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Gignoux-Haus

eine der ersten Kattunmanufakturen Deutschlands, gebaut im Stil des Rokoko?, bis 2010 eine Spielstätte des Theater Augsburgs (Komödie)

Allgemeines

Das Gignoux-Haus Augsburg befindet sich im Lechviertel und ist ein historisches Gebäude, das unter Denkmalschutz? steht. Der Erhalt des palaisartigen Schmuckstücks als Industriedenkmal ersten Ranges ist für die Stadt Augsburg unverzichtbar. Nicht nur dadurch, dass die Manufaktur innerhalb des alten Befestigungsrings der Stadt Augsburg errichtet wurde, während zeitgleich entstandene Manufakturen sich schon außerhalb der Augsburger Stadtbefestigung ansiedelten, macht das Gignoux-Haus zu etwas Besonderem. Auch die Zusammenlegung von Wohnhaus und Manufaktur ist selten. Dazu kommt noch, dass ein heutiger Betrachter das reich verzierte Gebäudes am Vorderen Lech kaum als Fabrikgebäude erkennt.

Die Anlage ist feingegliedert und besteht aus zwei Flügeln mit je drei Geschossen, die im rechten Winkel zueinander stehen. Die Fassade ist mit Rocaillestuck ausgestattet, das Gebäude hat ein Mansarddach. Manche wollen den Fassadenstuck an den Fenstern der Obergeschosse und am Giebel den Gebrüdern Feichtmayr zuschreiben.

Augsburg Komoedie
Komödie und Gignoux-Haus Augsburg 2003. By Andreas Praefcke (Own work (own photograph)) [GFDL or CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Geschichte

1719 ließ sich Jean Gignoux?, ein Genfer Manufakturbesitzer, in Augsburg nieder. Hier maschinisierte er den handwerklichen Kattundruck.

Aber erst seine Schwiegertochter Anna Barbara Gignoux baute zusammen mit ihrem zweiten Mann das Rokoko-Palais am Vorderen Lech (1764/65). Dabei zog man mehrere Gebäude des 16. Jahrhunderts zusammen. Architekt und Ausführender des Manufaktur- und Wohngebäudes war Leonhard Christian Mayr?, ein Maurermeister. In dem von ihm erbauten Gebäude wohnte "die Gignoux" mit ihrem zweiten Mann, hier wurde auch produziert. Leider hatte ihr Mann kein unternehmerisches Geschick, so dass "die Gignoux" schließlich selbst die Manufaktur weiterführte, was im ausgehenden 18. Jahrhundert als Sensation galt, weil man das einer Frau nicht zutraute.

Anna Barbara Gignoux war sehr gesellig und künstlerisch aufgeschlossen. Dichter wie Christoph Friedrich Daniel Schubart, aber auch Musiker wie Leopold Mozart mit seinem "Wunderknaben" gingen bei ihr ein und aus.

Nach dem Tod von Anna Barbara Gignoux, die sich von ihrem zweiten Mann scheiden ließ, weil er sie ausnützte und sich den Folgen seines Konkurses entzog, übernahm ihre Tochter aus erster Ehe, Felicitas Barbara (1751–1814; verwitwete Koch, verehelichte Emmerich), die Kattunmanufaktur. Allen damaligen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zum Trotz betrieb sie die Manufaktur fast ein Jahrzehnt lang mit großem Erfolg. 1805 verpachtete sie das Unternehmen schließlich an Johann Heinrich Schüle den Jüngeren?. 1815 wurde das Anwesen an Joseph Weiß verkauft.

1822 zog die Gaststätte "Blaues Krügle" in das Gignoux-Haus ein. Sie bestand noch nach dem Zweiten Weltkrieg. Da das Gignoux-Haus kaum von Bomben geschädigt wurde, diente der große Saal des "Blauen Krügles" ab 1945 als Ausweichspielstätte für das kriegszerstörte Große Haus des Theaters Augsburg.

1956 wurde das Große Haus des Theaters Augsburg wiedereröffnet, doch die Städtischen Bühnen Augsburg? nutzen das Gignoux-Haus weiter und richteten einen regulären Spielbetrieb in den Räumlichkeiten ein, die bald unter dem Namen Komödie bekannt waren.

Bis zum 10. Juli 2010 nutzte das Theater Augsburg das Gignoux-Haus als Spielstätte für Schauspiel und Ballett. Ende Juli 2010 zog das Theater Augsburg aufgrund der gravierenden Baumängel, besonders im Bereich des Brandschutzes, aus dem Gignoux-Haus aus.

Seitdem gab es verschiedene Pläne zur neuen Nutzung des Gebäudes, das vor sich hin rottet, weil die dringend notwendige Sanierung des historischen Gignoux-Hauses mehrere Millionen Euro kostet.

Details

Vor dem Gignoux-Haus bestand schon im 17. Jahrhundert eine platzartige Situation, wie das ein Kupferstich von Wolfgang Kilian? von 1626 zeigt.

Der Eckerker am kurzen Flügel des Gignoux-Hauses ist polygonal und mit einer Kupferkuppel bedacht. Das Torportal mit seiner ionischen Pilastergliederung, Dreiecksgiebel und Ziervasen ist korbbogenförmig angelegt. Über dem Portalbogen ist eine Wappenkartusche angebracht.

Ganz anders als die Schaufassade sind die Hofansichten eher bescheiden. Die beiden Abseiten hatten früher noch Remisen. Sie sind mit einem Querriegelbau verbunden und wurden als Altane verwendet.

Im Treppenhaus finden sich Feldertüren mit Landschaftsveduten.

Sonstiges

Am Gignoux-Haus ist eine Gedenktafel für Anna Barbara Gignoux angebracht.

Noch bis in die 1980er Jahre existierte gegenüber ein Geschäft namens "Papyrus", ein selbstverwalteter Betrieb, der schon sehr früh begonnen hatte, Umweltschutzpapier herzustellen und zu vertreiben.

Lage

Vorderer Lech 8


Weblinks


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