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Herz Jesu Pfersee

Die Kirche Herz Jesu in Pfersee (genau: Heiligstes Herz Jesu) ist die größte Jugendstilkirche Süddeutschlands und ein Besuch ist lohnend, wenn man kirchlichen Jugendstil in Reinkultur sehen möchte.

Geschichte der Kirche

Mit dem Bau der Kirche wurde 1907 (Grundsteinlegung) begonnen. Fertiggestellt wurde er im Jahr 1910. Die treibende Kraft des Kirchenbaus war der damalige Pfarrer in Pfersee Anton Schwab?. Schon lange konnte die kleine Pfarrkirche Sankt Michael die Gläubigen nicht mehr fassen. Durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert war die Gemeinde stark angewachsen. Innerhalb des Zeitraums von 1850 bis 1910 schwoll die Bevölkerung von 900 auf 11.000 Menschen an.

1892 bildete sich ein Kirchenbauverein, der die alte Pfarrkirche Sankt Michael? vergrößern wollte, bald aber diesen Plan fallen ließ. Die Vergrößerung der Pfarreibevölkerung war für die Diözese der Grund, eine neue Pfarrkirche in Pfersee bauen zu wollen. Allerdings sollte sie gegen den Willen der Pfarrei und des Pfarrers im neuromanischen Stil errichtet werden. Doch Anton Schwab? beauftragte den jungen Augsburger Architekten Michael Kurz? und gab ihm mit Zustimmung der Gemeindemitglieder den Auftrag eine Jugendstilkirche zu errichten.

Die Kirche wurde durch Bischof Maximilian von Lingg? im Jahr 1910 geweiht und in den Jahren von 1910 bis 1918 ausgemalt. Im Jahr 1910 wurde von RehleJakob? aus Augsburg der Tabernakel geschaffen. Im gleichen Jahr formte der Goldschmied Friedrich Pöhlmann aus München die Kreuzigungsgruppe. Ein Jahr später übernahm Hans Miller? die Bildhauerarbeiten am Hochaltar, der Münchener Georg Vogt trug zwei Gemälde am Tabernakel bei und in der Marienkapelle schuf Christian Winkler aus München die Kreuzigungsgruppe. 1914 überwölbte Hans Rehle? den Hochaltar mit einem Baldachin. Den Chor gestaltete Christoph Böhner?, den Kreuzweg und andere Bildwerke Theodor Baierl?. Die Kanzel wurde 1919 errichtet, 1930 und 1931 malte Prof. Karl Baur aus München die Marienkapelle aus und die Gebrüdern Baur aus Pfersee führten die Stukkaturarbeiten aus. Plastischen Schmuck trug Prof. Karl Baur 1937 bei. Im gleichen Jahr stellte Karl Stengele? seine Steinfiguren des hl. Antonius von Padua und des hl. Josephs sowie eine Kreuzigungsgruppe im Westen des Turms auf.

Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die Kirche eine Arbeiterkirche wurde. Das drückt sich in der Ausgestaltung deutlich aus. So ist z. B. in der Apsis eine Sklavenfamilie zu sehen, unverhohlenes Symbol für die damalige Situation der Arbeiter in den Textilfabriken Pfersees und Augsburgs. Eine Frau in römischer Gewandung zeigt daneben die Benachteiligung von Frauen in der patriarchalischen Gesellschaft der damaligen Zeit. Und ein Indianer mit prächtigem Federschmuck weist darauf hin, dass viele nichteuropäische Völker verfolgt wurden.

Zunächst schuf der Augsburger Orgelbaumeister Max Koulen? im Jahr 1909 eine Orgel für die Kirche. Diese erste Orgel wurde im Jahr 1966 durch die Orgel aus dem Ludwigsbau? ausgetauscht, die von 1915 war. Im Jahre 1997 baute man sie ab und verkaufte sie nach Ungarn, wo sie in der Kathedrale von Szombathely Aufstellung fand. Die jetzige Orgel hatte eine Bauzeit von zwei Jahren und wurde 1999 eingeweiht.

Der Kirchenbau

Die Kirche besitzt einen Turm, der neuromanisch gestaltet ist, die Anlage ist basilikal und hat drei Schiffe. Es gibt ein Querhaus mit runden Treppentürmen, eine Vierungslaterne und einen Chorabschluss durch eine Apsis.

Der Turm von Herz Jesu Pfersee ist 72 Meter hoch, auf ihm erhebt sich noch ein 6,50 Meter hohes Kreuz. Die Länge der Basilika beträgt ebenfalls 72 Meter.

Betritt man die Kirche, wird der Blick gleich zum Altar gelenkt, der mit einem kunstvoll gestalteten und reich verzierten Baldachin überdacht ist. Die Jugendstil-Bemalung des Innenraumes ist einmalig und so konsequent wie in keinem anderen deutschen Sakralbau.

