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Geschichte der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg
Gründung
Die Staats- und Stadtbibliothek entstand im Zuge der Reformation. Zum einen hatte Martin Luther gefordert, überall im Land Bibliotheken zu gründen. Zum anderen wurden auch in Augsburg Nonnen und Geistliche, die sich nicht der städtischen Obrigkeit unterwerfen wollten, ausgewiesen. Infolge dieser Entwicklungen standen nämlich in Augsburg einige Bettelordenklöster leer. Und der Rektor Sixtus Birck? des 1531 gegründeten Gymnasiums bei St. Anna? erhielt vom Augsburger Stadtrat 1537 den Auftrag, eine Auswahl der Bücher aus den Bettelorden-Bibliotheken zu sichern und in einer Büchersammlung der Stadt Augsburg im Annahof zu vereinigen. Der Rektor tat wie geheißen und in der Folge bestand bis 1872, also 335 Jahre, die Personalunion der Leitung des Gymnasiums und der Bibliothek bestehen.
Die Bücher der ersten Augsburger Bibliothek holte Sixtus Birck? aus drei Bettelorden-Männerklöstern. Das eine dieser Klöster war das Karmeliterkloster St. Anna. Diesem Kloster hatte der Augsburger Drucker Erhart Ratdolt? viele seiner exzellenten Drucke geschenkt. Es war 1534 der Stadt übergeben worden. Im gleichen Jahr wurde das Dominikanerkloster St. Magdalena von den letzten vier Mönchen verlassen und das Barfüßerkloster der Franziskaner aufgehoben; auch die Bestände dieser beiden Klöster sicherte Sixtus Birck? für die Stadt. Im heutigen Bibliotheksbestand kann man allerdings nur noch Bände aus dem Karmelitenkloster sicher nachweisen, darunter etwa 60 Inkunabeln. Die ältesten und wichtigsten kirchlichen Bibliotheken Augsburgs, die Bibliothek des Benediktinerklosters St. Ulrich und Afra sowie die des Domkapitels, griff man aber nicht an.
Da Augsburg zu der damaligen Zeit reich war, bekam die Bibliothek gleich einen festen Etat, um Bücher anzuschaffen. Von Anfang an wollte der Stadtrat die neue Bibliothek zu einer bedeutenden städtischen Einrichtung werden lassen. So schreibt Achilles Pirminus Gasser? in seinen Annales Augustani, dass man der Bibliothek schon im Jahr der Gründung einen festen Etat von 50 Gulden zukommen ließ, damit auf der Frankfurter Buchmesse neue Bücher erworben werden konnten. Aus den städtischen Baumeisterbüchern geht außerdem hervor, dass die Stadt bis 1547 beträchtliche Gelder für Buchführer ausgab. Daneben tätigte man kostspielige Ankäufe, etwa im Jahre 1545 in Venedig 99 (oder 100) originale griechische Handschriften. Der Kaufmann Antonius Eparchus? war mit diesen Handschriften von Korkyra vertrieben worden und Augsburg ergriff die Gelegenheit. Schon zwei Jahre zuvor hatte man die Bibliotheken der beiden verstorbenen evangelischen Prediger Michael Weinmair? und Bonifatius Wolfart? erworben und damit die Basis für die Sammlung reformatorischer Schriften gelegt. Zieht man einen Strich unter die Anschaffungen, so kann man zwischen 1538 und 1555 mehr als 2.850 Gulden für Neuerwerbungen konstatieren. Im Schmalkaldischen Krieg von 1547 war Augsburg allerdings auf der Seite der Verlierer und musste sparen. Man schaffte deshalb bis zur Fertigstellung des Stadtbibliothek-Neubaus nur wenige neue Bücher an.
Die erste freistehende Bibliothek Deutschlands in der Neuzeit
Ein wichtiger Schritt für die Bildung der städtischen Bevölkerung war die Errichtung eines freistehenden Bibliotheksgebäudes im Annahof durch Bernhard Zwitzel? in den Jahren 1562 und 1563. Es war das erste öffentliche Bibliotheksgebäude im Deutschland der Neuzeit. Zuvor war die Stadtbibliothek im ehemaligen Karmeliterkloster St. Anna untergebracht (1534 - 1544), dann kam sie in das Dominikanerkloster und als die Dominikaner im Jahr 1548 nach Augsburg zurückkehrten, verlegte man sie in das Barfüßerkloster.
