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Gaswerk
Ein neoklassizistisch-neubarockes Ensemble von Betriebs-, Verwaltungs- und Wohngebäuden im Augsburger Stadtviertel Oberhausen, das früher als städtisches Gaswerk diente und heute ein wichtiges Denkmal der Industriegeschichte ist.
Gliederung
Allgemeines
Vom historischen Augsburger Gaswerk sind praktisch alle Gebäude noch erhalten: Es gibt einen zentralen Behälterturm in Portalachse. In ihm sich Behälter für Teer, Ammoniak und Brauchwasser übereinander angeordnet. Um diesen zentralen Turm gruppieren sich Ofenhäuser, Apparatehäuser, Reiniger- und Kesselhäuser, Werkstatt- und Lagerhäuser, eine Elektro-Zentrale, ein Saugerhaus, ein Wohnhaus für Beamte und eines für Angestellte, ein Bürogebäude und drei Arbeiterwohnhäuser. Dazu kommen noch zwei Teleskop-Gasbehälter und der überkuppelte Zentralbau des Labors. Die Glocken-Gasometer im Osten fassen 25.000 und 50.000 Kubikmeter Gas. Das Gelände wird dominiert von dem Scheiben-Gasometer mit einer Höhe von 85 Metern, einem Durchmesser von 45 Metern und einem Fassungsvermögen von 100.000 Kubikmetern Gas.
Das Gelände des ehemaligen Augsburger Gaswerks ist etwa 8 Hektar groß und zum Teil wie ein Park gestaltet. Manche Gebäude erinnern sogar an Schlossbauten. Eine ähnliche Anlage ist in ganz Bayern nicht mehr zu finden und sie besitzt europäischen Rang.
Das ehemalige städtische Gaswerk kann getrost als heimliches Wahrzeichen von Oberhausen bezeichnet werden, ist es doch praktisch in ganz Oberhausen sichtbar.
Geschichte
Gaswerk I
1848 eröffnete man das erste Augsburger Gaswerk, um die Straßen beleuchten zu können. Dieses Gaswerk I (man nannte es "Gasanstalt") wurde privatwirtschaftlich betrieben und lag vor dem Jakobertor? in der Bauhofstraße, heute Johannes-Haag-Straße?. Bevor man auf die Gasbeleuchtung in Augsburg umstellte, wurden die Straßen der Stadt mit Öllampen beleuchtet. Der Grund für die Umstellung auf die Gasbeleuchtung war einfach: Gaslampen erhellten die Straßen besser. Deshalb finanzierte die Augsburger Gasbeleuchtungs-Gesellschaft?, ein Unternehmen von Baron August von Eichenthal und dem Bankhaus Erzberger & Söhne, den Bau der Augsburger Gasanstalt, die von der Genfer Firma C. Kohler & Companie nach Plänen des Schweizer Ingenieurs Wolfsberger gebaut wurde.
Dieses Gaswerk I hatte 2 2/2 Tagewerk Grundstück und wurde im Jahr 1870 erweitert, weil die Augsburger immer mehr Gas verbrauchten. Im Jahr 1895 kaufte die Gesellschaft für Gasindustrie? dieses erste Augsburger Gaswerk. 1907 ging das Werk (zusammen mit dem Gaswerk II) an die Stadt Augsburg. Am 31. Dezember 1915 musste es stillgelegt werden, weil es nicht mehr den technischen Bedingungen der damaligen Zeit entsprach. Danach benutzten es die Stadtwerke Augsburg von 1928 bis 1954 als Hauptwerkstätte. Dann wurden die Gebäude des Gaswerks I niedergelegt. Das Gelände aber wird noch heute von den Stadtwerken Augsburg genutzt.
Über das Gaswerk I ist noch zu berichten, dass es 12 Halbgeneratoren mit 6 Retorten besaß und eine Leistung von 12 000 Nm³/Tag erbrachte. Es gab 2 Behälter Baujahr 1848/1850 mit je 900 m³ (1800 m³), einen Behälter Baujahr 1856 mit 1900 m³ und einen Behälter Baujahr 1877 mit 2000 m³, insgesamt konnten also 5.700 Kubikmeter Gas gespeichert werden.
Gaswerk II
Diese Gaswerk wurde ebenfalls privatwirtschaftlich betrieben und 1863 am Standort Badstraße? 5 Nähe Exerzierplatz? eröffnet. Finanziert hat es der "Finanzrath" Ludwig August Riedinger?.
Weil die Stadt Augsburg immer mehr Gas verbrauchte, musste das Werk zweimal erweitert werden: 1870 und 1906. Zwischen diesen Jahren wurde das Gaswerk 195 von der Gesellschaft fuer Gasindustrie in Augsburg? gekauft.
Im Januar 1916 legte man das Werk still, weil nun das Gaswerk in Oberhausen den Komplettbedarf stillte. Allerdings blieben bis 1921 noch eine Gas-Eichanstalt, eine Gasmesser-Reparatur-Werkstätte und ein Werkstätte für die Straßenbeleuchtung auf dem Gelände dieses Gaswerks.
In 10 Rostöfen und 4 Generatoren-Öfen mit zusammen 96 Retorten erbrachte das Werk eine Leistung von 18 000 Nm³ am Tag und erzeugte dazu noch 25% Wassergas mit einer Leistung von 7500 Nm³ am Tag. Ein Behälter aus dem Jahr 1862 konnte 1000 m³ Gas speichern, einer aus dem Jahr 1873 konnte 1700 m³, einer aus dem Jahr 1885 konnte 5000 m³ (Bassin aus Stampfbeton, 30 Meter Durchmesser, 7,5 Meter Tiefe, das 14-Pfeiler-Bassin wurde Ende März 1886 allerdings schon undicht) und einer aus dem Jahr 1896 konnte 9400 m³ Gas speichern, was eine Gesamtspeicherkapazität von 17100 m³ ergab.
