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Fuggerei

Die Fuggerei ist die älteste Sozialsiedlung der Welt und einer der wichtigen touristischen Anziehungspunkte Augsburgs. Sie liegt in der Jakobervorstadt? und wurde von Jakob Fugger gestiftet. Zur Gründungszeit sprach man von "Fuckerey".

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Allgemeines

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Gleich nach der Augsburger Puppenkiste ist die Fuggerei jener Begriff, den Fremde mit der Stadt Augsburg verbinden. Superlative wie "älteste Sozialsiedlung der Welt", "soziale Großtat", "erste Reihenhaussiedlung Deutschlands" verbinden sich mit der Anlage. Viele Menschen meinen, die Fuggerei sei heute ein Museum. Zwar besitzt die Fuggerei auf ihrem Gelände ein Museum, aber noch immer wohnen hier Menschen, ist die Fuggerei eine Siedlung, deren Häuser bewohnt und regelmäßig renoviert werden.

Jakob Fugger war es, der sie - auch im Namen seiner schon verstorbenen Brüder Ulrich und Georg - für schuldlos verarmte Menschen gründete. Sie bietet heute etwa 140 bis 150 in Not geratenen Augsburgern Wohnraum in insgesamt etwa 140 Wohnungen in 67 Häusern. Gekostet hat die Fuggerei etwa 20.000 Gulden. Das war minimal, wenn man bedenkt, dass Jakob Fugger seiner Frau schon mal einen orientalischen Stirndiamanten für etwa die gleiche Summe kaufte oder sich mit 250.000 Gulden an der Bekämpfung der Bauernaufstände in den Jahren 1524 und 1525 beteiligte, in denen etwa 130.000 Bauern ihr Leben verloren.

Wer in die Fuggerei aufgenommen werden wollte, musste katholisch und unbescholten sein und sich verpflichten, dreimal täglich für die Stifter und ihre Familien zu beten (ein "Ave Maria", ein Glaubensbekenntnis und ein "Vaterunser". Der Mietzins beträgt einen Rheinischen Gulden, was heute einer Jahres(kalt)miete von etwa einem Euro entspricht. Damals waren vergleichbare Wohnungen dreimal so teuer. Neben den Kosten für die Miete mussten die Bewohner noch eine kleine Abgabe für den Fuggereipfarrer leisten, jedenfalls seit der Reformation?, denn in der Reformation war die vor der Fuggerei gelegene Kirche Sankt Jakob? evangelisch geworden.

Heute wird die Bedürftigkeit von Antragstellern durch das Augsburger Sozialamt geprüft, die Entscheidung über die Aufnahme in die Siedlung obliegt aber dem Fuggerschen Familienseniorat. Die Vergabe einer solchen "Gnadenwohnung" erfolgt auf unbestimmte Zeit. Die Dreizimmer-Wohnungen, die vergeben werden, sind etwa 60 Quadratmeter groß und haben auch ein Bad oder eine Dusche.

Die gesamte Wohnanlage erinnert an niederländische Beginenhöfe. Die große Beginage von Brügge könnte durchaus Modell für die Fuggerei gestanden haben.

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Die Fuggerei ist eine abgeschlossene Wohnsiedlung, sozusagen eine Stadt in der Stadt. Jeder Bewohner besaß und besitzt einen eigenen Eingang in sein Reihenhaus. Optisch ist die Fuggerei heute vom Biedermaier geprägt. Zur Entstehungszeit boten die Wohnungen eine äußerst komfortable Bleibe. Viele Tafeln an verschiedenen Häusern weisen auf bauliche oder historische Details hin. Schon der Urgroßvater Wolfgang Amadeus Mozarts, der Maurermeister Franz Mozart, wohnte in der Fuggerei. Noch heute wird sie hauptsächlich aus dem Stiftungsvermögen (Immobilien und Forstwirtschaft) finanziert und von der Gräflich Fuggerschen Stiftungs-Administration verwaltet. Erst seit 2006 wird ein geringer Eintrittspreis erhoben, wenn man die die Fuggerei als Tourist besichtigen will.