Die Apsis

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Für den Jugendstil waren die Farben Gold, Violett, Weiß und Oliv typisch. Das zeigt sich auch an der Bemalung des Chores und der Apsis der Kirche. Die Ornamentik ist überreich und das Programm für die Bilder wurde vom Pfarrer Anton Schwab? konzipiert. Es dreht sich um die Aussage, dass die sündige Menschheit seit Adam und Eva der Erlösung bedarf und sie durch die Liebe des göttlichen Herzens Jesu allen zuteil wird. Die Menschen brauchen sich nur von ihm erlösen zu lassen, wie es am Chorbogen auf goldenem Untergrund zu lesen ist: "Kommet zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid" (Mt 11,28). Und so thront Christus in der Apsis mit seinen einladenden Armen auf einem Thron, der von zwei Löwen gestützt wird. Ornamente in Lasurtönen umgeben ihn, während die Heilig-Geist-Taube über ihm schwebt.

An der Chorwand sind von links zu sehen: Eva mit einer Schlange um ihr Bein, der zerknirschte Adam, vier Sünder, die Gnade gefunden haben, der rechte Schächer Dismas mit einem Tau-Kreuz, Maria Magdalena mit einem Ölgefäß, Petrus mit Schlüsseln und David mit einer Harfe. Von rechts kommen Menschen, die das Heil suchen: eine Mutter mit Kind, ein Lahmer, eine Weinende, ein Arbeiter. Über ihnen sind himmlische Heerscharen mit Lampen und Kränzen aus Gold erkenntlich. Alle bringen sie ihre Sorgen vor das Kreuz, das ein Herz in sich trägt, von dem Segen ausgeht.

Auch in der Apsis werden Heilsuchende gezeigt: ein Götzenpriester, ein heidnischer Philosoph mit Schüler, eine Römerin, eine Sklavenfamilie sowie Indianer. Unter all diesen Menschen steht: "Euer Gott selbst wird kommen und euch erlösen" (Jes 35,4). Ergänzt ist diese Botschaft durch ein Zitat aus dem Gottesknechtslied: "Geknicktes Rohr wird er nicht zerbrechen, glimmenden Docht nicht auslöschen" (Jes 42,3). Man glaubt, der gesamte Raum schwebe über dem violett gestalteten Sockel.

Auf der linken Chorseite sind zwei weiße Hirsche an einem goldenen Brunnen mit sieben Quellen zu sehen. Damit werden Bibelbotschaften wie diese illustriert: "Dann springt der Lahme wie ein Hirsch ... In der Wüste brechen Quellen hervor und Bäche fließen in der Steppe" (Jes 35,6). Oder auch Psalm 42,2: "Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir." In der rechten Blende ist das apokalyptische Lamm mit Stabkreuz beigestellt, auf dem Altar liegt das Buch mit den sieben Siegeln, wie es die Geheime Offenbarung schildert. In der Mitte das Lamm, goldstrahlend und von zwei siebenarmigen Leuchtern umgeben. "Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt" (Joh 1,29). Das Bild auf der rechten Choraltarseite mahnt die Christen, klug und wachsam zu bleiben: Es zeigt, wie die klugen und die törichten Jungfrauen mit ihren weißen Gewändern zu Christus in der Apsis streben.

In den Fenstern der Apsis sind die Evangelisten verewigt, die Jesu Heilsbotschaft verkünden, deren Inhalt die Liebe des göttlichen Herzens ist.

Die Seitenaltäre

Die Wandgemälde über den Seitenaltären zeigen von links Moses und Elija, Joachim und Anna (die Eltern der Gottesmutter Maria), also die Vorläufer des endgültigen Heils. Die Fenster der Seitenschiffe zeigen die Seligpreisungen der Bergpredigt, in der die Liebe des Herzens Jesus besonders aufleuchtet.

Der rechte Seitenaltar ist der Weihnachtsaltar und der menschgewordenen Liebe Gottes in der Geburt Jesu gewidmet. Der linke Seitenaltar ist der Osteraltar und zeigt die Erhöhung der Liebe des göttlichen Herzens in Kreuz und Auferstehung.

Die Kreuzwegfresken verdeutlichen ebenfalls, wie sehr Gott die Welt geliebt hat.

So sind auch die Seitenaltäre in das Gesamtprogramm der Kirche eingebunden.

Besonderheiten

Die Weihnachtskrippe

Jedes Jahr wird in der Pfarrei Herz Jesu eine Krippe aufgestellt, die aus dem Jahr 1930 stammt. Ein Holzschnitzer mit dem Binz aus Pfersee schuf sie für die alte Kirche St. Michael in Pfersee, doch wird sie schon seit vielen Jahren in der Kirche Herz Jesu aufgestellt.

Die Kirche besitzt eine Sandtner-Orgel, die ein von französischen Orgelbauern gepflegtes sinfonischen Klangbild hat und sich so für die Interpretation von französischen Orgelsymphonien eignet.

Die Pfarrei heute

Weitere Informationen über die Pfarrei finden Sie unter Pfarrei vom Heiligsten Herzen Jesu Augsburg-Pfersee?.

Adresse

Adresse der Kirche:

Katholische Stadtpfarrkirche von Pfersee
Augsburger Straße? 23a
86157 Augsburg- Pfersee

Lage der Stadtpfarrkirche Herz Jesu Pfersee

Pfarreiadresse:

Katholische Pfarrgemeinde Hlgst. Herz Jesu
Franz-Kobinger-Straße? 2
86157 Augsburg- Pfersee
Tel. 0821/252730
E-Mail: pfarrbuero(@)herzjesu.com

Lage des Pfarramts Herz Jesu Pfersee

Weblinks

Pfarrei Herz Jesu Pfersee


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