Unter den Stadtbibliothekaren befanden sich darüber hinaus einige bedeutende Gelehrte, die in der Ära des Späthumanismus große Verdienste um die Sammlung, Erschließung und Editierung wichtiger Werke griechischer Autoren erwarben. So veröffentlichte etwa Hieronymus Wolf?, ein Philologe und Begründer der Byzantinistik, im Jahre 1575 den ersten gedruckten Handschriften Katalog einer öffentlichen Bibliothek. 1595 erweiterte David Hoeschel? diesen Katalog und gab ihn in einer zweiten Auflage heraus. Hieronymus Wolf? gelang es auch im Jahre 1563 auf der Frankfurter Buchmesse bei Oporinus 32 griechische Handschriften für 454 Gulden zu erwerben. Weil auch sein Schüler und Nachfolger David Hoeschel? bestrebt war, die Bibliothek mit wissenschaftlicher und philologischer Literatur auszustatten, betrachteten Zeitgenossen die Augsburger Bibliothek nach dem Verlust der Palatina als bedeutendste deutsche Bibliothek.
Der erste gedruckte deutsche Bibliothekskatalog
Im Jahre 1600 unternahm dann Georg Henisch? das Werk, einen Gesamtkatalog der Bibliothek drucken zu lassen. Das war wieder ein Meilenstein der Bibliotheksgeschichte, war es doch der erste gedruckte Gesamtkatalog einer Bibliothek in deutschen Landen. Er umfasste 8.500 Titel. Nur einmal ein Vergleich: Der erste europäische Bibliothekskatalog wurde 1595 in Leiden gedruckt und enthielt nur 1.500 Titel. Sieht man sich den Augsburger Katalog an, stellt man fest, dass die Bücher etwa zur Hälfte aus den Verlagsorten Basel, Lyon, Straßburg und Venedig stammen. Allein aus Basel kommen etwa 25 Prozent der Sammlung, vor allem Bibelausgaben, Werke antiker Autoren und Kirchenväter, humanistische und juristische Literatur sowie Werke zu klassischen Sprachen. Elias Ehinger? druckte 1633 eine neue Ausgabe dieses Augsburger Katalogs, die schon 11.000 Titel umfasste.
Im Jahre 1614 fiel der Bibliothek nach dem Tod von Markus Welser? dessen wertvolle Privatbibliothek zu. Markus Welser? war Mäzen, Stadtpfleger und Geschichtsschreiber. Er vermachte der Stadt 2.266 Bände aller Gattungen und Sprachen. Herausragend war die historische Abteilung der Bibliothek und eine kostbare Sammlung von Musikdrucken des 16. Jahrhunderts. Sie umfasste etwa 400 Bände in spanischer, französischer und italienischer Sprache. Vier Jahre später vererbte auch sein Bruder, der Freisinger Domprobst Anton Welser?, seine Privatbibliothek. Sie umfasste etwa 6.000 Werke aus den verschiedensten Wissensgebieten und beinhaltete viele Neuerscheinungen aus den Jahren zwischen 1590 und 1618. Zunächst ging diese Bibliothek an das Kloster St. Ulrich und Afra. Im Zuge der Säkularisation und Mediatisierung kamen die beiden Welserbrüder-Bibliotheken nach München.
Der 30jährige Krieg als Einschnitt
Der 30jährige Krieg brachte große Veränderungen. Man hatte nicht mehr allzu viel Geld für die Kultur übrig und förderte die Bibliothek nur noch auf Sparflamme. Nach dem Westfälischen Frieden war Matthias Wilhelm? Stadtbibliothekar. Im gelang es 1650 wieder zu einem festen Etat für die Stadtbibliothek zu kommen, wodurch sich die Bibliothek wieder entwickeln konnte, ohne jedoch das Niveau vor dem Krieg zu erreichen. Im Jahr 1677 gab der Stadtrat ein Dekret heraus, nach dem alle Augsburger Drucker und Verleger ein Pflichtexemplar an die Stadtbibliothek abzuliefern hatten. Jedoch wurde das Dekret nicht immer befolgt. In den letzten Jahren vor 1700 wuchs die Bibliothek wieder ordentlich, denn man hatte etwa 100 bis 200 Gulden jährlich für Buchkäufe zur Verfügung. Man kaufte die Privatbibliothek des Ratsherrn Christoph Rehlinger? und tauschte einen Vorrat von Büchern des Verlags "Ad insigne pinus" gegen neue Bücher.