Gaswerke in Lechhausen und Göggingen
Neben den Augsburger Gaswerken gab es in den später eingemeindeten Orten Lechhausen? und Göggingen eigene Gaswerke.
In Lechhausen? war ein Gaswerk der Gaswerk Lechhausen A. G. ansäßig, das der "Centralverwaltung von Gas- Wasser- und Elektricitäts- Werken GmbH Bremen" gehörte und 1907 von einem Bremer Ingenieur und einem Apotheker und einem Magistratsrat von Lechhausen? gebaut wurde. Das Gaswerk befand sich in der Steinernen Furt? und konnte 2.000 Kubikmeter Gas speichern, bei 3 Retortenöfen mit 21 Retorten, die 3.000 Kubikmeter Stadtgas erzeugen konnten. Schon 1922 kaufte die Stadt Augsburg das Gaswerk und legte es bald darauf still, denn schon 1929 ist das Werk im Stadtplan als "ehemaliges Gaswerk" gekennzeichnet
Auf Initiative von Friedrich von Hessing? entstand 1911 auch in Göggingen ein Gaswerk, gebaut in der Bayerstraße? 135 von dem Ingenieur Friedrich Wilhelm Heil?. Im Jahr 1914 gehörte das Werk der Gasanstalt-Betriebsges. m. b. H. Berlin, später der Vereinigte Gaswerke A.G. und dann LUK (Licht und Kraft) München, heute gehört das Gelände der Erdgas Schwaben. 1912 beschäftigte man dort 8 Mitarbeiter. 1951 stellte man die Eigenproduktion von Gas ein, weil Göggingen per Fernleitung an das Augsburger Gasnetz angeschlossen wurde. Ab 1952 vertrieb man vom Gelände aus Flüssiggas für nicht verrohrte Landgemeinden, 1963 stellte man auf Erdgas-Luftgemisch, 1964 auf reines Erdgas um. 1975 riss man zwei Teleskop-Gasbehälter ab, nachdem man die Gaserzeugung im Werk komplett eingestellt hatte.
Sonstige kleine Gaswerke
Neben den erwähnten Gaswerken standen auf dem Gebiet Augsburgs oder in der Nähe kleinere Einzelgasanlagen. Eine hatter der Chemiker und Kattunfabrikant Dr. Johann Gottfried Dingler? vor dem Roten Tor? gegründet. Sie ging aber schon 1827 nach wenigen Jahren wieder ein, weil sich Anwohner beschwerten.
Zwischen 1890 und 1908 hatte auch die Zwirnerei und Nähfaden Fabrik Ackermann? eine Ölgasfabrik in Göggingen mit zwei Gasbehältern, um das Werk zu beleuchten und Fäden abzubrennen.
Auch die "Kgl. bayerische Staatsbahn" unterhielt um 1896 am Bahnhof Augsburg eine Ölgasanstalt, genau wie die "Baumwollspinnerei und Weberei" in Haunstetten, die ebenfalls um 1896 gegründet wurde. Weitere Textilbetriebe mit Gaswerk waren die Augsburger Kammgarn-Spinnerei AG im Textilviertel, die "N. S. Landauer, mechanische Weberei" in Oberhausen oder die "Gebr. Schnell, Buntweberei" in Pfersee.
Gaswerk Oberhausen
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Geplant und ausgeführt wurde das Gaswerk Oberhausen in den Jahren von 1912 bis 1915 durch die Gebrüder Rank (München?). Der technische Teil der niedergelegten Gaskokerei wurde von dem Zivilingenieur Dr. E. Schilling (München?) geplant.
1914/1915 Umhüllung des ersten Scheiben-Gasometers von MAN, was damals einen Pionierbau darstellte. Sie ist immer noch erhalten.
In Betrieb genommen wurde das Gaswerk an Silvester 1915. Damit wurden die veralteten Gaswerke I und II von 1848 und 1863 aufgelöst. Zunächst produzierte man das Stadtgas nur aus Kohle.
1951 nahm man einen Still-Ofen in Betrieb, um noch mehr Gas erzeugen zu können.
1960 wurde der Dachreiter der Tordurchfahrt abgetragen.
1962 stellte man aus Gründen der Effizienz und wegen Beschwerden der Anwohner über die Geruchsbelästigung die Erzeugung von Gas aus Kohle ein und stellte größtenteils auf niederländisches Erdgas um.
Ab 1963 wurde auf dem Gelände des Gaswerks eine Erdgas-Spaltanlage betrieben, um von Stadtgas auf Erdgas umzustellen. Die Anlage lief bis 1978.
1968/1969 wurde die Stadtgasproduktion entgültig eingestellt.
Um 1970 Abbau der Kokerei.
Seit 1973 kommt russisches Erdgas über Ingolstadt? nach Augsburg. Dafür baute man an Stelle der ehemaligen Kokerei 1974 eine Mess- und Reglerstation.
1976 setzten sich einige Stadträte dafür ein, dass auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerks die Müllverbrennungsanlage? errichtet wird. Die Mehrheit des Stadtrats? lehnte diesen Standort jedoch ab, weil man den Oberhausener Bürgern die Geruchsbelästigung nicht zumuten könne, die jetzt Lechhausen? zu tragen hat.
1978 komplette Umstellung der Versorgung Augsburgs auf Erdgas.