Das Fuggereimuseum liegt in der Mittleren Gasse (Haus Nummer 13) und dokumentiert die Geschichte der weltberühmten Sehenswürdigkeit und der Familie Fugger. Hier kann sich der Besucher einen lebensechten Begriff davon machen, wie die Bewohner im 17. und 18. Jahrhundert in der Fuggerei gewohnt haben. Und das in den Räumen der Fuggerei.

Geschichte

Vorgeschichte

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Der Plan zur Gründung der Fuggerei stammt von Ulrich? und Georg Fugger?, doch kamen die beiden Brüder nicht mehr dazu die Siedlung zu gründen. Das war das Verdienst von Jakob Fugger. Gesichert ist, dass er am 26. Februar 1514 in der Jakobervorstadt? vier "Häuser, Hofsach und Gesäß" mit Garten und Sommerhaus erwarb - und zwar von Anna Streußlin?, der Witwe des früheren Bürgermeisters Hieronymus Welser?. Etwa zwei Jahre später - am 10. März 1516 - kaufte er noch drei angrenzende "Häuser und Hofsach" von dem Metzger Hans Zoller?, um den Grund abzurunden. Daraufhin schließt Jakob Fugger mit dem Stadtrat? von Augsburg ein Abkommen, in dem der Plan zur Fuggerei sowie der Zweck zur Sprache kommt und ausgedrückt ist, dass er noch weitere Grundstücke zum Bau der Anlage erwerben will. In dem Schriftstück heißt es, Jakob Fugger sei "des Willens und Fürnehmens, Gott dem Allmächtigen zu Lob, seiner unermeligten Mutter der Jungfrau Maria und allem himmlischen Heere zur andächtigen Erwerdigung seiner Seele, zu Förderung ewiger Freude und damit doch etlich arm dürftig Bürger und Inwohner zu Augsburg ... von Handwerkern, Taglöhnern und anderen so öffentlich das Almosen nicht suchen, dest beß und ohn sonder merklich Beschwerd der Hauszins zum Teil ergötzet werden und ihr Gemech und Behausung bequemlicher gehaben und bewohnen mögen; ... demnach (hat Jakob Fugger etlich Häuser, Hofsachen, gärten und Flecken erkauft, (wie er) auch vielleicht noch mehr dazu erkaufen und ferrer zu gebührender Notdurft erbauen lassen möchte".

Hier erhebt sich natürlich die Frage nach den Motiven der Stifter. Es waren wohl nicht nur caritative Gründe, die zu den Planungen der Fuggerei führten. In einer Zeit, in der man sich mit Ablässen den Eintritt in den Himmel erkaufte, dachten auch die Fugger daran, sich in irgendeiner Weise einen schönen Platz im Himmel zu erkaufen. Die Gebetspflicht der Fuggereibewohner war also eine "spirituelle Investition". Aber auch diesseitige Interessen dürften eine Rolle für die Planungen und den Bau der Fuggerei gespielt haben, denn die Fugger hatten bei der Augsburger Bevölkerung keinen guten Ruf. Immer mehr kleine Weber, die rund um die spätere Fuggerei wohnten, wurden von den Fuggern als so genannte Verleger abhängig und verarmten. Wie negativ dies gesehen wurde, erhellt die Kritik Martin Luthers? an den "Fuckern" im Jahr 1520 und der Schillingaufstand von 1524. Heute würden wir vielleicht von einer gelungenen PR-Aktion sprechen, was den Bau der Fuggerei angeht.

