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Die Zeit der Inkunabeln
Frühe Bibeldrucke in Augsburg
Vor Martin Luther? ist die Verbreitung des Buchdrucks eng mit dem lateinischen Bibeldruck verbunden. Es geht dabei um die Zeit zwischen 1450 und 1500, die man „Zeit der Inkunabeln“ nennt. Das Wort leitet sich vom Lateinischen „incunabula“ = die Wiege her. Aus dieser Zeit sind etwa 30.000 europäische Drucke bekannt, von denen etwa 85 % in Latein, aber nur 15 % in den Volkssprachen gedruckt sind. Bis zu der Bibelübersetzung von Martin Luther? sind 18 unterschiedliche Ausgaben in deutscher Sprache auf dem Markt, wovon 14 oberdeutschen und 4 niederdeutschen Ursprungs sind. Ihre Druckorte sind Straßburg, Augsburg, Köln, Nürnberg und Lübeck. Das waren auch die Druckorte, in denen die meiste sonstige Literatur in deutscher Sprache gedruckt wurde.
1466 gab der Straßburger Drucker Johannes Mentelin die erste vollständige Bibel in deutscher Sprache heraus. Sie beruhte auf einer 100 Jahre alten bayerischen Übersetzung, die überholt war, aber noch bis 1518 dreizehn Mal nachgedruckt wurde, davon allein neun Mal in Augsburg. 1475 druckte sie z. B. der Notar Jodokus Pflanzmann? in Augsburg nach. Er ersetzte schon einzelne ungebräuchlich gewordene Wörter durch zeitgemäße. Eine gründliche Textrevision nahm Günther Zainer? anhand der Vulgata in Augsburg vor, etwa um 1475.
Günther Zainer? veröffentlichte 1476 eine der ersten gedruckten Buchhändleranzeigen überhaupt und warb folgendermaßen für seine Bibelausgabe: „Das buch der teutschen Bibel mit figuren mit größtem Fleiß corrigiert und gerechtgemacht. Also daz alle frembde teutsch und unverstendtliche wort, so in den erstgedruckten klainen bybeln gewesen, gantz ausgethan und nach dem latein gesetzt und gemacht seind.“
Diese Bibel hatte darüber hinaus die ersten Illustrationen in einer deutschen Bibel. Zu Beginn jedes biblischen Buches standen Bildinitialen, insgesamt 73. Themen waren biblische Themen, Autorenbilder (Evangelisten, Propheten, Apostel) und die Übergabe der apostolischen Briefe. Die Initialen nahmen zwei Drittel der Spaltenbreite ein. Auch die Prologe waren verziert. Günther Zainer? benutzte eine Gotico-Antiqua, die ein sehr ruhiges und ausgewogenes Schriftbild ergab. 1477 druckte Günther Zainer? diese Bibel ein zweites Mal mit den Holzstöcken der ersten Ausgabe. Der Augsburger Drucker Anton Sorg? benutzte die Holzstöcke Zainers nach dessen Tod im Jahr 1480 erneut.
Im Gegensatz zu der Bibelausgabe von Johannes Mentelin wurden bei Zainers Bibel die Kolumnentitel, die Paginierung und die Überschriften mitgedruckt, nicht per Hand nachgetragen. In seiner Schlussschrift (Kolophon) betont Günther Zainer? die Qualität der Bibelübersetzung: „Disz durchleuchtigost werck der ganczen hayligen geschrifft genanndt die bibel für all ander vorgedrucket teutsch biblen lauterer klarer unnd warer, nach rechter gemeinen teutsch dann vorgetrucket, hat hie ein ende.“
Diese Bibel hatte darüber hinaus die ersten Illustrationen in einer deutschen Bibel. Zu Beginn jedes biblischen Buches standen Bildinitialen, insgesamt 73. Themen waren biblische Themen, Autorenbilder (Evangelisten, Propheten, Apostel) und die Übergabe der apostolischen Briefe. Die Initialen nahmen zwei Drittel der Spaltenbreite ein. Auch die Prologe waren verziert. Günther Zainer? benutzte eine Gotico-Antiqua, die ein sehr ruhiges und ausgewogenes Schriftbild ergab. 1477 druckte Günther Zainer? diese Bibel ein zweites Mal mit den Holzstöcken der ersten Ausgabe. Der Augsburger Drucker Anton Sorg? benutzte die Holzstöcke Zainers nach dessen Tod im Jahr 1480 erneut.
