerichtet wurde sie Beim Pfaffenkeller 6 (damals Litera C 68). Vor allem Kinder aus armen Familien sollten Bildung und Erziehung erhalten, denn oft mussten ihre Mütter in Fabriken arbeiten, so dass sie ansonsten unbeaufsichtigt gewesen wären. Knapp 60 Augsburger Kinder fanden Aufnahme in einem großen Saal, zwei Zimmern und einem Garten. Die Stadtoberen von Augsburg sahen die Kinderbewahranstalt nur als Versuch auf ein Jahr, wollte man doch abwarten, "welche Theilnahme dies Anstalt bei den hiesigen Einwohnern finde". Die Stadt Augsburg übertrug dem Lehrer Johann Georg Wirth (1807 bis 1851) die Verantwortung für die erste Kleinkinderschule. 1838 veröffentlichte Johann Georg Wirth aus seinen praktischen Erfahrungen heraus ein Handbuch zur Pädagogik der Kinderbewahranstalten. Darin stellte er das Spiel und die kindlichen Lebensbedürfnisse in den Mittelpunkt. Es ging ihm weniger um das Aufbewahren von Kindern oder schulische Unterrichten, sondern darum, den Bewahranstalten einen eigenen pädagogischen Wert zu verleihen.

Die Einrichtung fand so viel Anklang, dass schon am 6. August 1834 182 Kinder angemeldet waren, im September des gleichen Jahres schon 210. Doch waren die meisten Kinder nicht aus Familien der unteren sozialen Schichten, sondern aus den "besseren" Kreisen der Honoratioren und Kleinbürger. Deshalb bestimmte die bayerische Regierung 1835, die Kleinkinderbewahranstalten vornehmlich für Eltern, die arbeiten mussten oder an Orten, die für Kinder gefährlich sind, wohnten, zur Verfügung zu stellen.

Schnell war die erste Augsburger Bewahranstalt überfüllt, so dass weitere ähnliche Einrichtungen gegründet werden mussten. Die Gräfin Therese von Brunszvik-Korompa war von der Bewahranstalt sehr angetan. Deshalb sammelte sie die vornehmsten Damen Augsburgs und warb für die Gründung eines Unterstützungsvereins. Schon 1834 kam der "Frauenverein für Beförderung der Zwecke der Klein-Kinder-Bewahranstalten Augsburgs" zustande und fand 200 Mitglieder, 1839 über 400.

Dank der Unterstützung des Vereins entstanden jetzt in Augsburg die nächsten Bewahranstalten: Am 15. Juni 1835 im Haus Lit. B Nr. 126 (Armenhausgasse 9) unter der Leitung des Lehrers Karl Wurst und am 3. September 1835 im Haus Lit. H Nr. 33 (Bei der Jakobskirche 5) mit der Lehrerin Therese Dausch. Die Stadt Augsburg gab Garantien für die Lehrergehälter und die Mietkosten.

Im Mai 1836 schrieb die Königin Therese von Bayern an den Augsburger Unterstützungsverein der Frauen, dass sie von diesem "für die Erziehung der Jugend unter den ärmeren Klassen der Bewohner Augsburgs gewiss sehr segensreichen Institut Kenntniß genommen" habe. Wie in München übernahm sie auch in Augsburg das Protektorat für den "Frauenverein für Kleinkinderbewahranstalten" und besuchte die Einrichtung in der Vorstadt am 23. Juni 1841.

Der Augsburger Frauenverein trug zu weiteren Gründungen der Kinderbetreuung bei: 1849 konnte eine Heilanstalt für Kleinkinder gegründet werden, in der Kinder aus den Bewahranstalten gratis behandelt und gepflegt wurden. Die vierte Kinderbewahranstalt richtete man 1853 im Anwesen Litera F Nr. 132 (Am Katzenstadel) ein (sie zog mehrmals um und war zuletzt in der Georgenstraße Litera F Nr. 57 1/2 ansässig), die fünfte 1854 im Anwesen Litera G Nr. 37 1/2 (Remshartgässchen?), eine sechste 1867 in der Hettenbach-Vorstadt (Schönspergerstraße? 9). Seit 1903 sind eine Kleinkinderbewahranstalt Südwest und der so genannte Fröbel´sche Kindergarten in der Mundingstraße? 4 1/2 bekannt.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Andrang in den Kinderbewahranstalten vor allem dann groß, wenn in der Stadt Epidemien herrschten, etwa die Cholera 1853/54 oder Typhus 1865. 1862 mussten die Kinderbewahranstalten wegen einer Epidemie für vier Wochen geschlossen werden. 1877 starben 37 Kinder an einer Diphterie-Epidemie. 1894 waren schon über Tausend Kinder in Augsburger Kinderbewahranstalten untergebracht. Gleichzeitig verarmten immer mehr Familien, weshalb sie das Aufsichts- und Kostgeld für ihre Kinder nicht mehr bezahlen konnten. Die Stadt Augsburg unterstützte sie und gab jedes Jahr tausende von Mark mehr für solche Kinder aus. Auch dem Frauenverein, der sich für die Kinderbewahranstalten einsetzte, fehlte es sowohl an Spendern als auch an Mitgliedern. 1922 löste sich der Verein auf, die Kindergärten wurden von der Stadt Augsburg übernommen und weitergeführt.