Der Bau

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Gleich nach dem zweiten Erwerb von Grund begann Jakob Fugger mit dem Bau der Anlage und schon im Jahr 1516 konnten zwei Häuser bewohnt werden, ein Jahr später 17 Häuser, wieder ein Jahr später 32 Häuser, 1519 waren es 39 Häuser, 1520 45 Häuser und im Jahr 1523 52 Wohngebäude. Zwischen 1517 und 1519 kam es zur stärksten Bautätigkeit und 1519 war die Gesamtgestaltung der Anlage, wie sie uns heute erscheint, in etwa erreicht. Gebaut wurde die Fuggerei wohl von dem Maurermeister Thomas Krebs?, der in den Jahren 1512 und 1514 als Maurermeister bei St. Moritz arbeitete und nun als Baumeister für die Fuggerei engagiert wurde.

Er baute eine einzigartige Anlage und verwirklichte darin Idealvorstellungen der Renaissance im Kleinen. Es gibt die zentrale Herrengasse?, auf die fünf Nebengassen zulaufen. Der Zugang zur Anlage ist von mehreren Seiten möglich, parallel zur Herrengasse? verläuft die Saugasse? als Abschluss im Osten. Längs der Gassen stehen uniforme Traufseitbauten in Zeilenbauweise.

Schon früh ist die Fuggerei, die immer eine eigene kleine Stadt innerhalb der Jakobervorstadt? bildete, in Schriftstücken erwähnt. So schreibt der Chronist Clemens Sender (1475 bis 1537)?: "Durch mittelgassen in fünf tail getailt, einem kleinen Stadtlein nicht unähnlich ..." und Salomon Frenzel? meint in einem Lobgedicht auf Augsburg 1585, dass die Reihenhäuschen der Fuggerei "schnurrichtig auff die Reih gebaut" seien.

1581 erbaute man die zur Fuggerei gehörende Kirche St. Markus?. Schon der 30jährige Krieg sorgte für viele Zerstörungen in der Stadt, auch in der Fuggerei, so heißt es in einer Chronik, dass im Jahre 1642 23 Wohnungen von den Schweden "ganz ruiniert" worden seien.

Im frühen 17. Jahrhundert wurden die Häuser mit Hausbrunnen ausgestattet.

Neben der St. Markus-Kirche? baute man im 19. Jahrhundert ein Gebäude für die Verwaltung der Fuggerei an.

Die Niederlegung der Stiftungsvorschriften

Im Jahre 1521 machte sich Jakob Fugger dann im August an die rechtliche Regelung der Fuggerei-Stiftung und legte fest, dass fleißige, schuldlos verarmte Augsburger katholischen Glaubens in die Fuggerei aufgenommen werden sollten. Jede Bewohnerin, jeder Bewohner sollte eine bis auf das Essbesteck vollausgestattete Wohnung erhalten. Und das zum Preis von einem Rheinischen Gulden Jahresmiete (heute etwa ein Euro). Dafür sollten sich die Bewohner verpflichten, täglich dreimal für die Stifterfamilie zu beten. Jakob Fugger stattete die Fuggerei mit einem Stiftungsvermögen aus, das "in ewige Zeit desto bas und stattlicher möge unterhalten und gehandhabt werden. In seinem zweiten Testament von 1525 bestimmte Jakob Fugger, dass seine Nachkommen so lange für den Unterhalt der Fuggerei aufzukommen haben, "solang der manlich namen und stammen der Fugger verhanden und in leben ist". Zu seinem Tod vermachte er darüber hinaus jedem Bewohner der Fuggerei einen Gulden.

Zerstörung im II. Weltkrieg und Wiederaufbau

Die Jakobervorstadt? gehörte zu den Teilen Augsburgs, die bei dem Großangriff vom 25. auf den 26. Februar 1944 am meisten zerstört wurden. Die Fuggerei wurde zu mehr als der Hälfte zerstört und die restlichen Teile waren schwer beschädigt. Nur noch etwa 20 Prozent der Häuser waren bewohnbar. Aber schon im Frühjahr 1945 entschied das Fugger-Seniorat, also die Ältesten der drei Fuggerlinien, die Fuggerei wieder aufzubauen. Dazu griff man auf das Stiftungsvermögen zurück, das schon in den letzten 400 Jahren die Fuggerei am Leben gehalten hatte. Ein Zufall bestimmte den Wiedererbauer.