Das 18. Jahrhundert
In diesem Jahrhundert war die Büchersammlung von Lukas Schröck? mit ihren etwa 2.000 Exemplaren eine bedeutende Erweiterung. Der Mediziner und Präsident der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina hat sie der Stadtbibliothek vererbt. Die Sammlung bestand hauptsächlich aus medizinischem Schrifttum. 1742 bekam die Stadtbibliothek die Handbibliotheken der Ratskonsulenten zugesprochen.
Während des Spanischen Erbfolgekrieges hatte die Stadt Augsburg unter einem schweren Bombardement zu leiden. Ein Glück: Man hatte die Bibliothek vorher in Sicherheit gebracht. Allerdings war sie in Unordnung geraten. Nach der Belagerung ging man daran, die Bibliothek neu zu ordnen. So erstellte der Buchhändler David Raymund Merz? zwischen 1745 und 1750 den ersten alphabetischen Gesamtkatalog der Bibliothek, der etwa 16.000 Titel verzeichnete.
In den Jahren 1745 und 1746 wiederholte der Stadtrat sein 1677 herausgegebenes Dekret, nach dem von jedem Augsburger Druck Pflichtexemplare an die Stadtbibliothek abzuliefern waren. Daraufhin gaben die Augsburger Künstler Johann Elias Ridinger? und Johann Jacob Haid? ihre graphischen Blätter ab. Auch vererbte 1781 der letzte Künstler der Künstlerfamilie Kilian, Georg Christoph Kilian?, seine wertvolle Sammlung von Kupferstichen, die den Grundstock der heute reichhaltigen graphischen Sammlung der Bibliothek bildete.
Die wirtschaftliche Situation der Bibliothek war vor allem in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts nicht schlecht. So konnte 1750 eine Münchener Privatbibliothek erworben und 1762 eine wichtige Sammlung juristischer Werke angeschafft werden. Als die Privatbibliotheken von Jakob Brucker? und Johann Baptist von Bassi? versteigert wurden, konnte sich die Stadtbibliothek einige wichtige Werke sichern. 1777 setzte der Stadtrat den Etat auf 150 Gulden im Jahr fest. Schon 1790 musste man deshalb einen alphabetischen Katalog für Neuerwerbungen in zwei Bänden anlegen. Er umfasste 4.200 Bände.
Säkularisation und Mediatisierung
Die Säkularisation von 1802/1803 und die Mediatisierung der Reichstadt Augsburg 1805/1806 brachten die größten Einschnitte für die Stadtbibliothek seit ihrer Gründung.
Im Zuge der Mediatisierung verlor die Bibliothek reiche Bestände. Die Umschichtungen von Bibliotheken und Büchern brachten der Augsburg Stadtbibliothek schmerzliche Verluste. Eine 1806 in Augsburg auftauchende Kommission suchte in der Stadtbibliothek nach wertvollen Handschriften, Inkunabeln und Frühdrucken und ließ sie in die Münchener Hofbibliothek bringen. An Drucken mussten 325 Bände an München abgegeben werden, darunter vor allem spanische und italienische Werke aus der Privatbibliothek von Markus Welser?.
Um die Augsburger nicht ganz im Regen stehen zu lassen, machte der bayerische König Augsburg zum Sitz einer schwäbischen Provinzial- bzw. Kreisbibliothek, die im Jahr 1810 mit der Stadtbibliothek vereinigt wurde. Im gleichen Jahr führte man der Bibliothek etwa 10.000 Bände der Jesuitenbibliothek Sankt Salvator zu. Diese Bibliothek war deshalb besonders wertvoll, weil sie die 1718 in sie eingegangene Bibliothek von Konrad Peutinger umfasste, mit 2.150 Bänden eine der umfangreichsten humanistischen Sammlungen der Zeit.
