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Fronhof

Ein mit Grünanlagen ausgestatteter Hof vor der ehemaligen Fürstbischöflichen Residenz?.

Fronhof Augsburg © Eva Stuhlmüller (www.augsburg-parrot.de)

Allgemeines

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Der Fronhof mit dem Pfalzturm ist Sitz der Regierung von Schwaben. Hier stand einst das Volk und hörte, wie in der Pfalz die Confessio Augustana vorgelesen wurde. Fronhof wird der Ort genannt, weil hier im Mittelalter der Vogt, der für den König die Fron (Steuern) eintrieb, seinen Sitz hatte. Das Gebäude und der Saal, in dem schon Kurfürsten tagten, wurden im Rokoko? im neuen Stil renoviert, nur der Pfalzturm behielt sein ursprüngliches aussehen.

Es mag etwas übertrieben sein, den Fronhof als Park zu bezeichnen, aber eine schöne Grünfläche in der Innenstadt? von Augsburg, die sich mit ihren Rasen- und Blumenflächen sowie ihren Bänken zu einem erholsamen Innehalten anbietet, ist er allemal. Dazu kommt, dass der Hofgarten, ein weiteres Idyll im Domviertel, nur um die Ecke liegt.

Benannt ist der Fronhof nach dem früheren bischöflichen Fronhof. Als Fronhof bezeichnete man einen herrschaftlichen Gutshof im Mittelpunkt einer einheitlichen mittelalterlichen Grundherrschaft (Villikation). Lateinische Quellen sprechen von einer villa dominica oder einer curtis dominica. Der Begriff kommt vom althochdeutschen Wort "fro", was "Herr" bedeutet, also der Gutshof eines Herren. Dabei kann mit "Herr" nicht nur ein weltlicher Herr gemeint sein, wie das Wort Fronleichnam zeigt, sondern auch Gott als Herr. Im kirchlichen Zusammenhang meint also Fronhof den Hof Gottes, der im Dom?, der in Augsburg gleich neben dem Fronhof steht, sein Haus hat, wo der Herr wohnt. Die Bauern, die einem Fronhof, ob kirchlich oder weltlich, unterstellt waren, mussten zum einen einen Grundzins und sonstige Abgaben entrichten und andererseits Frondienste leisten, meist auf den Ländereien, die zu dem Fronhof gehörten.

Zu einem Fronhof gehörten die Wohngebäude des Grundherrn oder Meiers und der Tagelöhner bzw. des Gesindes, das fest am Hof lebte. Dazu kamen Wirtschaftgebäude wie Scheunen oder Vorratsspeicher. Meist war ein solcher Fronhof das Zentrum der Herrschaftgewalt, vor allem befand sich hier nicht selten ein Hofgericht, dem alle Angehörigen des Fronhofs unterstanden. Als im 12. und 13. Jahrhundert die Grundherren mehr und mehr die Eigenbewirtschaftung ihrer Ländereien aufgaben und zur Rentengrundherrschaft übergingen, sank auch die Bedeutung der Fronhöfe.

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Geschichte

Der Fronhof Augsburg ist ein geschichtsträchtiger Ort.

Noch im späten Mittelalter diente der Fronhof als Schaubühne für Ritterturniere.

Der älteste Teil, der heute noch steht, ist der Burggrafenturm im südlichen Fronhof. Er wurde 1507 gebaut. In einem Raum dieses Turms "hoch oben auf der Pfalz" hat Albrecht Dürer im Jahr 1518 Kaiser Maximilian I.? gezeichnet, als er zum letzten Mal in Augsburg war.

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Im Kapitelsaal des Vorgängerbaus der fürstbischöflichen Residenz? wurde am 25. Juni 1530 die Confessio Augustana verlesen. Der kursächsische Kanzler Dr. Christian Baier brachte das "Augsburgische Bekenntnis" vor Kaiser Karl V.? und den Reichstagsmitgliedern vor. Zu diesem Ereignis ist am 30 Meter hohen so genannten "Pfalzturm", wo der West- und der Nordflügel der fürstbischöflichen Residenz? zusammenstoßen, eine Erinnerungstafel angebracht. Philipp Melanchthon hatte in der Confessio Augustana die wesentlichen Grundzüge der Lehrer Martin Luthers zusammengefasst. Es war niederschmetternd für den Kaiser, dass sich auch die namengebende Reichsstadt Augsburg dieser Confessio anschloss; schon seit 1525 feierte man in Augsburg das Abendmahl in beiderlei Gestalt.

