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Geschichte der Augsburger Fuggerei
Vorgeschichte des Baus
Der Plan zur Gründung der Fuggerei stammt von Ulrich? und Georg Fugger?, doch kamen die beiden Brüder nicht mehr dazu die Siedlung zu gründen. Das war das Verdienst von Jakob Fugger. Gesichert ist, dass er am 26. Februar 1514 in der Jakobervorstadt vier "Häuser, Hofsach und Gesäß" mit Garten und Sommerhaus erwarb - und zwar von Anna Streußlin?, der Witwe des früheren Bürgermeisters Hieronymus Welser?. Etwa zwei Jahre später - am 10. März 1516 - kaufte er noch drei angrenzende "Häuser und Hofsach" von dem Metzger Hans Zoller?, um den Grund abzurunden. Daraufhin schließt Jakob Fugger mit dem Stadtrat von Augsburg ein Abkommen, in dem der Plan zur Fuggerei sowie der Zweck zur Sprache kommt und ausgedrückt ist, dass er noch weitere Grundstücke zum Bau der Anlage erwerben will. In dem Schriftstück heißt es, Jakob Fugger sei "des Willens und Fürnehmens, Gott dem Allmächtigen zu Lob, seiner unermeligten Mutter der Jungfrau Maria und allem himmlischen Heere zur andächtigen Erwerdigung seiner Seele, zu Förderung ewiger Freude und damit doch etlich arm dürftig Bürger und Inwohner zu Augsburg ... von Handwerkern, Taglöhnern und anderen so öffentlich das Almosen nicht suchen, dest beß und ohn sonder merklich Beschwerd der Hauszins zum Teil ergötzet werden und ihr Gemech und Behausung bequemlicher gehaben und bewohnen mögen; ... demnach (hat Jakob Fugger etlich Häuser, Hofsachen, gärten und Flecken erkauft, (wie er) auch vielleicht noch mehr dazu erkaufen und ferrer zu gebührender Notdurft erbauen lassen möchte".
Hier erhebt sich natürlich die Frage nach den Motiven der Stifter. Es waren wohl nicht nur caritative Gründe, die zu den Planungen der Fuggerei führten. In einer Zeit, in der man sich mit Ablässen den Eintritt in den Himmel erkaufte, dachten auch die Fugger daran, sich in irgendeiner Weise einen schönen Platz im Himmel zu erkaufen. Die Gebetspflicht der Fuggereibewohner war also eine "spirituelle Investition". Aber auch diesseitige Interessen dürften eine Rolle für die Planungen und den Bau der Fuggerei gespielt haben, denn die Fugger hatten bei der Augsburger Bevölkerung keinen guten Ruf. Immer mehr kleine Weber, die rund um die spätere Fuggerei wohnten, wurden von den Fuggern als so genannte Verleger abhängig und verarmten. Wie negativ dies gesehen wurde, erhellt die Kritik Martin Luthers? an den "Fuckern" im Jahr 1520 und der Schillingaufstand von 1524. Heute würden wir vielleicht von einer gelungenen PR-Aktion sprechen, was den Bau der Fuggerei angeht.
Der Bau
Gleich nach dem zweiten Erwerb von Grund begann Jakob Fugger mit dem Bau der Anlage und schon im Jahr 1516 konnten zwei Häuser bewohnt werden, ein Jahr später 17 Häuser, wieder ein Jahr später 32 Häuser, 1519 waren es 39 Häuser, 1520 45 Häuser und im Jahr 1523 52 Wohngebäude. Zwischen 1517 und 1519 kam es zur stärksten Bautätigkeit und 1519 war die Gesamtgestaltung der Anlage, wie sie uns heute erscheint, in etwa erreicht. Gebaut wurde die Fuggerei wohl von dem Maurermeister Thomas Krebs?, der in den Jahren 1512 und 1514 als Maurermeister bei St. Moritz arbeitete und nun als Baumeister für die Fuggerei engagiert wurde.
Er baute eine einzigartige Anlage und verwirklichte darin Idealvorstellungen der Renaissance im Kleinen. Es gibt die zentrale Herrengasse?, auf die fünf Nebengassen zulaufen. Der Zugang zur Anlage ist von mehreren Seiten möglich, parallel zur Herrengasse? verläuft die Saugasse? als Abschluss im Osten. Längs der Gassen stehen uniforme Traufseitbauten in Zeilenbauweise.