Ein Jahr später kamen 42.000 Bände aus verschiedenen Klosterbibliotheken Augsburgs hinzu. Allein aus dem Benediktinerkloster St. Ulrich und Afra kamen dabei etwa 10.000 Bände. Darunter waren 425 Inkunabeln, die Bibliothek von Anton Welser? und von dem Gelehrten Veit Bild?, der reformatorischen Bestrebungen nahe stand. Die Augustinerchorherrenstifte St. Georg und Hl. Kreuz, dem der Dompropst Wolfgang Andreas Rem? im 16. Jahrhundert etwa 1.000 Bücher gestiftet hatte, das Dominikanerkloster, das Kloster der Franziskanerobservanten, das Kollegiatsstift St. Moritz, das Kapuzinerkloster: alle wurden sie zur Ader gelassen.
Außerdem übernahm die Kreis- und Stadtbibliothek Augsburg jetzt auch die Bibliothek des protestantischen Anna-Kollegs?. Diese wertvolle Bibliothek war den Augen der Münchener Kommission komplett entgangen. Warum war diese Bibliothek so wertvoll? Weil sie die Schenkung von Martin Zobel?, eines Kaufmanns und Mitbegründers des Kollegs enthielt, die reich an Reformationsschriften war. Auch der spätere Administrator Jeremias Buroner? überließ dem Kolleg wertvolle reformatorische Schriften. Besonders wertvolle Bestände kamen aus dem Nachlass von Andreas Behaim dem Älteren?, darunter 81 Inkunabeln. Außerdem enthielt die Bibliothek viel Klassikerausgaben, Inkunabeln, Augustana und Erstdrucke lutherischer Werke, die Heinrich Mezger?, der 1748 verstorbene Leiter des Kollegs, hinterlassen hatte.
Im Jahre 1817 wurde der neuen Kreis- und Stadtbibliothek Augsburg der Altmühlkreis einverleibt, was bedeutete, dass Tausende Bände der Eichstädter Kreisbibliothek nach Augsburg kamen. Darunter waren 147 Inkunabeln und prachtvolle Drucke aus dem Stift Rebdorf und der Fürstbischöflichen Hofbibliothek. 1818 erhielt dann der Augsburger Stadtbibliothekar Daniel Beyschlag? den Auftrag, in den Bibliotheken der ostschwäbischen Stifte Roggenburg, Irsee, Ottobeuren, Ursberg und der Hof- und Stiftsbibliothek Kempten die schönsten, kostbarsten und brauchbarsten Werke auszusuchen und sie nach Augsburg zu schaffen, was sich dieser nicht zweimal sagen ließ. Bis 1835 gelangten so die besten Bestände dieser Klöster nach Augsburg. Und so stammen z. B. 249 Inkunabeln der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg aus der ehemaliken Benediktinerabtei Irsee. Eine letzte Frucht der Säkularisation erntete die Augsburger Bibliothek 1833, als über 3.000 Titel des Jesuitenkollegs und späteren Malteserklosters Mindelheim den Weg in die Schwabenstadt fanden.
Man kann sagen, dass keine andere alte Stadtbibliothek nach dem Ende des Alten Reiches so großzügig mit Büchern aus kirchlichen Beständen ausgestattet wurde, weshalb die Bibliothek seit Beginn des 19. Jahrhunderts eigentlich keine reine Stadtbibliothek mehr ist.
Das 19. Jahrhundert
Um 1840 hatte die Kreis- und Stadtbibliothek Augsburg schon etwa 100.000 Bücher in ihrem Bestand. In den folgenden Jahrzehnten mussten die durch die Säkularisation und Mediatisierung hereingekommenen Bücher gesichtet, erschlossen, geordnet und aufgestellt werden. Der Kreis stellte aber auch Geld für Neuanschaffungen zur Verfügung. Diese Mittel wurden durch die Erlöse aus Dublettenverkäufen aufgestockt, so dass man z. B. 1839 für 900 Gulden die Bibliothek des Regierungsrates und Publizisten Franz Eugen Freiherr von Seida und Ladensberg? kaufen konnte. Sie umfasste politische und literarische Zeitschriften sowie Werke der Literaturgeschichte, der Naturwissenschaften und der Völkerkunde, insgesamt fast 3.300 Bände. Um diese Zeit schenkte auch der Volksschriftsteller und Verfasser einer Augsburger Stadtgeschichte Christian Jakob Wagenseil? der Bibliothek viele seiner Bücher. In die gleiche Zeit fällt auch die Anordnung, dass Augsburger Zeitungen Freiexemplare an die Bibliothek liefern mussten, was dazu führte, dass die Sammlung Augsburger Zeitungen recht üppig ist. 1848 kam durch die Londoner Bibelgesellschaft eine wertvolle Sammlung von Bibeln in diversen Sprachen nach Augsburg, was dazu führte, dass man in Augsburg begann Bibelausgaben zu sammeln.
