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Hexenverfolgung

Ein nicht konfessionsgebundener Wahn der Frühen Neuzeit: Auf dem Hintergrund des Christentums? glaubte man an eine Verschwörung des Teufels gegen den Glauben: Mittels Hexen und Hexern, die sich Magie und Zauberei bedienten, bringe der Teufel Menschen und Tieren Schaden. Vor allem Frauen wurden zu Opfern der Hexenverfolgung. Für Augsburg sind wenig Forschungen vorhanden. Das Augsburger Stadtlexikon klammert das Thema in seiner letzten Printausgabe praktisch aus.

Allgemeines

Hier betrachten wir nur die Hexenverfolgung der Frühen Neuzeit und auch nur das Gebiet des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation?. Grundlage der Verfolgung war die Peinliche Halsgerichtsordnung? von Kaiser Karl V.?, was einen Fortschritt gegenüber dem Mittelalter bedeutete, da man auf Gottesurteile verzichtete und die Folter reglementierte. Nur ein Schuldeingeständnis - auch ohne Folter wiederholt - galt als Verurteilungsgrund. Hexerei sollte mit einer Buße für den entstandenen Schaden bestraft werden. In evangelischen Gebieten sah man das anders. Hexerei sei ein Teufelsbund und immer mit dem Tod zu bestrafen. Für katholische Gebiete war der 1486 erschienene Hexenhammer bestimmend, der zwar nie kirchlich anerkannt war, aber doch großen Einfluss auf die Gerichte hatte. Im Prinzip setzte er die Peinliche Halsgerichtsordnung? von Kaiser Karl V.? außer Kraft. Unselig wirkte sich in den Prozessen gegen Hexen aus, dass Denunzianten nicht offen genannt werden mussten und sie ein Drittel des Vermögens der Verurteilten bekamen. Meist zog ein Hexenprozess weitere nach sich, weil die Angeklagten unter Folter dazu gezwungen wurden, weitere Mitverschwörer zu nennen.

Zu den Verfahren in der Frühen Neuzeit. Einer Anklage gingen meist Gerüchte voraus. Konkret erhoben wurde sie meist aufgrund von Denunziation. Man inhaftierte die so genannte Hexe. Vor dem Prozess entkleidete und rasierte man Angeklagte (Depilation), damit keine "Zaubermittel" versteckt werden konnten und man nach "Hexenmalen" suchen konnte. Dann folgte die Befragung, zunächst ohne Folter, dann unter Androhung der Folter und schließlich unter der Folter. Manche Gerichte wendeten auch die "Hexenprobe" an: Wasserprobe, Feuerprobe, Nadelprobe, Tränenprobe und Wiegeprobe galten als probate Mittel, Hexerei nachzuweisen. Es folgte in den meisten Fällen das Geständnis. Danach kam die Besagung, also die Befragung nach Mitschuldigen - oft wieder unter Folter. Auf die Verurteilung folgte die Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen, um die Seele zu reinigen.

Opfer der Verfolgungen waren etwa zu 75 % Frauen, gerne Hebammen, alte Frauen, Kräuterfrauen, zugezogene Frauen. Weil Hexenprozesse Denunziantenprozesse waren, konnten Denunzianten hier ihren Hass, ihren Neid, ihre Geldgier oder andere Missgünstigkeiten ausleben. Vor allem Zeiten der Unsicherheit und Angst lösten Hexenprozesse aus, etwa die so genannte Kleine Eiszeit Ende des 16. Jahrhunderts, die das Mutterkorn begünstigte, was zu unerklärlichen Todesfällen und Krankheiten führte. Seriöse wissenschaftliche Untersuchungen gehen davon aus, dass in Europa zwischen 40.000 und 60.000 Menschen Opfer der Hexenverfolgungen wurden, allein etwa 25.000 im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation?, wovon etwa 9.000 in Süddeutschland? gestorben sein sollen.

