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Fugger

Eine Augsburger Handelssippe, die für Augsburgs Glanzzeit steht und eine der wirtschaftlich bedeutendsten Familien der Neuzeit war.

Fuggerwappen © Eva Stuhlmüller (www.augsburg-parrot.de)

Die Fugger haben sich in verschiedenste Familienlinien verzweigt. Zeichen für die Fugger ist die Fuggerlilie.

Allgemeines

Man hat die Fugger die deutschen Medici der Renaissance genannt. Diese Augsburger Familie legte eine beispiellose Erfolgsgeschichte an den Tag und stieg innerhalb von drei Generationen zur Weltmacht auf. Vielen ist bekannt, dass sie den Aufstieg und die Kaiserkronen der Habsburger? finanzierten, die Münzen der Päpste prägten und ihre Schweizergarde besoldeten. Sie schufen einen Handels-, Banken- und frühen Montankonzern. Das fuggersche Imperium erstreckte sich von der Adria bis zur Nordsee, vom Atlantik bis in den Osten Europas. In den Jahren 1505/06 gaben sie Geld für die erste deutsche Seehandelsfahrt nach Indien.

Viele Menschen außerhalb von Augsburg haben auch schon von der Augsburger Fuggerei gehört, einer Armenstiftung und Sozialsiedlung, mit der sich Jakob Fugger ein Denkmal setzte. Von dem gleichen Fugger stammen die Augsburger Fuggerkapelle? und die Fuggerhäuser.

Auf den Höhepunkt ihrer Macht kamen die Fugger mit Anton Fugger. Er war 1546 der reichste Mann der Welt und wäre das vielleicht auch heute noch, wenn man sein damaliges Vermögen in den heutigen Geldwert umrechnen würde. Er war es, der den Medici Geld lieh und den englischen Königen Kredit gab. Daneben handelte er mit Südamerika und Afrika. Sein Geld schuf die Basis für die österreich-ungarische Doppelmonarchie.

Aber auch nach ihm gerieten die Fugger nicht an den Bettelstab und betätigten sich als Bauherren von Kirchen und Schlössern in der Renaissance, in der Zeit des Barock und des Rokoko. Sie förderten die Musik, sammelten Kunst und gaben sich als großzügige Mäzene. Durch sie ist Augsburg zur "Fuggerstadt" geworden.

Geschichte der Fugger

Grundzüge

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Die Fugger stiegen von einfachen Webern? zu einem weltumspannenden Konzern auf. Die Basis dazu bildete die Erfindung des so genannten Verlagssystems. Innerhalb dieses Systems wurden die Weber? zu Arbeitern degradiert, die von den Verlegern Lohn erhielten, während diese große Gewinnspannen beim Verkauf der Ware einstrichen. Dieses System machten sich die Fugger zunutze und gründeten in allen bedeutenden Handelsplätzen so genannte "Faktoreien". Der nächste Schritt war ihr Einstieg in das Edelmetallgeschäft, das noch lukrativer war als der Handel mit Stoffen. Die Fugger schufen den ersten multinationalen Konzern der Geschichte und bis heute nicht überholte Organisationsformen. Mit ihnen begann der Siegeszug der europäischen Wirtschaft auf allen Kontinenten der Erde.

Die negative Seite des frühkapitalistischen Handelns der Fugger war der Ruin vieler Weber? und die Ausbeutung von Bergleuten in ihren Minen. Der Grund dafür, dass die Fugger auch heute noch als große Wohltäter gelten, ist in ihrer genialen Idee zu sehen, sich durch die Gründung der Fuggerei ein soziales Mäntelchen umzuhängen: frühkapitalistische Imagepflege, die mit wenigen Peanuts des gigantischen Familienvermögens auskam.

Mit den Gewinnen aus ihren Geschäften - dritter Schritt der frühkapitalistischen Geldakkumulation - vergaben die Fugger Kredite an Papst, Fürsten und Kaiser. Und weil eine Hand die andere wäscht, konnten sie sich so im Gegenzug vor allem im Kupferbergbau Privilegien sichern und erreichten in vielen Wirtschaftsbereichen, in denen sie tätig waren, eine Monopolstellung. Dafür manipulierten sie Preise so lange, bis sie alle Konkurrenten beseitigt hatten und sie ihre Kunden unnachgiebig finanziell ausbeuten konnten.

Wie sehr die Fugger mit den Herrschenden verbunden waren, zeigt sich zu Beginn der Reformation, als sie sich bedingungslos auf die Seite von Papst und Kaiser schlugen. Der Grund lag auf der Hand: Der Untergang dieser Institutionen hätte natürlich auch den Untergang ihrer Gläubiger, also der Fugger, bedeutet. Und dagegen stemmten sie sich z. B. indem sie das Hinschlachten der Bauern im Bauernkrieg finanzierten.