Im 19. Jahrhundert sind noch zwei große Privatsammlungen zu erwähnen, die Eingang in die Bibliothek fanden. So schenkte der Bankier Friedrich von Halder? 1846 seine Bibliothek der Stadt. Sie umfasste etwa 10.000 Bänder, die aber schon der Vater Georg Walter von Halder? aufgebaut hatte, vor allem durch Käufe aus der Bibliothek des Ratskonsulenten Ludwig Bartholomäus von Herttenstein?. Man kann die Bibliothek als großbürgerliche Universalbibliothek etikettieren. Sie enthält auch viele Werke der Augsburger Buchkunst des 18. Jahrhunderts. Im Jahre 1875 kam dann noch die Bibliothek der Familie von Stetten dazu. Der Schwerpunkt dieser Bibliothek liegt auf der Geschichte (vor allem der Geschichte Augsburgs) und auf Rechts- wie Staatswissenschaft. Sie umfasst etwa 8.000 Werke, wovon ca. 2.600 graphische Blätter sind.
Ein kleinerer Zuwachs der Bibliothek zu Ende des 19. Jahrhunderts stellt die Kern-Kernriedsche Stifungsbibliothek mit 2.000 Bänden (700 Einzelwerke) dar. Sie beinhaltet Werke der Architektur, Kunst, des Befestigungswesens, der Burgenkunde und Heraldik. Bis 1963 setzte man die Sammelgebiete Burgen- und Festungskunde fort.
Neubau der Bibliothek
Die Stadt Augsburg, der bayerische Staat und der Kreis Schwaben und Neuburg schufen bis zum Jahr 1891 vor allem neue Bücher für die Bibliothek an. Dann begann man den Neubau des Bibliotheksgebäudes an der Schaezlerstraße. Es wurde 1893 bezogen und die Stadt Augsburg wurde alleiniger Unterhaltsträger. Der bayerische Staat behielt allerdings die Eigentumsrechte an den Beständen aus der Säkularisation und den Büchern, die mit seinen Geldern angeschafft worden waren. Zwar flossen hin und wieder noch Zuschüsse aus bayerischen Staatskassen, aber auf niedrigem Niveau.
Das 20. Jahrhundert
Das neue Jahrhundert begann gut für die Augsburger Stadtbibliothek. 1905 hinterließ der Stadtbibliothekar Dr. Thaddäus Ruess? seiner Bibliothek kulturgeschichtliche Literatur, insgesamt 3.000 Bände.
Seit dem Jahr 1911 müssen Pflichtexempare aller Amtsdruckschriften aus dem Regierungsbezirk Schwaben in der Bibliothek abgegeben werden. Das erklärt sich daraus, dass man der Bibliothek als Regionalbibliothek für Bayerisch-Schwaben die Aufgabe stellte, das gesamte Schrifttum dieser Region möglichst ohne Lücken zu sammeln.
Dr. Richard Schmidbauer? war der erste wissenschaftliche Fachbibliothekar. Er stellte 1912 in einer Zählung fest, dass die Bibliothek 205.000 Bände besaß. In seiner Amtszeit gab es auch viele Schenkungen für die Bibliothek. In einem Jahr sogar 21.000 Bände. So gelangte 1910 die Bibliothek des Historischen Vereins für Schwaben e. V.? in die Bibliothek und wurde 1928 ihr Eigentum. Die Deutsche Kolonialgesellschaft überließ der Bibliothek 1910 eine Büchersammlung mit 300 Bänden, ein Jahr später kamen 5.000 Bände vom Stadtbauamt?, 1913 etwa 3.400 Bände aus der Amtsbibliothek des Stadtrates, 1915 über 1.300 naturwissenschaftliche und technische Bücher des verstorbenen Ingenieurs Lucian Anton Vogel? und mehr als 6.000 Bücher des Bankiers Gustav Flesch?. 1916 flossen 3.000 Medizinbücher in die Bibliothek - durch Schenkung des Arztlichen Lokalvereins und des Hofrates Josef Sprengler?.