Geschichte

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Schon das Altertum glaubte an Zauberer und Magie und fürchtete sie. Negativer Zauber wurde in Babylonien, Ägypten und Rom bestraft. Das Alte Testament war radikal und forderte im Buch Exodus den Tod von Hexen und ihre Verfolgung. Interessant ist, dass die Frühe Kirche keine Verfolgungen betrieb, christlichen Mob, der Zauberer und Hexen verfolgte, verurteilte, weil sie Magie und Zauberei als Aberglauben betrachtete.

Im europäischen Raum verbrannten die vorchristlichen Germanen Schadenszauberer. Damit räumte Karl der Große per Gesetz auf, ganz auf der Linie der Kirche, die Zauberei und Magie als Aberglauben sah.

Zwar wurden vereinzelt schon im 13. Jahrhundert Hexen von der Inquisition? verurteilt, doch war für sie die Häresie viel schlimmer, wie Papst Alexanders IV. Anweisung vom 20. Januar 1260 beweist, worin er bestimmte, dass Hexen nicht aktiv zu verfolgen seien.

Der Begriff "Hexe" taucht im deutschsprachigen Raum Ende des 14. Jahrhunderts zum ersten Mal in Schaffhausen auf, dann Anfang des 15. Jahrhunderts in Luzern. Kurz darauf beginnt die Phase der "eigentlichen" europäischen Hexenverfolgung in West- und Mitteleuropa. Sie erstreckte sich von 1450 bis 1750 mit einem Höhepunkt von 1550 bis 1650. Es war nur zum Teil ein kirchlicher Glaubenswahn, aber vor allem auch eine gesamtgesellschaftliche Hysterie gegenüber Hexen und Zauberern, die zur Straftat der Zauberei führte. Es waren weltliche Gerichte, nicht die Inquisition, die aufgrund von Denunziationen Hexerei verfolgten. Unter der Folter gestanden die Verdächtigten oft, was man ihnen vorwarf.

In katholischen Gegenden war die 1484 von Papst Innozenz VIII. unterzeichnete Hexenbulle "Summis desiderantes" von Bedeutung. Verfasst hatte sie Heinrich Kramer. Im Gegensatz zu landläufigen Meinungen versuchte diese Bulle den Hexenwahn einzudämmen, indem sie aufforderte, die Existenz von Hexen ernsthaft zu überprüfen. Im Gegensatz zu Luther und Calvin hat die katholische Kirche Hexenverfolgungen nie bejaht. Von Heinrich Kramer ("Institoris") stammt auch der Hexenhammer ("Malleus Maleficarum"), der keine kirchliche Anerkennung hatte und auch keine Grundlage für ein kirchliches Vorgehen war.

Martin Luther glaubte an Teufelspakte, Teufelsbuhlschaften und Schadenszauber. Deshalb sprach er sich für die gerichtliche Verfolgung von Zauberern und Hexen aus. In einer Predigt meinte er: "Es ist ein überaus gerechtes Gesetz, dass die Zauberinnen getötet werden, denn sie richten viel Schaden an, was bisweilen ignoriert wird, sie können nämlich Milch, Butter und alles aus einem Haus stehlen … Sie können ein Kind verzaubern … Auch können sie geheimnisvolle Krankheiten im menschlichen Knie erzeugen, dass der Körper verzehrt wird … Schaden fügen sie nämlich an Körpern und Seelen zu, sie verabreichen Tränke und Beschwörungen, um Hass hervorzurufen, Liebe, Unwetter, alle Verwüstungen im Haus, auf dem Acker, über eine Entfernung von einer Meile und mehr machen sie mit ihren Zauberpfeilen Hinkende, dass niemand heilen kann … Die Zauberinnen sollen getötet werden, weil sie Diebe sind, Ehebrecher, Räuber, Mörder … Sie schaden mannigfaltig. Also sollen sie getötet werden, nicht allein weil sie schaden, sondern auch, weil sie Umgang mit dem Satan haben (Predigt vom 6. Mai 1526, WA 16, 551f.)."

Auch Johannes Calvin sprach sich für die Verfolgung und Hinrichtung von Hexen aus. Gott selbst habe die Todesstrafe für Hexen festgesetzt. In Predigten tadelte er darum jene, welche die Verbrennung der Hexen ablehnen, und wollte sie als Verächter des göttlichen Wortes aus der Gesellschaft ausstoßen.

