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Peter Grab

Dritter Bürgermeister und Referent für Kultur, Jugendkultur und Sport der Stadt Augsburg ab Mai 2008. Peter Grab war Kulturmanager für das Jüdische Kulturmuseum?, vier Jahre lang leitete er ein städtisches Literaturprojekt, von 1999 bis 2007 war er Citymanager. Gerade in der letzten Phase war er stark umstritten.

Leben und Wirken

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Für einen Menschen mit Migrationshintergrund hat Peter Grab eine erstaunliche Karriere in Augsburg gemacht.

Geboren wurde er am 7. März 1958 in Aussig/Tschechien. Erst 1969 siedelte die Familie nach Augsburg über, wo Peter Grab 1976 die Mittlere Reife machte. 1978 schloss er die Fachoberschule Augsburg? in der Fachrichtung Gestaltung ab. Nach dem Wehrdienst in den Jahren 1978 und 1979 studierte er an der Fachhochschule Augsburg?, wo er 1983 seinen Abschluss in der Fachrichtung Gestaltung, Schwerpunkt AV-Medien ablegte. Seine Diplomarbeit beschäftigte sich mit der Konzeption und Realisation des Instruktionsfilms "Filmische Gestaltungsmittel". Peter Grab ist seit dieser Zeit Diplom-Designer (FH).

Zwischen 1983 und 1996 war er freiberuflich tätig und arbeitete unter anderem für Siemens in Augsburg.

In der Zeit zwischen 1987 und 1991 bekam er ein Frankreich-Stipendium, machte verschiedene Kunstaktionen und erhielt den Kunstpreis der Stadt Gersthofen?.

In der Zeit danach wird sein Engagement beeindruckend vielfältig.

Von 1987 bis 1993 leitete er als Vorsitzender den Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Schwaben-Nord und Augsburg e. V.? mit Sitz in Augsburg.

Auf dem Hintergrund dieser Entwicklung wurde er Kulturmanager. Dieses Amt übte er von 1992 bis 1999 aus und widmete sich vor allem Kulturprojekten des Jüdischen Kulturmuseums Augsburg-Schwaben.

In der Zeit von 1994 bis 1998 leitete er mehrmonatige Literaturprojekte der Stadt Augsburg, etwa "Heinrich Heine" 1994, "Bertolt Brecht" 1995 und 1998, "Thomas Mann und die Seinen" 1996, "Hermann Hesse" 1997 und für "Franz Kafka" 1999 schrieb er die Konzeption.

In dieser Zeit liegen aber noch diverse andere Projekte, um die sich Peter Grab annahm. So war er 1995 Projektleiter der "Jüdischen Kulturwochen" in Augsburg, von 1996 bis 1997 leitete er sogar das Jüdische Kulturmuseum Augsburg-Schwaben. 1997 leitete er das Projekt "50 Jahre Gruppe 47" in Schwangau und Füssen?. 1999 dann den "4. Internationalen Violinwettbewerb Leopold Mozart" in Augsburg.

Von 1999 bis 2007 arbeitete er als Citymanager und Geschäftsführer der City Initiative Augsburg e. V. und war von 2001 bis 2004 Geschäftsführer der AugsburgCard GmbH?.

Von April 2007 bis Mai 2008 war er freiberuflich als Marketing-Manager tätig.

Danach Dritter Bürgermeister von Augsburg und Referent für Kultur, Jugendkultur und Sport.

Politische Arbeit

Am 9. März 2007 wurde Peter Grab von PRO Augsburg e. V. zum Oberbürgermeister-Kandidat designiert und am 23. März 2007 nominiert. Peter Grab wurde bei der Kommunalwahl am 2. März 2008 auf Anhieb in den Augsburger Stadtrat? gewählt. Am 2. Mai wählte ihn der Stadtrat? zum Bürgermeister und Referenten für Kultur, Jugendkultur und Sport.

Vom 2. April 2007 bis 1. Mai 2008 war er Geschäftsführer von PRO Augsburg e. V..

Zusammen mit Karl Heinz Englet steht Peter Grab in einer Wahlkampfbroschüre von 2007/2008 für die kulturpolitischen Ziele von PRO Augsburg e. V.. Kulturpolitik soll die Lebensfreude heben, weshalb sie nicht auf die so genannte "hohe" Kultur beschränkt sein darf. Sport, Freizeit, Feiern und Miteinander erleben soll dazu beitragen, dass die Stadt lebens- und liebenswert ist. Das Kulturreferat? soll im Sinne eines erweiterten Kulturbegriffs auch Stadtfeste sowie Fun- und Jugendevents fördern. Diese "weichen" Standortfaktoren sollen in den Zuständigkeitsbereich des Kulturreferats? fallen, weil sie Heimatverbundenheit schaffen würden.