1919 dann der Höhepunkt: Fast 21.000 Bände aus den Bibliotheken der früheren Augsburger Regimenter wurden der Bibliothek als Leihgabe überlassen (z. T. 1926 an die Landespolizei und eine Offiziersvereinigung weitergereicht). Und ein Jahr später durfte man sich über 2.000 Bände Numismatik von Kommerzienrat Albert Ritter von Forster? freuen. 1924 erhielt die Bibliothek die so genannte Theaterbibliothek, die schon 1776 gegründet worden war und 455 Bände Druckschriften sowie 288 Handschriften mit Dramen aus dem 18. und 19. Jahrhundert enthielt.
1920 richtet man in der Bibliothek quasi als Sonderabteilung eine Volksbücherei mit einem eigenem Lesesaal ein, die Vorgängerinstitution der heutigen Stadtbücherei?.
Schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts schaffte die Bibliothek gezielt Antiquaria an, wobei man sich auf Augsburg- und Bayerisch-Schwaben-Literatur konzentrierte. Allein zwischen 1926 und 1929 schaffte man Hunderte von Inkunabeln an. Mit dieser Sammlung wollte man die Tradition Augsburger Buchdrucks und Verlagswesen greifbar bewahren.
Im Jahr 1941 erhielt die Bibliothek dann die heutige Bezeichnung. Die wertvollsten Bücher lagerte man in etwa 400 Kisten aus, die nach dem Krieg wieder ihren Weg in die Bibliothek fanden. Die Luftangriffe im Jahr 1944 überstanden die Büchersammlung und das Gebäude ohne wichtige Verluste. Es gingen einige hundert Dubletten und etwa 270 Bände verloren, die man aber meist wiederbeschaffen konnte.
Seit 1945 wurde das selbständig veröffentlichte landeskundliche Schrifttum in den Schwäbischen Blättern für Heimatkunde und Volksbildung? veröffentlicht, seit 1971 kann man die Bibliographie der Regionalliteratur zu Bayerisch-Schwaben in der Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben e. V.? finden.
Im Jahr 1957 gingen etwa 1.500 Bände des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben e. V.? an die Bibliothek, worunter sich auch im Zweiten Weltkrieg gerettete ältere Bestände befanden.
Der Augsburger Journalist Dr. Hans Rost hatte ein kurioses Hobby: Er sammelte Bücher und Schriften zum Thema Selbstmord. Diese Sammlung wurde als letzte erwähnenswerte Privatbibliothek von der Staats- und Stadtbibliothek angekauft. Es handelt sich um etwa 660 Schriften in 300 Bänden. Mehr dazu hier!
Mit den Handschriftenbänden, den mittelalterlichen Codices, Inkunabeln und etwa 100. 000 Titeln vor 1800 hat die Augsburger Staats- und Stadtbibliothek mehr bedeutende Bestände als die Universitäts- und Stadtbibliotheken von Frankfurt/Main und Köln zusammen! Es gibt heute sechs gedruckte Handschriftenkataloge, einen 1974 gedruckten Inkunabelnkatalog und seit 2001 wird - gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft - der Zeitraum zwischen 1500 und 1850 digital erfasst, so dass der Altbestand der Bibliothek ausgezeichnet erschlossen ist, ja es ist einer der historisch am besten erschlossenen Bestände überhaupt.
Seit 1987 müssen alle Verlage in Bayerisch-Schwaben Pflichtexemplare ihrer herausgebrachten Schriften in der Bibliothek abgeben.
Nachdem sich im Jahr 1953 die Volksbücherei als Stadtbücherei? verselbständigt hat und im Jahr 1970 die Universitätsbibliothek Augsburg? gegründet wurde, sind die Aufgaben einer Forschungs-, Archiv- und Regionalbibliothek hervorgetreten. Die Hauptaufgabe heute ist die Sammlung und Erschließung des geschichtlichen Erbes Augsburgs und Bayerisch-Schwabens.
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