Zwischen 1740 und 1752 wurde die Residenz barockisiert.

Zwischen dem 2. und 6. Mai 1782 hielt sich Papst Pius VI.? hier auf und erteilte der Bevölkerung auf dem Platz seinen Segen.

Die Dompfarrkirche Sankt Johann wurde im Jahr 1805 als Gefangenenlager benutzt, nach 1808 diente der plattgemachte und eingekieste Domfriedhof? als Exerzierplatz für bayerische Soldaten, weil die bayerische Militärverwaltung Schwierigkeiten mit der Stadt Augsburg aus dem Weg gehen wollte und auf die militärische Nutzung des Kleinen Exerzierplatzes verzichtete. Weil es sowohl von der Stadt Augsburg wie auch vom Bischöflichen Ordinariat immer wieder Beschwerden gegen die militärische Verwendung, das Exerzieren und Paradieren, gab, gab die bayerische Militärverwaltung die militärische Nutzung des Fronhofs nach und nach auf und gab den Platz stufenweise ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an die Stadt zurück, die das Militärgelände nach und nach in die heutige Grünanlage verwandelte.

In den 1880er Jahren errichtete man auf dem frei gewordenen Platz ein Friedensdenkmal und schuf eine Platzanlage, die auf dieses Denkmal ausgerichtet wurde.

Seit 1817 hat hier die Regierung von Schwaben ihren Sitz.

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Zwischen 1878 und 1889 legte man den heutigen Park im Fronhof an.

Die Nazis missbrauchten den Fronhof als Aufmarschplatz für die SA und SS. 1933 verbrannten sie am so genannten "Friedensdenkmal" die Fahnen ihrer politischen Gegner.

Auf dem Domvorplatz erinnert die Büste von Dr. Max Josef Metzger? an die zwölfjährige Terrorherrschaft der Nazis. Dr. Max Josef Metzger? hatte 1919 die "Missionsgesellschaft vom Weißen Kreuz", später "Christkönigs-Institut" gegründet. Weil er Pazifist war und sich gegen die Nazis wandte, wurde er am 17. April 1944 mit 57 Jahren in Brandenburg-Görden mit dem Fallbeil zum Schweigen gebracht.

Details

Gebäude um den Fronhof

Der Augsburger Fronhof wird eingerahmt von dem Bischöflichen Ordinariat, dem Dom Unserer Lieben Frau, der Peutingerstraße, dem Hohen Weg, dem ehemaligen Hofzahlamt und Marstall?, der ehemaligen fürstbischöflichen Residenz?, dem ehemaligen Konsistorialgebäude? und dem Hofgarten.

Daneben sind erwähnenswert:

  • Fronhof 9: Hierbei handelt es sich um ein Bürgerhaus, das vier Geschosse mit einem Aufzuggiebel hat. Der Traufseitbau ist mit seinen Bauteilen auf das 16. bis 18. Jahrhundert datierbar. Das Rückgebäude liegt in der Peutingerstraße 18.
  • Fronhof 11: Auch dieses Gebäude ist ein Bürgerhaus, ebenfalls ein Trauseitbau mit vier Geschossen. Das Haus stammt im Kern aus dem 16. Jahrhundert und wurde Ende des 18. Jahrhunderts erneuert.
  • Fronhof 12: Vermessungsamt Augsburg. Vor dem Gebäude steht seit 2010 ein 400 Jahre alter Grenzstein. Er stammt aus dem Gemeindegebiet von Zusmarshausen und ist etwa 125 Zentimeter hoch und wiegt über 5 Zentner. Früher bezeichnete er die Grenze von vier Waldbesitztümern. Auf allen vier Seiten ist der Grenzstein mit den gut erhaltenen Wappen der jeweiligen Grundbesitzer behauen. So sieht man das Wappen der Fugger, das Wappen des Augsburger Bischofs Heinrich von Knöringen?, der Augsburger Patrizierfamilie Baumgartner? sowie des schwäbischen Adelsgeschlechts von Freyberg. Die Jahreszahl des Grenzsteins gibt 1609 an.

