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Augsburger Hohes Friedensfest

Ein weltweit einzigartiger (nur in Augsburg gesetzlicher) Feiertag am 8. August eines jeden Jahres.

augsburg.tv-Beitrag zum Augsburger Friedensfest 2011

Allgemeines

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Augsburg versteht den 8. August nicht nur als freien Tag, sondern als Verpflichtung, den Friedensgedanken zu verbreiten. Denn das Fest kann zeigen, dass Frieden möglich ist, wenn Menschen bereit sind, den langen Weg in Richtung Frieden anzutreten. Das soll auch mit dem Augsburger Friedensmarathon verdeutlicht werden.

Dem Augsburger Friedensfest ging der Kampf um den rechten Glauben voraus, der im Dreißigjährigen Krieg kumulierte und wie alle Glaubenskämpfe zu unübersehbarem Leid und unzähligen Verbrechen gegen die Menschlichkeit führte. Dabei spielte Augsburg als häufiger Schauplatz wichtiger Ereignisse in diesem unerbittlichen Streit eine große Rolle.

Ursprünglich war das Friedensfest ein Fest der Augsburger Protestanten, mit dem sie seit 1650 jedes Jahr am 8. August das Ende ihrer Ungleichbehandlung und Unterdrückung durch die Bestimmungen des Westfälischen Friedens von 1648 feiern.

Feste Programmpunkte sind

Heute ist das Friedensfest gesetzlicher Feiertag in Augsburg, womit Augsburg die arbeitnehmerfreundlichste Stadt Deutschlands ist, da sie die meisten Feiertage besitzt.

Kinderfriedensfest 2013 im Botanischen Garten

Geschichte

Vorgeschichte

Augsburg hat eine enge Verflechtung mit der Reformation. So reiste Martin Luther im Jahr 1518 nach Augsburg und unterzog sich im Stadtpalast der Fugger einem Verhör durch den päpstlichen Gesandten Kardinal Cajetan?. Der versuchte zwischen dem 7. und dem 20. Oktober im Fuggerpalast den Mönch von seinen reformatorischen Ideen abzubringen. Martin Luther widerrief aber keine seiner Thesen und floh in der Nacht vom 20. Oktober auf den 21. Oktober 1518 aus Augsburg. Dies war die erste öffentliche Auseinandersetzung zwischen der Katholischen Kirche? und dem Reformator. In Augsburg erlangte die Reformation in den nächsten Jahren immer mehr Anhänger und im August 1523 kam es zur ersten Augsburger "Pfaffenhochzeit". Weiter Expansionsschritte der Reformation in Augsburg waren die Austeilung des ersten evangelischen Abendmahls in der Kirche Sankt Anna zu Weihnachten 1525.

In den folgenden Jahren stauen sich die Spannungen zwischen den verfeindeten Konfessionen so auf, dass es in den Jahren 1525/26 zu einem konfessionellen Bürgerkrieg kommt, in dem die Opposition gegen Kaiser Karl V.? siegt. 1529 erscheint in Augsburg die Vorform eines evangelischen Gesangbuches. Als ob die Streitereien zwischen Katholiken und Evangelischen nicht genug wären, mischten in der Mitte der 20er Jahre des 16. Jahrhunderts auch Wiedertäufer und Zwinglianer? im Augsburger Religionsleben kräftig mit. Zwischen 1527 und 1537 gewannen die Zwinglianer? in Augsburg sogar die Oberhand und die Barfüßerkirche wurde zu ihrem Augsburger Zentrum, während sich Sankt Anna immer mehr zum Zentrum der lutherisch Bewegten entwickelte.

Ein weiterer geschichtlicher Markstein ist die Confessio Augustana. Diese von Philipp Melanchton? verfasste Bekenntnisschrift wurde von den protestantischen Reichsständen Kaiser Karl V.? 1530 auf dem Augsburger Reichstag? vorgelegt. Diese Bekenntnisschrift wurde als "Augsburger Katechismus" 1533 in Buchform in Augsburg veröffentlicht und war im Jahr 1555 die Grundlage des Augsburger Religionsfriedens, in dem den Protestanten zum ersten Mal offiziell ihre Religionsfreiheit zugestanden wurde. Außerdem berufen sich viele lutherische Kirchen der ganzen Welt auch heute noch auf das "Augsburger Bekenntnis" und tragen deshalb "AB" in ihrem Namen.