Noch bis ins Jahr 2001 dienten die Gasbehälter dazu, um Erdgas in Spitzenzeiten speichern zu können. 2001 wurde das Gaswerk komplett stillgelegt. Heute stehen die Gebäude unter Denkmalschutz.
Es klingt wie ein Wunder, dass dieses Gaswerk so viele Jahrzehnte und zwei Weltkriege überstanden hat. Wahrscheinlich war es ein Glücksfall, dass es nach der Außerbetriebnahme der klassischen Gaserzeugung aus Steinkohle von den Stadtwerken Augsburg nicht einfach abgerissen, sondern bis 2001 zur Speicherung von Erdgas verwendet wurde. Zwar wurde viel Technik aus früheren Zeiten abgebaut, aber die Hüllen des Werkes und die faszinierenden Gasbehälter stehen noch heute. Vor allem der große Scheiben-Gasbehälter ist eine unübersehbare Augsburger Landmarke und bietet ein außergewöhnliches Ambiente für Veranstaltungen.
Im Jahre 2007 entschlossen sich die Stadtwerke Augsburg dazu, das stillgelegte Gaswerk in Augsburg- Oberhausen in einer neuen Form wiederzubeleben. Dabei ließen sie sich von dem bekannten Städteplaner Professor Karl Ganser? beraten. Die Stadtwerke Augsburg schlossen mit ihm einen zweijährigen ehrenamtlichen und nur gering entlohnten Beratervertrag ab. Das Ziel ist es, (Kunst)-Gewerbe-Betriebe auf den Standort aufmerksam zu machen und sie zu einer Niederlassung am Gaswerk zu bewegen. Die denkmalgeschützte Anlage soll auch zu einer "coolen Location" für alle möglichen Anlässe werden.
Unter der bürgerlich-konservativen Stadtregierung von CSU und PRO Augburg? wurden im Dezember 2009 Pläne der Stadt bekannt, das in Europa einmalige Bauensemble, das 2009 zu einem der sehenswertesten Technikstandorte gewählt wurde, zu verkaufen. 2009 befanden sich etwa 50 einzelne Mieter auf dem Gelände.
Details Gaswerk Oberhausen
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Das ehemalige städtische Gaswerk in Oberhausen ist einheitlich gestaltet. Man hat die verschiedenen Betriebseinrichtungen in Gebäudegruppen zusammengefasst, die hofartig angelegt sind. Bei den Bauwerken handelt es sich zum größten Teil um Eisenbetonbauten, die sparsam mit Putzgliederungen ausgestattet sind.
Geht man durch die Tordurchfahrt, so sieht man rechts und links zweigeschossige Verwaltungs- und Wohnbauten mit Walmdach. In der Eingangsachse steht der Wasserturm, der ursprünglich mit Ziegeln gedeckt war, heute aber eine Metallhaut aufweist. Nördlich davon steht das Generatorhaus, das einen Dieselmotor von MAN aus dem Jahr 1922 beherbergt. Im Osten schließen sich an den Wasserturm über einen Galeriebau das Saugerhaus und ein Apparate- und Reglerhaus mit einer Maschinenhalle auf einem ovalen Grundriss an. Auch nach Westen erstreckt sich ein Galeriebau. Daran schließt ein Ofenhaus an, in dem Koks in Gas gewandelt wurde.
An den ersten Hof schließt sich der zweite Hof an, in dem in der Achse Haupteingang und Wasserturm eine Rotunde liegt, die mit Schiefer gedeckt ist. In der Rotunde ist ein Gasbehälter untergebracht, der früher zur Schwachgaserzeugung genutzt wurde. Westlich davon stehen Werkstätten und das Labor. Im Osten schließt sich der Gasreinigungsbau mit mehreren Geschossen an. Östlich der Gebäude stehen drei Gasbehälter.
Zunächst war die Putzgliederung der Gaswerksgebäude zweifarbig.
Die Anlage wurde durch den Abbruch der Kokerei und die Umstellung auf Erdgas um 1970 in ihrer Einheitlichkeit etwas gestört. Damals wurde die Mess- und Reglerstation für russisches Erdgas erbaut.
Werkseinfahrt
Früher sprach man vom Portalgebäude. Es hatte ein zweiflügeliges Tor, eine Autowaage, einen Pförtnerraum, Büroräume im 1. Stock und links wie rechts Wohnungen. Auch das Archiv befand sich bis 2004 hier, heute ist es im Stadtarchiv? untergebracht. Das ehemalige Direktorenbüro hat man ins tim gebracht. Über der Einfahrt befand sich bis 1960 ein Dachreiter, der leider abgerissen wurde. Die Wohngebäude im Westen sind etwas erweitert.
Angestelltenwohnungen
Links von der Werkseinfahrt sind die Wohnungen der Angestellten. Schon 1915 waren sie für die Belegschaft gebaut worden. 1927 ergänzte man noch zwei Arbeiterwohnhäuser. Während des Zweiten Weltkriegs baute man aufgrund der Wohnraumnot die Dachböden aus. Die Wohnungen werden noch heute genutzt. Im ehemaligen Beamtenwohnhaus wohnten früher der Gaswerksdirektor und sein Stellvertreter, im ehemaligen Bürogebäude befand sich eine Nachtwächterwohnung, die ehemaligen Arbeiterwohnungen befinden sich in der Auerstraße?.
Garage
Nicht allzu weit von dem Eingangsbereich entfernt befindet sich die ehemalige Garage für LKW, PKW und Motorräder. Hier stand z. B. ein LKW, der städtische Gebäude und Institutionen mit Koks versorgte. Im Osten der Garage hatte man eine Gärtnerei angebaut, die Obst und Gemüse für die Werkskantine lieferte. Auf der Wiese bei der Garage stand früher eine Wetterstation und unter dem Boden befand sich im Zweiten Weltkrieg der Luftschutzkeller. Auch eine Tankstelle war hier vorhanden.