Schon vor der Wahl setzte sich Peter Grab für die Zusammenlegung der Bereiche Sport und Kultur in einem Referat ein, was nach der Wahl 2008 auch so geschah. Begründung: Damit werde die Effizienz der Arbeit gesteigert. Auch das Stadtmarketing soll in diesem einen Referat gebündelt werden, damit sich verschiedenste Bereich gegenseitig befruchten können. Peter Grab sieht die Kultur- und Sportpolitik als Schwerpunktarbeit der kommunalen Regierung, weshalb von PRO Augsburg e. V. die Verknüpfung mit einem Bürgermeisteramt durchgesetzt wurde, wie das auch schon bei der Regenbogen? -Koalition der Fall war, die zuvor Augsburg regierte.

Als großes Versäumnis bezeichnet es Peter Grab, dass Augsburg bis heute kein Museum aufzuweisen hat, das mit dem größten Bekanntheitsgrad Augsburgs auch im Ausland verbunden ist: Fugger (und Welser). Dieses Museum würde Augsburg ein Thema von mindestens europäischer Bedeutung und ein Alleinstellungsmerkmal geben. Deshalb soll "langfristig" ein großes Fuggermuseum mit Landes- und Bundesmitteln errichtet werden, was - wie Peter Grab meint zur Folge haben werde, dass Touristen zusätzlich zu einem München-Aufenthalt die Fuggerstadt besuchen würden.

Nach dem Prinzip "Kultur muss sich rechnen" soll bei der Gewährung von Zuschüssen für Sport und Kultur das Leistungsprinzip stärker einfließen. Deshalb soll, wo es strukturell möglich ist, der Zuschuss unterteilt werden in einen Grundbetrag, der zum Überleben der bezuschussten Einrichtung nötig ist, und in einen leistungsorientierten Zuschussanteil nach einem dynamischen Prinzip. Ein erstes Opfer dieser Art von Kulturpolitik war im Oktober 2008 die Einstellung des abc-Festivals.

Auch bei den Vereinen soll der Sparstift angesetzt werden. Peter Grab will die Grundkosten bei den Vereinen minimieren - vor allem bei der Jugendarbeit und in den Bereichen Sport und Kultur. Das gesparte Geld soll dazu dienen, die Jugend weg von der Strasse zu holen und hinein in die Vereine zu bringen. Um dies verwirklichen zu können, sollen die Vereine besser unterstützt werden, denn Sport fördere soziale Kompetenz.

Im Januar und Februar 2009 sorgt er durch das Kellnern in der Crazy-Bar? für Aufregung in der Augsburger Politik. Nach eigenen Angaben half er in Form eines Freundschaftsdienstes seinem Freund, der die Bar betreibt, zweimal, bestenfalls dreimal aus, wobei er aber keine Kübel mit hochprozentigem Alkohol ausgeschenkt habe. Mit seiner "Freizeitkellnerei" geriet er in die Schusslinie der Kritik, weil zur gleichen Zeit von der Stadtregierung versucht wurde, angebliche Alkoholexzesse mit "Kübelsaufen" auf der Maximilianstraße einzudämmen.

Im Einzelnen steht Peter Grab für folgende in der Wahlkampfbroschüre von PRO Augsburg e. V. aus dem Jahr 2008 aufgelistete Ziele (in Auswahl):