Nie mehr hat eine deutsche Familie oder ein deutsches Unternehmen eine Machtfülle erreicht die an die der Fugger heranreichte. Ihr Einfluss reichte von der Westküste Südamerikas bis zu den Molukken. Aber auch über Deutschland oder Europa hinaus gab es nie wieder eine solche ökonomische und politische Macht in der Hand einer Familie. Am ehesten noch vergleichbar waren die Rothschilds oder die Medici, aber ihre Stellung war weit begrenzter. Auf dem Höhepunkt ihrer Macht verfügten die Fugger über etwa zehn Prozent des Volksvermögens im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und dabei fast fünfzigmal größer als das zweitgrößte Unternehmen des Reichs, das den Welsern gehörte, die ebenfalls in Augsburg saßen.

Anton Fuggers Nachlass

Anton Fugger gilt als letzter großer Fugger. Der Familie hinterließ er ein riesiges Erbe, von dem sie seit 1560 immer noch zehrt. Wie viel heute noch von dem damaligen Erbe an Vermögen vorhanden ist, weiß niemand genau, aber es handelt sich mit Sicherheit um mehrere Hunderte Millionen Euro. Darüber hinaus schulden ihnen viele europäische Familien und Staaten noch Geld. Allein die Habsburger müssten mit aufgelaufenen Zinsen den Fuggern noch mehr als 100 Milliarden Euro überweisen. Aber diese Schulden sind nicht mehr einzutreiben. Dank der guten Vorsorge von Anton Fugger blieben der Familie Fugger aber noch genug Gelder zum Leben übrig. Denn Anton Fugger legte einen großen Teil seines Vermögens in Grundbesitz an und bestimmte, dass nichts davon veräußert werden durfte. Die Ländereien der Fugger dehnten sich in Schwaben aus, in Bayern, in der Schweiz, dem Elsaß, in Tirol, Ungarn, Polen, Böhmen und Sachsen. Noch heute gehören die Fugger zu den bedeutenden Großgrundbesitzern in Deutschland, wenn auch im Verlauf der Geschichte ihr Bestand an Grundbesitz doch abgeschmolzen wurde.

Ab 1800

1803 erhielt Anselm-Maria Fugger Babenhausen? von Kaiser Franz II. die Lehensherrschaft über das erbliche Reichsfürstentum Babenhausen, Boos und Kettershausen mit 52 Quadratmetern Land und etwa 11.000 Einwohnern. Allerdings ging die Lehensherrschaft 1806 an Bayern verloren, während der Titel die Babenhausener Linie der Fuggern noch heute auszeichnet.

1848 erschossen bayerische Füsiliere den Grafen Theodor Fugger von Glött? in der pfälzischen Feste Landau, weil er sich der Revolution von 1848 angeschlossen hatte.

Ab 1900

1913 erhob der bayerische König Ludwig III.? Karl Ernst Fugger von Glött? vom Grafen- in den Fürstenstand, weil er sich als Kronoberstmarschall und Präsident der Reichsrätekammer verdient gemacht hatte.

Josef Ernst Fürst Fugger von Glött? wurde am 3. Oktober 1944 von der Gestapo festgenommen, nach Berlin verschleppt und von Roland Freisler zu lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt, weil er zu den Mitverschwörern des Kreisauer Kreises gegen die Nazis gehörte. Kurz vor Kriegsende überstellte man ihn aus Berlin nach Sankt Georgen? bei Bayreuth?, wo er von der US-Army im Mai 1945 befreit wurde.

Details

Besitzungen der Fugger

Besitzungen der Fugger finden oder fanden sich in ganz Schwaben, jenseits der Iller?, aber auch rund um München. Bis zum Bodensee dehnte sich das Land der Fugger, wo 1592 Wasserburg? mit einem wehrhaften Schloss in den Familienbesitz inkorporiert wurde. Hier mussten zwischen 1656 und 1664 im Gerichtsgebäude der Fugger, dem Malhaus, 26 Hexen Folterprozesse ertragen, was ein Sandsteinepitaph in der Kirche St. Georg festhält.

Fuggerschlösser

1627 stifteten die Fugger eine lebensgroße Madonnenfigur in Au an der Iller?, einer von ihnen gegründeten beliebten Marienwallfahrt, die zu Dietenheim?, einer Fuggerherrschaft gehörte.

