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Fuggerhäuser

Ein Ensemble von prunkvollen Häusern in der heutigen Maximilianstraße, die Jakob Fugger als prachtvollen Stadtpalast und Firmenzentrale erbauen ließ.

Fuggerhäuser Augsburg © Eva Stuhlmüller (www.augsburg-parrot.de)

Allgemeines

Die Fuggerhäuser sollten einst eine Demonstration der Macht und des Reichtums der Fugger sein. Hinter dem großen Tor in der Straßenfront stand in Kriegszeiten eine Kanone zur Abschreckung. Die Innenhöfe strahlen Ruhe aus und stehen im Sommer heute für Veranstaltungen offen.

In den Räumen der Fuggerhäuser sind heute die Fürst Fugger Privatbank?, Arztpraxen, Kanzleien und Geschäfte untergebracht. Gebaut wurden sie, um Kaiser, Könige, Kurfürsten und Kardinäle zu beeindrucken. Hier verhörte man Martin Luther und Wolfgang Amadeus Mozart gab hier ein Konzert, das sehr gelobt wurde. Der Damenhof auf dem Gelände der Fuggerhäuser ist der erste Prunkhof der Renaissance in Deutschland. Neben dem Damenhof gibt es im Arreal noch den Zofenhof?, den Serenadenhof und den Reiterhof?.

Schon die lange Front zur Maximilianstraße zeigt eine komplizierte Baugeschichte an: Anhand von wechselnden Stockwerkshöhen kann man noch heute sehen, dass hier verschiedene Bürgerhäuser zusammengefasst wurden. Erst später führte Elias Holl Symmetrie, Regulierung und Architekturgliederung in Augsburg ein. Dahinter liegt eine komplizierte Gebäudestruktur mit Höfen und Verbindungsflügeln. Südlich (Maximilianstraße 38) ist die Fürst-Fugger-Privatbank?, die eine Eingangshalle mit Kreuzgratgewölbe hat. Hinter ihr liegt der "Große Hof", der nicht zugänglich ist. Jörg Breu der Ältere? oder sein Sohn fertigte die Fresken darin, die zum Teil erhalten sind. Das Erdgeschoss ist mit Arkaden auf toskanischen Säulen ausgestattet. Das rechte nördliche Portal führt in den Mittelhof, einen schlichten Wirtschaftshof mit Arkaden und Konsolen, die als Widderköpfe gestaltet sind. Die Räume ringsum waren 1518 der Ort, an dem Kardinal Cajetan Martin Luther zim Widerruf seiner Theologie aufforderte.

Geschichte

Die ersten beiden Gebäude am damaligen Weinmarkt? kaufte Jakob Fugger 1511, um sie in den nachfolgenden Jahren nach seinen Vorstellungen umbauen zu lassen. Eines dieser Häuser war zuvor das Wohnhaus seiner Schwiegermutter. Weitere Häuserzukäufe folgten. Die Fuggerhäuser wurden in den Jahren 1512 bis 1515 umgebaut. Wer die Fuggerhäuser ursprünglich gestaltet hat, ist unsicher. Genannt werden Hans Hieber? (um 1470-1522) und alternativ Jakob Zwitzel?. Gleichzeitig mit ihnen entstand der berühmte Damenhof, einer der ersten Profanbauten in Deutschland, der Stilvorgaben der italienischen Renaissance übernahm.

1523 wurde ein südliches Nachbarhaus in den Baukomplex eingegliedert und 1531/32 kaufte Anton Fugger noch einige Anwesen am Zeugplatz? hinzu.

1530 (nach anderen Quellen 1532) begann man die verschiedenen Gebäudeteile an der Maximilianstraße unter einem gemeinsamen Satteldach zusammenzufassen und ihnen so ein einheitliches Gepräge zu geben. Das geschah auf Veranlassung der Fugger und dauerte bis 1551.

Die Gebäude am Zeugplatz? wurden von Marx? und Hans Fugger? in den Jahren 1560/63 vereinheitlicht und 1568 durch Hans Fugger? ausgebaut.

Es war Hans Fugger?, der die Fuggerhäuser in den Jahren zwischen 1568 und 1573 zu einem Stadtpalast ausbaute. Dazu berief er 1570/71 eigens den italienischen Architekten und Maler Friedrich Sustris, der für die Gestaltung der Innen- und Außendekoration engagiert wurde. Z. T. führte Sustris selbst die Ausstattung und Möblierung durch, zum Teil kamen Antonio Ponzano als Freskant, Carlo di Cesare del Palagio als Stukkator und Tonmaler sowie Wendel Dietrich als Kunstschreiner zum Zug. Später dienten Ausstattung und Möblierung dem herzoglichen Hof als Vorbild.