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Im Juni 1945 traf der Architekt Raimund Baron von Doblhoff (1914 bis 1993)? in Augsburg ein. Er befand sich auf der Heimreise in seine Heimatstadt Wien und lernte in Augsburg den Direktor der Fuggerschen Stiftungen und Forstmeister Baron Carl Minutillo? kennen, der ihn mit dem Fugger-Familiensenior Joseph Ernst Fürst Fugger-Glött? bekannt machte. Und der beauftragte Raimund Baron von Doblhoff? gleich im ersten Gespräch mit dem Wiederaufbau der zerstörten Fuggerei.

Schon bald legte Raimund Baron von Doblhoff? einen Vorschlag vor, wie er sich den Wiederaufbau der Fuggerei vorstellte. Ein Glück, dass er darin seinen Respekt vor der historischen Bausubstanz bewies, indem er beabsichtigte das äußere Erscheinungsbild der Siedlung wiederherzustellen, gleichzeitig aber auch eine über den eigentlichen Wiederaufbau hinaus eine Erweiterung der Anlage nach Wesen Richtung Sparrenlech? und nach Süden Richtung Meister-Veits-Gäßchen? vorsah. Damit rettete er eine richtungsweisende Siedlungsanlage, die einmalig ist. Alle Häuser richteten sich an einem Typenplan aus, der sich aus den geraden Hauszeilen, den Abmessungen, Mauerstärken, den Lagen der Balken, den Tür- und Fensteröffnungen ergab. Daraus ergab sich ein sachlich-funktioneller Charakter des Anwesens, die zusammen mit der vorindustriellen Fertigung und ihrer handwerklich nicht mathematischen umgesetzten Ausführung wieder auf den Weg gebracht werden musste. Außerdem sah Raimund Baron von Doblhoff? die Beseitigung späterer Zubauten und eine Verbesserung der Infrastruktur der Anlage vor.

Dank des Organisationstalentes von Raimund Baron von Doblhoff?, dank der vom Arbeitsamt? zugewiesenen Arbeitskräfte, dank des Bauholzes aus den Fuggerwäldern und nicht zuletzt dank der Spenden von ortsansässigen Bauunternehmen konnte schon im Juli 1945 mit dem Wiederaufbau begonnen werden. Es war die erste Großbaustelle Augsburgs nach dem II. Weltkrieg. Die ersten sieben fertiggestellten Häuser konnten am 4. September 1947 zum Bezug übergeben werden.

Beendet wurden die Wiederaufbauarbeiten im Jahr 1955. Nun war die Fuggerei sogar noch um ein Drittel gegenüber der alten Anlage vergrößert (Erweiterung um den so genannten Witwenbau).

Die Fuggerei nach dem Wiederaufbau

2010 war die Augsburger Fuggerei Preisträger des bundesweiten Innovationswettbewerbs „365 Orte im Land der Ideen“. Damit wurde sie Teil der größten Veranstaltungsreihe Deutschlands, die bereits im fünften Jahr von der Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ und der Deutschen Bank unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten bis dahin durchgeführt wurde. Gewürdigt wurden das innovative Museums- und Medienkonzept der etwa 500 Jahre alten Sozialstiftung. Offiziell ausgezeichnet wurde die Fuggerei im Rahmen eines Festakts mit geladenen Gästen am Dienstag, 3. August 2010.

Rundgang

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Wer die Fuggerei besucht, sollte sich vor Augen halten, dass ein Jahrhunderte dauernder Prozess die heutige Anlage hervorgebracht hat, die das Ergebnis von Erweiterung und Umbau, Zerstörung und Wiederaufbau ist. Und es sollte beachtet werden, dass die Fuggerei nicht nur ein Museum ist, sondern immer noch ein Stadtteil von Augsburg, der benutzt und bewohnt wird.