Im Gegensatz zu der Bibelausgabe von Johannes Mentelin wurden bei Zainers Bibel die Kolumnentitel, die Paginierung und die Überschriften mitgedruckt, nicht per Hand nachgetragen. In seiner Schlussschrift (Kolophon) betont Günther Zainer? die Qualität der Bibelübersetzung: „Disz durchleuchtigost werck der ganczen hayligen geschrifft genanndt die bibel für all ander vorgedrucket teutsch biblen lauterer klarer unnd warer, nach rechter gemeinen teutsch dann vorgetrucket, hat hie ein ende.“
Mit seinen Bibelillustrationen beeinflusste Zainer die erzählenden Holzschnitte in niederdeutschen und niederrheinischen Bibeln der nächsten Jahre. Sie gingen einen Schritt weiter und wollten die Christen nicht nur erbauen, sondern auch zur Bibellektüre anregen und sie erleichtern.
Augsburg tat sich in der Frühdruckzeit als Stadt des deutschsprachigen Buchdrucks hervor. Hier druckte man nur etwa 15 Prozent der Bücher in Latein, während in anderen deutschen Druckerstädten zumeist in Latein gedruckt wurde. So erschien in Augsburg zwischen 1468 und 1555 keine einzige lateinische Bibel, während die Stadt etwa 16 Prozent aller deutschsprachigen Bücher in dieser Zeit druckte. Die Werkstatt von Johannes Schönsperger dem Älteren veröffentlichte in Augsburg die 11. und 12. Deutsche Bibel, die beide reiche Holzschnitt-Illustrationen aufwiesen.
Insgesamt wurden von 18 Bibeln, die vor Martin Luthers? Bibelübersetzung auf Deutsch erschienen, neun in Augsburg gedruckt.
Augsburger Bibeldrucke nach Martin Luther
Wie allgemein bekannt ist, verließ Martin Luther? 1522 die Eisenacher Wartburg, nachdem er das Neue Testament ins Deutsche übertragen hatte, und revidierte die Übersetzung mit Philipp Melanchthon, Professor für Hebraistik und Gräzistik. Diese Bibelübersetzung wurde dann als das "Neue Testament Deutzsch" in der Offizin von Melchior Lotter dem Jüngeren im Verlag von Lucas Cranach und Christian Döring vom 29. September bis 6. Oktober 1522 gedruckt. Format war Folio (Großformat), die Auflage betrug 3.000 Exemplare. Die Übersetzung hatte trotz eines nicht geringen Preises so großen Erfolg, dass im Dezember 1522 schon nachgedruckt wurde - mit einigen Verbesserungen. Weil Luthers Werk durch kein Urheberrecht oder Privileg geschützt war, machten sich schon im Jahr 1523 viele deutsche Drucker ans Nachdrucken. So wurde die Luther-Bibel in Grimma, Leipzig, Basel und Augsburg sogleich nachgedruckt. Insgesamt erschienen in 1523 und 1524 66 Nachdrucke bei 14 von Martin Luther? autorisierten Ausgaben.
Druck weltlicher Literatur in Augsburg
Aber die Frühzeit der Augsburger Buchdruckerei hat nicht nur fromme Bücher vorzuweisen. Um 1490 legte der Drucker Anton Sorg? eine mit 88 Holzschnitten illustrierte Ausgabe des "Decamerone" von Boccaccio auf. Und das "Narrenschiff" des Sebastian Brant erschien hier im Jahr 1494.
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