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Fugger-Kapelle

Eine von den Fuggern gestiftete Kapelle in der evangelischen Kirche Sankt Anna, die auch heute noch der katholischen Kirche gehört. Nördlich der Alpen soll die Fugger-Kapelle der erste Bau sein, der vom Geist des Humanismus durchdrungen ist. Geplant war sie als Grablege von Jakob Fugger, Ulrich Fugger? und Georg Fugger?.

Allgemeines

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Die Fugger-Kapelle bildet den erhöhten westlichen Abschluss des verlängerten Mittelschiffs von Sankt Anna. Sie ist zwar in den Kirchenbau von Sankt Anna integriert, sie ist jedoch in sich selbständig und zudem in exponierter Lage. Das liegt wohl daran, dass sie Albrecht Dürer? als Westchor der Kirche Sankt Anna plante, den die bedeutendsten deutschen Maler und Bildhauer der Zeit gestalten sollten.

In der Nordwand ist eine spätgotische Malerei zu erkennen, die ein Rankenwerk vor einer zinnenbekrönten Scheinmauer darstellt. Die Malerei stammt aus der Zeit um 1400 und gehört zu einem Privathaus, das ganz offensichtlich in den Bau der Renaissance-Kapelle einbezogen wurde.

Bis heute weiß man nicht genau, wer der Baumeister dieser Kapelle war. Es gibt einen aquarellierten Riss mit dem Monogramm SL, das wohl für Sebastian Loscher? steht. Die Bauausführung gemäß diesem Riss schreiben viele Forscher Jakob Zwitzel? zu, der ein Schüler des Augsburgers Burkhard Engelberg? war. Den plastischen Schmuck der Kirche soll der Bildhauer Adolf Daucher? geschaffen haben.

Jakob Fugger hat die Fugger-Kapelle wie auch die Fuggerei aus dem so genannten "Konto für Gott" finanziert. Damit hoffte er, sich sein Seelenheil im Himmel zu sichern.

Geschichte

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Es gibt zu der Fugger-Kapelle eine Stiftungsurkunde. Sie ist zwar undatiert, aber durch ein Revers des Priors Johannes Fortis? und des Konvents vom 7. April 1509 lässt sich die Stiftung auf 1509 datieren. Dazu kommt eine Bulle von Papst Julius II.? vom 19. November 1509, die ebenfalls das Jahr 1509 als Stiftungsjahr der Kapelle beweist. Gestiftet hat die Kapelle Jakob Fugger.

Die Orgel der Kapelle wurde von dem kaiserlichen Orgelbauer Jan von Dobrau aus Böhmen im Jahr 1512 geschaffen.

1512 wurde die Kapelle samt ihrer Dekoration vollendet. Die Weihe auf den hl. Leichnam, die Jungfrau Maria und den hl. Matthäus fand jedoch erst am 17. Januar 1518 statt.

Aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammt die Zeichnung der Kapelle von Johann Weidner?, die heute in der Fürstlich Fugger-Glöttschen Kunstsammlung in Kirchheim? aufbewahrt wird. Auf sie gehen viele Rekonstruktionsversuche der Kapelle zurück.

Details

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Auf drei Seiten erheben sich die Arkaden des Baus auf einem quadratischen Grundriss. Westlich ist eine abschließende Blendarkade mit einem starken Mauerwerk sichtbar, die konkav ist und etwas vorgerückt wurde, was den quadratischen Grundriss verschleiert. Die Arkade zum Mittelschiff hin dient als Triumphbogen und unterscheidet sich von den Pfeilern des Mittelschiffs nur durch die italisierende Pilasterverblendung mit ihren Scheibenmotiven.

Überspannt ist der Raum durch ein Netzgewölbe aus der Spätgotik, auf dem noch Steinmetzzeichen zu erkennen sind. Die Rippen des Gewölbes sind stark profiliert und ergeben ein einheitliches System aus Sternrosette und Vierpass. Das System der Rippen schließt in einem Schlussstein (Muttergottes-Büste) ab, der mit metallenen Fuggerlilien geschmückt ist. Auf den Kappen befinden sich Marmor-Metall-Rosetten. Zum einen variieren sie das Rippensystem, zum anderen dienen sie als Archivoltenschmuck. Sehr schön, dass diese Motive auf dem Fußboden ihre Erwiderung durch inkrustierte Rosetten mit dem Wappen der Fugger und Dreizack mit Ring als metallenen Handelszeichen finden.

Besonders beachtenswert ist die Epitaphwand. Sie ist konkav eingeschwungen und muss vom Gesamtraum der Kirche Sankt Anna her verstanden werden, und zwar als eine Art westlicher Chorabschluss, der polygonal gebrochen ist, vergleichbar mit den kirchenüblichen Ostchören. Auf der Wand selbst sind verschiedene Stein-Epitaphe eingelassen. Die beiden inneren kommen aus Solnhofen. Ihre Tituli, die agierenden Putten und Delphinreiter mit den Leichnamen weisen auf Georg Fugger? und Ulrich Fugger? hin. Übrigens steht das Original dieses Epitaphs heute in der Kirche Sankt Markus? in der Fuggerei. Die Themen der Reliefs lauten "Auferstehung Christi" und "Simson erschlägt die Philister" und gehen wohl - allerdings sehr vereinfacht - auf Clairebscurblätter zurück, die Albrecht Dürer? im Jahr 1510 geschaffen hat.