Koksseparation
Von der Garage aus links auf dem Gelände liegt die ehemalige Koksseparation. Es war ein lauter und vielleicht der dreckigste Arbeitsplatz im Gaswerk. Hier wurde der Koks aus der Verkokung der Kohle zerkleinert, größenmäßig sortiert und bis zum Verkauf gelagert. Früher wurden ja noch viele städtische Gebäude mit dem Koks aus dem Gaswerk beliefert. Erbaut wurde das Gebäude schon 1914, aber 1969/70 abgerissen. Früher konnte ein LKW zum Beladen unter das Gebäude und die Silos fahren. An die Koksseparation schloss sich bis 1969 die Kokslöschanlage an.
Ofenhaus
Blickte man früher von Südosten auf die Anlage, sah man rechts den Wasserturm mit einer Uhr, den Sozialgebäude-Eingang und links davon das Ofenhaus, dahinter Kohlensilo und Kokssepartaionsgebäude. Es hatte einen Verbindungsgang zum Kohlensilo. An der Front des Gebäudes befinden sich vier ovale Fenster mit fünf stilisierten Zirbelnüssen. Gebaut wurde das Ofenhaus mit seinem Tonnendach zwischen 1913 und 1915. Bis 1956 wurde hier in den Öfen Stadtgas erzeugt, schon 1939 riss man aber fünf Kamine ab, 1956, als man die Öfen entfernte, auch die restlichen fünf Kamine. Von 1956 bis 1969 brachte man hier Generatoren für so genanntes Generatorengas unter.
Eine Kuriosität am Rand: Während des Zweiten Weltkriegs soll hier das teuerste Gas der Welt erzeugt worden sein, indem man 15 Tonnen Aktien-Papiere im Nennwert von 8 Milliarden Reichsmark verbrannte und damit Gas erzeugte.
Kohlensilo
Dieses Gebäude aus dem Jahr 1915 wurde 1969 gesprengt. Es handelte sich um ein Ranksches Schrägtaschensilo, das sieben Bunker mit 40 Grad Neigung, eine wasserdichte Fundamentplatte und ein Fassungsvermögen von etwa 12.000 Tonnen Kohle hatte. Neben Steinkohle lagerte man ab 1933 auch Feinkohle. Zum Silo gehörten ein Waggonkipper, der elektrisch betrieben wurde, zwei Becherwerke zum Transport und eine elektrische Hängebahn, die Kohle ins Ofenhaus transportierte.
Behälterturm
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Auch der Behälterturm wurde 1915 gebaut - ähnlich wie der Turm am Glaspalast?. Vom Eingang ragt er mit seiner Turmuhr direkt vor dem Blick 35 Meter hoch auf. Während die meisten anderen Gebäude aus Stahlbeton gebaut wurden, hat man den Behälterturm in Backstein ausgeführt. Das Dach des Hauptturms war bis 1960, die beiden Dächer der Nebentürme bis 1964 mit Ziegeln gedeckt, dann hat man Bleche aufgezogen, wodurch ein Fahnenmast auf der Dachspitze weichen musste. Südlich vor dem Behälterturm befindet sich das Sozialgebäude, nördlich dahinter die Elektrozentrale, westlich oder links befinden sich zwei Arkadenbrücken zum Ofenhaus, östlich oder rechts zwei Übergänge zum Sauger- und Kühlhaus. Der Behälterturm fasst vier Wasserbehälter, in denen Wasser aus dem eigenen Brunnen und Brauchwasser aufbewahrt wurde, um die Gasverdichter und das Notstromaggregat zu kühlen und für einen Notfall genügend Löschwasser zu haben. Weiter gab es einen Teerbehälter und einen Ammoniakwasserbehälter.
Elektrozentrale
Weil es bei Gewittern oft zu Spannungsschwankungen oder Stromausfällen kam, wurden zuvor die Notstromgeneratoren gestartet, um das Gaswerk mit eigenem Strom versorgen zu können, denn es hätte lange gedauert, um ausgefallene Öfen wieder in Betrieb zu bringen. Hier in der Elektrozentrale standen vier 10-Kilovolt-Transformatoren für den Notstrombetrieb. Erbaut wurde die Elektrozentrale 1914.
Sozialgebäude
Die Augsburger Gaswerker bezeichneten die Sozialgebäude früher als "Wohlfahrtsgebäude". Es steht vor dem Behälterturm und hält Umkleide-, Wasch- und Büroräume sowie eine Kantine vor. Hier konnte man sich umziehen und duschen, wenn man auf dem werkseigenen Fußballplatz westlich des Still-Ofens gebolzt hatte. Das erste Sozialgebäude wurde 1915 mit 20 Waschbecken, 12 Brausen, vier Fußwaschbecken, drei Wannenbädern und einem Speiseraum für 40 Beschäftigte errichtet. Daneben hatten Angestellte und Beamte noch einen eigenen Sozialraum. Dieses erste Sozialgebäude wurde aber 1958 abgerissen. An seine Stelle trat ein Flachdach-Neubau für 250 Beschäftigte.
Sauger- und Kühlerhaus
Gebaut 1914 ist es durch Arkadengänge mit dem Behälterturm im Westen und dem Apparatehaus im Osten verbunden. Hier wurde das Gas aus den Öfen gesaugt und dann abgekühlt ins Apparatehaus geleitet. Das Dach besitzt einen Dachreiter, die Südseite eine Atelier-Fensterfront. Die Nordseite besitzt keine Fenster, weil hier bis 1955 die Wassergasanlage stand. Der Dachstuhl mit seinen eisernen Rahmenbindern und Zugstangen ist innen mit Holz ausgekleidet.