Natürlich gab es auch in früheren Zeiten Menschen, die ihren Verstand gebrauchten und sich gegen die Hexenverfolgungen aussprachen. Zunächst wurde zögernde Kritik an der Sondergerichtsbarkeit bei Hexenprozessen geübt, später äußerte man grundsätzliche Kritik am Hexenaberglauben. So Johann Weyer schon 1563 mit seinem Buch "Von den Blendwerken der Dämonen". 1597 setzte sich der reformierte Pfarrer Anton Praetorius für die Freilassung von Hexen ein und griff die Folter an. 1598 schrieb er unter Pseudonym das Buch "Von Zauberey vnd Zauberern Gründlicher Bericht gegen Hexenwahn und unmenschliche Foltermethoden". Der bekehrte Verfolger von Hexen Hermann Löher schrieb 1676 das Buch "Die Hochnötige Unterthanige Wemütige Klage der Frommen Unschültigen" - einen Insiderbericht. Der einflussreichste Gegner der Hexenprozesse aber war der Jesuit Friedrich Spee, der 1631 mit der Cautio Criminalis ("Rechtliche Bedenken wegen der Hexenprozesse") dem wahnhaften Unwesen Einhalt zu gebieten suchte. Noch um 1700 veröffentlichte der Jurist Christian Thomasius Schriften gegen den Hexenglauben. Daraufhin gab König Friedrich Wilhelm den Befehl, die Prozesse zu beenden. Die Zeiten der Aufklärung machten dem Hexenwahn durch ein Umdenken den Garaus.

Mit der Hinrichtung von Anna Schnidenwind am 24. April 1751 in Endingen am Kaiserstuhl und einer Hinrichtung 1756 gingen die Hexenprozesse in Deutschland langsam zu Ende. Der letzte Prozess wegen Teufelsbuhlschaft kam 1775 im Stift Kempten zustande. Allerdings vollstreckte man das Urteil nicht mehr und die angeklagte Anna Schwegelin starb 1781 im Gefängnis. Im aufgeklärten Europa erregten solche Prozesse jetzt schon Abscheu.

Der Kulturkampf in Preußen glaubte, die katholische Kirche als alleinige Verursacherin der Hexenverfolgung benennen zu können. Auch die NSDAP? versuchte, die regimetreue Hexenforschung gegen die katholische Kirche zu richten. Ab den 1980er Jahren nahmen sich Feministinnen des Themas aus der Opferperspektive an. Die Geschichtsforschung heute versucht das Thema auf Landesebene oder in regionalen Bezügen zu sehen.

Die Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern hat 1997 eine offizielle Erklärung zur Hexenverfolgung abgegeben. Auch Johannes Paul II. "Mea culpa" vom 12. März 2000 wird manchmal so interpretiert, als habe er sich im Namen der Kirche auch für das Unrecht an Frauen entschuldigt, denen in der Hexenverfolgung Unrecht geschah - ohne dass sie vom Papst explizit genannt wurden. Und nicht zuletzt haben die deutschen Dominikaner Fehler ihrer Vorgänger in der Hexenverfolgungsperiode bekannt.

Man kann es kaum glauben, aber auch heute noch ist das Thema Hexenverfolgung in Lateinamerika, Südostasien und vor allem in Afrika aktuell. Aus all diesen Ländern und Kulturen werden auch heute noch Morde an so genannten Hexen und Schadenszauberern gemeldet. In manchen Ländern Afrikas – z. B. in Kamerun], Togo und Malawi – hat man nach der Unabhängigkeit wieder Gesetze gegen Hexerei eingeführt. Auch in Staaten wie Indonesien, Indien, Südamerika und in den arabischen Staaten kommen immer wieder Hexenjagden vor.

