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Geschichte des Bayerischen Textil- und Industriemuseums tim

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In Augsburg als Textilmetropole von europäischem Rang gibt es noch viele Erinnerungsspuren an diese frühere Zeit, die vom tim genutzt werden, um Geschichte lebendig darzustellen. Das beginnt schon mit dem Standort des Museums, dem Kopfbau der Augsburger Kammgarnspinnerei?, der von 1909 stammt, aus Backstein gebaut ist und zusammen mit den historischen Shed-Hallen eine einzigartige Kulisse für das Museum bietet.

1994, als die NAK? dicht machen muss, taucht zum ersten Mal der Gedanke eines Textilmuseums für Augsburg in der politischen Diskussion auf. Es ging zunächst vor allem um die Frage, was mit dem wertvollen historischen Stoffmuster-Archiv der NAK? geschehen solle. In der Folge kamen Ideen auf, ein solches Museum im Glaspalast unterzubringen, doch diese Ideen scheiterten letztlich am Streit über die Finanzierung und die Trägerschaft.

März 2001 Grundsatzvereinbarung zwischen dem Freistaat Bayern?, dem Bezirk Schwaben und der Stadt Augsburg über die Errichtung des tim.

Im Juni 2001 wurde Dr. Richard Loipl? zum Leiter des Museums erkoren. In den folgenden Jahren führte er die Planungs- und Konzeptarbeit durch (Beginn 2002).

Lange Zeit war als Standort des tim wieder der Glaspalast im Gespräch, erst nach der Insolvenz der AKS (2001/2002) entschied sich die Stadt für den heutigen Standort.

Im Jahr 2004 gibt die Firma Ackermann Nähgarn GmbH? eine große und seltene Sammlung von historischen Werbematerialien, die sich an Endverbraucher richten und von 1855 bis 2004 reichen, als Dauerleihgabe an das tim.

Ebenfalls im Jahr 2004 gewinnt der Österreicher Klaus Kada den Architekturwettbewerb zur Umgestaltung der AKS für das tim.

Im September 2004 wird zum ersten Mal die Idee des Augsburger KulturSpeichers? von der Stadt präsentiert.

Im Dezember 2005 geht die Deutsche Meisterschule für Mode? eine Kooperation ein und ihre Schüler präsentieren zum ersten Mal im Jahr 2006 ihre Modelle im tim.

2007 bis 2008 Sanierung und Umbau des AKS-Gebäudes nach Plänen des Grazer Architekten Klaus Kada; Inneneinrichtung durch das Stuttgarter Atelier Brückner.

Anfang 2009 tat sich ein Finanzierungsloch von 270.000 € auf, das durch Mehrkosten bei Handwerkerleistungen entstand. Durch wen die Lücke geschlossen wird, war im April 2009 noch nicht abzusehen.

Vom 24. April bis 9. Mai stellte sich das tim in der Augsburger City-Galerie zum ersten Mal vor. Kinder konnten den Textildruck ausprobieren, eine Handweberin zeigte am Webstuhl ihre Kunst, es wurden tim-Produkte wie das Schlosser-Handtuch oder Postkarten mit Stoffmotiven verkauft und am 7. Mai führte ein Weg von der City-Galerie zum nahen tim, wo es einen „Tag der offenen Baustelle“ gab. Außerdem gestalteten Künstler das tim aus etwa 15 Tonnen Sand und einer Höhe von fast drei Metern.

Eröffnet wurde das Tim durch den damaligen bayerischen Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP?) am 20. Januar 2010 durch einen Staatsempfang. Dabei sagte er: "In Zeiten der Finanzkrise ist die Förderung von Kultur unverzichtbar. Als lebendiger Museumsort und kulturelle Begegnungsstätte wird sich das Museum zu einem wichtigen Standortfaktor entwickeln."