Die Speicherung von Gas unter Druck in einem Stahlbehälter war zu Beginn dieser Technik eine gefährliche Aufgabe. Daher wurde die Wassergasanlage mit einem Rundbau aus Stahlbeton ummauert. Das Stahlgefäß ist längst verschwunden. Der runde Raum mit kleiner Kuppel, einer Kapelle ähnlich, ist geblieben. Heute kann der Raum für die Präsentation von edlen Produkten oder für Empfänge genutzt werden.
Kesselhaus
Im Kesselhaus, das 1915 gebaut und 1984 abgerissen wurde, erzeugte man Dampf für das Gaswerk, etwa für die Dampfspeicherlok, die Beheizung der Gasbehälter, die Raumheizungen oder die Wassergasanlage. Das Kesselhaus schloss sich früher hinter dem Sauger- und Kühlerhaus an. Zunächste waren hier drei gemauerte Zweiflammrohr-Doppelkessel eingebaut, die aber 1962 durch moderne Dampfkessel ersetzt wurden. In diesem Jahr fiel auch der 30 Meter hohe Kamin weg und wurde durch drei Dachkamine ersetzt.
Apparatehaus
Das 1915 erbaute ovale Apparatehaus liegt rechts neben dem Sauger- und Kühlerhaus und ist 600 Quadratmeter groß. Früher bezeichnete man es als Apparate-, Uhren- und Regleranlage. Mit "Uhren" waren Gaszähler gemeint. Getragen wird das Gebäude von Außenpfeilern. Große Arkadenfenster durchbrechen die Mauern. Von hier wurden früher die Gasbehälter, die von der Ostseite des Gebäudes zu sehen sind, befüllt oder geleert, weshalb man ihre Inhaltsanzeige gut sehen kann. Im Erdgeschoss des Gebäudes stehen Verdichtermaschinen, Umfüllgeblöse, Schiebersteuerräder und Zähler, im Keller sind die großen Gasrohre zu sehen, die von hier ausgehen. Vom Apparatehaus aus wurde früher durch die Erhöhung des Gasdrucks die Augsburger Gasbeleuchtung eingeschaltet oder durch Erniedrigung gelöscht.
Die Architekten haben dieser Steuerungszentrale eine grandiose Halle gebaut. Zwei Reihen von Pumpen und Kompressoren werden von einer höher gestellten Kommandobühne aus befehligt. Große Fenster fluten den Raum mit Licht. Eine flach gewölbte Decke macht aus der langgestreckten Maschinenhalle einen europaweit einmaligen Festsaal aus der Industriezeit. Der Raum wäre ein idealer Platz für ein Restaurant, das mit einem solchen Auftritt aus dem Rahmen fällt. Die wertvollen Apparate des Raums sind mit edlem Material überbaut und auf den Vitrinen entsteht eine Reihe von gut nutzbaren Podien.
Reinigergebäude
Hinter dem Apparatehaus steht das eindrucksvolle Reinigergebäude von 1915. Hier wurde das schwefelhaltige Gas durch eine Masse geleitet, die den Schwefel aufnahm und so das Gas vom Schwefel reinigte. Mit seinen sich nach oben verjüngenden Dachformen erinnert es an eine Stufenpyramide. Viele große Fenster bringen Licht in das Innere.
Das Obergeschoss ist ein eindrucksvoller Saal mit Arkaden entlang der beiden Fensterfronten, etwas höher gesetzt. Der große zentrale Raum ist durch eine Stützreihe in der Mitte geteilt. Darüber befindet sich dann noch ein großzügiges stützenfreies Dachgeschoss mit dem interessanten Dachstuhl.
Wie könnte dieser Raum in Zukunft genutzt werden? Eine Idee wäre, ihn zum Eventraum zu machen: Vom Konzert bis zur Ausstellung, von der Produktpräsentation bis zur Kunstinstallation könnte hier vieles stattfinden. Nach jeder Veranstaltung könnte man die Räume wieder so wie vorher, leer und schön, herrichten.
Werkstätten
Links vom Reinigergebäude schließen sich Werkstätten an. Es handelt sich um eine Dreherei, ein Labor, eine Schlosserei, eine Schreinerei und ein Schlossereilager. Die Werkstätten wurden 1915 erbaut. In der Dreherei befanden sich eine Fräßmaschine und drei Drehmaschinen. Das Labor hatte verschiedene Aufgaben. Zum einen kontrollierte man die Gasqualität, zum anderen die Wasserqualität. Darüber hinaus machte man Versuche mit verschiedenen Kohlemischungen. Die Schlosserei kümmerte sich um die Eisenrohre im Werk. Dazu gehörte das Lager, wo Rohre und Eisen gelagert wurden. Die Schreinerei fertigte Türen, Möbel und Fenster.
In der Mitte zwischen den verschiedenen Werkstätten, deren Folge links durch einen Batterieladeraum abgeschlossen wird, stand der kleine Scheibengasbehälter mit 1.600 Kubikmetern Volumen. Es war der weltweit erste Scheibengasbehälter, den die MAN verkaufte. Gebaut wurde er 1915 im Werk Gustavsburg, renoviert hat man ihn 1953. Bis 1968 war er in Betrieb, 1970 baute man ihn innen ab, doch die Umhüllung steht noch heute. Hier wurde Schwachgas gespeichert.