Die beiden äußeren Epitaphe erinnern an den Initiator dieser Kapelle und Begräbnisstätte Jakob Fugger. Ihre Themen kommen aus humanistischem Gedankengut. In einem illusionistisch überkuppelten Raum sind Trophäenbäume zu sehen, an deren Seiten Herolde mit Wappen stehen. In der Weise venezianischer Altäre des Quattrocento schließt die Bildarchitektur des überkuppelten Raums die Blendarkade mit ein. Das Epitaph will als Nachhall der monumentalen realen Architektur verstanden sein. Im Amerbach-Kabinett (Basel) befindet sich ein Werk (Gipsabdruck), das in der Entwurfsphase der beiden Herold-Epitaphe eine wichtige Rolle gespielt hat.

Die 1512 geschaffene Orgel der Kapelle hat ein Rückpositiv und eine Sängertribüne und erhebt sich zwischen der flach abschließenden Chorwand und der polygonalen Gedächtniswand. Die Sängertribüne ist durch eine in der Rückwand eingebaute Treppe erreichbar. Das Orgelgehäuse besitzt ein großes Flügelpaar mit Darstellungen der Himmelfahrten Christi und Marias, die dem Maler Jörg Breu dem Älteren? zugeschrieben werden. Das Flügelpaar umbaut das Rundfenster. Ebenfalls Jörg Breu dem Älteren? schreibt man die auf beiden Seiten bemalten Flügel des Rückpositivs zu. Sie haben die Erfindung und Anwendung verschiedener Musikinstrumente zum Thema. Auf einem Flügel der Orgel ist auch der Stifter Jakob Fugger verewigt.

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Der Altar der Fugger-Kapelle ist oftmals umgezogen. Es handelt sich um die erste Freigruppe einer Grablege dieser Art. Zum ersten Mal erwähnt wird der Altar im Jahr 1581 - als Bestand der Markuskirche? in der Fuggerei. 1876 transportierte man den Altar in die Kirche Sankt Ulrich und Afra und dann 1921 hierher in die Fugger-Kapelle. Der Altar ist eines der schönsten Frührenaissance-Werke in Augsburg und wird dem Bildhauer Adolf Daucher? zugeschrieben. Im Sockel der Figurengruppe sind drei quadratische Reliefs eingearbeitet: "Christus in der Vorhölle", "Kreuztragung" und "Kreuzabnahme Christi" sind die Titel dieser Reliefs. Der Sockel dient auch als Predella.

Wie das Chorgestühl ursprünglich ausgesehen hat, weiß man nicht. Als man 1817 das Jubiläum der Reformation feierte, hat man den Chorbereich stark umgebaut und 1832 sogar das Chorgestühl beseitigt. Früher müssen es 16 Chorbüsten gewesen sein, die hier standen. Heute sind nur noch vier davon erhalten. Drei sind im Bodemuseum zu Berlin untergebracht und eine Chorbüste hat ihren heutigen Aufbewahrungsort im Museum of Fine Arts in Boston gefunden. Dargestellt sind biblische Personen, die aber portraithafte Züge der Erschaffungszeit tragen. An Hand der Bostoner Büste konnte man sogar nachweisen, dass sie den "Schalknarren" von Kaiser Maximilian darstellt, einen Mann namens Kunz von der Rosen. Eine Büste mit dem Portrait von Jakob Fugger verbrannte im letzten Kriegsjahr des Zweiten Weltkriegs.

Früher gab es in der Kirche noch ein Abschlussgitter. Das beweist eine aquarellierte Federzeichnung im so genannten Salzburger Emigrantenbuch?, das im Dekanat von Sankt Anna in der Fuggerstraße? 8 aufbewahrt wird. Die Zeichnung lässt sich auf 1730 datieren und damals bestand noch ein Abschlussgitter der Fugger-Kapelle. Der Auftrag der Fugger zu diesem Abschlussgitter ging an Peter Fischer den Älteren?. Das Projekt war das bedeutendste dieser Art in Süddeutschland, wurde aber nie vollendet. Irgendwann fand das Abschlussgitter seinen Weg nach Nürnberg, wo es im Rathaus eine Verwendung fand, aber 1806 bis auf Fragmente verloren ging. Von diesem Kapellenabschlussgitter gibt es übrigens aufgrund eines Risses von Sebastian Loscher? Rekonstruktionen. Das Abschlussgitter war mit Putti geschmückt, die mit einer Kugel spielen - ein Motiv, das sich in vielen Fugger-Schlössern und -Gärten finden lässt.

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