Kultur

  • Ein umfassendes Kulturkonzept für Kulturschaffende erstellen unter Einbeziehung von U- und E-Elementen sowie der Stadtteile.
  • Bestandsaufnahme der Ressourcen im Kulturbereich mit Austauschregelungen zwischen den Kultureinrichtungen und Kulturorganisationen.
  • Einsatz eines Kulturkoordinators.
  • Forcierung von Kulturprojekten mit überregionaler Bedeutung.
  • Wiedereinführung eines Jugendfestivals.
  • Entwicklung eines interkulturellen Festivals („Festival der Kulturen“).
  • Einführung eines Industrie-Kulturpfads.
  • Konzept für ein großes Fugger-Museum, das internationalen Vergleichen stand hält.
  • Mehr Museumspädagogik und Erlebniswelten bei den städtischen Kunstsammlungen?.
  • Stärkung und Integration der privatwirtschaftlichen Museums-Einrichtungen (MAN-Museum, Bahnpark, Straßenbahn-Museum?).
  • Förderung der Zusammenarbeit zwischen Stadttheater und „privaten“ Theatern (z. B. Sensemble-Theater?).
  • Neukonzeption der Freilichtbühne mit gewinnbringenden privaten Aufführungen zur Finanzierung eines Schiebedachs über der Freilichtbühne (Straßensperrungen sind bei Rockkonzerten nicht unbedingt nötig!) sowie Hinführung an frühere Spielzeiten sowohl in qualitativer als auch quantitativer Hinsicht – das Gerichtsurteil bezüglich der Beschränkung der Anzahl der Aufführungen ist angesichts der inzwischen erstellten Schleifenstraße zu überprüfen.
  • Veranstaltungskonzept für die Rote-Torwall-Anlagen.
  • Forcierung der Literaturstadt im Kontext mit Bertolt Brecht.
  • Jährliches Kulturprogramm zu Brechts und Mozarts Geburtstag in Zusammenarbeit mit möglichst vielen Institutionen.
  • Förderung von Kulturinteresse in Schule und Kindergarten.
  • Kulturangebote in Stadtteilen.
  • Neues Gesamtkonzept zur Friedensstadt in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft.
  • Struktur des Augsburger Stadtmarketings überprüfen.
  • Gezielte Förderung junger Künstlerinnen und Künstler.
  • Unterstützung der Weiterführung der Regio-Ausstellungen, gegebenenfalls durch die städtischen Kunstsammlungen als Veranstalter.
  • Überprüfung des Konzepts und der (bisherigen wie künftigen) Finanzierung des Textilmuseums?.
  • Tanzschulenwettbewerb in der Komödie (Endausscheidung auf der Freilichtbühne).
  • Schnellstmögliche Lösung in punkto Musikhochschule/Bläserinstitut, rechtzeitige Planungssicherheit für die Studentinnen und Studenten.
  • Dynamische Zuschussregelung bei Kulturprojekten und -institutionen als Anreiz für Drittbeteiligungen.

Sport

  • Geringstmögliche Mieten und Nebenkosten für die Vereine seitens der Kommune.
  • Moderate Mitgliedsbeiträge in den Vereinen für Kinder und Jugendliche.
  • Bessere Ausbildung und Honorierung für Trainer und Übungsleiter.
  • Der Ausbildungsstand von Sportlehrern muss aktualisiert werden.
  • Das Ehrenamt soll gesellschaftlich aufgewertet werden.
  • Spitzen- und Breitensport müssen harmonisiert werden und durch Förderzentren voneinander profitieren.
  • Schwimmen muss ein fester Bestandteil des Schulsports an allen Schulen werden.
  • Einrichtung eines Sozialfonds zur Finanzierung der Maßnahmen.
  • Die Augsburger Sportstätten sollen auf den Prüfstand kommen.
  • Die Errichtung einer neuen Eis-Arena hat höchste Priorität.

Presse

Die überregionale Presse äußert sich so über Peter Grab:

Es scheint, als könnten es die lokalen Kulturpolitiker nicht mehr ertragen, dass zur Zeit jedermann glaubt, Investmentbanker wären die allerdümmsten Pfeifen der menschlichen Spezies. Um sich diesen Titel wieder von den Finanzleuten zurückzuholen, lassen sich die Kulturreferenten jetzt dauernd etwas Neues einfallen. Erst feuerten Weimarer Stammtischstrategen ohne Not den erfolgreichen Theaterintendanten. Wenige Tage später wird bekannt, dass Albert Ostermaier sich als Organisator eines erfolgreichen Literaturfestivals aus Augsburg zurückziehen will, weil er keine Möglichkeit zur Verständigung mit der lokalen Kulturpolitik mehr sieht ... Solche Kulturpolitiker, die ihre Ahnungslosigkeit mit Managerallüren und Finanzhalbweltvokabular tarnen, gibt es seit etwa 20 Jahren. Gerade in der Provinz haben sie soviel verbrannte Erde hinterlassen, dass man damit die Ostsee zuschütten könnte. Für die Städte und die Kunst wäre es besser, wenn sie Investmentbanker geworden wären.

(DIE WELT am 8. Oktober 2008 über Peter Grab nach der Einstellung des abc-Festivals)

Ungewohnt experimentierfreudig geht es im sonst eher konservativ behäbigen Augsburg zu. Dort wurde SPD-Oberbürgermeister Paul Wengert? abgewählt und durch den parteilosen Juristen Kurt Gribl ersetzt. Der regiert jetzt mit der CSU und den sechs Stadtratsneulingen von PRO Augsburg. Deren Spitzenkandidat Peter Grab wurde gleich zum Dritten Bürgermeister und Kulturreferenten gewählt. Augsburg ist damit wohl die einzige Stadt in Deutschland, in der zwei Bürgermeister amtieren, die zuvor noch nie ein kommunales Mandat innehatten.

(Die Süddeutsche am 13. Mai 2008)

Adresse

3. Bürgermeister
Peter Grab
Maximilianstraße 4
86150 Augsburg

Tel. 0821/324-2111
Fax. 0821/324-2140
E-Mail: bgm.grab(@)augsburg.de

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