Gasbehälter
Die großen Gasbehälter des Werkes stehen vom Eingang gesehen rechts. Wahrzeichen des Gaswerkes in Augsburg ist zwar der weithin sichtbare rund 100 Meter hohe Scheiben-Gasbehälter. Nur etwas mehr als ein Drittel so hoch, dafür aber technisch interessanter und historisch bedeutender sind die beiden in seinem Schatten stehenden Teleskop- oder Glockengasbehälter mit runden Wasserbecken, auch Wölbbassins genannt.
Teleskop-Gasbehälter 1 (25.000 Kubikmeter)
Dieser Gasbehälter wurde von Oktober 1910 bis Dezember 1911 durch die MAN Werk Gustavsburg errichtet und stand noch vor allem anderen. Wahrscheinlich ist es der älteste Teleskop-Gasbehälter, der noch existiert. Schon 1911 nahm man ihn in Betrieb. Sein Gerüst besteht aus 16 Pfosten, er hat drei Hubteile mit einer Oberglocke. Der Durchmesser erreicht fast 40 Meter, die Höhe etwas über 30 Meter. Der Gasbehälter ist genietet und das Besondere ist ein MAN Wölbbassin. Diesen Gasbehälter nutzte man bis 2001.
Teleskop-Gasbehälter 2 (50.000 Kubikmeter)
Im Prinzip ist dieser 1913 erbaute Teleskop-Gasbehälter baugleich mit dem Teleskop-Gasbehälter 1, nur dass er doppelt so groß dimensioniert wurde. Er wurde ebenfalls von der MAN im Werk Gustavsburg gebaut, hat ebenfalls ein Wölbbassin und ist genietet. Er hat ein Gerüst aus 20 Pfosten und drei Hubteile mit Oberglocke. Der Durchmesser überschreitet 53 Meter, die Höhe erreicht mehr als 34 Meter. Bei dem großen Bombenangriff auf Augsburg im Februar 1944 erlitt er eine leichte Beschädigung, die aber innerhalb von Tagen wieder beseitigt werden konnte. Die Sanierung erfolgte 1955. Auch dieser Gasbehälter war bis 2001 in Betrieb. Im Norden des Gerüstes grüßt eine Wetterfahne mit dem Text "Gas".
Scheiben-Gasbehälter 3 (100.000 Kubikmeter)
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Dieser Gasbehälter wurde zwischen November 1953 und November 1954 erbaut und ist baugleich mit dem in der Stadt Oberhausen stehenden. Unter dem eigentlichen Behälter befindet sich ein Lagerraum. Gebaut wurde der Scheiben-Gasbehälter von der MAN Werk Gustavsburg. Noch 1954 wurde er in Betrieb genommen. Seine Höhe beträgt mehr als 86 Meter, sein Durchmesser etwa 45 Meter. Er besteht aus genieteten Mantelblechen und es gibt vier Umgänge, einen Außenaufzug, einen Innenaufzug und eine Treppe mit fast 400 Stufen. Auch diesen Scheiben-Gasbehälter schickte man 2001 in Rente.
Bis dahin hat den Innenraum außer dem Wartungspersonal nie jemand gesehen. Dabei ist das Raumerlebnis unvergleichlich anders als das von Kirchen, Schlössern oder Opernhäusern. Jeder Ton wird von einem 14-fachen Echo begleitet. Und jeder Blick verliert sich in Höhe und Weite. So karg und endlos leer soll es auch in Zukunft im Scheiben-Gasbehälter bleiben. Aber es lassen sich auch zwölf nutzbare Geschosse mit 8000 Quadratmeter Fläche in Gestalt einer Stahlspindel in diesen Riesenraum hineinstellen. Der Innenraum verliert dadurch nicht die erhabene Größe.
2009 war dieser Scheibengasbehälter das vierthöchste Gebäude in Augsburg.
Still-Ofenanlage
Es handelte sich um eine Horizontalkammer-Ofenanlage des Herstellers Still (Recklinghausen) mit 40 Kammern. Mit dem Bau begann man 1950, Mitte des Jahres 1951 konnte man eine erste Ofenbatterie in Betrieb nehmen, die Kohle in Gas wandelte, 1954 eine zweite und 1957 eine dritte. In der Endausbaustufe konnte die Anlage 280.000 Nm³ Stadtgas erzeugen.
Zur Anlage gehörten Bandbrücken, ein Lösch- und ein Kohleturm, ein Kühlturm sowie eine Mahl- und Mischanlage.
Die Kohlen zum Betrieb der Anlage wurden mit der werkseigenen Dampfspeicherlok vom Bahnhof Oberhausen? abgeholt, im Kohlensilo oder im Freien gelagert, bevor sie in den Kohlenmahlturm kamen und dem Still-Ofen zugeführt wurden, wo sie vergast wurden. Der übrig gebliebene Koks wurde im Löschturm "gelöscht", in der Koksseparation sortiert und anschließend zum Verkauf abtransportiert.
1968 stellte man die Gasverkokung ein und in den beiden folgenden Jahren riss man die Anlage ab.
Reglerstation
In den 1962 erbauten Gebäude wurden Druckverhältnisse und Gasmengen kontrolliert und austariert, bevor das Gas ins Stadtnetz eingespeist wurde.
Erdgas-Spaltanlage
Die Erdgas-Spaltanlage wurde gebraucht, als man von Stadtgas auf Erdgas umstellte. Das Erdgas hatte nämlich einen mehr als doppelt so hohen Heizwert, weshalb in den Jahren von 1963 bis 1978 die Verbraucher auf dem Heizwert-Niveau des alten Stadtgases versorgt werden mussten, so lange sie noch nicht ihre Anlagen umgestellt hatten.