Gitterzaun

Eigentlich gehört der schmiedeeiserne Gitterzaun am Südrand des Fronhofes nicht hierher. Er wurde erst 1956 hier aufgestellt und stammt von der Schüleschen Kattunfabrik. Geschmiedet wurde er im Jahr 1775. Der frühklassizistische Gitterzaun ersetzt die südliche Grenzmauer zwischen Burggrafenturm? und Lambertikapelle?. Man positionierte ihn als Abschlussgitter zwischen modernen Betonpfeilern. Im Mitteljoch des Gitters erkennt man das Wappen des geadelten Fabrikanten Johann Heinrich Ritter von Schüle?. Schon im Jahr 1890 geriet dieser Wappenaufsatz durch eine Schenkung an das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe und musste 1954 von der Stadt Augsburg zurückgekauft werden.

Mozartstele

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Die Mozartstele steht ebenfalls am Südrand des Fronhofes, direkt an dem beschriebenen Gitterzaun.

Friedensdenkmal

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Das so genannte Friedensdenkmal ist weniger ein Denkmal des Friedens als eines des deutschen Patriotismus, wenn nicht gar des deutschen Nationalismus. Zuvor hatte man zu den Siegesfeierlichkeiten nach dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges an gleicher Stelle ein provisorisches Denkmal aufgestellt, wie Franz Häußler 2004 in einem Artikel für die Augsburger Allgemeine darlegte. Nach ihm haben sich am Sonntag, den 18. Juni 1871, etwa 4.000 Teilnehmer einer Siegesfeier zum Fronhof in Bewegung gesetzt, wo eine Ehrentribüne samt provisorischem Denkmal errichtet worden war. Das Ganze hielt der Fotograf Carl Jochner fest. Eine Reproduktion des Bildes ist in dem Buch „Fotografie in Augsburg 1839 bis 1900“ zu sehen. Es befindet sich heute im Augsburger Stadtarchiv?. Laut damaligem Augsburger Anzeigblatt? soll den Entwurf zu dem provisorischen Denkmal der damalige Stadtbaurat? Ludwig Leybbold? (1833 – 1891) geliefert haben. Das provisorische Denkmal hatte einen quadratischen Sockel, in drei Nischen mit rotem Hintergrund waren Büsten des deutschen Kaisers, des bayerischen Königs und des Kronprinzen aufgestellt, während auf der vierten Seite zu lesen stand: „Dankbare Erinnerung an alle, die im heiligen Kampfe für das Vaterland gefallen sind.“ An den Sockelecken saßen bayerische Löwen, oben erhob sich eine schlanke Säule mit einem Adler, der dem 1606 von Hans Reichle? für das Siegelhaus? gegossenen Bronzeadler nachempfunden worden war, der sich jetzt im Viermetzhof des Maximilianmuseums befindet.

Obwohl viele forderten, das endgültige Denkmal dem provisorischen nachzugestalten, entschied die Stadt 1873 anders und gab dem Wiener Bildhauer Kaspar von Zumbusch? den Auftrag zur Gestaltung eines Denkmals, das dann am 2. September 1876, zum „Tag von Sedan“ eingeweiht wurde. Gegossen wurde es von der Nürnberger Firma Lenz.

Es erinnert in seiner heroischen Art an den Frankreichfeldzug 1870/1871 und an die Gründung des zweiten Kaiserreichs in Deutschland.

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Die Bronzefigur stellt einen überlebensgroßen trojanischen Helden dar, der auf einem wuchtigen schwarzen Syenit-Pfeiler steht und an den Würzburger Freund Zumbuschs, Martin von Wagner, erinnert. Der Held auf dem Sockel steckt das Schwert in die Scheide und illustriert damit den Spruch, der in ehernen Buchstaben unter der Plinthe steht: "Aus Kampfes Nacht stieg auf mit Macht der Sonne gleich das Deutsche Reich."

Auf den Konsolen des Sockels dieser heroischen Heldenfigur sitzen Putten mit Attributen für Wehrkraft (Schwert und Schild), Versorgung (Wassermuschel), Gewerbe (Flügelrad und Hammer) und Geschichte (Buch). Kaspar von Zumbusch? hat das Werk 1876, also ein Jahr nach seinem Münchener Denkmal für den Bayernkönig Max II.? , geschaffen. Gegossen wurde die überlebensgroße Bronzefigur in Nürnberg.

Johannis-Kirche

Römermauer

Besonderheiten

Der Fronhof ist zu Tag und Nacht zu jeder Jahreszeit zugänglich.

Seit 1999 finden hier jedes Jahr die Konzerte im Fronhof statt.

Lage


Weblinks


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