Manche Gassen-Namen ergaben sich aus der Umgebung der jeweiligen Gasse. Der Schweinemarkt? z. B. gab der nahe gelegenen Saugasse? den Namen: Man hielt ihn lange Zeit vor dem Tor der Saugasse? ab. An der Ochsengasse? floss der Ochsenlech? vorbei, an dessen Ufern früher die Rinder weideten.

Das Seniorats- und Verwaltungsgebäude

Beginnen wir im nördlichen Teil der Fuggerei, an der Jakoberstraße. Hier steht gleich das Verwaltungsgebäude der Fuggerschen Stiftungen. Es wurde nach dem II. Weltkrieg im Zuge des Wiederaufbaus vergrößert wieder errichtet. Neben der Fuggerei werden von hier aus weitere acht Fugger-Stiftungen verwaltet.

Gleich anschließend erkennt der Besucher das Senioratsgebäude, wo das Seniorat, der Altenrat der drei Fuggerschen Familienlinien, tagt. Das Gebäude wurde 1950 völlig neu gebaut, allerdings wurden Überreste von Augsburger Patrizierhäusern beim Bau verwendet, meist frühgotische Werke oder Werke der Renaissance. Besonders auffällig ist der "Höchstetter-Erker". Er dominiert das Gebäude östlich des Torbogen am Eingang der Fuggerei. Vor dem II. Weltkrieg schmückte er das Eckhaus Ludwigstraße?/Kesselmarkt?, das dem reichen Kaufmann und Patrizier Ambrosius Höchstetter? gehörte. Dieses Haus war zwischen 1504 und 1507 erbaut worden. Den Erker soll Burkhard Engelberg? 1507 geschaffen haben. Das Wappen an dem Erker sollte Stolz und Erfolg ausdrücken und den hohen Stand der Bewohner verkünden. Die Familie Höchstetter? war ähnlich erfolgreich wie die Fugger und waren mit diesen oft Finanzgeber im Kupfergeschäft. Neben dem Familienwappen zeigten das Kaiser- und Königswappen am Erker an, dass man sich mit den herrschenden Habsburgern verbunden fühlte. Die Heiligenreliefs und frommen Spruchbänder sollten die Religiosität der Familie belegen. Nach dem II. Weltkrieg zerlegte man den Erker in seine Einzelteile und lagerte ihn in der Dominikanerkirche? ein. Erst 1961 baute man ihn an der Nordwestecke des Senioratsgebäudes ein, wo er von der früheren Pracht und Bedeutung der Augsburger Patrizier kündet.

Aus dem ehemaligen Stadtpalais der Welser? hat man im Keller des Senioratsgebäudes die so genannte Leonhardskapelle? eingebaut. Sie ist ein ganz besonders wertvolles Architekturdenkmal. Früher stand sie mit ihren fünf gotischen Säulen 700 Jahre lang an der Ecke Karolinenstraße?/Karlstraße? in einem Haus, das 1241 zum ersten Mal in einem Schriftstück erwähnt ist und 1422 an die Welser? überging, die während der Renaissance den Fuggern ordentlich Konkurrenz machten. In Venezuela waren sie sogar eine Zeit lang als Kolonisatoren aktiv. 1913 richtete ein Gastwirt in dem Gewölbe ein gutes Restaurant ein, 1944 fiel das Gebäude den Bomben der Alliierten zum Opfer. Ein Wiederaufbau an gleicher Stelle war aus verschiedenen Gründen nicht möglich, weshalb man sich 1963 entschied die Kapelle in der Fuggerei wieder zu errichten. Übrigens bietet dieser mietbare Raum einen stilvollen Rahmen für Tagungen, Empfänge, Vorträge sowie Ehrungen mit bis zu 80 Personen.