Messwarte
Sie wurde 1963 gebaut und war bis 2001 rund um die Uhr im Dreischichtbetrieb besetzt, um die komplette Anlage kontrollieren zu könnnen.
Hochdruck-Röhrenspeicher
Nachdem man 1969 das Kohlensilo aus dem Jahr 1914 gesprengt hatte, baute man 1970 auf dem frei gewordenen Gelände vier Flüssiggasspeicher, in denen man ab 1971 Butan speicherte. Weitere vier Flüssiggasspeicher kamen 1981 hinzu, 1987 riss man die älteren vier Tanks ab und baute 1991 die jüngeren zur Erdgasspeicherung um. Weil die Tanks mit Erde bedeckt und bepflanzt sind, um Temperaturschwankungen auszugleichen, spricht man scherzhaft auch von Hühnengräbern.
Konditionierungsanlage
Diese Stickstoffabtrennungsanlage wurde 1972 von einer Pariser Firma geliefert und war bis 1976 in Betrieb, um holländisches Erdgas an den Heizwert des aus Russland gelieferten Erdgases anzupassen. 1976 riss man diese Anlage schon wieder ab.
Erdgas-Übernahmestation
Diese Station brauchte es seit 1962. Seit diesem Jahr wird Augsburg nämlich mit Pipeline-Erdgas versorgt. In der Pipeline besitzt das Gas einen anderen Druck als in den verschiedenen Augsburger Gasleitungen, weshalb in der Erd-Gasübernahmestation der Druck angepasst werden muss. Außerdem setzt man dem Gas noch das Odormittel, ein Geruchsmittel zu, um Lecks in Leitungen schnell lokalisieren zu können. Zur Sicherheit der Augsburger Gasversorgung steht in Kissing? eine zweite Erdgas-Übernahmestation.
Fahrzeuge
Eisenbahn
Schon im Jahr 1913 wurden auf dem Gaswerkgelände Eisenbahnschienen verlegt: 1.350 Meter mit 11 Weichen. Man baute einen Lokschuppen, zwei Bahnübergänge und zwei Gleiswaagen. 1986 reduzierte man auf etwas über 530 Meter Gleis mit zwei Weichen und zwei Bahnübergängen. Zu den Schienen gehörte eine eigene Werkseisenbahn. Die Lok war eine Dampfspeicherlok, die mit Dampf befüllt wurde und im Werk "Dampfbügeleisen" genannt wurde. Sie stammte aus dem Jahr 1919 und kam aus der "Lokomotivfabrik Krauss + Comp. Aktiengesellschaft" in München-Sendling. Benutzt wurde sie bis 1968, verschrottet im Jahr darauf. Zwischen 1951 und 1968 verkehrte eine zweite Lokomotive auf dem Gelände. Es war eine Kokslösch-Lokomotive mit Drehstrom, die zwischen dem Still-Ofen und dem Löschturm verkehrte.
Nutzfahrzeuge
Man kann sich vorstellen, dass auf dem Gaswerk-Gelände verschiedenste interessante Nutzfahrzeuge verkehrten. Etwa ein MIAG-Fahrzeug (gefertigt von MIAG Mühlenbau u. Industrie Gmb H? Fahrzeugbau Braunschweig) aus dem Jahr 1956, das schwere Teile mit mehreren Tonnen Gewicht transportieren konnte. Oder die beiden Bleiakku-Fahrzeuge namens Eidechse, die wie Bahn-Koffertransportwagen aussahen und kleinere Teile transportieren konnten - immerhin auch noch ein zulässiges Gesamtgewicht von 1,8 Tonnen hatten. Eine Eidechse wurde 1961, die andere 1967 geliefert. Interessant ist auch der Deutz-Raupenschlepper von der Klöckner-Humboldt-Deutz AG Köln, gebaut 1955, und die Planierraupe der Augsburger Firma Eisenwerk Gebr. Frisch KG, ebenfalls aus dem Jahr 1955.
Freigelände
Zwischen den mächtigen Bauwerken der Gasproduktion in der Südzeile und den Labor- und Werkstattgebäuden in der Nordzeile ist ein großer öffentlicher Raum gefasst, der an normalen Tagen hauptsächlich den sich ansiedelnden Betrieben dienen soll. Aber zu bestimmten Zeiten lassen sich dort z. B. auch Märkte abhalten. Das können Präsentationen einzelner Unternehmen ebenso sein wie Feste für einen geschlossenen Kreis bis hin zu Open-Air-Konzerten.
Mitarbeiter
Man kann sich vorstellen, dass das Augsburger Gaswerk kein Arbeiterparadies war. Zu Glanzzeiten des Werkes arbeiteten hier 250 Menschen, kurz vor der Schließung noch 25. Die Beschäftigten mussten Lärm und Dreck aushalten, viele auch schwer arbeiten. In den Stadtwerken wurde das Gaswerk als "Strafanstalt" gesehen, wohin man unliebige Mitarbeiter versetzte. Kohlenstaub und Kohlenmahlturm-Lärm drückten nicht nur aufs Gemüt.
Vielleicht wegen der schweren Arbeitsbedingungen gab es das Fussballfeld, die Kantine, die Duschen, die Wohnhäuser mit Zentralheizung und schon 1915 mit Bädern, einem Garten und einem gemeinsamen Kinderspielplatz.
