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Filme von Brecht
Allgemeines
Bert Brecht hat vor allem in seinem amerikanischen Exil viele Skizzen, Drehbücher und Exposees zu Filmen geschrieben, meist für den Lebensunterhalt, andere aber auch, um sich am Aufbau der Filmkunst zu beteiligen. Manche dieser Ideen und Skizzen ist verloren, bei anderen brechtschen Texten lässt sich nicht mehr genau sagen, ob sie für die filmische Umsetzung gedachte waren. Umgekehrt sind andere Texte von ihm vielleicht als Filmideen gedacht gewesen, wurden aber von der Forschung in einem anderen Zusammenhang gesehen. Weil Brecht Filmhandlungen in Prosa ausführte, lässt sich hier formal oft keine genaue Aussage treffen.
Filme
"Der Filmesehende liest Erzählungen anders. Aber auch der Erzählungen schreibt, ist seinerseits ein Filmesehender." Dieses Wort von Bertolt Brecht, der nie eine Filmrezension verfasst hat, beschreibt sein Verhältnis zum Film. Schon in seiner Augsburger Zeit war er ein leidenschaftlicher Kinogänger. Schon 1920, als das Kino in bürgerlichen Kreisen noch kritisch gesehen wurde, weil es angeblich die guten Sitten verdarb, wollte Bert Brecht Filme machen: "Aber jetzt schreibe ich Filme", schrieb er. Und so brachte er Drehbücher, vor allem für Krimis, heraus. Seine besondere Verehrung galt Schauspielern wie Karl Valentin oder Charlie Chaplin.
Schon 1922, nach anderen Quellen 1923, drehte er mit Erich Engel zusammen den Film "Mysterien eines Friseursalons", dessen Star Karl Valentin war. Bei dem Film spielten bekannte Schauspielerinnen und -spieler mit wie Kurt Horwitz oder Blandine Ebinger. Lange war der mit Jugendverbot belegte Film verschollen und erst 1973 entdeckte man ihn wieder. Der 30-minütige Film wurde im gleichen Jahr restauriert. Karl Valentin hat Brecht entweder 1919 oder 1920 kennen gelernt. Später rechnete er ihn neben Hegel und Marx zu seinen Lehrmeistern. Sicher ist, dass Brecht Karl Valentin 1920 auf einer Münchener Bühne erlebte, denn danach schrieb er an ihn: "Wälzte mich fast vor Lachen." Im Mai 1920 engagierte ihn Karl Valentin für einen Gastauftritt als Klarinettenspieler in dem Sketch "Orchesterprobe". In den Jahren danach wandte sich Brecht immer wieder an Karl Valentin und fragte ihn um Rat, so z. B. als er nicht wusste, wie er Soldaten darstellen sollte, die in die Schlacht ziehen. Karl Valentin beschied Brecht: "Bleich san´s, Angst ham´s". Und so ließ Brecht seine Soldaten kreidebleich schminken. Umgekehrt hielt aber auch Karl Valentin viel von Brecht. Das macht z. B. deutlich, dass er die Premiere von "Trommeln in der Nacht", die er besuchte, so kommentierte: "Ja wissen S´, bei diesen modernen Stücken, da müsste am Schluss der Vorstellung einer kommen, der die Leute am Arm packt und ihnen sagt: Sie - es ist Schluss!"
Kaum war 1930 "Die Dreigroschenoper" uraufgeführt, wollte Brecht sie auch verfilmt sehen, doch mit dem Regisseur Georg Wilhelm Pabst kam er nicht klar und meinte, er mache sein Werk zu einem "Kostümschinken". Um dem Medium Film gerecht zu werden, schrieb er ein verfremdetes Drehbuch mit sparsamen Bildern.
1931 erschien der Kurzfilm "Mann ist Mann", für den Brecht das Buch schrieb und bei der er Regie führte.
1931/1932 schrieb er an "Kuhle Wampe", einem Arbeiterfilm, mit. Das Buch erarbeitete er gemeinsam mit Ernst Ottwald. 1932 war der Film fertig. Das Innenministerium in Berlin verbot den Film, weil er angeblich "entsittlichend" wirkte und die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährde.
1943 schrieb er für Fritz Langs antifaschistischen Film "Hangmen Also Die" große Parts des Drehbuchs, wie 1998 klar wurde, als man das Drehbuch zu dem Werk fand. Der Film behandelt die Geiselnahme Heydrichs in Böhmen und seine Ermordung, führte aber zu Schwierigkeiten zwischen Fritz Lang und Bert Brecht, die sich oft nicht einigen konnten. So war es übrigens auch mit anderen Regisseuren, denn während Brecht zeigen wollte, dass es sich beim Film um etwas von Menschen Produziertes handelt, wollten die Filmregisseure den Zuschauer keinesfalls sehen lassen, dass es sich beim Film um eine Illusion handelt, der nie die Wirklichkeit abbildet. Das Skript zu "Hangman Also Die" war mit etwa 230 Seiten fast doppelt so lang wie das sonst für Hollywood-Drehbücher üblich war. Lang, der Regisseur nahm an Brechts Skript umfangreiche Kürzungen vor, die Brecht sehr ärgerten und frustrierten. Dazu kam, dass ihm vom Schiedsgericht der Screenwriters Guild später auch noch die Autorenrechte abgesprochen wurden, weil Brecht keine Beweise dafür vorlegen konnte, dass er der Autor war. John Wexley hatte damals für sich die Autorenrechte an dem neben "Casablanca" wichtigsten antifaschistischen Film Hollywoods erstritten.
Mit der filmischen Unterhaltungsindustrie Amerikas wurde Bert Brecht nie warm, war ihm doch die kapitalistische Warenform des Filmschaffens in Hollywood zuwider, was sich in seinem Satz kurz vor seiner Rückkehr nach Europa ausdrückte: "Ich komme mir vor wie ein Lehrer ohne Schüler." In Hollywood, so sagte Brecht, würde das Filmgeschäft zu einem Markt, "wo Lügen gekauft werden".
Ab 1949 arbeitete er an einer Verfilmung seines Stücks "Mutter Courage" und schrieb zu "Herr Puntila und sein Knecht Matti" ein Drehbuch.
Nicht wenige Brechtforscher glauben, dass der Dichter aus der Begegnung mit dem Stummfilm seine Theatertheorie entwickelt hat. Auch seine Liebe zum gestischen Schauspiel und das epische Theater mit seinen "Zwischentiteln" hat Parallelen im Stummfilm. Die "Zwischentitel" nutzte Brecht im Theater, um die Illusion des Publikums zu zerstören. Oder "Der gute Mensch von Sezuan": Hier verwendet Brecht die filmische Rückblende, wenn die Mutter erzählt, wie ihr Sohn Flieger wurde.
Hintergrund
Natürlich ist auch das filmische Schaffen Bert Brechts von seiner Theatertheorie und damit von seinem Bemühen um Entfremdung geprägt. Daran mag es auch liegen, dass sein Verhältnis zum Film widersprüchlich und schwierig war. Zwar ließen sich ein paar Filmschaffende von Brecht beeinflussen, doch die meisten hielten seine Theorie nicht geeignet für Verfilmungen. Möglicherweise liegt der Widerspruch zwischen Bert Brechts theoretischem Engagement im Filmbereich und dem Wesen des Films in der Rolle des Zuschauers. Denn das Kino kann nicht ohne die Identifizierung des Zuschauers leben. Der Film braucht Helden, mit denen sich der Zuschauer identifizieren kann, sonst kann er nicht wirken. Doch Brechts Theorie würde zur Entmythisierung des Films führen und damit zu seinem Ende.
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