Die Markuskirche

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1581 ist das Geburtsjahr der Markuskirche. Sie wurde von dem Maurermeister Hans Holl? erbaut, dem Vater des berühmten Augsburger Baumeisters der Renaissance Elias Holl?. Der Auftrag zum Bau kam von Markus? und Philipp Eduard Fugger?. Der Besucher erkennt am südlichen Volutengiebel den Relief-Spruch "Nütze die Zeit!", verziert mit den beiden Fuggerwappenlilien. Es war der Wahlspruch Jakob Fuggers. Auch auf dem Kreuz der Kirchturmhaube sind stilisierte Fuggerwappenlilien angebracht.

Im Laufe der Jahrhunderte hat man die Kirche mehrfach umgestaltet, seit dem Wiederaufbau nach dem II. Weltkrieg hat sie mehrere kunstgeschichtlich bedeutende Werke zu bieten: zum einen ein Altarblatt des venezianischen Malters Jacopo Palma il Giovane, das um 1600 entstanden ist und die Kreuzigung Christi zeigt, zum anderen ein Taufbecken aus Sandstein, das in der Renaissance entstand und hierher gehört; außerdem ein Epitaph Georg? und Ulrich Fuggers?, das daran erinnert, dass diese Fugger Mitstifter der Fuggerei waren. Es wurde 1950 an der Westwand angebracht. Es ist 1518 aus Solnhofer Stein gefertigt worden und stammt aus der Fugger-Kapelle in Sankt Anna.

Die Kassettendecke, die in der Zeit zwischen 1550 und 1560 entstand, wurde aus dem Fuggerschen Stiftungshaus hierher übertragen.

An der Ostwand der Kirche steht ein kleiner Flügelaltar. Dort in der Predella sind Markus Fugger?, einer der Stifter der Fuggerei, seine Frau Sibylla von Eberstein und ihre Söhne und Töchter verewigt. Auf den Flügeln des Altars befinden sich Flachreliefs, rechts eine Darstellung der hl. Anna, links ein Bild des Erzengels Michael, außen sieht man dekorative Malereien mit den Monogrammen von Christus und Maria. Im Schrein zeigt der Altar unter einem Bogen aus Kleeblättern die Marienkrönung als Freiplastik. Geschaffen wurde der kleine Flügelaltar um 1570. Sein erster Standort war die Hauskapelle St. Sebastian in den Fuggerhäusern an der Maximilianstraße.

Ansonsten ist noch eine Schutzmantelmadonna von dem Bamberger Künstler Hans Leitherer zu erwähnen, unter deren Mantel sich die Fugger bergen, und die Orgel von 1730, die aus der Werkstatt der Familie Silbermann kommt und entweder von Andreas Silbermann oder seinem Sohn Johann Andreas gebaut wurde.

Herrengasse

Im 16. Jahrhundert war hier das so genannte "Holzhaus", zwei große Krankensäle, die sich daraus ergaben, dass man die Trennwände zwischen einzelnen Häusern (Nr. 40, 41 und 42) entfernt hatte. Wir wissen, dass man damals versuchte hier die Syphilis mit Extrakten des süd- und mittelamerikanischen Guajakholzes zu bekämpfen. "Nacket und bloß" kamen die heruntergekommenen Kranken hierher, um Erlösung von ihrem Leid zu erbitten. Der Name "Holzhaus" kommt von der etwa zwei Monate dauernden "Holzkur", die man hier anwendete. Man entzündete das Guajakholz-Feuer und hüllte mit dem Rauch die Krankensäle ein. Außerdem kochte man das Holz mit Wasser, Wein oder Essig auf und gab dieses Gemisch den Kranken zum Trinken. Zusätzlich rieb man sie mit Salben und Kräutern ein, ließ sie zur Ader, verabreichte ihnen Lehmwasser und Pfefferbäder. Man kann sich vorstellen, wie es im "Holzhaus" stank. Aber: Nicht wenige der krank Eingelieferten wurden gesund entlassen. Christliche Nächstenliebe stattete sie mit Geld und Essen aus, "damit sie nit wieder umbfallen". Man verpflichtete sogar bekannte Ärzte wie Dr. Adolph Occo für die Kranken und auch heute noch besuchen ein Arzt und eine Krankenpflegerin die Kranken und Hilfsbedürftigen in der Anlage, auch wenn die Fuggerei kein Altenheim oder Krankenhaus ist.

Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts beherbergte das Haus Nr. 35 in der Herrengasse sogar eine Schule, die zeitweise von 170 bis 180 Schülern besucht wurden. Heute ist in dem Gebäude die Sakristei und die Wohnung des Fuggereigeistlichen untergebracht.

Ochsengasse und Ochsentor

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Bis zur ersten Erweiterung der Fuggerei war nur die Ostseite der Ochsengasse bebaut. Wahrscheinlich erbaute Anton Fugger? die Ochsengasse im 16. Jahrhundert. Wenn heute Fuggerei-Bewohner nach 22 Uhr nach Hause kommen, müssen sie als Einlass das Ochsentor benutzen, an dessen äußerer Front ein Wappen der Stifterfamilie samt Inschrift angebracht ist.

Neue Gasse

Hier steht der so genannte Witwenbau, in dem etwas kleinere und noch günstigere Wohnungen liegen.

Fuggereimuseum im Haus Nr. 13

Das Fuggereimuseum in der Mittleren Gasse? sollte man unbedingt besucht haben. Es handelt sich um eines der wenigen Häuser, das noch im ursprünglichen Bauzustand der Zeit um 1520 ist. Das gesamte Innere, der Holzausbau, die Wände, Decken, Türen, der Flur und der Kamin, stammt noch aus der Gründungszeit der Anlage. Es lassen sich drei Zimmer besichtigen, die historisch eingerichtet sind. Im Eingangs befindet sich ein Informationsbereich, der einen guten Einblick in die Entstehung der Fuggerei und die Geschichte der Fugger-Familie gibt.

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Haus Nr. 14

Gleich neben dem Fuggereimuseum befindet sich das Haus, in dem der Urgroßvater von Wolfgang Amadeus Mozart lebte. Der Augsburger Maurer Franz Mozart war in Not geraten, weshalb ihm im Alter von 30 Jahren eine Fuggerei-Wohnung bewilligt wurde. Genau weiß man es nicht, aber manche vermuten, Franz Mozart habe geholfen die Leiche eines Scharfrichterknechtes zu begraben. Damals galt das als eine unehrenhafte Tat, weshalb er - so die Vermutung - keine Aufträge seiner Mitbürger mehr bekam.

Haus Nr. 1

Im Haus Nr. 1, dem Haus an der Ostseite der Saugasse?, befand sich von 1520 bist ins 17. Jahrhundert hinein eine Krankenstation für Bedienstete der Fugger. Insgesamt konnten sechs Kranke in dem Haus gepflegt werden. Im Schein der Messingleuchter konnten sie in Bibeln und Andachtsbücher aus einer Bibliothek lesen, die eigens für sie eingerichtet worden war. Das Wasser des Lauterlechs?, das durch die Saugasse? floss, benutzte man für die Krankenpflege.

Fuggerei-Lädle

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Das Fuggerei-Lädle bietet Literatur über die Fugger, Souvenirs und kleine Geschenke. In einem Café und einem Biergarten kann man es sich wohl sein lassen. Oft treffen hier Bewohner der Fuggerei und Besucher aufeinander und es ergibt sich so manches interessante Gespräch.