Das Betriebsklima soll anhaltend gut gewesen sein. Egal ob Direktor, Werksleitung, Betriebsmeister, Maschinisten, Schlosser, Hofarbeiter, Elektromeister, Elektriker, Gärtner, Ofenmeister, Ofenarbeiter, Behälterwart, Koch, Kantinenpersonal, Labormitarbeiter, Pförtner, Nachtwächter, Dreher, Schreiner, Schlossermeister, Büroangestellte, Mitarbeiter an der Lohn- und Kokskasse, Zeichner, Kraftfahrer, Kranfahrer, Putzfrau: Man duzte sich und unternahm viel gemeinsam, oft sogar im Privaten.
Sonstiges
Im Jahr 1884 wird eine so genannte "Fabrikkrankenkasse für die Augsburger Gasbeleuchtungs-Gesellschaft" (zuletzt "Betriebskrankenkasse der städtischen Gaswerke Augsburg" gegründet. Das ist die Vorläufer-Krankenkasse der heutigen BKK Augsburg? gewesen.
Im Gaswerk Oberhausen, aber auch schon im Gaswerk II, hat man bis 1966 hin und wieder Ballons mit Wassergas gefüllt, die dann hinter dem Reinigergebäude starteten.
Faszinierend ist die Tierwelt, die das ehemalige Gaswerk Augsburg für sich entdeckt. Hier hatten schon Wanderfalken und Turmfalken ihren Unterschlupf, selbst ein Rehbock lebte schon hier. Man hielt auch schon Schafe, die als "Rasenmäher" die Grünflächen kurz halten. Der Teich des Gaswerks beherbergt Enten und verschiedene Fische. Auch Hasen, Eichhörnchen, Schmetterlinge, Igel und verschiedene Vögel fühlen sich im ehemaligen Gaswerk zu Hause.
Führungen
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Leider ist das Gaswerk in Augsburg- Oberhausen nicht wie ein Museum zu bestimmten Zeiten für die Öffentlichkeit zugänglich. Nur Gruppen und Vereine haben die Möglichkeit über den Verein Gaswerksfreunde Augsburg e. V.? in Absprache mit den Stadtwerken Augsburg an eine geschichtliche Führung durch das Gaswerk zu kommen.
Das Engagement der Gaswerksfreunde Augsburg e. V.? ist natürlich zu begrüßen, doch kaschiert es nicht die Versäumnisse der Augsburger Kulturpolitik, was das in Europa einmalige Arbeitskultur- und Industriedenkmal in Augsburg angeht.
Hin und wieder kommt es auch zu öffentlichen Veranstaltungen im Gaswerk. Die Termine sind über die Lokalpresse zu erfahren.
Für alle Führungen und Aufenthalte im Augsburger Gaswerk gilt, dass man die Gasbehälter nicht besteigen kann und das Betreten des Geländes auf eigene Gefahr stattfindet.
Zukunftsvisionen
Leider hat es die Augsburger Politik und Kulturszene in den Jahren seit der Stilllegung des Gaswerks in Oberhausen noch nicht geschafft, eine tragfähige Zukunftsvision für das ehemalige städtische Werk zu entwickeln.
Was möglich wäre, könnten ausgeschlafene Augsburger Kommunalpolitiker auf einer Fahrt in die Ruhrstadt Oberhausen zum dortigen Gasometer studieren.
Dort gibt es einen baugleichen Gasometer, der 1929 als Gasspeicher erbaut und 1988 still gelegt wurde. In den Jahren 1993 und 1994 hat man ihm wieder Leben eingehaucht und ihn zu einer außergewöhnlichen Ausstellungshalle umgebaut, die schon spektakuläre temporäre Ausstellungen beherbergte. Seit März 2006 ist in dem Gasbehälter in seinem über 100 Meter hohen Innenraum die Licht-Klang-Installation "Licht Himmel" der international bekannten Künstlerin Christina Kubisch untergebracht. Die Installation erinnert an einen Sternenhimmel. Vom Dach des Gasometers kann man auf das gesamte westliche Ruhrgebiet schauen. Und gleich in der Nähe hat man ein Technologiezentrum Umweltschutz und das CentrO, das größte Einkaufszentrum Europas aufgebaut. Siehe gasometer.de
Seit 2007/2008 beginnt sich das alte Gaswerk in Oberhausen als Standort für verschiedenste Veranstaltungen zu etablieren. Neben privaten Events gibt es auch immer mehr kulturelle Ereignisse auf dem Gelände, etwa Veranstaltungen wie „Klingende Räume“ oder „Gaskesseltreiben“ (beide im Herbst 2008). Theater, Licht, Artistik, Performance und Musik stellen das Gaswerk in einen neuen Zusammenhang.
Beispiel "Gaskesseltreiben". In Zusammenarbeit mit Hans-Joachim Ruile, dem Kopf der Augsburger Kresslesmühle und dem österreichischen Kulturveranstalter Willi Pramstaller konzipierten und organisierten die Stadtwerke Augsburg die Veranstaltung, ein Festival internationaler Straßenkünstler, renommierter "Raumbespieler", acht weltweit anerkannte Gruppen der Straßenkunstszene und des Open-Air-Theaters.
Im Dezember 2008 wurde bekannt, dass der Regierung von Schwaben ein Antrag vorliege, auf dem Gelände des historischen Gaswerks ein Freizeit-, Kultur- und Einkaufszentrum zu errichten, und die Regierung von Schwaben ein Raumordnungsverfahren für die etwa 19.500 Quadratmeter eingeleitet hat, die für das Vorhaben genutzt werden sollen. Den Antrag gestellt hat die Firma Junior Schmid GmbH, die in Süddeutschland, auch im nahen Neusäß, entsprechende Einkaufsstätten betreibt.
Lage
Weblinks
- Private Seite zum Gaswerk Augsburg
- Seite des Vereins der Gaswerksfreunde Augsburg
- Das Augsburger Gaswerk in der Wikipedia
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