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Am 19. August 2010 besuchte der bayerische Landtagsvizepräsident Franz Maget (SPD) die Bayerische Landesausstellung "Bayern-Italien" im Staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg. Zusammen mit seinen Parteikollegen, den Augsburger Landtagsabgeordneten Harald Güller und Linus Förster begab sich Maget auf Spurensuche nach den gegenseitigen Beziehungen zwischen Bayern und Italien. Geführt wurden die Politiker von Ralf Skoruppa? vom Haus der Bayerischen Geschichte und tim-Museumsleiter Dr. Karl Borromäus Murr?. Zu der Ausstellung kamen Franz Maget viele Erinnerungen: "Zusammen mit meinen Eltern ging es 1967 im VW Käfer zum ersten Mal über den Brenner nach Italien. Ich hatte zuvor noch nie das Meer gesehen und war überwältigt. Das Lebensgefühl dort war einfach toll, und der Rotwein aus der Flasche im Korbgeflecht schmeckte einfach ausgezeichnet!" Und auch an die damals üblichen Mitbringsel erinnert sich Maget. "Eine Fernsehleuchte in Form eines Segelschiffs oder einer Gondel haben sich damals viele Urlauber aus Italien mitgebracht. Die wurde dann zu Hause auf das Schwarz-Weiß-Gerät gestellt und sollte abends das sonst dunkle Wohnzimmer etwas beleuchten. Mehr oder weniger geschmackvoll blitzte dann die Glühbirne hinter einem Segel hervor." Aber auch an das legendäre WM-Fußballspiel Deutschland-Italien im Jahr 1970 in Mexiko erinnert sich Maget genau. Damals hatte die deutsche Mannschaft 4 zu 3 gegen Italien verloren. "Das Spiel fiel genau in die Zeit, als in München die U-Bahn gebaut wurde. Da kam es am Tag nach der deutschen Niederlage zu regelrechten Schlägereien auf den Baustellen zwischen deutschen und italienischen Arbeitern. Gut, dass das heute friedlicher abläuft!" Auch an die erste Pizza, die er in München essen durfte, denkt Maget gern zurück. "Das muss in den 1960er Jahren gewesen sein. Als Schüler kaufte ich die erste Pizza im Straßenverkauf in Schwabing. Lecker! Wir haben uns dann auch zu Hause das erste italienische Gericht gekocht: Maccaroni - aufgepeppt mit dem damals völlig neuen Produkt Miraculi."

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Im September 2010 gab das tim bekannt, dass man sich ein neues visuelles Erscheinungsbild zulegt. Dazu hatte das Museum bereits vor längerer Zeit Kontakt mit der Hochschule Augsburg aufgenommen und in einer Kooperation die Konzeption und Gestaltung eines neuen Markenerscheinungsbilds. 14 Studentinnen und Studenten der Fachklasse Identität und Marke unter Leitung von Prof. Stefan Bufler konnten im Zeitraum zwischen März und Juli 2010 in einem ausgelobten Ideenwettbewerb ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Das Rennen dabei machte die Studentin Jennifer Gallen (22). Sie konnte die siebenköpfige Jury - bestehend aus tim- und Hochschulmitarbeitern, Grafikern und Medienschaffenden mit ihrem Konzept überzeugen. Jennifer Gallen zu ihrem Entwurf: „Die Grundidee meines Entwurfs war, das tim als das, was es auch ist, nämlich ein lebendiges Museum, ein lebendiger Ort, nach außen zu tragen. Wenn man im tim an der Maschinenführung teilnimmt, kann man erleben, wie die Maschinen, die Geschichte und das Industriegebäude zum Leben erweckt werden. Ich wollte den Herzschlag der Maschinen sichtbar machen und gleichzeitig den Bezug zu Textil schaffen. Das alles ist eingeflossen in meine Arbeit … Zu der Form des tim-Logos hat mich letztendlich der Wendekamm meines alten Kinderwebrahmens inspiriert. Dieser Takt, kombiniert mit den feinen, lebendigen Fäden, bildet das Hauptelement der Gestaltung. Die Wort-Bildmarke, also das Logo, ist daraus abgeleitet.“

Am 27. September 2010 begrüßte Bayerns damaliger Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch persönlich den 100.000sten Besucher in Schwabens erstem Landesmuseum. Jubiläumsgast war eine junge Familie aus Augsburg. Zusammen mit Museumsleiter Dr. Karl Borromäus Murr? empfing Heubisch die überraschten Besucher zunächst mit einem Blumenstrauß. Anschließend gingen alle gemeinsam in die Maschinenhalle. Dort waren sie live dabei, wie eine High-Tech-Webaschine in atemberaubender Geschwindigkeit ein eigens für den Anlass entworfenes Handtuch fertigte. Nachdem eine Näherin das Frottiertuch gesäumt hatte, überreichte Minister Heubisch das exklusive Geschenk an die 100.000sten Besucher. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte es im Museum seit der Eröffnung etwa acht Monate zuvor etwa 850 gebuchte Führungen gegeben.