Um sich gegen die Katholiken wehren zu können, gründeten im Februar 1531 protestantische Fürsten und elf protestantische Städte den "Schmalkaldischen Bund". Dieser Bund konnte bis 1546 die Durchsetzung, Festigung und Ausbreitung der Reformation in seinen Gebieten sichern. In den Jahren 1546 und 1547 tobte der "Schmalkaldische Krieg", den die katholischen Truppen des Kaisers gewannen. 1552 führten Katholiken und Protestanten den nächsten Krieg; diesmal siegten die Protestanten und es kam zum so genannten "Passauer Vertrag". Er anerkannte den Protestantismus "Augsburger Konfession" reichsrechtlich als gleichberechtigt neben dem Katholizismus. Durch Beschluss auf dem Reichstag zu Augsburg 1555 wurde dieser Vertrag sanktioniert. Ausgenommen von dem Vertrag waren nur die "Reformierten/Calvinisten", weil die Lutheranisch-Evangelischen und Katholiken nicht noch weitere Konkurrenz ertrugen. Seit 1555 galt "cuius regio eius religio", was bedeutete, dass die Fürsten ihre Religion selbst bestimmen konnten und sich ihre Untertanen anschließen mussten.

In "Deutschland" herrschte nun Religionsfriede, in anderen europäischen Ländern jedoch kam es zu schweren Auseinandersetzungen (Frankreich, Niederlande).

In den nächsten Jahren kam es jedoch zu einer wachsenden inneren Zerrissenheit der deutschen Lande. Zu der territorialen Zersplitterung kam jetzt auch noch die konfessionelle hinzu. Das waren die Hintergründe, die zum Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) führten, denn ein wirklicher Glaubensfriede war immer noch nicht erreicht.

Das Restitutionsedikt

Mitten im Dreißigjährigen Krieg erging am 6. März 1629 im Restitutionsedikt des Kaisers Ferdinand II.?. Mit diesem Edikt wollte der Kaiser den Status quo des konfessionellen Besitzstandes einseitig zugunsten der katholischen Seite ändern. Er erließ es auf dem Höhepunkt seiner Macht im Dreißigjährigen Krieg, nachdem die Protestanten in Norddeutschland viele Niederlagen hinnehmen mussten. Im Grunde sollten die Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens von 1555 wieder rückgängig gemacht werden.

Der erste Teil der Verordnung erörtert den Augsburger Reichs- und Religionsfrieden und erklärt, wie dessen Bestimmungen eigentlich gemeint gewesen seien. Allein die Katholiken hätten die Bestimmungen richtig interpretiert. Daraus wurden im zweiten Teil die Konsequenzen gezogen: Protestantische Interpretationen des Augsburger Reichs- und Religionsfriedens seien ungültig, alle seit dem Passauer Vertrag von 1552 säkularisierten oder von Protestanten vereinnahmten Kirchengüter müssten zurückgegeben werden.

Der Kaiser ging auch sofort ans Werk: Seine Truppen besetzten säkularisierte Klöster und besetzten sie mit Geistlichen. Man kann sich vorstellen, dass die Protestanten dem Edikt erbitterten Widerstand entgegen setzten. Sie riefen den Schwedenkönig Gustav II. Adolf? zu Hilfe, der ab 1630 Krieg gegen den Kaiser und die katholische Liga führte. Schließlich musste der Kaiser im Prager Frieden von 1635 das Edikt wieder zurücknehmen. Aber erst im Westfälischen Frieden von 1648 wurde es endgültig aufgehoben und der Konfessionsstand von 1624 als verbindliche Norm festgeschrieben.

Die Augsburger Verhältnisse berührte das Restitutionsedikt kaum. Die katholischen Kirchenpfleger verhielten sich abwartend und unternahmen zunächst nichts. Deshalb griff Kaiser Ferdinand II.? hier auf einen Vertrag von 1548 zurück. In diesem Vertrag hatte der Augsburger Stadtrat die Jurisdiktion des Bischofs über alle Kirchengüter ausdrücklich anerkannt. Auf kaiserlichen Befehl durften bei der Ratswahl am 1. August 1629 nur noch Katholiken in den so genannten Kleinen Rat gewählt werden, etwa eine Woche später wurden alle evangelischen Prediger und städtischen Bediensteten von der Stadt Augsburg entlassen. Evangelische Prediger, die kein Bürgerrecht? in Augsburg besaßen, mussten sogar die Stadt verlassen. Außerdem nahmen die Katholiken wieder alle evangelischen Kirchen in Augsburg in ihren Besitz. Manche evangelische Kirchen wurden sogar abgerissen. Jeder evangelische Gottesdienst wurde verboten - selbst in Häusern oder im Freien.