Geschichte der Fuggerforschung

Im März 2009 belegte der Münchener Historiker Peter Geffcken, dass Jakob Fugger „der Reiche“ mitnichten Mönch war, ehe er die Wirtschaft Europas aufmischte, sondern schon als 14-Jähriger 1473 in Venedig eine solide Kaufmannsausbildung absolvierte. 2010 legte der Münchener Wissenschaftler, Experte für Wirtschaft an der Schwelle vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit, nach. Die Identifizierung eines Augsburger Weber-Verlegers in Venedig erlaubte die Schlussfolgerung, dass schon der 1367 in Augsburg eingewanderte Hans Fugger? Geschäfte in Venedig betrieben hat. Einiges spricht dafür, so Geffckens Analyse, dass bereits der Stammvater der Augsburger Familie als Verleger auch persönlich in Venedig Baumwolle eingekauft haben könnte: Der erste Augsburger Fugger wird zwar als „Weber“ bezeichnet, verdiente in Wahrheit wohl jedoch mit Baumwoll- und Textilhandel Geld.

Spuren der Fugger in Augsburg

Die Fugger haben in Augsburg reiche Spuren hinterlassen:

Auf den Spuren der Fugger leitet eine ausgeschilderte Route mit 15 Informationstafeln durch die Augsburger Altstadt?. Die Tour geht man zu Fuß - zum Fuggerdenkmal?, zur Fuggerkapelle? in Sankt Anna, zu den Fuggerhäusern, den Sankt Ulrich und Afra oder ins Rathaus.

Spuren der Fugger in der Region Augsburg

Spuren der Fugger um Augsburg entdeckt an vielen Orten in der Region Augsburg:

Führungen

Zu den Augsburger Fuggerstätten kann man sich natürlich auch führen lassen. Die Regio Augsburg Tourismus GmbH organisiert folgende Angebote regelmäßig:

Stadtrundgang ab Rathaus: „Auf den Spuren der Fugger durchs goldene Augsburg“ heißt ein Stadtrundgang durch die „Kaisermeile“ zum Fuggerstadtpalast. Von dort führt die Route zur Fuggerei und zum Mozarthaus. Termine: 1. April bis 31. Oktober – täglich, 14 Uhr, 1. November bis 31. März – samstags, 14 Uhr, jeweils ab Rathaus. Währende des Christkindlesmarkts gibt es Zusatzführungen.

Die Schauspielerführung: Hier führt ein Schauspieler als "Jakob Fugger höchstpersönlich“ durch die Stadt. Der Weg geht über das Rathaus und den Fuggerstadtpalast in der „Kaisermeile“ zur Fuggerei, zum Fuggerdenkmal? und zur Fuggerkapelle? in der Sankt Anna. Termine: Mai bis Oktober, jeder 3. Samstag im Monat, 14 Uhr ab Rathaus.Mindestteilnehmer sind 10 Personen.

Fürstliche Tage auf den Spuren der reichen Fugger: Dies sind Touren auf den Spuren der Fugger für alle Sinne. Man erlebt die Fugger nicht nur in Verbindung mit der Kunst und Kultur der Renaissance, des Barock und des Rokoko, sondern auch von der kulinarischen Seite her. Bei dem Angebot handelt es sich um ein verlängertes Wochenende an Plätzen, die das goldene Augsburg der Renaissance zum wirtschaftlichen und politischen Machtzentrum machten. Beim Stadtrundgang erlebt man die Kulisse der großen Vergangenheit einer Stadt, die wegen ihrer Kaufleute und Bankiers eine Weltmacht der Frühen Neuzeit darstellte: die Fuggerei, die Maximilianstraße mit den Fuggerhäusern, wo sich Kaiser, Könige, Kurfürsten und Kardinäle, Künstler und „Ketzer“ trafen. Man genießt ein ein „Renaissance-Mahl“. Leistung pro Person: 3 Tage – 2 Übernachtungen inkl. Frühstücksbüfett, Innenstadthotel in bester Lage, Augsburg-Paket speziell für Fugger-Fans, Stadtführung „Auf den Spuren der Fugger“ sowie Gutschein für ein „Renaissance-Mahl“ und ein kleines „Fuggerisches Souvenir“, „Augsburg Welcome Card” für 2 Tage.

Sonstiges

Bücher zu den Fuggern

Die Fugger und die Musik

So heißt eine Konzertreihe in Kirchen und Schlössern der Fugger, die mit Musik von der Antike über die Renaissance und die Klassik bis zu zeitgenössischen Komponisten an das große Mäzenatentum der Fugger erinnert. Mehr Informationen unter Die Fugger und die Musik!

Fugger Classics

Diese Veranstaltungsreihe lädt in den prachtvollen Zedernsaal von Schloss Kirchheim ein.

Weblinks


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