Schon früh ist die Fuggerei, die immer eine eigene kleine Stadt innerhalb der Jakobervorstadt bildete, in Schriftstücken erwähnt. So schreibt der Chronist Clemens Sender (1475 bis 1537)?: "Durch mittelgassen in fünf tail getailt, einem kleinen Stadtlein nicht unähnlich ..." und Salomon Frenzel? meint in einem Lobgedicht auf Augsburg 1585, dass die Reihenhäuschen der Fuggerei "schnurrichtig auff die Reih gebaut" seien.
1581 erbaute man die zur Fuggerei gehörende Kirche St. Markus?. Schon der 30jährige Krieg sorgte für viele Zerstörungen in der Stadt, auch in der Fuggerei, so heißt es in einer Chronik, dass im Jahre 1642 23 Wohnungen von den Schweden "ganz ruiniert" worden seien.
Im frühen 17. Jahrhundert wurden die Häuser mit Hausbrunnen ausgestattet.
Neben der St. Markus-Kirche? baute man im 19. Jahrhundert ein Gebäude für die Verwaltung der Fuggerei an.
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Die Niederlegung der Stiftungsvorschriften
Im Jahre 1521 machte sich Jakob Fugger dann im August an die rechtliche Regelung der Fuggerei-Stiftung und legte fest, dass fleißige, schuldlos verarmte Augsburger katholischen Glaubens in die Fuggerei aufgenommen werden sollten. Jede Bewohnerin, jeder Bewohner sollte eine bis auf das Essbesteck vollausgestattete Wohnung erhalten. Und das zum Preis von einem Rheinischen Gulden Jahresmiete (heute etwa ein Euro). Dafür sollten sich die Bewohner verpflichten, täglich dreimal für die Stifterfamilie zu beten. Jakob Fugger stattete die Fuggerei mit einem Stiftungsvermögen aus, das "in ewige Zeit desto bas und stattlicher möge unterhalten und gehandhabt werden. In seinem zweiten Testament von 1525 bestimmte Jakob Fugger, dass seine Nachkommen so lange für den Unterhalt der Fuggerei aufzukommen haben, "solang der manlich namen und stammen der Fugger verhanden und in leben ist". Zu seinem Tod vermachte er darüber hinaus jedem Bewohner der Fuggerei einen Gulden.
Baumaßnahmen bis zum Zweiten Weltkrieg
1744 wurde an der Hauptkreuzung der Wohnsiedlung ein steinerner Brunnen errichtet. Gebaut hat ihn der Steinmetzmeister Sebastian Ingerl?. Der Brunnen diente der Versorgung der Fuggerei-Bewohner mit Wasser, aber auch als Treffpunkt zum Gespräch. Denn: Ebenfalls in der Mitte des 18. Jahrhunderts erhielten die Einzelhäuser der Fuggerei eigens beaufschlagte Hausbrunnen, ein enormer Luxus in der damaligen Zeit.
Zerstörung im II. Weltkrieg und Wiederaufbau
Die Jakobervorstadt gehörte zu den Teilen Augsburgs, die bei dem Großangriff vom 25. auf den 26. Februar 1944 am meisten zerstört wurden. Die Fuggerei wurde zu mehr als der Hälfte zerstört und die restlichen Teile waren schwer beschädigt. Nur noch etwa 20 Prozent der Häuser waren bewohnbar. Aber schon im Frühjahr 1945 entschied das Fugger-Seniorat, also die Ältesten der drei Fuggerlinien, die Fuggerei wieder aufzubauen. Dazu griff man auf das Stiftungsvermögen zurück, das schon in den letzten 400 Jahren die Fuggerei am Leben gehalten hatte. Ein Zufall bestimmte den Wiedererbauer.
Im Juni 1945 traf der Architekt Raimund Baron von Doblhoff (1914 bis 1993)? in Augsburg ein. Er befand sich auf der Heimreise in seine Heimatstadt Wien und lernte in Augsburg den Direktor der Fuggerschen Stiftungen und Forstmeister Baron Carl Minutillo? kennen, der ihn mit dem Fugger-Familiensenior Joseph Ernst Fürst Fugger-Glött? bekannt machte. Und der beauftragte Raimund Baron von Doblhoff? gleich im ersten Gespräch mit dem Wiederaufbau der zerstörten Fuggerei.