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Anfang April 2011 gewann das tim einen der wichtigsten europäischen Museumspreise: den Micheletti-Award. Es ist die Auszeichnung für Europas bestes Industrie-, Technik- und Wissenschaftsmuseum. Das tim ist das dritte deutsche Haus, das nach der DASA im Jahr 1996 und dem Uhrmachermuseum in Villingen-Schwenningen (2003) die Auszeichnung erhielt. Für Deutschland hatten sich 2011 unter anderem das BMW Museum?, das Deutsche Technikmuseum in Berlin, das Odysseum in Köln, das Porsche Museum und das Mannheimer TECHNOSEUM, Landesmuseum für Technik und Arbeit beworben. Der Micheletti-Award wird seit 1996 zu Ehren seines Stifters Luigi Micheletti vergeben. Erste Preisträgerin war die DASA. Die Luigi Micheletti Foundation widmet sich insbesondere der Erforschung der Industriearchäologie in Italien sowie der Technikgeschichte im Allgemeinen. Der Micheletti-Award kürt nicht nur neu eröffnete oder eingerichtete Häuser, sondern kreative Umsetzungen und neuartige Interpretationen im Bereich Industrie, Arbeitswelt oder Wissenschaft. Eine fachkundige Jury aus ganz Europa nimmt die Häuser in Augenschein. Bewertet werden die Einrichtung als solche (Gebäude, Außenauftritt, Medieneinsatz, Organisation, Atmosphäre), die Präsentation, die lokale, regionale und (inter-)nationale Bedeutung, der Stand museologischer Erkenntnisse und die Rolle des Museum als Forum für Diskussionen und Austausch.

Im Jahr 2011 fand zwischen Mai und Oktober die Sonderausstellung "Kleider, Körper & Dessous" statt. Sie zeigte auf 1.000 Quadratmetern die Kulturgeschichte der Unterwäsche und Oberbekleidung zwischen Anstand und Erotik von 1850 bis ins Jahr 2000. Hunderte Originalexponate erzählten die sinnliche Geschichte der Verhüllung nackter Haut sowie der Enthüllung des weiblichen Körpers. Etwa 50.000 Besucher sahen die Ausstellung.

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Im Oktober 2011 begann im tim ein mehrmonatiges Gemeinschaftsprojekt, in dem 33 Augsburger Grundschüler zusammen mit dem tim und der "Stiftung Zuhören" einen Audioguide zur bewegten Augsburger Textilgeschichte für Kinder erarbeiten sollten. Dabei bekamen sie professionelle Anleitung von Medienprofis des Bayerischen Rundfunks?. Die Themen des Audioguides sollten folgende Themen behandeln: von den Anfängen in vorindustrieller Zeit bis in die Gegenwart, in der Augsburg ein Zentrum von Carbon- und Faserverbundtechnologie ist. Die Kinder sollten sich an den insgesamt sieben historischen Kabinetten in der tim-Dauerausstellung orientieren und dazu passende Audioguide-Beiträge produzieren. Unter anderem den Alltag eines Fabrikarbeiters um 1900, einen Krimi über Industriespionage, den unaufhaltsamen Aufstieg des Bürgers Johann Schüle? zum erfolgreichen Großunternehmer oder die Geschichte der Gastarbeiter, die ab den späten 1950er Jahren nach Bayern kamen. Die fertigen Audioguides sollten den Museumsbesuchern auf portablen mp3-Playern zur Verfügung gestellt und auf br-online.de veröffentlicht werden, auch wurde die Entwicklung einer App für Smartphones geplant. Unterstützt wurde das Audioguide-Projekt der Kinder von der Sparda-Bank Augsburg? und dem Förderund Freundeskreis tim e.V.?

2011 hatte das Museum 112.400 Besucher, 940 gebuchte Führungen und 2.288 öffentliche Maschinenvorführungen, wobei die Sonderausstellung „Reiz und Scham – Kleider, Körper und Dessous“ der Hauptbesuchermagnet war. An Auszeichnungen erhielt das Museum 2011 den Micheletti-Award als bestes europäisches Industrie- und Technikmuseum, den iF-communication design award in Gold, den Annual Multimedia Award und den Cannes Lion.

Im Mai 2012 führte das tim einen Kinder-Audio-Guide ein. Entwickelt wurde er gemeinsam mit Kindern der Luitpold-Grundschule? in Lechhausen, der Stiftung Zuhören und dem BR?. Die produzierten Hörspiele führen kindgemäß durch die Geschichte der Textilstadt Augsburg.

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