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Ganztagsschulen
Eine Chance vor allem für Kinder mit Migrationshintergrund.
Allgemeines
Nach und nach ringt sich auch Bayern zur Ganztagsschule durch. In anderen Bundesländern seit Jahrzehnten eine Institution hat man sich innerhalb der Grenzen des Weißwurst-Äquators immer gegenüber "sozialistischen" Bildungsmodellen wie der Ganztagsschule reserviert gezeigt. Im Schlepptau kultusministerieller Vorgaben und Entscheidungen, setzt sich das Modell der Ganztagsschule langsam auch in Augsburg durch. Die Weichen dazu hat man in der Stadt 2002 gestellt.
Zum Hintergrund: Von Fach-, Elternverbänden und vom Bayerischen Städtetag wurde die Einführung der Ganztagsschule mit einer neuen "Lernkultur" in Bayern seit langem gefordert. In Augsburg wurden die Weichen für die Ganztagsschule vom Ausschuss für Bildungsangelegenheiten? auf Vorschlag des städtischen Schulreferenten Sieghard Schramm bereits am 1. Oktober 2002 gestellt. Es wurde die Unterstützung der Einrichtung einer Ganztagsschule / Ganztagsklassen in einer der öffentlichen Hauptschulen in der Stadt Augsburg beschlossen. Daraufhin wurde an der Volksschule Augsburg Centerville-Süd? ein erster "gebundener Ganztagszug" als freiwilliges Angebot eingerichtet, das von der 5. bis zur 8. Klasse erfolgreich arbeitet.
Die "gebundene Ganztagsschule" ist nichts anderes als die Organisation einer Schule nach Ganztagsklassen. Für die Schülerinnen und Schüler ist ein durchgehend strukturierter Aufenthalt in der Schule von mindestens sieben Stunden an vier Wochentagen verpflichtend. Damit wird der Pflichtunterricht auf Vormittag und Nachmittag verteilt, zwischen den Schulstunden gibt es sportliche, musische und künstlerische Förderangebote. Diese Freizeitaktivitäten sollen die soziale Kompetenz und die Schulgemeinschaft stärken. Das Durchhängen am Fernseher in den Nachmittagsstunden soll verhindert werden.
Für die Schülerinnen und Schüler heißt das aber auch mehr Unterrichtsstunden, z. B. in Deutsch, Mathematik oder Englisch. Auch interkulturelles Lernen und sprachliche Integration in die Gesellschaft soll für Kinder mit Migrationshintergrund gefördert werden. Projekte zur Gewaltprävention, zur Freizeitgestaltung und Berufsorientierung werden in den Stundenplan eingebettet. Wie andere Städte hat auch Augsburg einen hohen Anteil von Problemschülern mit Migrationshintergrund. Im Jahr 2007 ist schon jeder zweite Grundschüler in Augsburg ein Kind mit Migrationshintergrund. Für diese Kinder kann die Ganztagsschule wirklich eine Chance zur Förderung sein. Eltern ohne Migrationshintergrund werden im Laufe der Zeit wohl an Schulen ausweichen, die weniger Kinder mit Migrationshintergrund aufweisen. Schon in den vergangenen Jahren war auch in Augsburg die Tendenz von deutschen Eltern zu spüren, ihren Wohnort an Schulsprengeln auszurichten oder um die Einschulung in einem Schulsprengel ihrer Wahl zu kämpfen, was einer schleichenden schulische Gettoisierung nach elterlichem Hintergrund Vorschub leistet.
In der "Gebundenen Ganztagsschule" werden nicht nur Lehrer und Förderlehrkräfte eingesetzt, sondern auch so genannte externe Honorarkräfte, die zum Beispiel die Mittagsbetreuung oder Freizeitgestaltung übernehmen. Finanziert wird die "Gebundene Ganztagsschule" vom Staat, nur die Kosten für das Mittagessen müssen von den Eltern übernommen werden. Hier ist natürlich kritisch zu fragen, ob der Staat zusätzliche Kosten, die dadurch entstehen, dass Eltern nicht mehr ihrer Erziehungsaufgabe gerecht werden, diesen Eltern nicht in sozialer Angemessenheit zur Last legen kann. Wie ist die Kostenfreiheit der Ganztagsschule gegenüber der Kostenpflichtigkeit von Kindergartenplätzen zu begründen? Viele Bildungspolitiker sind der Auffassung, dass die Bildung einen neuen Stellenwert in einer auf Bildung und Forschung aufgebauten Gesellschaft gewinnen müsse und die Beteiligung an Bildungskosten die Wertschätzung von Bildung wieder befördern könne.
2007 hat der Freistaat Bayern die Initiative ergriffen, die Ganztagsschulen schneller und stärker auszubauen. Das betrifft vor allem den Hauptschulbereich, den deutsche Eltern für ihre Kinder zu umgehen versuchen, weshalb es dringend nötig ist, die Zustände an den Hauptschulen zu verbessern und die Hauptschulen wieder aufzuwerten. So werden ab 2007 im Hauptschulbereich zwölf zusätzliche und notwendige Unterrichtsstunden (pro Klasse je Woche) zur Verfügung stehen, an der Grundschule zehn. Für die "Buchung" von Modulangeboten externer Betreuer (etwa Musikpädagogen, Sportübungsleiter oder Künstler) für die vorgesehenen Freizeitangebote wird den Hauptschulen ein Budget von jährlich 6.000 Euro, für Grundschulen jedoch nur 3.000 Euro je Klasse zur Verfügung gestellt. Entsprechende Förderanträge kann jede Schule bei der Regierung von Schwaben einreichen. Augsburg hat die Förderung durch den Freistaat Bayern? begrüßt und verlauten lassen, dass die Stadt in ihrer Aufgabe als Sachaufwandsträger der öffentlichen Schulen die Einrichtung von Ganztagsschulen und Ganztagsklassen im Stadtgebiet mit aller Kraft unterstützen wird. Wir werden sehen, wie die Schulpolitik in dieser Frage in Augsburg weitergeht.
Im Schuljahr 2010/11 boten weitere Standorte die gebundene Ganztagsschule an: die Werner-Egk-Volksschule? (Beginn in der 3. JGSt.), die Friedrich-Ebert- Volksschule? (Beginn in der 3. JGSt.), die (Beginn in der 1. JGSt.).
Die einzelnen Ganztagsschulen
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