"Hexenhaus"

Im so genannten "Hexenhaus" der Fuggerei wohnte Dorothea Braun?, die erste Augsburger Frau, die als "Hexe" angeklagt und hingerichtet wurde. Die Geschichte um diese Frau ist tragisch. Hingerichtet wurde sie, weil ihre eigene Tochter, damals elf Jahre, sie verleumdete und behauptete, ihre Mutter habe sie zur Hexerei verführt. Die Krankenpflegerin wurde nach allen Kniffen der Kunst mehrmals gefoltert, bevor sie gestand, dass sie mit dem Teufel einen Pakt geschlossen habe. Das Todesurteil wurde am 25. September 1625 verkündet, anschließend wurde die Unglückliche, deren Mann vor Gericht angab "Vogelhäuslebauer" und Krankenpfleger zu sein und ihr nicht helfen konnte, auf der Augsburger Richtstatt zu Tode gebracht und anschließend verbrannt. Das "Hexenhaus" trägt die Nummer 52. Dorothea Braun? hat im Obergeschoss des Torgebäudes gelebt.

Fuggerei-Bunker

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Während des Zweiten Weltkrieges wurde Anfang 1943 in der Fuggerei ein öffentlicher Luftschutzbunker eingerichtet. Bei dem schweren Bomber-Angriff im Februar 1944 rettete er etwa 200 Fuggerei-Bewohnern das Leben. Der original erhaltene Bunker wurde im Jahr 2008 als Museum mit Exponaten, Dokumenten, Text- und Bildtafeln, einem Museumsfilm und einer Hörstation eingerichtet. Gezeigt wird die Vorgeschichte der Fuggerei, ihre Zerstörung und ihr Wiederaufbau.

Adresse

Fuggerei 56
D-86152 Augsburg
Der Eingang befindet sich in der Jakoberstraße

Lage der Fuggerei

Öffnungszeiten

Geöffnet täglich
April – September: 8 – 20 Uhr
Oktober – März: 9 – 18 Uhr
Telefon 08 21/31 98 81-14

Eintrittspreise

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Siehe auf der Webseite der Fuggerei.

Anfahrt

Über die Autobahn A 8

Ausfahrt Augsburg-Ost, Fahrtrichtung Augsburg, an der 2. Ampel links, Richtung Lechhausen/Augsburg-Ost und -Süd ca. 1,8 km geradeaus (Neuburger Straße), über die Lechbrücke (Lechhauser Straße), bei der Ampel (links ist ein „Wienerwald“) rechts durch das Jakobertor Richtung Stadtmitte, an der 2. Ampel links, nächste wieder links (in die Jakoberstraße) nach 200 m geht es rechts in die Fuggerei

Einfahrt nicht möglich – Parkmöglichkeit am Jakobsplatz

Anfahrt über die B 17 oder B 2

B 17 von Richtung Landsberg / B 2 von Richtung Donauwörth

Ausfahrt Bärenkeller/Oberhausen-Süd Fahrtrichtung Oberhausen, immer geradeaus Richtung Zentrum über Thomas-Breit-Straße, Kaltenhofer-, Diesel-, Riedinger-, Sebastian-, Georg-Haindl-, Müllerstraße, Unterer Graben, die Kreuzung an der Pilgerhausstraße überqueren, an der nächsten Ampel links in die Jakoberstraße abbiegen, nach 200 m geht es rechts in die Fuggerei

Einfahrt nicht möglich – Parkmöglichkeit am Jakobsplatz

Bei Navigationssystem bitte „Jakoberstraße“ oder „Jakobsplatz“ eingeben!

Mit Straßenbahn ab Augsburg Hauptbahnhof

Mit beliebiger Straßenbahn/Bus eine Haltestelle Richtung Königsplatz, am Königsplatz umsteigen in Linie 1 (Richtung „Neuer Ostfriedhof“), aussteigen an der Haltestelle „Jakobsplatz“. Sie sehen den Haupteingang der Fuggerei in der Jakoberstraße auf der rechten Seite in Fahrtrichtung.

Weblinks

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