Diese Unterdrückung der Protestanten in Augsburg endete erst 1632, als Gustav II. Adolf? die Stadt kampflos einnahm und das Restitutionsedikt für Augsburg aufhob. Im Westfälischen Frieden? von 1648 wurde endlich eine Parität von Protestanten und Katholiken beschlossen.

Einrichtung und Begründung des Festes

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Worauf sich genau das Augsburger Hohe Friedensfest bezieht, ist nicht ganz sicher. Der offizielle Forschungsstrang führt das Fest auf die schließlich errungene Gleichstellung der Protestanten mit den Katholiken im Westfälischen Frieden? zurück. Die Protestanten hätten das Fest aus diesem Anlass gestiftet. Seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts gibt es auch Forscher, die glauben, das Friedensfest gehe auf den 8. August 1629 zurück, also das Datum, zu dem die Augsburger Protestanten unter schlechten Bedingungen Augsburg verlassen mussten. Angeblich hätten die Protestanten am 8. August 1649 zum ersten Mal die 20. Wiederkehr dieses Tages gefeiert, woraus durch regelmäßiges Feiern das Friedensfest entstanden sei. Die offizielle Version der Forschung setzt das erste Augsburger Friedensfest jedoch immer noch am 8. August 1650 an. Damals wurde in allen evangelischen Kirchen Augsburgs die Gleichstellung der Protestanten mit den Katholiken im Westfälischen Frieden? mit Dank- und Friedensgebeten gefeiert.

Bis 1789 kann man nachweisen, dass die Kinder so genannte Friedensgemälde in Form von Kupferstichen zum Friedensfest erhielten. Diese Friedensgemälde sind in der Kunstgeschichte singulär und wurden von protestantischen Pfarreien an ihre Schuljugend verliehen. Es sind politische Lehrstücke und sie haben eine polemische Tendenz, die gegen die katholische Seite gerichtet ist. Das haben die Katholiken in Augsburg auch verstanden, gibt es doch viele katholische Predigtrepliken auf diese Friedensgemälde.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wird das Augsburger Friedensfest abgeschafft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Augsburger Friedensfest auf Antrag des Augsburger Landtagsabgeordneten Hans Kramer? durch den Landtagsbeschluss am 13. Dezember 1949 zum offiziell anerkannten staatlichen Feiertag im Stadtkreis Augsburg erhoben.

1950 feierte Augsburg den 300. Jahrestag des Friedensfestes.

1983 wurde der Augsburger Friedenspreis geschaffen, der im Jahre 1985 erstmals verliehen wurde - fragwürdigerweise ausgerechnet an einen evangelischen Militärbischof, der zwar in späteren Jahren der Nazidiktatur Mitglied der Bekennenden Kirche war, noch 1935 aber als Feldprediger Werbung für die Armee Hitlers gemacht hatte.

Im Jahr 1984 lehnte das bayerische Verfassungsgericht eine Klage gegen diesen Augsburger "Exklusivfeiertag" als unbegründet ab.

2012 gab es zum Augsburger Friedensfest einen Flyer und sechs Module, in denen im Rahmen verschiedener Veranstaltungen die Bedeutung des Friedens in den Blick genommen wurde. Module waren Politik, Umwelt, Migration, Sport, Musik und Religion. Die Veranstaltungsformate umfassten Ausstellungen, Lesungen, Konzerte, philosophische Diskussionen und wissenschaftliche Tagung. Das Programm begann mit dem Festival der Kulturen und Karneval der Welten. Auf dem Elias-Holl-Platz stand eine Bühne und auch die Kresslesmühle war Veranstaltungsort. Im Modul Politik – hier als Themenbeispiel aufgeführt – gab es die Ausstellung „Zu viel Panzer, zu wenig Hirn“, aber auch Diskussionen über Augsburg-Themen wie „Zivilklausel“ an der Universität Augsburg.