Die Fuggerhäuser bildeten in der Frühen Neuzeit die Schaltzentrale des weltweiten Firmenimperiums der Fugger. In dieser Zeit gingen Kaiser, Könige, Kirchenmänner und Künstler in den Fuggerhäusern ein und aus. So z. B. Kaiser Karl V.?, in dessen Reich die Sonne niemals unterging. Er residierte hier sogar und hatte Gemächer hinter dem Erker im Serenadenhof.

Nicht alle Herrscher wurden hier gern willkommen geheißen. Im Dreißigjährigen Krieg ließ sich z. B. Gustav Adolf II.? gerade vor den Fuggerhäusern ehren.

Nachdem die Fugger als Handelshaus ihre Bedeutung verloren, gerieten auch die Fuggerhäuser aus dem Blick, allein der Festsaal, die Badstuben oder die fuggerschen Kunstkabinette wurden in der Öffentlichkeit erinnert.

Zunächst schmückten Fresken von Hans Burgkmair? den Prachtbau. Zwischen 1861 und 1863 wurde die Fassade der Fuggerhäuser von dem Schwabmünchener Maler Ferdinand Wagner? im Stil der Zeit neu bemalt, was Elemente der Gotik und Frührenaissance verschwinden ließ – zugunsten von fünf Bildern aus der Stadtgeschichte und der Geschichte Augsburgs. Wappen, Ornamente und kleine Porträts füllten die Zwischenräume. Weil die Farben rasch ihre Wirkung verloren, mussten sie im Ersten Weltkrieg aufgefrischt werden.

Bis 1944 waren die Fuggerhäuser Sitz des Augsburger Fuggermuseums?, das in den so genannten "Badstuben" untergebracht war, in der Gefahr von Luftangriffen aber nach dem Fuggerschloss Babenhausen? ausgelagert wurde. Die Fuggerhäuser selbst erlitten in der Bombennacht vom 25. auf den 26. Februar 1944 schwere Schäden. In ihnen verbrannte damals die wertvolle Musikaliensammlung der Fugger und auch der Großteil der damals noch vorhandenen Innenausstattung ging verloren. Weder die wertvoll ausgestatteten "italienischen Wohnräume", die Antonio de Beatis, der Sekretär des Kardinals Luigi von Aragon, 1517 bewundernd beschrieb, noch die Kunstsammlung der Fugger, die der Humanist Beatus Rhenanus 1530 bestaunte, entkamen der Vernichtung.

Friedrich Carl Fürst Fugger-Babenhausen? initiierte ab 1949 einen vereinfachten Wiederaufbau des Hauskomplexes, will heißen: Man hat die Fuggerhäuser nur im Äußeren wiederhergestellt.

Es war Raimund von Doblhoff?, der bis 1955 den Palast der Fugger als Wohn- und Geschäftshaus wieder aufbaute. Dabei bezog er historische Restbestände der Fuggerhäuser in das Betonskelett ein, das er neu hochzog.

Details

Die Fassade des fuggerschen Gebäudekomplexes ist fast 70 Meter lang. Sie schließt nördlich des Hotels "Drei Mohren" im Bereich der mittleren Maximilianstraße an, wo sich früher der Weinmarkt? befand. Es handelt sich um einen Traufseitbau, der Elemente oberdeutscher und italienischer Formensprache in sich vereint. Das Ergebnis ist der charakteristische Stil der augsburgischen Renaissance.

Früher waren die Fassaden der Fuggerhäuser prachtvoll gestaltet. Im 16. Jahrhundert schmückte sie Jörg Breu der Ältere? (1475/80-1537) mit einer freskierten Scheinarchitektur, auf den Traufen erhoben sich kleine Ziertürmchen und Anton Fugger ließ das steile Dach mit Kupfer decken. Da die Front in der Zwischenzeit verändert worden war, ließen die Fugger in den Jahren 1860-63 Ferdinand Wagner? (1819-81) die Fassade mit Szenen aus der Geschichte des Hauses Fugger und Augsburgs freskieren. Weil dieser Bildzyklus im Zweiten Weltkrieg vernichtet wurde, erhielten die Fuggerhäuser beim Wiederaufbau in den 1950er Jahren die heutige gefelderte Putzgliederung.

Badstuben

Lage

Maximilianstraße 36/38, Zeugplatz? 7


Weblinks


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