Schon bald legte Raimund Baron von Doblhoff? einen Vorschlag vor, wie er sich den Wiederaufbau der Fuggerei vorstellte. Ein Glück, dass er darin seinen Respekt vor der historischen Bausubstanz bewies, indem er beabsichtigte das äußere Erscheinungsbild der Siedlung wiederherzustellen, gleichzeitig aber auch eine über den eigentlichen Wiederaufbau hinaus eine Erweiterung der Anlage nach Wesen Richtung Sparrenlech? und nach Süden Richtung Meister-Veits-Gäßchen? vorsah. Damit rettete er eine richtungsweisende Siedlungsanlage, die einmalig ist. Alle Häuser richteten sich an einem Typenplan aus, der sich aus den geraden Hauszeilen, den Abmessungen, Mauerstärken, den Lagen der Balken, den Tür- und Fensteröffnungen ergab. Daraus ergab sich ein sachlich-funktioneller Charakter des Anwesens, die zusammen mit der vorindustriellen Fertigung und ihrer handwerklich nicht mathematischen umgesetzten Ausführung wieder auf den Weg gebracht werden musste. Außerdem sah Raimund Baron von Doblhoff? die Beseitigung späterer Zubauten und eine Verbesserung der Infrastruktur der Anlage vor.
Dank des Organisationstalentes von Raimund Baron von Doblhoff?, dank der vom Arbeitsamt? zugewiesenen Arbeitskräfte, dank des Bauholzes aus den Fuggerwäldern und nicht zuletzt dank der Spenden von ortsansässigen Bauunternehmen konnte schon im Juli 1945 mit dem Wiederaufbau begonnen werden. Es war die erste Großbaustelle Augsburgs nach dem II. Weltkrieg. Die ersten sieben fertiggestellten Häuser konnten am 4. September 1947 zum Bezug übergeben werden.
Beendet wurden die Wiederaufbauarbeiten im Jahr 1955. Nun war die Fuggerei sogar noch um ein Drittel gegenüber der alten Anlage vergrößert (Erweiterung um den so genannten Witwenbau).
Die Fuggerei nach dem Wiederaufbau
Die Fuggerei nach 2000
Im Jahr 2009 brachte ein Münchener Professor die Fuggerei als Weltkulturerbe ins Gespräch. Wegen markenrechtlicher Fragen kam es aber zwischen der Fuggerei und dem Professor zum Streit, wodurch es nicht zu einer Bewerbung um den Titel bei der Unesco kam. Ein weiterer Grund, warum es nicht zu einer Weltkulturerbe-Bewerbung kam, ist die Tatsache, dass die Fuggerei im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört und danach wieder aufgebaut wurde, also wohl zu wenig Originalsubstanz für eine solche Bewerbung hat.
2010 war die Augsburger Fuggerei Preisträger des bundesweiten Innovationswettbewerbs „365 Orte im Land der Ideen“. Damit wurde sie Teil der größten Veranstaltungsreihe Deutschlands, die bereits im fünften Jahr von der Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ und der Deutschen Bank unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten bis dahin durchgeführt wurde. Gewürdigt wurden das innovative Museums- und Medienkonzept der etwa 500 Jahre alten Sozialstiftung. Offiziell ausgezeichnet wurde die Fuggerei im Rahmen eines Festakts mit geladenen Gästen am Dienstag, 3. August 2010.
Anfang September 2010 besuchte Christine Haderthauer, Bayerische Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, die Augsburger Fuggerei. Dort besichtigte sie – geführt von Albert Graf Fugger von Glött und Johannes Graf Fugger-Babenhausen – nicht nur die Markuskirche, das Museum im „Weltkriegsbunker in der Fuggerei“ und die moderne Schauwohnung, sondern auch das Senioratsgebäude. Dort vermerkte die Familienministerin im Gästebuch: "Verantwortung und Mitmenschlichkeit in Tradition von Generation zu Generation in der Familie weitertragen. Dafür stehen die Fugger! Ein wunderbares Vorbild." Vor dem Senioratsgebäude traf sich – ungeplant – bayerische Polit-Prominenz zum Händeschütteln und Smalltalk unter Regenschirmen: Wolfgang Gerhardt, Staatsminister a.D., Mitglied der FDP-Bundestagsfraktion und Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung, war ebenfalls in der Fuggerei zu Gast. Er wurde parallel zur Führung der Ministerin von Wolf-Dietrich Graf von Hundt, dem Administrator der Fuggerschen Stiftungen, durch die älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt geführt. 21.000 zahlende Besucher kamen im August 2010 in die Fuggerei, wie am Rande des Besuch zu hören war.
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Am 16. Januar 2010 beschlossen die Stadt Augsburg un der Fugger´sche Stiftungsadministrator Wolf-Dietrich Graf von Hundt?, sich mit der Fuggerei um den Titel "Europäisches Welterbe" zu bewerben, einen Titel, den es damals noch nicht gab, aber vor der Schaffung stand.
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