Im Zweiten Weltkrieg wurden viele Augsburger Kindergärten zerstört. Nach dem Krieg wurde als einzige Einrichtung die städtische Kindertagesstätte im Remshartgässchen? 1954 neu aufgebaut, wenn auch nicht mehr ganz an der früheren Stelle. Lange Traditionen haben heute noch die städtische Kindertagesstätte Schleiermacherstraße in Lechhausen, die zwischen 1850 und 1860 eingerichtet wurde, und die städtische Kindertagesstätte Dudenstraße, die 1888 in Haunstetten als Schulhaus eröffnet worden war und 1906 zur Kinderbewahranstalt umgewandelt wurde.

In den 1990er Jahren hatte die Schaffung von zusätzlichen Kindergartenplätzen hohe Priorität, denn 1990 gab es für 7.000 Kinder nur 4.500 Plätze in Augsburg. 2002 hatte es die Stadt mit 6.600 Plätzen auf eine Versorgungsquote von 96 % gebracht. Allein die Baukosten für diese zusätzlichen Plätze beliefen sich auf mehr als 25 Mio. €, denn zwischen 1990 und 2002 wurden 17 neue Kindertagesstätten gebaut oder waren im Bau. Dazu kaufte die Stadt 1992 drei Kindertagesstätten von der Arbeiterwohlfahrt? und eine von einem freien Träger. Kosten: etwa 3 Mio. €. 6 Mio. € gab die Stadt als Baukostenzuschüsse für Erweiterungen und Sanierungen an Einrichtungen freier Träger. Von 1990 bis 2001 stiegen die Ausgaben der Stadt für den laufenden Betrieb von Kindertagesstätten in städtischer oder freier Trägerschaft von knapp 6 Mio. € auf mehr als 13 Mio. €.

Kindertagesstätten-Neubauten dieser Jahre gab es in folgenden Straßen:

Seit September 2008 finden in der Kita Dudenstraße? zwölf Kleinkinder einen Platz in der dort neu in Betrieb gegangenen Kinderkrippe. In der Bürgermeister-Bohl-Straße? wurden für die evangelische Kita Columbus? Räume für eine Kinderkrippe bereitgestellt. Im Hochfeld lief 2010 die energetische Sanierung der Kita Immelmannstraße? sowie deren Erweiterung um eine Krippengruppe. Auch in der Kita Mittenwalder Straße? wurde 2010 umgebaut, um eine Kindergartengruppe durch eine Krippengruppe zu ersetzen. Ab Dezember 2009 wurde die Kita Josef-Felder-Straße? um eine Krippengruppe und 50 Kindergartenplätze erweitert.

Im Dezember 2009 war auch die Grundsteinlegung für den Bau der Westpark-Schule (Grundschule) mit integrierter Kindertagesstätte in Pfersee, die im Spätherbst 2011 fertig gestellt wurde. Damals war die Stadt Augsburg Trägerin von 29 Kindertageseinrichtungen, von Kinderkrippen angefangen, über Kindergärten bis hin zu Horten.

2010 legte die Statt ein 600 000 Euro umfassendes „Fitnessprogramm“ zum Erhalt der Kita-Bausbstanz auf. Bereits im Haushaltsjahr 2009 hatte die Stadt den jährlich für den Bauunterhalt zur Verfügung stehenden Betrag von 150 000 Euro auf 200 000 Euro aufgestockt. Zudem gab es im Nachtragshaushalt 2008 über 400 000 Euro an zusätzlichen Mitteln für ein Brandschutzprogramm.

augsburg.tv-Beitrag vom 18.10.2011 zur damaligen Situation der Kinderbetreuung in Augsburg

In Augsburg direkt war im Sommer 2012 zu lesen, dass 2013 etwa 30 Mio. € in Kinderkrippen, Kindergärten und Kinderhorte? fließen sollten, woran sich die Stadt Augsburg mit 7,3 Mio. € beteiligen wollte. Die anderen Gelder sollten von Freien Trägern und vom Freistaat Bayern? kommen.

Ebenfalls im Sommer 2013 forderten die GRÜNEN in Augsburg, das erste Kindergartenjahr sollte beitragsfrei sein. Was die Krippenplätze anginge, gehöre Bayerisch-Schwaben bundesweit zu den Schlusslichtern. In Schwaben lag die Betreuung 2011 erst bei 15,6 Prozent. Auch bei den Kindergartenkindern ist die Situation in Augsburg noch nicht optimal. „Um fundierte Bildungsförderung bei Kleinkindern zu leisten, ist eine zwei- bis dreijährige Förderung in Kindergärten optimal“, erklärte Martina Wild. Wie Wild berichtete, komme 80% aller Kinder diese Förderung zugute, denn sie gehen mindestens zwei Jahre in einen Kindergarten. Im letzten Kindergartenjahr vor Schulbeginn läge die Quote sogar bei 95%. Aber, so betonte die Politikerin, diese Zahlen aus dem Augsburger Bildungsbericht bedeuten auch, dass 20 % aller Augsburger Kinder nur ein Jahr oder gar nicht in den Kindergarten gehen. Und ausgerechnet bei diesen Kindern sei der Anteil der Kinder aus Augsburger Stadtteilen mit erhöhtem Armutsfaktor besonders hoch. Um hier Chancengleichheit in der Bildung und rechtzeitige Förderung der Sprachkompetenz zu gewährleisten, solle das Angebot in diesen Stadtteilen erhöht werden und besonders attraktiv sein. Auch der Einsatz von Stadtteilmüttern, die Eltern mit Migrationshintergrund über den Vorteil eines Kindergartenbesuches aufklären, sei sinnvoll. Gleichzeitig müsse sich das Angebot mehr an der Arbeitswelt ihrer Eltern orientieren. Für schichtarbeitende Eltern, und für Mütter und Väter, die länger als bis 17.30 arbeiten, fehle ein geeignetes Angebot in Augsburg.

Möglichkeiten in Augsburg

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