Bedeutung des Festes

Das Augsburger Friedensfest hat viele Bedeutungsaspekte. Der Wichtigste ist aber vielleicht der, dass die Stadtoberen die Erinnerung an die konfessionellen Streitigkeiten, die Parität und den Frieden nach dem Dreissigjährigen Krieg nicht der individuellen Freiheit überließ, sondern gestaltend in die Hand nahm und der Erinnerung so eine einheitliche und für alle Konfessionen akzeptable Färbung verlieh. Während für die Protestanten das Erringen der Gleichstellung mit den Katholiken in der Erinnerung besonders mitschwang, war es für die Katholiken der Abzug feindlicher Truppen, der als Inhalt des Festes akzentuiert wurde. Mit diesen unterschiedlichen Bedeutungsschwerpunkten konnte die jeweils andere Konfession gut leben.

Das Fest heute

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Heute ist das Augsburger Hohe Friedensfest ein verbindendes Element der Konfessionen. Augsburger Christen feiern das Fest seit vielen Jahren in ökumenischer Eintracht. Seit 2002 auch mit einem gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst.

Die Stadt Augsburg nutzt das Friedensfest, um überregional und international Bedeutung zu erlangen und sich weltoffen zu präsentieren. Man gibt sich der historischen Tatsache bewusst, "dass sich mit Augsburg einerseits die Spaltung, andererseits aber auch die friedliche Zusammenführung der Konfessionen verbindet" und deshalb begreift sich die Stadt Augsburg als Friedensstadt "und begeht das Hohe Augsburger Friedensfest mit einem entsprechenden Veranstaltungsrahmen" - der sich natürlich auch touristisch vermarkten lässt.

Die Augsburger Friedenstafel ist als gelebtes Symbol für die offene und friedliche Begegnung der gesamten Augsburger Stadtgesellschaft zu verstehen. Dabei teilen Tischnachbarn von zu Hause mitgebrachte Speisen und Getränke, tauschen sich aus, lernen sich kennen. Traditionell wird die Friedenstafel vom Oberbürgermeister? der Stadt Augsburg eröffnet.

Seit 1985 vergibt die Stadt alle drei Jahre den Augsburger Friedenspreis. Mit ihm werden Personen ausgezeichnet, die sich für Toleranz und Frieden zwischen Kulturen und Religionen verdient gemacht haben. Und Augsburg ist wieder in der Presse.

2003 führte das Kulturbüro? mit dem Forum Interkulturelles Leben und Lernen? sowie dem Theater Augsburg die Praxis ein, bedeutende Persönlichkeiten zum Friedensfest nach Augsburg einzuladen, die hier Reden zum Thema halten.

Seit der 450. Wiederkehr des Augsburger Reichs- und Religionsfriedens im Jahr 2005 gibt es eine Veranstaltungsreihe unter dem Motto Pax, die seitdem jedes Jahr eine Neuauflage erlebt. Damit verbunden ist eine so genannte Friedenstafel auf dem Rathausplatz, zu der jeder eingeladen ist, der den Frieden will.

Schon früher war das Friedensfest auch ein Kinderfest. So wurden z. B. die so genannten Friedensbilder an die Kinder verteilt. Und zur Erinnerung an die Notzeiten im 30jährigen Krieg verteilte man Friedenswecken an die Kinder. Heute geht jedes Jahr die Einladung an die Schulkinder, Bilder zum Fest zu malen und das beste Friedensbild wird zum Bild des jeweiligen Jahres gekürt.

Das Stadtmarketing? versucht in den letzten Jahren das Friedensfest vor dem Hintergrund eines ganzheitlichen Friedensverständnisses stärker in den Vordergrund zu rücken. Dabei fallen Begriffe wie Etablierung einer beispielhaften transnationalen Erinnerungskultur, Sensibilisierung für unsere ökologische Ressourcenverantwortung, Erhalt der Lebensgrundlagen künftiger Generationen oder Ausgleich von gesellschaftlichen Disparitäten. Diese Themen sollen am Friedensfest angesprochen, durch die ständige Friedensarbeit? in der Stadt aktualisiert und realisiert werden und die Stadtpolitik sieht „Frieden“ als „Querschnittsaufgabe“, die durch das Friedensfest jedes Jahr einen neuen Impuls bekommen soll.

augsburg.tv-Beitrag über den Start der Pflegeelternkampagne der Stadt Augsburg anlässlich des Friedensfestes 2013

Im Rahmen des Kinderfriedensfests startete am 8. August 2013 die Pflegeelternkampagne der Stadt Augsburg im Botanischen Garten. Prominenter Schirmherr der Kampagne war Walther Seinsch, Vorstandsvorsitzender des FC Augsburg und Vater von neun Kindern.

Weblinks


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