Augsburger Hexenverfolgung

Leider spielten die Augsburger Bischöfe? in der Frühen Neuzeit für Süddeutschland? eine Schlüsselrolle, was die Hexenverfolgung anbelangte. Salopp gesagt waren sie Hardliner, über die sich selbst der Papst damals lustig machte, indem er sie als "Zelanti" bezeichnete. Fakt ist, dass sie große Kämpfer vor dem Herrn waren, zu den frühesten und eifrigsten Gegenreformatoren gehörten und in den Hexenverfolgungen über Leichen gingen, wenn es um die gerechte Sache ging. Wichtige Bischöfe? des Hochstifts Augsburg? waren damals Otto Truchseß von Waldburg? (1543 - 1573), seine Nachfolger und der wichtige Heinrich V. von Knöringen? (1598 - 1646).

Noch vor Ende des Trienter Konzils engagierte Bischof Otto Truchseß von Waldburg? den Jesuiten Petrus Canisius?, der auch als Domprediger in Augsburg wirkte, und begann mit seiner Hilfe die Gegenreformation in der Diözese Augsburg?. 1563 übernahmen die Jesuiten auch die Leitung seiner Landesuniversität in Dillingen?. Nach Einschätzung von Wolfgang Behringer in dem Buch "Wider alle Hexerei und Teufelswerk - Die europäische Hexenverfolgung und ihre Auswirkungen auf Südwestdeutschland" war es Petrus Canisius?, der den ideologischen Boden für die spätere Hexenverfolgung in der Diözese Augsburg? vorbereitete.

Anfang der 1570er Jahre kam es im Hochstift Augsburg? zu einer großen Hungerskrise und Seuchen, was wohl zu den kurz darauf folgenden Hexenverfolgungen führte, deren erstes Opfer Anna Schneiderin aus Dillingen? war, die man am 24. Januar 1575 verbrannte. Ebenfalls 1575 gründete man in Dillingen? die Marianische Kongregation?, weil Maria dem Glauben nach ihren Schutzmantel über (von Hexen) Bedrängte breitete.

"Hexenbischof" nannte man Marquard vom Berg?. Er regierte zwar nur wenige Jahre, ihm fielen aber viele Frauen zum Opfer - mehr als je zuvor oder danach im Hochstift Augsburg? verbrannt wurden. Zugute halten muss man ihm, dass der Anstoß zur Verfolgung meist von der Bevölkerung selbst kam, also nicht durch ihn initiiert wurde. Allerdings nahm er diese Anregungen in den 1580er Jahren bereitwillig auf und sorgte für eine Professionalisierung der Verfolgung. In Oberstdorf? z. B. wurden 1586/87 etwa 25 Personen als Hexen verbrannt. Zwischen 1590 und 1592 noch einmal 68 Frauen. Gesteuert wurde die Hexenverfolgung von Dillingen? aus, wobei sich die bischöflichen Juristen an dem Werk "De magorum daemonomania" von Jean Bodin orientierten.

1589 begann die Hexenverfolgung im Bereich von Schwabmünchen, wo man das Gefängnis vergrößerte, um die Verdächtigen auch wirklich alle unterbringen zu können. Der Bischof engagierte auch gleich einen auswärtigen Hexenspezialisten für ein ganzes Jahr, was signalisierte, man wollte in die Tiefe gehen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sich die Reichsstadt? Augsburg gegen ein Übergreifen der Hexenverfolgungen im Raum Schwabmünchen in die eigenen Mauern wehrte.

Während er um 1590 im Pfleggericht Rettenberg? stattfindenden Verfolgung von Hexen sind mindestens 25 Frauen zu Tode gekommen. Etwa ebenso viele wurden freigesprochen. Die bischöfliche Hauptstadt Dillingen? hatte in der Zeit zwischen 1587 und 1591 mindestens 17 weibliche Todesopfer. Auch in Bobingen, Zusmarshausen, Dinkelscherben? und Wehringen gab es Opfer des Hexenwahns.

Die nächsten Verfolgungswellen im Hochstift Augsburg? folgten um 1597 und um 1612/1613, die wieder zahlreiche Opfer forderten. 1621 wurde zum ersten Mal auch wieder ein Mann hingerichtet, 1624 sogar ein Dillinger Ratsherr. Anders als in benachbarten Territorien gab es im Hochstift Augsburg? keinen Widerstand gegen die Verfolgungen dieser Zeit. Erst in den späten 1620er Jahren gingen die Prozesse zurück, obwohl man 1629 nach Zauberern fahndete. Wahrscheinlich ist das auf das aufklärerische Wirken von Jesuiten an der Hochschule zu Dillingen? zurückzuführen.

Seltsam ist, dass es nach dem Dreißigjährigen Krieg im Hochstift Augsburg? kaum mehr zu Hexenverfolgungen kam, während jetzt in der Reichsstadt? Augsburg die Verfolgungen begannen und bis 1699 fast 20 Opfer forderten. In evangelischen Gebieten tobte in dieser Zeit übrigens auch die Hexenverfolgung.

Das Zeitalter der Aufklärung führte in evangelischen Gebieten zur Einstellung der Hexenprozesse, während sie in katholischen Gebieten wieder auflebten. So gab es im Hochstift Augsburg? in den 1720er Jahren wieder Hexenverfolgungen, ohne allerdings die Opferzahlen wie im 16. Jahrhundert. Die letzte Hinrichtung einer Hexe im Hochstift Augsburg? fand 1745 statt.

Die Opfer der Hexenverfolgungen im Hochstift Augsburg? waren zu 99 Prozent Frauen. Prozessakten lassen erkennen, dass es arme wie reiche Bäuerinnen und Bürgerinnen traf. Keine Frau war sicher vor Verfolgung. Für das Hochstift Augsburg? typisch soll die Härte typisch gewesen sein, mit der man an den Frauen die Tortur anwandte. Oft verstarben die Opfer schon in der Haft an ihren Verletzungen, also noch vor der Hinrichtung. In der Region von Sonthofen? ist das für ein Drittel der Inhaftierten belegt. Man hat die Menschen stundenlang mit entzündetem Branntwein, Pech und Schießpulver gequält und ihnen die Haut abgebrannt. Weder der Bischof noch andere Kirchenherren nahmen an diesen Grausamkeiten Anstoß. Selten werden aus anderen Gegenden solche Barbareien berichtet.

Typisch für die Geständnisse im Hochstift Augsburg? wie sonst in Süddeutschland? war die Aussage, man sei zum Heuberg geflogen. Sie kam wohl durch einen Biberacher Scharfrichter in das Gebiet des Hochstift Augsburg?.

Wie schlimm die Hexenverfolgung im Hochstift Augsburg? war, kann man daraus ersehen, dass in seinem kleinen Gebiet mehr Hexenverfolgungen stattfanden als in dem Herzogtum Bayern?, das zehnmal so groß war und zehnmal so viel Bevölkerung hatte. Darüber hinaus waren die Verfolgungen im Augsburger Raum das Vorbild für Hexenverfolgungen in anderen Territorien, was daraus ersichtbar ist, dass Abschriften der Akten in viele andere Fürstentümer gewandert und dort noch heute in Bibliotheken aufzufinden sind.

Sonstiges

Aus heutiger Sicht ist darauf hinzuweisen, dass alle Frauen, die in früheren Zeiten zu Hexen erklärt wurden, unschuldig waren. Nie konnten sie durch Hexerei oder Zauberei Schaden in die Welt bringen. Die Folter und nichts anderes hat diese Frauen zu Hexen gemacht. Völlig unverständlich ist heute, dass viele der verurteilten Frauen auch unter der Folter an ihrer jeweiligen Konfession festgehalten haben.

Der Buchautor Hartmut Hegeler weist auf seiner Internetseite Anton Praetorius darauf hin, dass in der Zwischenzeit viele Städte in Resolutionen die eigenen Opfer von Hexenverfolgungen rehabilitiert und ihnen im Namen der Menschenrechte ihre Würde zurückgegeben haben. Beispiele finden sich hier:

In Augsburg warten wir bis heute auf eine ähnliche Erklärung. Hier hat sich bisher weder die Stadt noch die Kirche in einer solchen Weise zu den Hexenverfolgungen geäußert.

Wer sich für das Thema interessiert, findet auf den Webseiten des Arbeitskreises Hexenprozesse/Friedrich Spee viele weitere Informationen.

Weblinks


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